Begegnungen

Falls die rar gesäten Blogbeiträge der letzten Tage und meine noch rareren Bloggerrunden Sie zu der Annahme verleiten, dass Inch sich nur noch zwischen Spenden sortieren, Bauernhof und Garten hin und her bewegt und sonst zu nichts Zeit hat, der irrt.

Manchmal mache ich auch andere Dinge.

Am Freitag zum Beispiel war ich in der Kita der Prinzessin zum Oma-Opa-Tag. Ganz entzückend,, die 2-6jährigen zu sehen, wie ausdauernd sie sind oder eben nicht, wenn es darum geht, den angerückten Großeltern Lieder vorzusingen und -zuspielen. Fotos kann ich Ihnen von diesem Highlight aus verständlichen Gründen leider nicht zeigen, aber seien Sie versichert, es war zum Wegschmelzen. Die Prinzessin hatte übrigens, obwohl zu dritt aufgeschlagen, keine Zeit für ihre Großeltern, wollte lieber mit ihrem Prinzen, äh Spiderman, einen auf Icke machen. Nuja, uns hat der Kuchen auch so geschmeckt.

Am Samstag dann hatte ich sogar die Wahl: Feinkostflohmarkt und Garten oder Garten und Rugby. Immerhin, Bundesligasaisonstart. Aber Stahmeln liegt so ganz in die andere Richtung. Ich entschied mich für Flohmarkt, da konnte ich, leider wurde ich nicht fündig, ein bisschen nach Gartenzeugs stöbern. Und dann, als ich mit dem Bruder bei strömenden Regen unter dem Terrassendach der Laube saß, war ich doch froh ob meiner Wahl. Obwohl, so bei Matsch und Kälte, wenn über den Spielern die Dampfwolken stehen, hat ein Rugbyspiel ja durchaus etwas… gut lassen wir das.

Gestern dann ganz schlechte Wetteraussichten. Ist bei Ihnen auch der Winter ausgebrochen? So über Nacht?

Ich war erstaunt und gerührt, wie viele Leipziger sich nicht schrecken ließen und trotz Kälte und hoher Regenwahrscheinlichkeit zum Refugees Welcome Familien Picknick auf der Wiese neben einer Notunterkunft kamen. Leider kam die Kleinfamilie viel später und ich bin ja bei so was immer erst Mal etwas scheu. Nordländer eben. Nordländer trifft auf, naja, Menschen, die eben keine Nordländer sind. Ich wurde herzlich begrüßt  und fand Ratz Fatz Kontakt und vertiefte mich in Gespräche. Einige geflüchtete Menschen sprachen schon so gut Deutsch. Das sei auch wichtig, betonten sie, Deutsch zu lernen, ganz schnell und gut. Und wie schön es in Leipzig sei und gut. Ganz anders als in anderen Städten. Eienr war 7 Monate in einer anderen Stadt und hätte da nur ein Mal mit einem Einheimischen sprechen können, aber hier, er ist erst seit wenigen Tagen in Leipzig, hätte er schon zu soviel Menschen Kontakt. ALLE Menschenn hier sind nett und er so dankbar. Ich denke an den kommenden Montag und Legidas Drohung, nun wieder jeden spazieren zu wollen, und korrigiere, „die meisten“, es gäbe auch Idioten. Ja, aber die gibt es doch überall, kontert mein Gesprächspartner. Er kommt aus Syrien, wie die meisten hier und ich kann nur ahnen, was er hinter sich hat. Danach frage ich nicht. Muss ich auch nicht. Was die Menschen erzählen wollen, erzählen sie. Und das ist schlimm genug.

Ganz viele Kinder sind auf der Wiese, zunächst zurückhaltend, dann erobern sie sich nach und nach das von den  Alt-Leipzigern mitgebrachte Spielzeug. Jeder  auf den Tisch gepackte Kuchen ist im Nu alle. Und Kaffee. Es ist viel zu wenig Kaffee da. Süßigkeiten dagegen jede Menge. Es herrscht eine lockere, entspannte Atmosphäre. Die Organisatoren halten sich zurück. Das Picknick, die Spiele, werden von den Teilnehmern selbst gestaltet. Auch an Stifte und Papier hat jemand gedacht.

Die Kleinfamlie ist nun auch da. Die waren, als die Prinzessin noch Pudding war, selbst in Syrien. Da begann der Krieg gerade und der Prinzessinnenpapa spricht ja arabisch. Das schafft gleich noch eine besondere Nähe. Und als die Prinzessin, das Große Kind und ich uns frierend verabschieden, steht er noch da und kommt wohl nach.

Das Wetter hatte ein Einsehen. Es war zwar kalt, aber der Regen kam erst ganz am Ende, als eh schon viele gegangen waren, da passten alle noch verbliebenen unter die großen Bäume.

Sollte man viel öfter machen so etwas. Auch ohne dass jemand groß dazu aufruft. Einfach hingehen und den Kontakt suchen. Ohne sich aufzudrängen.

Zu Hause lasse ich mir ein Bad ein und denke, was für ein Glück, hier geboren zu sein.

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Über Inch

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5 Antworten zu Begegnungen

  1. Frau Momo schreibt:

    Gestern war ich mal nicht da, wir hatten uns für einen faulen Tag entschieden, der auch mal bitter nötig war. Heute abend sind wir zu zweit dabei. Ich war letzte Woche zu einem spontanen Picknick vor der Grube Halle, da wurde so ausgelassen getanzt, dass es einfach nur schön war, das mit anzusehen. Ja, es gibt Idioten, denen es sich gilt entgegenzustellen, aber es gibt eben auch unzählige Menschen, die helfen. Die Bilder vom Wochenende an deutschen Bahnhöfen treiben mir manchmal wirklich Pipi in die Augen.

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  2. Zaphod schreibt:

    Solche Aktionen sind einfach nur Klasse. Auf St.Pauli laufen auch andauernd Grillfeste, Nachbarschaftstreffen und dergleichen. Für morgen haben sie 1000 Refugees zum Testspiel eingeladen mit anschließender Grillerei und sowas, die „Kleiderkammer“ in den Messehallen bekam so viel Spenden dass sie das Zeug schon an andere Einrichtungen verteilt haben, auf den Bahnhöfen werden die Leute mit Kaffee und Kuchen begrüßt, das sind so die Highlights, die den üblen Rest erträglich machen.
    Ich hoffe nur, dass der Staat langsam in die Puschen kommt, in ein paar Wochen ist Zelten keine Option mehr.

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    • Inch schreibt:

      Die Zentrale Spendenannahmestelle, in der ich zwei Tage die Woche sortiere, musste diese Woche auch schließen. 10 Tonnen spenden müssen erstmal wegsortiert werden. Und ja, von uns bekommen auch andere Einrichtungen. Kinderheime, Obdachlose neben den vielen Erstaufnahmeheimen und Flüchtlingsunterkünften

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  3. Zaphod schreibt:

    Ach ja, dass Oma und Opa abgemeldet sind wenn andere Kinder zur Verfügung stehen kenne ich, hat mir immerhin mal einen netten Kommentar eingebracht. Als ich die Lütte mal im Kindergarten abgeholt habe und sie noch mit ihrer Freundin spielen wollte, kam sie nach einer halben Stunde an und meinte „Opa, weißt Du dass du ganz schön geduldig bist?“ *g*

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