Prinzessin im Schnee

Muss ich denn erst nach Tschechien kommen, um geräumte Straßen vorzufinden?, poltert der Kumpel statt einer Begrüßung.

Ich scheine alles richtig gemacht zu haben, denn statt 16:00 Uhr trifft der erste nach uns eine Stunde später ein, erzählt von LKWs, die ihm entgegen rutschten. Rückwärts.

Der polternde Kumpel kommt noch mal eine Stunde später, und die letzten schaffen es bis irgendwann zwischen 7 und 8 abends. Alle erzählen vom Chaos, Staus, Umwegen.

Ich bin schon mittags losgefahren, habe die Prinzessin, Schlitten und Kinderski eingepackt, bin galant um den ersten in einer Rechtskurve irgendwo im Erzgebirge liegengebliebenen LKW herum geschlittert, habe sogar zwei Räumfahrzeuge gesehen, ganz viel Polizei, mich auch über die geräumten Straßen in Tschechien gefreut, hatte ein bisschen Bammel auf dem letzten Stück hoch zum Plesivec, weil da geht es natürlich über fest gefahrenen Schnee, und bin kurz nach 14:00 Uhr am Ziel. Ohne Glatteis, ohne Staus, ohne Stress.

Die Prinzessin ist das einzige Kind in der Gruppe, kommt aber gut an.

Für ausgedehnte Wanderungen, egal ob mit oder ohne, ist sie natürlich zu klein. Also lassen wir am Samstag die anderen ziehen, schnallen die Kinderski um und purzeln und schlittern zum Hang. Dort gibt’s sogar eine Skischule. Aber diese ist geschlossen, teilt mir ein Lehrer unfreundlich mit. Auch der Hang ist „geschlossen“. Wahrscheinlich für die Gruppe Kinder und Eltern, die da ihren Spaß haben.

Das ist blöd.

Rodeln ist auch nicht. Und die Skipisten werden, wie schon die ganze Nacht, beschneit und sind, natürlich, geschlossen.

Sie haben übrigens richtig gelesen, die Skipisten werden beschneit. Auch noch in der nächsten Nacht. Vielleicht, weil das Geld da ist. Schilder weisen nämlich stolz darauf hin, dass Skischule und Lifte und Restaurant (auch geschlossen, jedenfalls für uns) mit EU-Fördermitteln gebaut bzw. modernisiert oder erweitert worden.

Macht nix.

Die Prinzessin lernt trotzdem Ski laufen. Und den Berg runter fahren.

Dann will sie rodeln.

Das ist schlecht, weil ja… siehe oben.

Also zieh ich sie die Straße rauf und dann rodeln wir eben die runter. Natürlich halten wir, wenn sich mal ein Auto hierher verirrt, pädagogisch gesehen ist das trotzdem total falsch. Ich weiß.

Ehrlich, wäre ich das erste Mal in der Baude, würde ich hier nie wieder herkommen. Wegen dieses blöden Beschneiungsdingens kann man nur bei geschlossenem Fenster schlafen und hört den Krach trotzdem.

Die Freunde haben sich übrigens in zwei Gruppen aufgeteilt. Die eine fährt an einen Hang, die andere läuft Ski. Der Unfall geschah bei den Skiläufern. Unfall mit am gleichen Abend nach Hause und ins Krankenhaus fahren. Skilanglauf ist eine Risikosportart.

Weil es auch in Bozi Dar schlecht aussieht mit Rodelbergen, lassen wir die Freunde am Sonntag dort zurück und fahren nach Hammerunterwiesenthal.

Hammerunterwiesenthal!

Diesen Ort sollten sie sich merken.

Da gibt’s einen Rodelhang. Eine Schneeraupe zieht Sie im Hänger den Berg rauf und dann geht die Post ab.

Unten dampft romantisch die Fichtelbergbahn durchs Tal. Die habe ich jetzt vergessen zu fotografieren. Der Prinzessin war nach vier schwindelerregend schnellen Schlittenpartien so kalt, dass wir schnell ins Auto mussten.

Da sie dort vor Erschöpfung und sofort in einen komaähnlichen Schlaf fiel, konnte sie mir erst in Leipzig sagen, wie schön das Wochenende war. Fand ich auch.Mit Fotos von verwunschen Winterlandschaften kann ich diesmal nicht dienen, denn wenn man mit Prinzessin im Schnee ist, verschiebt sich der Fokus. Trotzdem:

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9 Antworten zu Prinzessin im Schnee

  1. Herr Ärmel schreibt:

    Pädagogisch wertvoll oder richtig hinoderher, Spass solls machen im Schnee. Ich habe die Lummerländer Kinder auf ihren Schlitten gerne hinterm Volvo hergezogen. Die fanden das prima und erzählen noch heute davon. Das zählt.
    Aufpassen muss man allerdings schon bei solchen Aktionen 😉

    Dass ihr wegen Beschneiung nicht auf die Hänge konnte ist bedauerlich, dafür sind die Fotos sehr stimmungsvoll…

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    • Inch schreibt:

      Ja, Herr Ärmel! FRÜHER! FRÜHER war das alles ok. FRÜHER hängten wir uns auch an den Trekker, wenn kein Pferd zur Hand war. FRÜHER spielten wir in der Schule Geländespiele und durften sich dabei verletzen. FRÜHER durften Kinder beim Fußballspiel sogar verlieren und der Dicke in der Klasse durfte bei der Wahl der Mannschaften bis zuletzt stehen bleiben.
      Aber heute. HEUTE muss alles politisch korrekt sein. Kinder dürfen nur positive Erfahrungen machen. Ich muss bei Rot an der Ampel stehen bleiben, sollte da ein (fremdes) Kind stehen. Ich darf nicht Scheiße sagen und rauchen sowieso nicht, wenn die Prinzessin da ist. Weiß ich, was die Eltern sagen, wenn ich die Straße runter rodle? (Sie fanden es cool).
      Ich bin ja auch für Spaß, aber Spaß wird einem heutzutage gern von Zeigefingern verboten.
      Und was die Beschneiung angeht… es lag soviel Schnee, ich versteh es nicht.

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  2. freiedenkerin schreibt:

    Mir gefällt der verschobene Schneefoto-Fokus sehr. 😉 Kleine Kinder im Schnee sind immer besonders liebenswert.

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  3. Dirgis (Sigrid) schreibt:

    Das mit dem Rodeln in Hammerunterwiesenthal muss ich mir wirklich merken. Gibt es den Service jedes Wochenende?

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  4. Zaphod schreibt:

    Hammerunterwiesenthal ist ja echt der Hammer, ich will auch! Rodeln (Skifahren machen meine Knie sicher nicht mehr mit)! Vielleicht sollte ich mit meiner Prinzessin mal Winterurlaub machen, damit sie mal richtigen Schnee kennenlernt, hier oben gibt es so etwas scheinbar nicht mehr.

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