Willkommen in Connewitz

… oder der Südvorstadt

Eigentlich wollte ich heute zu einer Informationsveranstaltung zu einer geplanten Notunterkunft für Flüchtlinge im Südosten der Stadt.

Nicht, dass ich da wohne. Ich wollte eher so vergleichen. Am Dienstag Abend war ich nämlich zu einer ähnlichen Veranstaltung in Connewitz. Oder in der Südvorstadt. Je nachdem, ob man die Kurt Eisner oder die Richard Lehmann Straße als Stadtteilgrenze betrachtet.

Leider war ich heute verhindert. Aus Gründen.

Dabei wäre das sicher spannend gewesen. Denn in Connewitz, oder auch der Südvorstadt, konnte man erwarten, dass das etwas anders abläuft als zum Beispiel in… na eben in anderen Stadtteilen.

Ich gebe zu, der letzte Ansporn, mich am Dienstag Abend in die Aula einer Grundschule zu setzen, war die Tatsache, dass wirklich Flugblätter aufgetaucht waren, die vor Sozialexperimenten warnten und dazu aufriefen, Courage zu zeigen und sich zur Wehr zu setzen. In CONNEWITZ!

Es war dann, wie es kommen musste. Die Aula war eigentlich zu klein. Eine Menge Leute standen bis ins Foyer, viele saßen auf dem Fußboden.

Es waren durchaus auch Bürger da, die ich verdächtigen würde, besorgt zu sein. Aber die hatten eigentlich keine Chance.

Nach der Vorstellung des Projekts, es soll ein altes, z.Z. nicht genutztes Schulgebäude, gleich neben dem Grundschulneubau genutzt werden, aber nur bis Oktober 2016, gingen die Diskussionen eher in die Richtung: Wie kann man helfen, wozu braucht es einen Zaun, Schulgebäude als Unterkünfte zu nutzen sind unwürdig, wieso keine Wohnungen usw.

Da gehörte schon Mut dazu, seine Besorgnis zu äußern. Das meine ich ehrlich. Eine Mutter hatte diesen Mut. Natürlich ging ein Auslachen durch die Aula und das Foyer. Ich war mir in diesem Moment nicht sicher, ob das gut war und betrachtete die besorgten Bürger in der Stuhlreihe vor mir. Die trauten sich nichts zu fragen. Natürlich, die Befürchtungen, die die Mutter äußerte, waren die üblichen hanebüchenen („viele Ausländer auf dem nahe liegenden Spielplatz“), aber es hilft diesen Leuten ja auch nicht, wenn niemand ihre Fragen beantwortet bzw. sie sich gar nicht erst trauen, sie zu stellen. Die werden weiter besorgt sein und sich eher hinter vorgehaltener Hand beschweren und aufregen. Leute,die ihnen zuhören und zustimmen, finden sie genug, auch in Connewitz., da bin ich sicher. Die Mutter, die den Mut hatte, zu fragen, auch wenn ihre Sorgen noch so klischeebelastet waren, hat Antworten gekriegt. Das finde ich gut. Die anderen sind mit ihren Fragen nach Hause gegangen.

Ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich gut ist.

Trotzdem sitze ich natürlich lieber in so einer Runde als zum Beispiel in Mölkau. Und die Flüchtlinge, die kommen werden, werden, da bin ich sicher, gut aufgenommen. Denn das ist mal sicher, in Connewitz traut sich kein besorgter Bürger, vor einer Unterkunft für Flüchtlinge dümmliche Parolen zu schreien. Und auf die Hilfe von irgendwelchen Jungs in einschlägigen Klamotten brauchen sie da auch nicht zu warten.

Wenigstens das.

Advertisements

Über Inch

www.inch.beep.de
Dieser Beitrag wurde unter Leipzig abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Willkommen in Connewitz

  1. Wolfram schreibt:

    Hm. Das Problem ist ja leider, daß durch das Niederhalten der Aussprachefreiheit für die – berechtigten oder unberechtigten – Ängste von Menschen wie der Frau, von der du schreibst, diese in die Arme der Populisten getrieben werden. Die haben nämlich nicht deshalb solchen Zulauf, weil die Leute deren Ideen und Lösungsvorschläge so toll finden, sondern weil sie die einzigen sind, die (vorgeben,) deren Ängste ernst (zu) nehmen.
    Der Fehler der demokratischen Politik ist, diese Ängste nicht ernstzunehmen, sondern in die extremistische Ecke zu schieben. Auch wenn man keine oder keine einfache und schnelle Lösung hat – ja, gerade dann. Denn in seiner Angst ernstgenommen zu werden ist oft wichtiger als die Lösung an sich.

    Gefällt 1 Person

    • Herr Ärmel schreibt:

      Ich danke dir für deinen Kommentar,

      Gefällt mir

    • Inch schreibt:

      Ja, sehe ich auch so. Und dieser Rahmen wäre möglicherweise eine Chance gewesen, zu argumentieren und zu überzeugen. Ängste abzubauen. Wenigstens bei einigen. Oder Angebote zu machen, die „Fremden“ gemeinsam kennenzulernen. Wenigstens bei einigen, denn normalerweise kleben besorgte Bürger ja wie Fliegen an der Scheiße und wollen alles, nur nicht diskutieren. Trotzdem bin ich froh, im Süden zu wohnen, auch wenns Zentrum Süd ist. Es beruhigt mich doch ungemein, dass die Mehrheit der Bewohner hier so ähnlich tickt wie ich

      Gefällt mir

    • Dirgis (Sigrid) schreibt:

      *unterschreib*
      mehr ist dazu einfach nicht zu sagen.
      Die Ausschreitungen in Freital und im Osten von Sachsen machen mir Angst
      Zum Glück sind wir bisher hier in Chemnitz von solchem Mist verschont geblieben.

      Gefällt mir

  2. Herr Ärmel schreibt:

    Auch nach diesem Beitrag – Ich freue mich auf Leipzig – aus Gründen

    Gefällt mir

  3. Zaphod schreibt:

    Connewitz gefällt mir. Und natürlich ist es gut, dass die besorgte Mutter Antworten bekommen hat. Hoffentlich kann sie etwas damit anfangen, setzt aber voraus dass man sich auch mit Argumenten auseinandersetzen will. Der Pöbel auf der Straße will oder kann das nicht, der war schon immer für Endlösungen. http://perlen-aus-freital.tumblr.com/

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s