Mit Kind und Enkelkind

Prag also.

Vier Tage waren wir da und ich sehr gespannt, wie das so wird, mit einer Dreijährigen in einer großen Stadt.

Eigentlich ging es ja nur ums Eisenbahn fahren, das die Prinzessin unbedingt wollte und so war ursprünglich auch die Ostsee als Ziel anvisiert. Aber als der Winter hereinbrach und die Bahn zudem Tickets für 29€ anbot, suchte das Große Kind schnell ein günstiges, ausreichend großes und zentrumnahes Quartier, wir buchten und kauften die Zugtickets. Wir hätten auch das Kleine Kind mitgenommen, aber die war ja gerade in den Vogesen wandern. Wir hätten auch den Prinzessinnenpapa mitgenommen, aber der muss ja lernen.

Also, drei Frauen, drei Generationen.

Die Zugfahrt dauert 4 Stunden und tatsächlich schlief die Prinzessin nicht. Die Ferienwohnung, fest in russischen Händen, was sich bei der Einweisung als ganz hilfreich erwies, sprechen weder ich, noch das Große Kind, noch die Prinzessin tschechisch, lag gar nicht so weit vom Hauptbahnhof weg, quasi hinter dem Nationalmuseum und direkt an der Straßenbahnlinie 22, mit der man bis zum Burgberg fahren kann. Direkt ist natürlich übertrieben und wäre sicher auch lästig gewesen, weil die Straßen in Prag doch recht befahren und laut sind, ich sag nur Kopfsteinpflaster, direkt meint etwas um die Ecke, in einer Seitenstraße. Und wären da nicht hinten raus eine Kneipe und in der Nachbarschaft ein Club gewesen, hätten wir auch nachts bei offenem Fenster schlafen können. Doch mit den Kneipen wäre das doch fatal gewesen, denn wir waren zwar Abend für Abend pflastermüde, aber wenn man so mit Kleinkind unterwegs ist, kommt man ja doch recht zeitig „nach Hause“ und, weil Kleinkinder morgens immer so verdammt zeitig wach werden, geht man abends lieber auch zeitiger ins Bett, obwohl man noch gar nicht so richtig müde, eben nur erschöpft ist.

Ich war ja früher ganz oft in Prag. Vor der Wende mindestens ein Mal im Jahr. Dann saß ich nach der Wende auf einem Freisitz bei Knödel und Gulasch und an allen Nachbartischen so ehemalige Volksdeutsche, die den Verfall der Heimat beklagten. Ich fand das so widerlich, dass mir die Lust auf die Stadt verging, wenigstens so lange, bis die Rentner sich ausgeheult hätten.

Das hat bis nach der Jahrtausendwende angehalten. Da war ich dann noch ein oder zwei Mal da und entsetzt über die Menschenmenge.

So gesehen war es für mich schon spannend, nach Prag zu fahren. Aber meine Fresse, die Stadt ist so schön. ÜBERALL (außer an der gelben Buslinie), ich hatte nach vier Tagen Genickstarre vom vielen hoch gucken. Es gibt da aber auch ÜBERALL Jugendstil. Wahnsinn. Ich bin richtig froh, dass es in Prag nicht so viele Hunde gibt, das hätte sonst böse enden können.

Natürlich war es an den Hot Spots viel zu voll. Um die berühmte Uhr auf dem Karlsplatz zu sehen, mussten wir am Vormittag hin, auf der Burg waren wir an einem regnerischen Tag, auch über die Karlsbrücke sind wir zum Betrachten lieber morgens gewackelt. Wir haben auch Fehler gemacht, aber davon werde ich Ihnen noch berichten. Und wir haben sie unter Erfahrung verbucht, denn eins ist sicher: Nach Prag fahren wir öfters. Vier Stunden Zugfahrt, da kann man auch mal am Wochenende hin. Das stelle ich mir dann zwar gruselig voll vor, aber die Touristenattraktionen haben wir bis auf zwei ja nun alle gesehen und können uns beim nächsten Mal auf die anderen Ecken konzentrieren.

Ach ja, im niegelnagelneuen Reiseführer des Großen Kindes lasen wir, dass viele Sehenswürdigkeiten in Prag fotogeschützt seien und auch überall Wächter strengstens darauf achteten, dass man nicht etwa das Falsche ablichtet. Wir haben weder Wächter gesehen noch Hinweise auf Verbote. Also liebe Wächter, falls Sie hier etwas sehen, dass fotogeschützt ist, bitte ich, von Anzeigen abzusehen. Es lohnt sich für Sie finanziell eh nicht, ich habe nix. Sie können mir aber eine Email schreiben, dann nehme ich das enstprechende Falschfoto vom Blog.

Ansonsten gilt wie immer: Drauf klicken, groß gucken

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11 Antworten zu Mit Kind und Enkelkind

  1. freiedenkerin schreibt:

    Bitte, bald weiter erzählen und zeigen! 🙂
    Von München aus gibt es übrigens auch eine Tagesfahrt nach Prag. Ich überlege grade. 😉

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  2. Frau Tonari schreibt:

    Prag macht mir nach wie vor das Herz weit. Ich gucke eben einfach über all die Touris hinweg oder durch sie hindurch. Die Stadt ist insgesamt einfach bezaubernd und hat Charme, wenn man über die Menschenscharen und die schnöde Vermarktung hinweg guckt.
    Okay, vor 89 hatten wir auch einige ziemlich unangenehme Erinnerungen an die Stadt, aber das tat zum Glück der architektonischen Schönheit keinen Abbruch.

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  3. Zaphod schreibt:

    Hihi, erinnert mich an meine Fotos aus Amsterdam, da ist auch mehr Enkelkind als Architektur zu sehen *gg*
    Wir hatten mal ein Ferienhaus in der Nähe von Prag ins Auge gefasst, mit hauseigener Zapfanlage(!) und direkter Busverbindung in die Prager Innenstadt, ärgert mich heute noch, dass daraus nichts geworden ist.

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  4. Frau Momo schreibt:

    Nach Prag wollte ich in meiner 10-monatigen Regensburg Zeit schon, habe es aber nicht geschafft. Für meine Zeit hier habe ich Prag fest auf dem Plan. Nicht am Wochenende, das haben mir schon die Regensburger Kollegen geraten, mal sehen wie ich das hinkriege, dieses Jahr sind die wenigen Urlaubstage verplant und nächstes Jahr habe ich bis Ende Mai Urlaubssperre, aber ein oder zwei Tage gehen sicherlich mal, sonst als krönender Abschluß meiner Zeit hier.

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  5. Dirgis (Sigrid) schreibt:

    Ach ja, nach Prag müsste man auch wieder einmal fahren. Ich glaube, das letzte Mal war ich zur Abiturabschlussfahrt ’92 (ja wir fuhren noch nicht nach England oder Italien) dort.

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  6. Karen schreibt:

    Hach… Hier wird ja seit dreieinhalb Jahren dauernd gefragt, wann wir endlichmal wieder nach Prag fahren können…

    (Leider sind es für uns nicht nur vier Stunden mit der Bahn, sondern vier mit dem Flugzeug, und Tickets kosten mindestens das Zehnfache.)

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  7. Herr Ärmel schreibt:

    Ich war noch nie in Prag – aber wo war ich auch schon?
    Dein Bericht macht mich neugierig….

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