Auch das ist Sachsen

Seit einiger Zeit fallen sächsische Städte unangenehm auf.

Pegida, Legida, Freital, Meißen, die Zeltstadt in Dresden.

Gut, zumindest Pegida ist in Dresden stärker, viel stärker als anderswo, und die Stadtverantwortlichen, so kennt man es von der Landeshauptstadt, machen es den Gegendemonstranten nicht gerade leicht.

Leipzig ist da anders. In Leipzig sind die Stadtverantwortlichen auch anders. So konnte sich eine Protestkultur entwickeln und stand bereit, als Legida kam.

In Dresden gelang das nicht.

Und obwohl in Dresden immer noch Menschen gegen Pegida auf die Straße gehen, findet das in den Medien kaum Beachtung.

Und als sich in Freital menschenverachtendes Pack vor einem Heim für geflüchtete Menschen aufbaute um seine Hassparolen in die Kameras der Lügenpresse zu schreien, da hört man, wenn man die Ohren spitzte, im Hintergrund zwar die Gegendemonstranten, erwähnt wurden sie von den Berichterstattern nicht.

Manchmal denke ich, Deutschland braucht Sachsen. Sachsen als braunes Sumpfland. Um vom eigenen Sumpf abzulenken. Dem braunen.

Man muss ja nicht gleich erzählen, dass es „Touristen“ aus Kaiserslautern oder wie letztens aus Hamburg gibt, die hierher kommen, um die Bewegung zu verstärken, hauptsächlich aber wohl, weil sie in Kaiserslautern oder Hamburg nur wenige sind, aber die Gegendemnostranten könnte man wenigstens erwähnen. Um denen außerhalb Sachsens zu zeigen, es gibt Menschen, die sich wehren und denen innerhalb der Städte, die bisher nicht den Mut hatten, sich zu wehren, diesen zu geben.

Manchmal habe ich keine Lust, über die Montage zu berichten. Ist ja immer das gleiche. Legida kommt mit Gästen aus Dresden, Chemnitz und Nürnberg auf 250-300 Leute, darunter jede Menge Hools, niemand will die Reden hören, wir rennen durch die Stadt, um so gut es geht an die gut bewachten besorgten Bürger heranzukommen. Letztens sangen sie die Nationalhymne übrigens in allen drei Strophen.

ALLE DREI STROPHEN.

Wird das Konsequenzen haben? Wird der nächste Spaziergang abgelehnt? Wohl kaum. Sind ja keine Nazis.

Apropos.

Als in Dresden die Zelstadt errichtet wurde, wurden Mitarbeiter des THW und DRK schon beim Aufbau beschimpft und beworfen. Konnte man überall in den Medien sehen. Am Freitag, als die ersten Geflüchteten kamen, genehmigte wer auch immer in Sachsen eine NPD-Demo direkt vor dem Eingang. Ich weiß jetzt gar nicht, ob die Medien auch von der Spontandemo der Gegendemonstranten berichteten, ich war zu sehr in Sorge ums Kind.

Danach erfuhr man von den schrecklichen Verhältnissen im Lager. Ich auch. Alle. Das ist wirklich unwürdig. Keine Frage. Dafür schäme ich mich.

Das Kind war am Wochenende da und erzählte von der überwältigenden Hilfs- und Spendenbereitschaft der Dresdner. Zeitweise konnten Spenden nicht angenommen werden, weil die Lagerkapazitäten nicht ausreichten. Und weil es kein Wasser gab in der Zeltstadt, sind Dresdner Bürger den ganzen Tag hin und her gefahren: Wasser kaufen, hinbringen, neues Wasser kaufen.

Haben Sie davon irgendwo gelesen? Oder gehört?

Und nu Leipzig.

Ich berichtete schon von der Infoveranstaltung für ein Erstaufnahmelager im Süden. Noch weiter im Süden ist ein anderes schon offen. Seit dem 10. August. Am Freitag vorher war Tag der offenen Tür. Und Spendenannahme. Auch hier in den digitalen Medien und sozialen Netzwerken, dass die Kammern voll sein, die Aufnahmekapazität für bestimmte Spenden erreicht. Am 10. August dann kamen die ersten geflüchteten Menschen. Sie kamen aus dem Zeltlager in Dresden.

Und nun muss plötzlich eine altehrwürdige Sporthalle der Universität belegt werden. Dort wird normalerweise Floorball gespielt und manchmal auch Handball.

Nun müssen dort geflüchtete Menschen untergebracht werden. Das ging so schnell, dass kein Betreiber gefunden werden konnte und die Johanniter übernahmen. Und dann ganz schnell in den digitalen Medien und sozialen Netzwerken: Keine Spenden mehr. Bitte. Und wer helfen möchte, so ganz praktisch, möge bitte nicht vor der Halle erscheinen, sondern sich beim Flüchtlingsrat melden.

Gestern Abend war ich in der Stadtbibliothek im Oberlichtsaal und fand mit Mühe einen Platz auf dem Fußboden. Nur 45 min dauerte die Info-Veranstaltung. Man bat uns um Geduld und darum, die Geflüchteten mit unserer Hilfe nicht zu erschlagen. Viele von denen müssten erst Mal zur Ruhe kommen, sich besinnen. Alle Helfer werden beim Flüchtlingsrat „regsitriert“ und dann entsprechend eingesetzt. Dringend bräuchte man allerdings Ärzte, Krankenschwestern, Sanitäter. Und Sprachkundige.

Übrigens, die Sachspenden, die nicht für geflüchtete Menschen gebraucht werden, wird man an sozial schwache deutsche Bedürftige weitergeben. Man hoffe, dass es ab nächste Woche schon eine ständige Annahmestelle für Sachspenden geben wird. Man dankte und zeigte sich überwältigt, bat aber auch, die Torgauer Straße nicht zu vergessen und all die anderen Heime und Unterkünfte.

Ich wollte das hier nur mal gesagt haben. Ich bin sicher, in Dresden ist es nicht anders.

Denn: Auch das ist Sachsen

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22 Antworten zu Auch das ist Sachsen

  1. Arabella schreibt:

    Die Berichterstattung in den Zeitungen gleicht immer mehr der in der DDR üblichen. Damals wusste jeder, dass die Inhalte erlogen waren, das ist der einzige Unterschied.

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  2. buchstaeblich schreibt:

    Hier im Ort gibt es den Helferkreis. Wenn die Notfallunterkunft steht (Oktober) und bezogen ist, bekommen die Mitarbeiter dort Listen in die Hand mit den Helfer-Teams und den Daten der Koordinationsstelle. Die Mitarbeiter können dann Probleme und Bedarfe weiterleiten an zuständige Helfende, die die Lösungen auf den Weg bringen, damit die LRA-Mitarbeiter entlastet sind – die arbeiten ohnehin am Limit.

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    • Inch schreibt:

      Naja, das gibts hier auch, für die Unterkünfte, die vorbereitet werden. Die sind dann ab Herbst beziehbar. Nur jetzt geht es plötzlich ganz schnell. Man erfährt, dass flüchtende Menschen kommen und drei Tage später sind sie da. Eine Bekannte arbeitet in einem soziokulturellen Zentrum, die erfuhren mittwochs, dass am Freitag 1-30 minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung kommen. Ohne die Hilfe eines Clubs, bei dem sie schnell angerufen hat, hätten die zwei Mitarbeiter das in der kurzen Zeit überhaupt nicht gestemmt.Und in dem Fall hätten spontane Helfer wohl auch eher im Weg gestanden, weil die zwei mussten erst Mal selber nachdenken, wie und was zu tun ist

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  3. freiedenkerin schreibt:

    Objektive und sachliche Berichterstattung wird von den Medien – von den Tageszeitungen bis zu Fernsehen und Rundfunk – nur mehr wenig gepflegt. Das verkauft sich nicht, und bringt auch keine Einschaltquoten…
    Dringend nötig wäre, dass „die da oben“, unsere Volks(ver)treter endlich einmal die Klappen aufmachen und sich eindeutig gegen den unübersehbaren Rechtsdrall in ganz Deutschland positionieren. Aber das ist wohl zu viel erwartet, lieber wird von „Politikern“ wie DeMaziere, Seehofer und Herrmann auch noch Öl ins rechte Feuer gegossen…
    Ich bin immer noch nicht fit und beweglich genug, um selbst mitzuhelfen bzw. auf Demos zu gehen. Das einzige, was ich zur Zeit kann ist, mich virtuell zu engagieren…

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    • Inch schreibt:

      Das ist das eine. Das andere ist, dass eine Welt geschaffen werden muss, in der Menschen gar nicht erst flüchten müssen. Und so rosarot das auch klingt, aber da hilft langfristig nur ein totales Waffenembargo, dass alle Lager in Kriegs- und Krisengebieten betrifft

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  4. Frau Momo schreibt:

    Ich erlebe das ja nun als Zugereiste hier. Die Pegida/Legida oder was auch immer Demos sind das eine. Da gehe ich auf die Gegendemo und ärgere mich über Provokateure auf beiden Seiten. Ich habe bei der letzten Demo auch sehr unschöne Szenen gesehen und fast selber einen Steinaschenbecher an den Kopf gekriegt. Aber sowas kenne ich von unzähligen Demos, auf denen ich schon war. Das andere, und das erschreckt mich persönlich viel mehr, ist der alltägliche Rassismus, den man hier so raushört. Ob morgens in der Bahn, auf der Kirmes oder anderswo. Ich muß gestehen, das ich das so aus Hamburg nicht kenne. Vielleicht spricht es da keiner aus, ich weiß es nicht. Pauschalierungen helfen nie weiter und werden keiner Situation gerecht, es gibt immer solche und solche. Was ich eben auch sehe ist die enorme Hilfsbereitschaft. Ich wäre gestern abend auch da gewesen, wenn ich nicht vor Müdigkeit fast vom Stuhl gefallen wäre und mich immer noch befremdet, das ich ein erweitertes Führungszeugnis brauche, um helfen zu dürfen. Das habe ich bei meinen diversen Ehrenämtern noch nie erlebt. Nicht das eins zu bekommen, ein Problem wäre, aber es erstaunt mich erstmal.
    Das, was ich beschreibe (hab ja in meinem Blog auch schon drüber geschrieben), ist meine Wahrnehmung dessen, was ich hier erlebe. Ich weiß aber auch, das es Menschen gibt, die helfen, die spontan zur Stelle sind, wenn staatliche Stellen versagen, hier und in Dresden. Es wird mit Gegendemos nicht getan sein, was wir brauchen ist einen Aufstand der Anständigen, wie Gerhard Schröder es mal genannt hat. Denn es werden nicht nur Flüchtlingsunterkünfte angegriffen, es werden auch engagierte Blogger bedroht, Menschen, die sich engagieren sehen nachts ihre Scheune brennen….
    Und Fakt ist wohl leider, das 47 % der rechten Straftaten in den sog. neuen Bundesländern passieren. Und das bei einem Bevölkerungsanteil von gerade mal 17 %. http://www.tagesschau.de/inland/rassismus-gewalttaten-101.html
    Es ist und bleibt ein gesamtgesellschaftliches Problem und natürlich müßten die Fluchtursachen bekämpft werden. Wer Krieg (durch Waffenexporte) säht, wird Flüchtlinge ernten und wer immer das neueste IPhone und die billigste Klamotten kauft, wird Wirtschaftsflüchtlinge dafür bekommen. Wir leben schon lange auf Kosten anderer Länder, da müssen wir uns über die Folgen nicht wundern.

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    • Inch schreibt:

      Ich Stimme Dir zu. Das mit dem erweiterten Führungszeugnis hat wohl damit zu tun dass man gewisse Elemente von vorn herein ausschließen möchte. Ein kleines Gefühl von Sicherheit soll das wohl geben.

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      • Frau Momo schreibt:

        Ja, das dachte ich mir. Es schreckt mich auch nicht wirklich ab, ich bin nur schon vor Wochen drüber gestolpert, als ich mich bei der Diakonie gemeldet habe. Die übrigens nicht wirklich was auf die Kette kriegen

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  5. Zaphod schreibt:

    Es fällt mir langsam schwer mich zu diesem Thema noch zu äußern, eigentlich ist längst alles (richtige) gesagt worden, es hört nur keiner zu. Jedenfalls nicht die, die zuhören sollten. Und von denen, die etwas dazu sagen sollten, kommt nichts. Oder das falsche. Man fühlt sich langsam umzingelt von Idioten, aus jeder Ecke kommt das braune Gesocks gekrochen, ermuntert durch Verharmloser, Weggucker, Brandstifter und dumpfe Mitläufer. Genau so hat es schon einmal angefangen, nur dass ich diesmal die Hoffnung habe, dass sich noch genug Menschen daran erinnern und sich wehren. Auf Mutti und Siechmar können wir dabei wohl nicht zählen.

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  6. Dirgis (Sigrid) schreibt:

    Mir bleibt im Moment nur eines: DANKE!
    Organisation von den staatlichen Stellen = 0.
    Bestes Beispiel: Sporthalle der TU in Chemnitz (seit Jahren sanierunsbedürftig) zur „Evakuierung“ der Zelte der Erstaufnahmeeinrichtung, da durchweicht von Regen (Der Regen war auch überhaupt nicht angekündigt).

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    • Inch schreibt:

      Ja, die sind überrascht von der Flüchtlingswelle. Ich nicht. Viele meiner Bekannten auch nicht. Da frag ich mich immer wieder, wieso sind viele Bürger oft schlauer und weitblickender als Politiker? Bzw., welchen Lobbyisten sind die verpflichtet, dass die so lange es geht die Augen scheinbar schließen?

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  7. Karen schreibt:

    Danke!

    (Ich sprach erst gestern mit meinen – internetlosen – Eltern darüber, dass es sehr wohl auch Leute gibt, die GEGEN Pegida demonstrieren… aber dass ich das auch vorwiegend von dir weiss und nicht aus deutschen Zeitungen…)

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    • Inch schreibt:

      Gern. Mich regt das auf. Ich habe zum Beispiel Freunde in Italien, die trauten sich schon vor 15 oder 20 Jahren nicht, an die Ostsee zu fahren, obwohl sie die gern mal gesehen hätten, aus Angst davor, verbrannt oder mindestens verprügelt zu werden. ICH musste sie prügeln… an die Ostsee!

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  8. ostnomade schreibt:

    Wahrhaft geschrieben!
    Ich weiss, wie sehr sich meine alten Freunde und -innen in der Landeshauptstadt aufregen, wie oft sie zu Gegendemos ziehen, um öffentlich Farbe zu bekennen.
    Beinahe dankbar lese ich aus der Ferne von den Nazi- Problemen in Dortmund und dem Verlust der Hoheit in Duisburg- einfach weil ich es satt bin, nur von Freital oder Pegida zu hören.
    Was mich aber anwidert, ist die Unfähigkeit des deutschen Rechtstaates und seiner heutigen Regierung, Grenzen zu setzen.
    Parteienverbot? Kein Richter wird das beschliessen. Traut er sich nicht? Nein, es ist bequemer, nach Paragraphen zu suchen, die das Recht auf Meinung und Versammlung begründen.
    Rechte besuchen Flüchtlingsunterkunft? Logisch, es ist deren Recht, obwohl jeder deren Ziel kennt..
    Flüchtlinge aus den Balkanländern oder Tschetschenien? Nach Hause schicken, ohne Asylverfahren, das ohnehin in der Ablehnung endet. Weshalb muss man den Kriegs- und Krisenflüchtlingen dringend benötigten Platz nehmen lassen?

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    • Inch schreibt:

      Naja, pauschalisieren würde ich da nicht. Immerhin gibt es auch da durchaus Menschen, die die Voraussetzungen erfüllen, auch wenn nur 0,3 oder waren es 0,003% der Antragsteller aus diesen Ländern einen Bescheid kriegen. Die Verfahren müssen verkürzt werden, mehr Leute in den entsprechenden Ämtern eingestellt werden. Finanzieren könnte man die ja aus den Gewinnen, die der Staat aus der Griechenlandkrise macht

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  9. ostnomade schreibt:

    Wenn ich mir die Mengen an wahrhaft Hilfsbedürftigen anschaue, dann sollten die offensichtlich weniger Gefährdeten schneller abgefertigt werden können. Da hast du wohl Recht.
    Klasse, dass du dich eingetragen hast in die Helferliste!

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