Mit anderen Augen

Wenn man so mal mit einem Stadtfremden, also zum Beispiel einem Besucher aus der Bembelstadt unterwegs ist, sieht man Dinge, die sonst völlig unbeachtet bleiben. „Man“ ist eigentlich nicht das richtige Wort, es sei denn, man schreibt es mit Doppel M. Denn ich rannte, wenn ich denn mal vor Ort war, blind daran vorbei. Deswegen herzlichen Dank an Herrn Ärmel für den Hinweis.

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Das ist eine glatte Lüge, denn die Handwerkspassage entstand bereits in den Jahren 1845 – 1846. Ausführender Architekt war der Leipziger Christian August Eduard Poetzsch und der Durchgang, der Marktplatz und Klostergasse verbindet, beherbergte seinerzeit 41 Ladengeschäfte.

Herr Ärmel und ich standen zwischen den Gemäuern und sinnierten darüber, ob einem Betrachter in 100 Jahren die Lüge auffallen wird. Wohl kaum, es sei denn, er oder sie kennt sich mit Architektur aus.

1987 bis 1989 wurde die Passage vermutlich saniert, denn wir entdeckten nichts, was in dieser Zeit neu entstanden sein könnte

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5 Antworten zu Mit anderen Augen

  1. Herr Ärmel schreibt:

    Geschichte entsteht nicht dadurch, dass die Zeit vergeht und somit die Vergangenheit, also das, was wir letztendlich Geschichte nennen.
    Geschichte wird von den jeweiligen Eliten konstruiert, die Deutungsmacht besitzen und entsprechend ihren Interessen darüber bestimmen, was unsere Geschichte ist.
    Historiker sind dabei lediglich die Helfer mit dem nötigen Fachwissen.
    Das liest sich ziemlich kühl, ist aber nun einmal so.

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    • Wolfram schreibt:

      Zum Glück gibt es mittlerweile mehrere Eliten, wir haben also die Wahl, welcher Geschichtsklitterung wir anhängen wollen – oder unsere eigene erschaffen.
      Die Franzosen setzen sogar auf „Nationale Erinnerung“ – mit Geschichte, Historizität etc braucht man sich da gar nicht erst abzugeben. Und sagt wenigstens ehrlich (für den, der zwischen den Zeilen zu lesen versteht), daß es nicht um Historia, sondern um Geschichten geht. Ätiologische zumal. Die Tradition ist ehrwürdig – Jules Ferry erfand „nos ancêtres les Gaules“, und ließ es auch kleinen Afrikanern und Indochinesen eintrichtern: „unsere Vorfahren, die Gallier“, die historisch keinerlei Grundlage haben.

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  2. Zaphod schreibt:

    Ich hab mir die Handwerkerpassage gerade mal angesehen, die sieht nicht wirklich nach 1989 aus, aber so wie die das saniert haben wäre ich wohl nicht drüber gefallen, denn es gibt tatsächlich inzwischen Architekten, die sich an alten Stilen orientieren. Unmöglich ist nichts, muss nur jemand bezahlen wollen.

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    • Inch schreibt:

      Naja, ich habe keine Ahnung, wie die früher ausgesehen hat. Aber wenn zu DDR-Zeiten etwas saniert wurde, dann wurde doch immer Wert auf Originaltreue gelegt. Nur das mit den 41 Läden, das passte 1989 natürlich sogar nicht ins Weltbild.

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