Resturlaub

Als klar war, dass ich meine diesjährigen Reisepläne über Bord werfen kann und stattdessen im Juni ganz viel Urlaub nehmen muss, habe ich schnell und spontan 4 Nächte Ostsee gebucht. Westlich von Wismar, auf einem Pferdehof, 300 m vom Strand entfernt. Für die Prinzessin und mich.

Und da waren wir nun in der 2. Juniwoche und wenn ich mir das Wetter in der jetzigen betrachte, scheine ich alles richtig gemacht zu haben. Es ist ja nun mal immer etwas windig am Strand, auch wenn der in einer Bucht, in diesem Fall in der Wismarer ist, und das fühlt sich dann leicht frisch an.

Und auch sonst habe ich alles richtig gemacht. Denn die Ecke ist total cool. Zwischen Wismar und Boltenhagen und absolut nichts los. Also es gibt ein paar Gaststätten und Imbiss- und Eisbuden. Das wars. Dafür dann überall coole Spielplätze und fast autofreie Straßen, wo es auch nicht so windig ist und wo man unendlich lange Radtouren unternehmen kann.

Unendlich lange Radtouren gingen natürlich nicht, weil ja die Prinzessin dabei war und die sollte sich nicht langweilen. Im Übrigen wollte die eigentlich immer zum Spielplatz am Strand. Und Eis essen.

Eis gabs dann immer zum bzw. als Mittag. Und am Strand haben wir verhandelt. Erst eine Stunde am Wasser, dann Spielplatz.

Aber das war nachmittags.

Vormittags war Radtour angesagt. Zum Beispiel zu einem Leuchtturm, der gar keiner war. Dafür fanden wir einen noch einsameren FKK-Strand und- eine Gaststätte mit Eis und Spielplatz.

Am anderen Tag sind wir nach Wismar gefahren. Durch Hoben. „Fischerdorf unter Denkmalschutz“ stand zu dem Nest auf der Radkarte. Ich kann Ihnen sagen. Fischerdorf war das mal vor Jahrtausenden. Jetzt trieft da außer der vermutlich auch denkmalgeschützt nicht befestigten Straße alles nur so von Geld. Natürlich standen ein paar Ackerbaugeräte aus alter Zeit zur Erbauung auf dem englischen Rasen. Leute hat man nicht gesehen. Vielleicht kommen die Besitzer ja nur am Wochenende. Obwohl, die Heilpraktiker Privatpraxis müsste ja eigentlich wochentags auch geöffnet sein.

Natürlich gab es dort keine Gaststätte mit Eis, geschweige denn ein Spielplatz, aber der ganze Ort wirkte eh sehr abweisend auf Besucher. Ich habe mich selten so fremd gefühlt in so einem kleinen Dorf.

Ins Zentrum von Wismar sind wir dann nicht gefahren. Da war nämlich Hafenfest und auf Menschenmassen hatte ich keinen Bock. Andere Hotelgäste aus Hamburg meinten zwar, es sei da recht leer im Vergleich zu ihrer Heimatstadt und sie kämen nun schon seit ein paar Jahren lieber hierher, aber ich kenne ja den Vergleich nicht.

Einen Tag sind wir nicht Fahrrad gefahren. Da brauchten wir das Auto. Weil wir zum Steinzeitdorf Kussow wollten. Mich hätte ja das Agrarmuseum Mecklenburg mehr interessiert, aber Kussow warb mit Töpfern, Weben, Bogenschießen, Speerwerfen und der Möglichkeit, über dem Feuer eine Wurst am Spieß zu grillen.

Ich kann Ihnen sagen.

So ein Reinfall.

Als wir ankamen, war eine Schulklasse da und auf Schildern zu lesen, dass Gruppen bevorzugt werden. Also guckten wir uns artig erst diverse Häuser, Zelte, Wollschweine und Schafe an.

Sehr groß ist das Steinzeitdorf ja nicht, so dass wir den Abgang der Klasse nicht verpassen konnten. Doch als wir zurück zu den Stationen kamen, war die Töpferwerkstatt schon abgebaut. Beim Weben war man grad mit Einpacken beschäftigt. Ich regte mich ein bisschen auf. Aber von den Angestellten kriegte ich nur Schulterzucken. Dann wagte ich noch einen Versuch:

Ich: Sagen Sie, wenn wir eine Wurst grillen wollen, hätten wir die dann mitbringen sollen oder kann man die hier erwerben?

Angestellter: Eigentlich würden Sie die hier kriegen, aber jetzt ist es zu spät. Das Feuer ist aus, da hätten Sie 10:00Uhr hier sein müssen.

Es ist genau 12:00 Uhr und ich bin ein bisschen sprachlos.

Eis gabs da natürlich auch nicht. Das haben wir dann auf einem Schloss gegessen.

Zum Glück hatte ich der Prinzessin schon auf der Fahrt hierher gesagt, dass die Menschen manchmal schwindeln, damit mehr Besucher kommen. Ich hatte es wohl im Urin.

Dafür durfte sie dann am Nachmittag nochmal richtig mit den Großen ausreiten. Ganze 30 min lang. In den Wald! (Ich hatte das Pony natürlich am Zügel)

Und dann wieder Strand.

Übrigens musste man da bezahlen. Etwas, was man sich wohl im Westen abgeguckt hat, denn früher gabs so etwas nirgends an der Ostsee. Und ich weiß auch nicht, wieso man so einen Mist übernimmt.

Die Spielplätze waren zum Glück kostenfrei. Dafür gabs dann gleich zwei.

Und jetzt ein paar Fotos. Nicht von allen Aktivitäten und Orten, weil, wenn man so mit Prinzessin unterwegs ist, als Oma, was meinen Sie wohl, was man da fotografiert?

Trotzdem: Drauf klicken = groß gucken

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7 Antworten zu Resturlaub

  1. alltagsfreak schreibt:

    Na so ein Reinfall, aber Ihr habt das Beste daraus gemacht. Wenn es Spielplätze und Strand für Kleckerburgen gibt, dann ist die „Welt gerettet“ 🙂

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  2. Zaphod schreibt:

    Oh, die einzige Ecke die ich kenne da oben. Zwischen Wismar und Boltenhagen haben wir mal gewohnmobilt für eine Nacht (und gleich ein Knöllchen kassiert weil man das da nicht durfte auf dem Parkplatz). Dafür war wenigstens der Strand nicht gebührenpflichtig.
    Die Ecke ist ganz hübsch, aber die Dörfer haben sich schon sehr schnell eingestellt auf den Tourismus. Boltenhagen in einer lauen Sommernacht hatte schon was von Malle manchmal, auch vom Publikumsverkehr. Für Urlaube mit Prinzessinnen sind solche Orte aber gut, man fotografiert meist eh nix anderes *g*

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    • Inch schreibt:

      Boltenhagen haben wir tunlichst vermieden. Da wurden wir von allen vor gewarnt. Wir waren aber auch eher näher an Wismar ran. Und da, wo wir waren, erinnerte nüscht an Malle. Eher so an Hund verreckt. Was aber ein Einheimischer trotzdem noch ganz schön viel fand, weswegen er mir seine Karte gab und empfahl, das nächste Mal bei ihm Urlaub zu machen. Er bot mir sogar an, das Haus usw zu besichtigen, was ich aber unterließ. Ich werde es einfach mal testen da, beim nächsten Mal. Das ist dann aber in einem Nest,wo es nicht mal Eis gibt.
      Im Übrigen habe ich die Deutsche Ostsee lange Jahre nach der Wende gemieden. Ich glaube, außer in Stralsund, war ich nur 3x mal da nach 1990.Es hat mich einfach genervt, wie der Strand und die Dörfer plötzlich verschachert wurden und jedes Nest versuchte, ein Davos am See zu werden

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  3. Gudrun schreibt:

    Es ist schon verdammt lange her, dass ich an der Ostsee war. Eigentlich wollte ich da noch mal hin, auf der anderen Seite aber auch nicht.
    Weißt du, ich beneide dich sehr um die Enkelstunden. 🙂 Jetzt hat man doch viel mehr Ruhe als bei den eigenen Kindern und kann die Stunden sehr genießen.

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    • Inch schreibt:

      Ja. Das stimmt. Und Zeit habe ich ja jetzt auch 😉 Aber im Ernst, es ist tatsächlich viel entspannter als mit den eigenen Kindern. Zumal „man“ ja nicht mehr zwingend erziehen muss, sondern nach Herzenslust verwöhnen darf. Und so eine Sicht auf die Welt durch Kinderaugen tut jedem gut

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  4. Anja schreibt:

    Dort in dieser Ecke habe ich meine Kindheit verbracht – in den Sommerferien. Meine Mutter stammt aus einem Dorf ganz in der Naehe. Wismar ist definitiv einen Besuch wert! Alles wunderbar restauriert. In einer Eisdiele am Markt gibt es das beste Eis weit und breit. Unbedingt empfehlenswert!

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