Kombiticket wollen wir nicht

Wir wohnen also irgendwo hinter dem Nationalmuseum. Und weil wir noch nicht wissen, welche Straßenbahn wohin fährt und weil wir überhaupt lieber wollen, laufen wir.

Erst mal runter zur Moldau, dann vorbei an der Karlsbrücke und ins Jüdische Viertel. Dort machen wir einen Fehler. Uns ist nach Kaffee und Kuchen, also setzen wir uns in ein schlicht aussehendes Café und bestellen, wonach uns dürstet. Und schwupps, ist die Hälfte des gerade abgehobenen Geldes weg. Zugegeben, Käse- und Eierkuchen werden kunstvoll präsentiert, aber erstens schmeckt der Käsekuchen gar nicht nach Quark und zweitens… Wir müssen in Zukunft aufpassen und erst auf die Speisekarte gucken.

Eigentlich sitzen wir ja hier auch, weil wir die Pariser Straße suchen, aber auf keinem Stadtplan ist sie eingezeichnet. Merkwürdig.

Schließlich lasse ich Kind und Enkelkind bei Eierkuchen und Kaffee und suche mal. Die Pariser Straße finde ich nicht, aber den Eingang zum jüdischen Friedhof.

Als wir am Tor stehen, stelle ich verblüfft fest, dass man dafür Eintritt bezahlen muss. Na gut, aber wieso ein Kombiticket? Ich will mir keine drei Synagogen von innen ansehen. Wir haben ein Kleinkind mit und die Synagogen dienen eh alle als Ausstellungsräume. Aber nur Friedhof gibt es nicht. Für Synagogen, in die wir nicht gehen, wollen wir nicht zahlen, also fällt der Friedhof aus. Das Viertel ist ja auch so sehr schön und hat nicht nur Friedhöfe zu bieten und Synagogen, sondern zum Beispiel auch Kirchen und jede Menge sehr schöne Häuser. Früher ist mir das nie aufgefallen. Früher versteckten sich die Häuser wahrscheinlich unter einheitlichem Grau, so wie Leipzig, früher konnte man die Schönheit der Stadt, sieht man mal von der Burg ab und den Brücken und dem Karlsplatz, nicht mal erahnen.

Darauf bedacht, niemanden umzurennen, weil ich ja immer nach oben gucke, schlendern wir durch Gässchen und über Straßen und landen ganz unversehens am Karlsplatz.

Na, wenn wir schon mal hier sind, müssen wir uns aber die Uhr ansehen. Passenderweise ist es kurz vor um.

Aber!

So viele Menschen! Wir haben keine Chance. Erst als das Uhrenspiel vorbei st und die Menge sich langsam zerstreut, können wir uns das Meisterwerk ansehen. Allerdings ohne lustig aus den Türen guckende Aposteln.

Zwar sind wir schon ziemlich fußlahm, also das Große Kind und ich, die Prinzessin lässt sich ja kutschieren, trotzdem laufen wir noch ein bißchen hier hin und dahin. Und dann, weil wir gut aufgepasst haben, fahren wir mit der Straßenbahn zurück in die Ferienwohnung. Und wissen Sie, was uns all die Tage in Prag angenehm aufgefallen ist? Müttern mit Kind wird sofort ein Sitzplatz angeboten, egal wie voll die Bahn ist. Und es war auch nie ein Problem, mit dem Kinderwagen noch ein Plätzchen zu finden. Die einzigsten, die sich einmal darüber aufgeregt haben und keinen Fuß breit zur Seite gewichen sind, waren, Sie ahnen es bereits, Deutsche.

Die Bilder sind vom Moldauufer, dem jüdischen Viertel und der Gegend um den Karlsplatz. Wie immer gilt, wer genau gucken will, klickt aufs Bild

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6 Antworten zu Kombiticket wollen wir nicht

  1. Herr Ärmel schreibt:

    Deine Fotos machen Lust auf Prag 😉

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  2. freiedenkerin schreibt:

    Oh, was sind das schöne und interessante Bilder! Da packt mich doch gleich wieder die Reiselust…

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  3. Zaphod schreibt:

    Soll das der Käsekuchen sein, der mit den schwarzen Ohren und der Walnuss oben drauf? Der sieht zwar teuer aus, aber nicht so recht wie Käsekuchen. In Prag würde ich mich wahrscheinlich auch mehr auf Bier konzentrieren und weniger auf Kuchen, aber falls ich noch mal da hinkomme werde ich verschärft auf die Preise achten wenn der kleine Hunger kommt *g*
    Schön viel Gebamsel haben die da jedenfalls an den Wänden, nur das auf Bild 1546 kann ich nicht so recht identifizieren. Noch mehr Gebäck?

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  4. Anne schreibt:

    Hier eine Stimme aus dem off: Ja, ist mir auch aufgefallen, die Prager sind auf eine ganz beiläufige Art zuvorkommend gegenüber Müttern, Kindern und Schwangeren. Sitzplatz in der Straßenbahn, Kinderwagen die Treppe hoch tragen – das wird völlig nebenbei erledigt.

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