Fahrraddiebstahl – misslungen

Ich gebe nicht so gern zu viel Geld aus. Also zum Beispiel für Markennamen. Dinge müssen funktionell sein oder, wenn es Klamotten sind, chic. Und sie müssen lange halten. Ich sehe nicht ein, für etwas 10-50% mehr zu bezahlen, nur weil irgendwo ein Name drauf steht. No name Produkte sind mein Ding.

Auch bei Fahrradschlössern. Zum Beispiel.

Dass ich damit nicht schlecht fahre, zeigte sich gestern, als ein böser Bub oder eine böse Bubin mein schönes rotes Fahrrad klauen wollte, während ich mich nach überstandenem Protest gegen die Menschenfeinde und Nazis von Legida bei einem revolutionären Getränk aufwärmte und erholte.

Mein Fahrradschloss, vor ca einem halben Jahr für stolze 25 € erstanden, nachdem ich den Vorgänger, auch wegen einer Straßensperre zugunsten der Wendeverlierer verloren hatte, hielt allen Versuchen, es zu knacken, stand. Nur leider, es überstand den feigen Angriff nicht. Wir rüttelten und schüttelten, aufschließen ließ es sich nicht. Das ist nun blöd, wenn es, um ein unbefugtes Fortbewegen zu verhindern, am Rad des Kumpels angeschlossen ist. Ein Bolzenschneider musste her.

Und was soll ich Ihnen sagen? Der Bolzenschneider versagte. Ich war so stolz auf mein Fahrradschloss, wenngleich wir weiter frierend in der Leipziger Nacht standen.

Nun, es gelang uns letztlich doch, die Räder voneinander zu befreien, wie, verrate ich nicht. Nur für den Fall, ich werde so eines genialen Schlosses einst wieder habhaft.

Heute also machte ich mich, nachdem ich lange vergeblich im Internet nach dem Objekt meiner Begierde gesurft hatte, auf den Weg durch diverse Geschäfte. Fachgeschäfte und solche für Haushaltswaren, Ramschläden und Kaufhäuser. Ich war sogar in jenem Fahrradladen, in dem ich meinte, den Wunschartikel vor einem halben Jahr erstanden zu haben. Und dann, in grenzenloser Verzweiflung, in der Filiale jener Kette, in der ich seit jeher das Gefühl habe, man wolle mich über den Tisch ziehen. Jedenfalls, nach anfänglich guten Erfahrungen, schlug man mir bei jeder gewünschten Reparatur des Zweirades einen Neukauf vor, am Ende sogar mit unverhohlen abschätzigen Bemerkungen über mein geliebtes Uni- Rad, den Vorgänger des roten Fahrrades.

Dort, im großen Verkaufsraum nur Schlösser einer Marke, deren Name mit A beginnt. Es gibt da welche für 99 € und mehr. Himmel. Eines schließlich, dem begehrten am nächsten kommend, kostete nicht nur mehr als die 25 €, es war im Durchmesser auch noch kleiner, dafür viel schwerer.

Nö.

Noch einmal rang ich mich durch und fragte ob man nur Schlösser von A führe.

Ja, baute sich der Verkäufer vor mir auf, wir haben nur die guten Schlösser der Marke A.

Ja, sehen Sie, dieses hier hat gestern aber meinen Drahtesel gerettet. Deswegen hätte ich gern so eines, aber nicht von A.

Da hatten Sie Glück, denn eigentlich hält das keinem Bolzenschneider stand.

???

Der Verkäufer rennt zum Regal, zieht eins vom Haken und legt los.

Nein, ich vertraue gern Dingen, deren Wert ich schon einmal erleben durfte und verließ fluchtartig das Geschäft, während der Verkäufer noch immer seine Rede hielt.

Und genau deshalb kaufe ich eigentlich nie bei Ihnen ein, hätte ich ihm gern noch gesagt, fuhr stattdessen in den nächsten Laden, entschied mich für eine Übergangslösung und surfte weiter im Internet.

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12 Antworten zu Fahrraddiebstahl – misslungen

  1. Herr Ärmel schreibt:

    Pfff, da haste aber Glück gehabt – um dieses schöne Rad wäre es schade gewesen.

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  2. Gudrun schreibt:

    Ooooch, Glück gehabt im Unglück. Was wärst du ohne dein Rad?

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  3. Zaphod schreibt:

    So ein gutes teures Schloss von A hatte ich auch mal. Nach drei Jahren war der Schließmechanismus vom A so dermaßen im A, dass ich es nur noch mit nem Bolzenschneider auf bekam. In zwei Sekunden. Knack.

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  4. Trude schreibt:

    Fahrradklauern müssten die Finger abfallen! Hier ist das auch an der Tagesordnung, schlimm. Hoffentlich findest du das gewünschte Schloss.
    Schöne Woche noch und viele Grüße, die Trude.

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  5. Frau Tonari schreibt:

    Ich gestehe, neulich ein Schloss von A an das Töchterlein verschenkt zu haben. Im guten Glauben, ihr und dem Rad was Gutes getan zu haben. Das Rad muss nämlich immer draußen stehen, weil es im Flur keinen Platz gibt und zur Wohnung kein Keller gehört. Nach einer Woche war das Schloss geknackt. Aus Spaß. Denn das Rad war noch da. Und das offene Schloss auch. Offenbar gibt es eine Art Knackchallenge 😉

    Revolutionäres Getränk? Rotwein heiß gemacht, auch Glühwein genannt?
    Oder nur vernünftiger Rotbuschtee? ☕️

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