„Ich könnte jetzt am Kulki sitzen“

Ich haderte ein bisschen mit dem Wetter.

Erst war ich ja froh, dass es am Montag nicht so heiß war wie die Tage davor, als ich dann aber an der Hainspitze im Schatten saß, ja, ich saß! und die Legionellen und ihre Freunde aus Dresden auf dem Richard-Wagner-Platz in der prallen Sonne standen, wünschte ich mir doch wieder 38°.

So eine Bank im Schatten hat extreme Vorteile. Zwei liegen auf der Hand: Bank und Schatten. Der dritte aber: man kann auch stehen auf so einer Bank und alles überblicken. Und das machte mir und uns viel Freude. Erstens waren nämlich so viele Gegendemonstranten da, dass der Platz nicht reichte und wir von unserer Bank aus nicht sehen konnten, wo im Brühl und in der Hainstraße der Protest endete. Zweitens konnten wir sehen, wie sich die zwei kleinsten Völker vereinigten.

Ich habe mir ja mal vor Monaten, als diese Art Vereinigung in Dresden stattfand und ich noch in Lohn und Brot stand und deshalb nicht anreisen konnte, die Dummheit im Internet angesehen. Da habe ich gelernt, dass Pegida T-Shirts nur auf Großveranstaltungen verkauft. Schätzungsweise auf 200-300 Verwirrte kamen die Völker gestern in L.E. Es wurden T-Shirts verkauft. Ich habe es genau gesehen. Die Banknachbarn auch. GROSSVERANSTALTUNG. Bescheiden sind sie ja. Oder mit wenig zufrieden. Irgendwie.

Mit den Zahlen ist das ja so eine Sache. Erst hieß es „offiziell“ 200-300 Völker und 700 Gegendemonstranten. Das kam von der LVZ. Dieses Blatt, das kennt man ja, verdoppelt gern die einen und halbiert die anderen. Später sprach die Zeitung von Hunderten auf beiden Seiten. Es war wohl inzwischen zu peinlich geworden. Und dann, am Ende, berief man sich auf die Polizei, die sprach von 700 hier und 700 da. Ich verstehe das nicht. Ich möchte es gern genau wissen. So kann ich nur schätzen:2000 an Hanispitze und späterer Spontandemo. Vielleicht 500 bei den Völkern? Das ist immer schwer zu schätzen, denn wenn die spazieren, sehen sie immer mehr aus, weil sie sehr sehr langsam laufen. Auf dem Platz verteilten sie sich erst, doch als das Geschwafel begann, sah man sie nur noch auf einer Seite des Bühnenautos. Der Rest passte locker dahinter. Da hätte ich sie auf maximal 200 geschätzt.

Aber zurück zur Bank.

Drittens konnten wir nämlich den unsittlichen jungen Mann sehen. Zwischen den Guten und den Bösen war natürlich ein Platzpuffer. Und genau in dem steht der Freisitz eines italienischen Restaurants. Ich dachte noch so, dass es doch eine gute Idee sei, genau dort zu sitzen, da stürmte auch schon ein Gast Richtung Völker, zog die Hosen runter und zeigte den besorgten Bürgern einen hoffentlich deutschen Arsch. Dann verschwand er in den Höfen und hinterließ ein paar verwirrt dreinschauende Polizisten. Die bewegten sich ob der Wärme allerdings gestern auch nicht immer sehr schnell. Hüstel

Spontandemo zur Thomaskirche, wo man die Legionellen und Pegidioten noch ein bisschen auf ihrem Spaziergang begleiten konnte. Und dann, bei der Umrundung eines städtebaulichen Hindernisses, wären wir fast zu weit gerannt, die Bezugsgruppe Demenz. Zum Glück aber hatte sich uns gestern eine Nichte angeschlossen. Junge Menschen hören und sehen nicht nur besser, sie sind auch schneller in der Lage, aufgenommene Informationen  zu verarbeiten und umzusetzen. So pfiff und winkte sie uns zurück. Die Völker liefen nämlich gestern mal wider auf dem Westring, aber nicht zum Rathaus oder gar Gericht, sondern kehrten unterwegs um. Ich sag ja, sehr verwirrt. Und so was brüstet sich mit deutschen Werten.

Nuja, wir sind zur Hainspitze zurück, andere auf die andere Seite, so dass wir jetzt vereint von zwei Seiten buhen und pfeifen konnten.

Die Hupaufforderungen sollen auch wieder da gewesen sein. Aber ehrlich, vom Ring aus, da hört man in Atempausen die Schwafler von der Bühne. Und das ist echt unerträglich. Außerdem, die Bank war noch oder wieder frei.

Was der Titel mit diesem Blog zu tun hat? Ein junger Mann hielt das auf seinem Plakat hoch. Stimmt. Und die 2000 anderen hätten den Montag Abend sicher auch anders verbringen können. Ob nun an einem der Seen, wie den Kulki, oder im Park. Danke an alle.

Ich bin kein Filmemacher, habs trotzdem versucht. Das ist nach dem Spaziergang aufgenommen, also als wir uns geteilt hatten und also nur noch halb so laut waren, zwei der Fotos vom Ring an der Thomaskirche …

(geduldig immer wieder drauf klicken ;))

 

Aus 7. Juli 2015
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