Recht und Kunst

Als ich also die letzten Monate so in der Erstaufnahme „abhing“ oder auf dem Bauernhof, dachte ich mir, dass mein Blog ganz schön darunter leidet. Ich dachte zurück an Stadterkundungsgänge und wann ich die eigentlich wieder unternehmen will.

Es ist ja nun nicht so, dass ich nicht unterwegs wäre. Nur wo ich früher immer die Kamera dabei hatte, ist jetzt kein Platz mehr. Die Tasche mit den Schulbüchern ist wirklich zu schwer. Außerdem gibt es in so einer eigentlichen Sporthalle nicht wirklich die Möglichkeit, die Kamera wegzuschließen. Zum Beispiel während des Deutschunterrichts.

Manchmal habe ich Sie deshalb mit schlechten Handyfotos belästigt. Nun, das hat ein Ende, weil ich mir letzte Woche so ein neues Schmardfone zugelegt habe und ich glaube, das hat eine bessere Kamera.

Aber keine Angst.

Ich komme ja trotzdem noch rum.

Vor zwei Monaten war ich zum Beispiel in Aue, einen ehemaligen Schüler besuchen, ihn mit Lernstoff und Winterjacke versorgen und ein paar Kontakte zur örtlichen Bevölkerung herstellen.

Ich glaube, ich war das erste Mal im Leben in Aue und nahm extra die Kamera mit…

Leider habe ich vergessen zu fotografieren…

Manchmal schnappen wir uns ein paar interessierte Schüler und machen einen Stadtrundgang. Da habe ich nur leider nie die Kamera mit.

Aber heute!

Heute waren wir im Bundesverwaltungsgericht.

Mit Kamera und dem festen Vorsatz, Ihnen ein paar Bilder zu liefern. Leider darf man innen nur für den Privatgebrauch fotografieren… und ich habe es eh wieder vergessen.

Aber ich habe ein paar ältere Fotos von außen.

Also!

Das heutige Bundesverwaltungsgericht wurde als Reichsgerichtsgebäude zwischen 1888 und 1895 gebaut. Nach einem Architekturwettbewerb, den sensationellerweise die jungen und damals noch unbekannten Ludwig Hoffman und Peter Dydward gewannen, wurde es im Stil der italienischen Spätrenaissance errichtet.

Weil es in Leipzig eigentlich recht sumpfig ist, brauchte man allein 2 Jahre für das Fundament. Dann aber ging es, gemessen am schwierigen Anfang, recht flott voran.

Während der Bauzeit reisten die Architekten immer wieder nach Italien, um sich Anregungen zu holen. Viele Details wurden danach erst im Maßstab 1:1 als Modell hergestellt, um zu sehen, wie die Wirkung ist.

Die Säulen am Portal sollen ans Pantheon erinnern, die große Wartehalle ist einem antiken römischen Bad nachempfunden und soll beruhigend und entspannend auf den Besucher wirken. Vielleicht keine schlechte Idee, wenn man ganz aufgeregt das Gebäude betritt, vor allem als Angeklagter.

Auf der Kuppel thront die 5,50 m hohe Skulptur „Die Wahrheit“. Allein die Herstellung dieser Figur dauerte 1,5 Jahre, wobei die Handwerker 10 Stunden täglich werkelten. Aber da war das Gebäude ja sozusagen schon fast fertig.

Sowohl zur Grund- als auch zur Schlusssteinlegung reisten Kaiser und Sächsischer König an. Wilhelm soll gesagt haben, dass er sich wirklich wie in Italien fühlt. In diesem Gebäude..

Nuja.

Es ging ziemlich prunkvoll und pompös zu, im alten Reichsgericht. Leider kann man nicht alles besichtigen.

Wir im Osten zur Schule gegangenen kennen das Gebäude alle wegen des Reichstagsbrandes und des darauf folgenden Reichstagsbrandprozesse gegen den bulgarischen Kommunisten und Politiker Georgi Dimitroff. Dass die Nazis gleichzeitig die Grundrechte in Deutschland außer Kraft setzten, haben wir entweder nicht gelernt, oder ich fands nicht so spannend oder habe es sonstwie vergessen. Wie dem auch sei, Dimitroff gewann den Prozess, was natürlich großartig ist, ihn in der DDR aber zum Helden machte.

Folgerichtig hieß das ehemalige Reichsgericht, nachdem es in der DDR anderer Verwendung zugeführt wurde, Georgi-Dimitroff- Museum.

So habe ich es kennengelernt. Dass da auch eine Bibliothek drinnen war und ein Archiv, habe ich heute gelernt. Für mich war das Dimitroff-Museum das Bildermuseum. Und ich war ziemlich traurig, als es auszog in einen neuen gläsern betonierten Bau in der Innenstadt und das Gericht wieder Gericht wurde.

Dass es nicht wieder das wurde, was es mal war, also heute hieße das dann Bundesgerichtshof, hatte was mit Politik zu tun. Aber Bundesverwaltungsgericht reicht eigentlich auch.

Hauptsache, das Gebäude wurde saniert. Von 1998 bis 2001.

2002 wurde es dann seiner neuen Bestimmung zugeführt. Besichtigen kann man heute den Großen Sitzungssaal, die Wartehalle und die Gallerie.

Sehr imposant.

Ein paar ältere Fotos (drauf klicken und große gucken)

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3 Antworten zu Recht und Kunst

  1. Herr Ärmel schreibt:

    Ich finds schon gut, dass es wieder ein hohes Gericht geworden ist. Und besser das Bundesverwaltungsgericht als der Bundesgerichtshof. Der hätte vielleicht Assoziationen an Roland „den fanatischen“ Freisler geweckt.

    Die Ansicht von Bild 1 kommt mir irgendwie bekannt vor 😉

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  2. Gudrun schreibt:

    Ich wäre nie auf die Idee gekommen, da hinein zu gehen, dachte nicht, dass man das besichtigesn kann. Ich werde es wohl mal tun müssen, wenn ich wieder mal dort in der Nähe bin. Ich kenne es auch nur aus der Zeit, als noch Bilder drin hingen.

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  3. Zaphod schreibt:

    Ich finde solche Klötze ja immer bedrohlich, vor allem wenn „Gericht“ draufsteht *g*
    Am schönsten finde ich das Winterfoto. Passt am besten in die Zeit, live gibts das hoffentlich nicht so schnell…

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