Wein und wandern

An einem 3. Oktober sollte man keine Weinwanderung machen. Egal, ob er auf einen Samstag fällt oder nicht.

Denn an einem 3. Oktober, einem Feiertag, sind auch die unterwegs, die an normalen Samstagen arbeiten müssen. Also zum Beispiel Verkäuferinnen. Nun habe ich nichts gegen Verkäuferinnen, nur an normalen Samstagen arbeiten die und wandern nicht durch Weinberge, was die Anzahl der Weinwanderer insgesamt etwas verringern dürfte.

Die Weinwanderung, an einem beliebigen Samstag im Herbst, gehört fest in den Terminplan der Freunde. Ich war da allerdings noch nie mit. Ich trinke nämlich lieber Bier. Aber eine Bierwanderung stelle ich mir nun doch etwas prollig vor. Die Freunde wohl auch, weswegen sie höchst selten und sehr sporadisch Bierwanderungen unternehmen, bei denen ich allerdings auch noch nie dabei war.

Dieses Jahr nun, das ja in allem etwas anders ist als alle vorangegangenen Jahre, dieses Jahr versprach ich, mitzukommen. Gar nicht so sehr wegen des Weines, es ging mir eher darum, raus zu kommen, abzuschalten.

Dieses Jahr nun fiel die Weinwanderung ausgerechnet auf den 3. Oktober, was den organisierenden Freunden auch erst als ungünstig auffiel, als wir an der Fähre anstehen mussten.

Wir wanderten von Naumburg nach Freyburg. Das liegt ganz tief in Sachsen-Anhalt. An Saale und Unstrut. Nachdem man in Naumburg die Fähre bestiegen und auf die andere Flussseite  gewechselt hat, führt ein Wanderweg durch zum Teil sehr lauschige Orte und Weingüter nach Freyburg. Nur eben, an einem Feiertag wird die Lauschigkeit ein bisschen durch die vielen vielen anderen gestört. Zumal auch noch Weinwandertag war! Aber das konnte man vorher wirklich nicht wissen. Trotzdem und auch wenn wir manchmal auf improvisierten Sitzgelegenheiten saßen, schafften wir es in jede Wirtschaft und auf jedes Gut, nach dem uns begehrte. Und weil eben der 3. Oktober war und Weinwandertag, gabs irgendwo sogar einen kleinen Flohmarkt. Gleich neben dem Herbstmarkt. Glücklicherweise hätten wir ja alles schleppen müssen, bergauf bergab, treppauf treppab, und das, wo es viel wärmer war als angenommen, so dass sich unsere Kauflust in Grenzen hielt.

Die Menschen dort, also die Weinbergbesitzer, Winzer und Wirtsleute sind ausgesprochen nett und freundlich. Allerdings wurde doch jedes nette Zusammentreffen irgendwann getrübt. Denn, egal, worum es ging, „der Ausländer“ kam immer irgendwie unter. Sei es, dass er Schuld dran sei, dass die Banken kein gerolltes Geld mehr nehmen, sei es, dass er in Großjena, einem Nest bei Freyburg, die Gleise blockierte ( am 3. Oktober!), so dass die Züge nicht mehr fahren konnten. Gesehen haben wir keinen einzigen „Ausländer“, geschweige denn einen Menschen mit Migrationshindergrund. Trotzdem ist es ja besser, schon mal bissl Angst zu haben. Vor allem vor den Moslems. Nicht dass die kommen, den Wein klauen. Oder so. Wir stellten uns dann vor, wir wären hier mit ein paar Bewohnern aus der Notunterkunft aufgeschlagen. Das wäre doch ein Heidenspaß gewesen. Vermutlich wohl aber nicht für die geflüchteten Menschen.

Immerhin, im Zug nach Naumburg, unterbrach eine ältere Dame, sich entschuldigend, unser Gespräch um uns zu sagen, wie sie sich freue, wie wir diskutierten und redeten. Sie würde hier in der Gegend sonst so viel unreflektierten Mist hören. Solche Menschen machen mir immer Hoffnung.

Na, wie dem auch sei. Trotz der kleinen Misstöne, die ja eigentlich auch zu erwarten waren, war es ein schöner Tag. Und ich habe Weine getrunken, von denen ich noch nie gehört habe. Was einerseits daran liegt, dass ich ja kein Weinkenner bin. Für die meisten dieser Gattung Menschen sollte Scheurebe also nix neues sein. Aber Solaris? Haben Sie davon schon mal gehört?

Unstrutweine sind lecker. Ich kann Ihnen nur eine Wanderung im Herbst empfehlen. Nur: Diskutieren Sie nicht über Politik. Tun Sie so, als seien Sie in Bayern. Da sind die Leute ja auch furchtbar nett. Nur über Politik sollte man eben nicht reden.

Ein paar Impressionen (drauf klicken= groß gucken)

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7 Antworten zu Wein und wandern

  1. Frau Momo schreibt:

    So zu tun, als sei ich in Bayern sollte ich noch hinkriegen. Hab ja bis vor 1 1/2 Jahren mal 10 Monate dort gelebt. Ansonsten machen mich die Photos neugierig auf die Gegend. Kommt mit auf die Liste 🙂 Ich wollte ja auch noch gerne z.B. nach Meißen und das scheint mir auch ein Ort, wo jemand wie ich besser die Klappe halten sollte.

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  2. freiedenkerin schreibt:

    Ich kenne mich mit Wein ein bisschen aus, aber von einer Rebe namens Solaris habe ich auch noch nie etwas gehört. Und die Unstrut-Weine sind in der Tat lecker. 😉
    Ja, wir Bayern sind nett. Hier gibt es zwar auch Vollpfosten – so wie überall – aber im Großen und Ganzen lässt es sich bei uns sehr gut leben. Ich halte von Pauschalierungen überhaupt nichts. Und diejenigen, die sie im Bezug auf Bundesländer und sogenannte Volksstämme gerne im Munde führen, sind im Grunde genommen jenen, die über Asylanten schimpfen und Vorurteile schüren, hetzen und lügen, durchaus ein klein wenig ähnlich. Wir sind Menschen. Aus. Basta. Egal, ob wir uns nun Bayern, Sachsen, Hessen, Schwaben etc. schimpfen.

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    • Inch schreibt:

      Nuja, ich dachte ja, Bayern mit Sachsen-Anhalt zu vergleichen, zeigt, dass ich nicht alle meine und nicht ein besonderes Bundesland. Über Sachsen brauchen wir ja nicht zu reden. Über Sachsen hört man derzeit genug schlimme Dinge. (Damit muss ich auch leben, ohne nicht alles gleich auf mich persönlich zu beziehen.) Und nur deshalb ist Meck Pom derzeit etwas aus dem Fokus geraten 😉 Allerdings kenne ich tatsächlich mehr Bayern als Sachsen-Anhalter, und als Mecklenburger sowieso, deshalb der Vergleich mit Bayern.

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  3. Zaphod schreibt:

    Solaris habe ich auch noch nie von gehört, nur Polaris kenne ich, aber das ist eine Hopfensorte für die man einen prolligen Bierwandertag einlegen müsste 😀 (für eine Fahrt mit der fröhlichen Dörte hätte ich den glatt unterbrochen)
    In Bayern wird man übrigens niedergestochen wenn man dem unreflektierten Mist Einhalt gebieten will, jedenfalls auf dem Oktoberfest.

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    • freiedenkerin schreibt:

      Nein, wirklich? Ich versuche seit vielen Jahren schon, dem unreflektierten Mist Einhalt zu gebieten, auch während meines Jobs in einem Tabakstand auf dem Oktoberfest, und bin noch nie körperlich angegriffen geschweige denn niedergestochen worden.

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  4. Herr Ärmel schreibt:

    Das klingt nach einem gelungenen Wandertag. Und die Fotos sprechen erst Recht dafür.
    Und ausserdem: lieber Wein beim Wandern als beim Wandern weinen 🙂

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