Reggae Picknick

Noch während wir auf der Wiese sitzen, kommt die Nachricht: Bayern schließt die Grenzen. (update: Die Freidenkerin hat mich in ihrem Kommentar ganz berechtigt kritisiert. Natürlich schließt nicht Bayern die Grenzen, sondern Deutschland. Auf dem Picknick kam die Nachricht eben so rein. Ich entschuldige mich dafür, dass ich das nicht sofort klar gestellt habe) Nein, das erzähle ich jetzt niemandem hier. Nicht den Geschwistern, deren Eltern noch in der Türkei sitzen, weil sie Bootsüberfahrt nicht für die ganze Familie bezahlen konnten. Und auch sonst niemandem. Ich will die Stimmung nicht verderben. Die ist großartig. Und das Wetter auch.

Am Vormittag gabs Raggae und Ska mit Yellow Umbrella, jetzt machen die Leute selber Musik. Die Geflüchteten aus der Halle nebenan und die Alteingesessenen. Mal wird Geige gespielt und es klingt Irisch, dann werden Lieder zur Gitarre gesungen, dann wird getrommelt und dazu getanzt.

Wie letzte Woche sind die Frauen eher zurückhaltend. Eine Mutter mit Tochter müssen wir fast zwingen, auf unserer Decke Platz zu nehmen. Als sich syrische und afghanische Männer dazu setzen, geht sie. Keiner weiß, was sie auf der Flucht erlebt hat. Und nun liegt sie hier, Bett an Bett mit Männern. Ich mag mir das gar nicht ausmalen. Irgendwann findet sich auch ein Dolmetscher auf unserer Decke und wir erfahren einige Fluchtgeschichten. Und die Preise. Und, wo der Rest der Familie ist. Wir diskutieren auch ernsthaft die Frage, wieso hauptsächlich Männer kommen. Das war uns ja eigentlich klar, aber es ist gut, die Vermutung bestätigt zu bekommen. Auch R., den ich letzte Woche kennenlernte und der heute wieder hier ist, hofft, Frau und Tochter in 2-3 Monaten nachholen zu können.

So vergeht die Zeit, entspannt und fröhlich. Und ich lerne meine ersten Worte Arabisch, nämlich „Wie gehts“ und die Antwort.

Mal sehen, ob mir das morgen hilft. Wobei, das erzähle ich Ihnen später.

Wie immer, drauf klicken, groß gucken. Das Beitragsbild übrigens, diese Karte steckte an meinem Rad, als ich heimfuhr. Auf der Rückseite handschriftlich dass Du das Miteinander förderst. Über diese kleine Geste habe ich mich wie irre gefreut.

Noch ein update:

Dies war als Beitragsbild gedacht. Funzt nur gerade nicht…

DSC_1439

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Über Inch

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20 Antworten zu Reggae Picknick

  1. freiedenkerin schreibt:

    Deutschland schließt die Grenzen wieder, Inch, nicht Bayern allein! Wenn man sich für Flüchtlinge engagiert und gegen Polarisierung eintritt, dann sollte man selbst schon tunlichst darauf achten, diese zu vermeiden:
    http://www.deutschlandfunk.de/fluechtlinge-deutschland-fuehrt-grenzkontrollen-nach.447.de.html?drn:news_id=524336

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  2. Frau Tonari schreibt:

    Liebe Inch, welches Beitragsbild?
    Auch mir gefällt, wie unkompliziert Du das Miteinander einfach lebst.

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  3. Zaphod schreibt:

    Reggae, liebe Inch 😉

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  4. Frau Momo schreibt:

    Ich war noch in Hamburg, sonst wäre ich sicherlich auch dabei gewesen. Dafür heute abend wieder gegen Legida

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  5. ostnomade schreibt:

    Im moslemischen Kulturkreis sitzen Frauen selten mit Männern auf einer Decke/ auf dem Fussboden, um zu essen. Beschneidungsfeiern, Ramadan- Ende, Dankessen aus allen möglichen Gründen, Hochzeiten, Geburtstage finden, bis auf die Mammutfeiern, meist getrennt statt. Das hat nichts mit schlechten Fluchterlebnissen zu tun. Das häufig zwischen den Zähnen gehaltene Kopftuchende ist zB auch an Zeichen an die Umwelt, dass die (meist junge) Frau nicht sprechen möchte. — So habe ich es zumindest in Zentralasien und bei Afghanen und Iranern erlebt. —

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  6. ostnomade schreibt:

    Ist das so wie SPON berichtet?
    „… Man trifft Syrer, Iraker, Pakistaner, Afghanen, Iraner, Algerier oder Albaner…. „Da gab es ägyptische Syrer, tunesische Syrer, ja sogar sudanesische Syrer! Ich schätze mal: 30 Prozent sind Syrer, 70 Prozent sind es nicht“, sagt er. Viele echte Syrer sehen das ähnlich….“ http://www.spiegel.de/politik/ausland/einreise-fluechtlinge-suchen-sich-ihren-weg-durch-europa-a-1053071.html
    Ich bewundere Deine Hilfsbereitschaft! Ich hoffe auch, dass es bald einen anderen Weg gibt, als Menschen zu veranlassen, ihre Heimat so ungeplant verlassen zu müssen.

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    • Inch schreibt:

      Die, die wir gesprochen haben und behaupteten Syrer zu sein, waren wohl auch welche. Wir haben sie immer genau gefragt, woher sie kommen, uns die Lage der Orte, aus denen sie kommen, beschreiben lassen. Das hätten Sudanesen wohl nicht hingekriegt 😉 Aber ich kann natürlich nur von der Notunterkunft sprechen, bei der ich war bzw bin. Da sind auch Afghanen und Iraker, aber die haben sich auch als Afghanen und Iraker ausgegeben. Am Montag hatte ich Kontakt zu einem Kosovaren und zwei Georgiern, die gerade in einer anderen Notunterkunft in Leipzig sind oder am Montag dort waren

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  7. ostnomade schreibt:

    Letztere drei würde ich mal als Trittbrettfahrer bezeichnen. Georgien ist obersicher und ruhig und nicht nur, weil mit einem NATO- Stützpunkt versehen …

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  8. Beate schreibt:

    Einfach toll, wie du dich engagierst! Und da diese Einstellung, deine Freude und die Stimmung in deinem Text einfach nur strahlen, sind mir kleine eventuelle Fehler hier so was von egal, denn du hast mich mit deinem Text erreicht! Ich bin selber bei der Flüchtlingshilfe engagiert und habe erst vorgestern in einem Text über eines unserer Projekte geschrieben. Wenn du magst, kannst du ja mal reinschauen. https://beatemetz.wordpress.com/2015/09/17/mittwochabends/. Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude bei dem Umgang mit den Menschen, denen ein Lächeln von uns so viel bedeutet.

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