Freude, Gäste und Verwirrung

DSC_6867-001Verblüfft untersuchen die beiden die Pyramide und versuchen zu ergründen, wie das funktioniert. Wir sind auch verblüfft. Das ein Moslem aus dem Irak keine Weihnachtspyramiden kennt, war zu erwarten, aber ein Christ aus Pakistan? Es scheint tatsächlich, die Weihnachtspyramide sei etwas, das sich noch nicht so recht auf dem Weltmarkt durchgesetzt hat. Das Kleine Kind amüsiert sich, dass in Deutschland jedes Kind mit dem Wissen über Thermodynamik aufwächst, ohne vielleicht zu wissen, dass es sich dabei um Thermodynamik handelt.

Unsere beiden Gäste haben inzwischen die Funktionsweise ergründet. Zeit, die Räuchermännchen vorzustellen.

Es ist der 2. Weihnachtsfeiertag und wir liegen in der Zielgeraden der diesjährigen Feiertage, die sich nicht nur dadurch von denen im Vorjahr unterscheiden, dass wir den Tag nicht nutzen, um uns vom „Stress“ der Vortage zu erholen.

Dabei begann dieses Jahr mit Verwirrungen und einem Irrtum.

Im Vorfeld wurden nämlich viele Geschenke per Post geliefert. Für Weihnachten, für das neue Baby, die frisch gebackenen Eltern, den Mitbewohner. Die Päckchen und Pakete kamen von Freunden, aber auch zum Beispiel vom Kleinen Kind, das bestellte Sachen direkt zu mir nach Hause liefern ließ.

Ich sammelte alle artig. Am 24. vormittags dann das große Sortieren. Das kommt unverpackt unter den Baum und das hast Du bestellt? Nö. Also unter den Baum…

Wir bringen alles zur Kleinfamilie und fahren dann weiter in den Süden der Stadt. Dort leben in einer Einrichtung unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Und statt in die Kirche zu gehen, feiern wir und einige Freunde mit den Kids und Jugendlichen Weihnachten.

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Die Bewohner sind so zwischen 14 und unter 18 Jahre alt. Und wie alle Menschen in diesem Alter sind sie unterschiedlich groß, reif und -äh- entwickelt(?). Manche sehen aus wie 11, andere wie 20.

Allein sind sie alle.DSC_2430-001

Es hat am Ende so viele Spenden gegeben, dass einige an eine weitere Einrichtung für umAs weitergeleitet werden konnten. Trotzdem ist noch reichlich da. Ein echtes Weihnachtsfest mit viel Essen und einem reichlichen Gabentisch. Sogar für die Besucher, ehemalige Bewohner der Sammelunterkunft, ist mehr als genügend da.

Ein wundervolle Start in die Festtage.

Am frühen Abend geht’s dann ab zur Kleinfamilie. Und wir sind sogar noch vor dem Weihnachtsmann da.

DSC_2475-001Beim Auspacken entsteht Verwirrung. Beim Auspacken der Postsendungen. Also das ist von S. für den Kleinen König. Und das für die Prinzessin. Und das ist für K. für mich und für dich… So in etwa. Kind, das hast Du bestellt. Nö. Kleines Kind? Nö. Mama, das ist für dich. Ich weiß, aber von wem? Keine Karte drin? Nö. Oh, ich weiß, das ist von K2. Das kam schon vor ner Woche an. Da bedanke ich mich mal schnell. Tschuldigung, ich muss mal eine SMS schicken, aber K2 denkt sonst noch, das Buch sei nicht angekommen. K2 antwortet nicht. Klar, am Heilig Abend.

Dafür fragt Frau Tonari dann am Freitag nach, ob das Buch angekommen sei. Ach Herrje.

K2 dagegen wundert sich bis heute nicht, wofür ich mich bedankt habe…

Die Messe holen wir am Freitag Vormittag nach. Der Mitbewohner, der Moslem ist, aber nicht mehr beten kann, kommt mit. Das er nicht beten muss, muss ich ihm auf dem Weg zur Kirche immer wieder versichern. Unterwegs spricht uns ein Mann direkt an. Besser, er spricht den Mitbewohner an. Woher er komme usw. und Frohe Weihnachten, Frieden und Herzlich Willkommen. Und der Gottesdienst wird ihm gefallen. Immerhin, es gibt Teile des Weihnachtsoratoriums. Nein, beten muss er nicht. Er ist doch Moslem. Ach er kann nicht beten? Oh. Alles Gute für die Zukunft. Frieden. Für alle.

Wir treffen noch zwei meiner Schüler, Christen, die in einer Sammelunterkunft der Stadt leben, und mit denen wir uns zu diesem Gottesdienst verabredet haben.

Danach geht’s flink zu meinen Eltern. Wie jedes Jahr Weihnachten. Nur dass wir irgendwann überlegen, welches Spiel wir spielen könnten, das alle verstehen. Wir finden eins.

Wie immer gibt es viel zu viel zu essen. Die ganze Familie ist zusammen gekommen. Es ist laut und fröhlich. Und in diesem Jahr eben manchmal auch englisch.

Am Samstag dann  der Tag zu Hause. Nur diesmal mit Gästen. Und endlich sehe ich auch mal die neue katholische Kirche von innen. Dieses häßliche Ding, dass man vor meine Nase gebaut hat und das im Moment noch gar nicht so häßlich, weil eben neu ist. Ich mache mir eher Sorgen um die Zeit in 10 Jahren. Von außen sieht mir das  mehr wie das Besucherzentrum eines Centerparks aus, da will ich doch nun endlich mal rein gucken. Irgendwo muss es doch eine Art Kirche geben. Oder?

Und da die Christen, die zu uns kommen, meistens Katholiken sind, passt der Spaziergang dahin ganz gut.

Nuja.

Zum Glück ist der 2. Weihnachtsfeiertag ein Samstag, da bleibt noch der Sonntag zum alle Viere von sich strecken. Was wir auch tun. Alle.

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Liebe Frau Tonari! Vielen lieben Dank für dieses wundervolle Geschenk. Wir haben schon geübt

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2 Antworten zu Freude, Gäste und Verwirrung

  1. Zaphod schreibt:

    Bei dem Programm war das wohl auch bitter nötig, mit dem Viere von sich strecken. Haste Dir verdient 😉

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  2. Frau Tonari schreibt:

    Okay, ich bin Verwirrung 😉
    Liebe Grüße und beste Wünsche für den Jahreswechsel.

    Gefällt 1 Person

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