Das aller allerletzte Mal

Als ich in meinen Alben nachschaute, wann ich das letzte Mal beim Badewannenrennen am Völki war, konnte ich es selber kaum glauben: 2012.

2012?

Ich schaute mir alle Festplatten noch mal genau an, auch den alten Blog, aber nein, 2012 war ich das letzte Mal da.

Das war ein Jahr vor dem 200-jährigen Jubiläum der Völkerschlacht bei Leipzig, bei der Napoleon auf die Mütze kriegte und das war das Jahr, in dem sich ein gewisser unbekannter Lokalpolitiker in die Gazetten brachte, in dem er eine längst beschlossene Sache forderte.

Ich schrieb damals darüber. Im Zuge des Badewannenrennens.

Nun, dafür, dass das damals schon das letzte sein sollte, hat es noch ganz schön oft stattgefunden, sollte aber diesmal wirklich das aller allerletzte sein. Vielleicht war die Unsicherheit um die Austragung auch der Grund, dass nur sieben Wannen am Start waren (2012 waren es 20), schließlich bauen manche sicher ein halbes Jahr an einem schwimmfähigen Teil und ich könnte mir vorstellen, dass die ganze Vorbereitung, die ja mit den Fragen Nehmen wir teil?, Wer ist mit an Bord? und Was bauen wir? beginnt, sicher ein Jahr dauert. Wenn dann nicht klar ist, ob das Becken vorm Völki nun saniert wird und in dessen Folge kein Rennen mehr stattfindet oder nicht, fangen sicher manche gar nicht erst an, über eine Teilnahme nachzudenken.

Und der Vorteil an nur sieben Booten lag an diesem Sonntag Anfang Juli klar auf der Hand. Der Herr Ärmel war nämlich da und das Kleine Kind, und beide mussten irgendwie zum Zug. Bei nur sieben Booten aber habe ich zum ersten Mal bei einer dieser Art naTo-Veranstaltungen erlebt, dass man sich an den Zeitplan hielt bzw diesen einhielt.

So konnten sowohl der Herr Ärmel als auch das Kleine Kind noch das Wannenstechen miterleben, bevor sie sich auf den Weg machten zurück ins Bembelland bzw die Sächsische Landeshauptstadt.

Besucher waren trotzdem reichlich da und genug Rundum-Bespaßung. Die HTWK verteilte kostenlos Bier und reiste im übrigen mit einem Betonboot an. Das sah recht unspektakulär aus, aber soll wirklich aus Beton gewesen sein. Ja, meinte das Kind, das an der HTW studiert und ständig tote Hautflügler und Bienen aufsammelte und in Glasröhrchen stopfte, die hernach in ihrem Handtäschen verschwanden, das sind Ingenieure, die können das. Der Herr Ärmel sammelte übrigens Kronkorken für einen Bloggerfreund, so passten wir hervorragend ins Bild der… äh.. Merkwürdigkeiten. Die Kleinfamilie kam auch noch, aber das nur nebenbei und um die Berichterstattung zu vervollständigen.

Die naTo hat wieder zwei hervorragende Moderatoren gefunden, die die Wettbewerbe auf dem Becken, vor allem aber die Pausen dazwischen, zu einem Hörgenuss machten. Dankenswerterweise feiert die Stadt ja 1000jähriges Jubiläum, was alle, die die 875 Jahre anlässlich der 750-Jahrfeier von Berlin miterlebt haben verwundert, Larsen und Armin aber genug Stoff für lokale Witzeleien bot. Und natürlich das kleinste Volk der Welt, dass manchmal Besuch vom kleinsten Brudervolk erhält. Und die Tatsache, dass Jungliberale und Die Linken mit Wanne vertreten waren, gestattete den mühelosen Ausflug in die große Politik.

So bogen wir uns vor Lachen, manches lokale wurde sicher nur von der Hälfte der Zuschauer verstanden, wir genossen die Sonne, erfreuten uns am Spektakel auf dem Wasser und ich persönlich bin sehr gespannt, wie viele allerletzte Badewannenrennen am Völki es noch geben wird.

Die Bilderauswahl war schwer, weil es natürlich viel zu sehen und zu fotografieren gab. Ich hoffe, sie wird der Stimmung gerecht. Und wer aufs Bild klickt, kann sogar groß gucken.

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12 Antworten zu Das aller allerletzte Mal

  1. freiedenkerin schreibt:

    Oh, was für eine Gaudi! 😀 Ich hoffe und wünsche es euch sehr, dass es noch viele, viele, viele letzte Badewannenrennen geben wird.

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  2. Herr Ärmel schreibt:

    So viele schöne Fotos. Danke dafür und für den Erinnerungsturbo damit 😉

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  3. Gudrun schreibt:

    Jaja, da werden die Wannen zu Grabe getragen. 🙂
    Ein Allerletztes und ein Allerallerletztes könnte es schon noch geben. Es würde etwas fehlen in dieser Stadt.

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  4. crownbender schreibt:

    Wenn die Leipziger die Ideen nicht geklaut haben vom Ulmer Nabada 😉
    Und wenn ja, dann haben sie es gut umgesetzt, seltsame Vehikel auf dem Wasser treiben zu lassen.
    Um wie viel ist es nicht köstlicher, sich da skurrile Wasserfahrzeuge anzuschauen, Raupen oder Kronkorken zu sammeln (Hello it’s me :-))) als da die Völker zu erleben, wie sie dreinhauen aufeinander.

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    • Inch schreibt:

      Tja, das mit dem Ideenklau ist so eine Sache. Wer weiß, woher die Ulmer das Nabada haben 😉
      Sind denn die Deckel schon angekommen? Und stimmt, so einem in Stein gehauenem Mahnmal an 50000 in einer Schlacht dahingemetzelte tut ein freundschaftlicher Wettkampf gut. Und da er ja international ist und olympisch, der Wettkampf, ist er auch noch völkerverbindend. Das ist allemal besser als völkerschlachtend

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      • crownbender schreibt:

        Mir wurde schon berichtet von den sternburglichen Bemühungen. Viele Dank ! Da werd ich sicherlich im Bembelland beim nächsten Besuch ein ganzes Konvolut bekommen. In Sachsen sitzen seltsamerweise die meisten meiner Tauschpartner, die Leute dort scheinen anfällig dafür zu sein 🙂
        Und ich muss eingestehen, dass ich seit meinem ersten und bisher einzigen Sachsenbesuch eine ziemliche Zuneigung zu Land und Leuten dort hege.

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        • Inch schreibt:

          Da klicke ich nicht nur Gefällt mir, das sage ich auch, das gefällt mir. Wir sind nämlich eigentlich recht nett, auch wenn die paar Idioten in Dresden und Freital grad alles daran setzen, die Welt vom Gegenteil zu überzeugen

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  5. crownbender schreibt:

    Grungütiger, was hatte ich für Vorurteile. Ich hab schon die ersten Neonazis am ersten Bahnhof nach Gutenfürst erwartet. Ja Pfeiffendeckel, keinen einzigen hab ich gesehen.
    Statt dessen frägt mich einer auf dem Wochenmarkt in Dresden: „Darf ich Ihnen für den selben Preis noch drei Quarkbällchen mehr geben“ und einen Stand daneben höre ich die Aufforderung „Und jetzt aber schmecken lassen“. So ging das eigentlich ständig.
    Ich kann mich nicht erinnern, dass hier in einem Ausflugslokal die Wirtin ganz besorgt fragte, ob ich auch gut sitze oder vielleicht doch ein Kissen brauche …..
    Nee nee, ich schon ein Gespür dafür, das brauch ich schon vom Job her, wie die Leute drauf sind. Und gerade diese Häufung an angenehmen Kontakten fiel mir auf.
    Da wird hier ein völlig schräges Bild gezeichnet. Wer mal abends in der Äußeren Neustadt in Dresden unterwegs war, wird schnell eines Besseren belehrt.

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    • Inch schreibt:

      Das mit dem schrägen Bild ist ja immer und überall so. Man kann am besten von Dingen, die die Menschen nicht kennen, ein falsches Bild malen. So halten viele, die nie hier waren, die Ostdeutschen für etwas faul, mindestens aber extrem rechts. Und es ist m.E. auch ein Grund für den doch offen zur Schau gestellten Extremismus der paar Idioten hier. Kein Kontakt zu Zuwandern, also keine Ahnung, der Populismus mancher Parteien, die von Wirtschaftsflüchtlingen, Asylbetrügern und Sozialschwindlern sprechen, und Flüchtenden gern in zwei Kategorien einteilen möchten und letztendlich ein paar nicht wenige Altbundesdeutsche, die sich diese Stimmung zunutze machen, um hier eine Gefolgschaft zu rekrutieren für Themen, die sie sich in Hamburg oder Köln nicht trauen, laut auszusprechen. Von dem Bild, das gerade von Griechenland gezeichnet wird oder der Ukraine oder gar Russland, will ich gar nicht erst sprechen. Da allerdings ist das Internet ein nützliches Instrument, sich zu informieren. Wenn man denn will.

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  6. Zaphod schreibt:

    Dolle Fotos, solche schrägen Festivitäten liebe ich. Sollen sie das Ding halt renovieren und dann weitermachen. Solang könnt man doch auf nen Kanal ausweichen, ihr habt doch genug Wasser da. Wäre eigentlich viel zu schade das aufzugeben. mimimi, ich will auch 😀

    Womit haben sie denn die „Wasserskiläufer“ gezogen? Mit Ruderbooten geht so etwas eigentlich schlecht.

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    • Inch schreibt:

      Per Seilwinde und Muskelkraft. Das musste ein Crewmitglied tun, während ein anderes den glitschigen Ball ums Becken tragen musst. Die Zeit wurde erst gestoppt, wenn sich Wasserskiläufer und Ballträger in den Armen lagen, wobei auf der Strecke natürlich nach Gutdünken der beiden „Refs“ Bonus- oder Strafsekunden gegeben oder abgezogen wurden

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  7. Pingback: Statt Badewannen | Inchs Blog Nr. 2

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