Zahlungsmoral

Im Januar und Februar habe ich nebenberuflich 20 unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden Deutschunterricht gegeben.

Zum Glück nur nebenberuflich, weil es keinen Raum gab, wo ich die Kids hätte 5 Stunden täglich unterrichten können.

Zum Glück, weil die Agentur für Arbeit mir natürlich sofort den zu erwartenden Verdienst abzüglich einer kleinen Pauschale vom ALG I abgezogen hat. Meine Einwand, dass ich die im Januar erbrachte Leistung dem Auftraggeber ja erst am letzten Tag des Monats in Rechnung stellen könne, wurde freundlich mit der Auskunft beantwortet, dass das bei ALG I eben so sei.

Ich stellte also eine Rechnung.

Und unterrichtete weiter.

So ab Mitte Februar wurde das, was nach Abzug des zu erwartenden Lohns noch vom Arbeitslosengeld übrige geblieben war, knapp. Also eigentlich war es schon nach Abzug der Miete ausgegeben und mit Zahlung des Unterhalts an das studierende Kind hätte ich schon im Dispo gestanden, wenn ich nicht ein bißchen was vom Sparbuch aufs Konto transferiert hätte.

Trotzdem dachte ich, Mitte Februar sei eine gute Zeit, mal beim Auftraggeber nachzufragen. Die Zahlung ist angewiesen, hieß es.

Aha.

Kurz vor Ende des Monats rief ich dann täglich an. Schließlich war damit zu rechnen, dass ich natürlich auch im Februar nur ein um den zu erwartenden Verdienst gekürztes Arbeitslosengeld erhalten würde und das stimmte mich doch, besonders hinsichtlich der zu zahlenden Miete, bedenklich.

Ich transferierte dann noch einmal Geld vom Sparbuch aufs Konto.

Da ich aber nun wahrlich nicht reich bin und auf dem Sparbuch nur soviel liegt, dass ich meinen Jahresurlaub oder eine unerwartete, aber zwingend notwendige Anschaffung finanzieren kann, wars das dann auch.

Nach Zahlung der Miete und des Unterhalts an das studierende Kind stand ich ratzfatz wieder im Dispo.

Nun hieß es beim Auftraggeber aber immerhin, der Lohn sei überwiesen. Das war  letzte Woche Dienstag.

Überweisungen, lernte ich letztens erst, dauern in Deutschland maximal 24 Stunden. Mein Auftraggeber sitzt nachweislich in Deutschland, ja sogar in Leipzig und bedient sich auch einer hier ansässigen Bank.

Aber, was rege ich mich auf. Heute, am 9. März war das Geld auf meinem Konto verbucht. Ich bin raus aus den miesen, yeah.

Freilich erhielt ich nur den Lohn für Januar, die Rechnung für Februar hatte ich schließlich, Sie erraten es, erst im Februar gestellt. Das werde ich dann wohl, lassen Sie mich rechnen, evtl im April erhalten.

Macht aber nix. Im Moment habe ich keinen Nebenjob, das heißt, im März erhalte ich das volle ALG I. Da kann ich ruhig noch ein bißchen auf meinen Lohn für Februar warten.

Und das, was ich davon tatsächlich selbst behalten darf, was mir also nicht im Januar und Februar von den Leistungen abgezogen wurde, das kann ich ja gleich dazu nutzen, meine zu erwartenden Minuszinsen auszugleichen.

Schade. Ich hätte es lieber aufs Sparbuch getan, um,  falls ich mal wieder einen Nebenjob habe, ein paar Reserven zu haben, nur für die Zeit, bis mir mein Lohn gezahlt wird. Dauert ja nur 6 Wochen.

 

 

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8 Antworten zu Zahlungsmoral

  1. Herr Ärmel schreibt:

    Auch wenn es dich nicht tröstet und schon garnicht deine Bilanz verbessert, auch in Lummerland habe ich ähnliches hören müssen. Du bist also nicht allein.

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    • Inch schreibt:

      Du hast Recht, es tröstet mich nicht. *grins* Wundert mich aber auch nicht, dass es woanders ähnlich ist. Nur wenn die öffentliche Hand Geld von mir will, da muss ich flink sein. Und ich frage mich natürlich, was Leute machen, die kein Sparbuch haben. Keine Miete zahlen?

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  2. Gudrun schreibt:

    Ach, dieses ewige Spagat kenne ich. Leider. Es ist einfach ermüdend und bremst aus.
    Ich hoffe, dass das nun etwas schneller geht und auch mal ein kleinwenig hängen bleibt. Ich wünsch dir das sehr.

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  3. alltagsfreak schreibt:

    Eine Unverschämtheit. Habe vor Jahren öfters gehört und auch selber erleben müssen, dass Löhne verspätet oder nur teilweise gezahlt werden. Damit sollte man sich nicht abfinden! Du musst ja auch leben können

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  4. Zaphod schreibt:

    Die Zahlungsmoral von Vater Staat war schon immer besch…, aber das ist ganz normal. Wer völlig pleite ist hat schon immer ungerne seine Schulden beglichen *fg*

    Ich kann jedenfalls nicht mehr zählen wie oft ich in den letzten Jahren bei den Kindern eingesprungen bin, weil das Bafög gerne mal ein halbes Jahr auf sich warten lässt. Das kommt sowieso nur wenn man da laufend Terror macht, wie damit jemand Miete zahlen oder Kinder ernähren soll interessiert scheinbar niemanden.

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  5. freiedenkerin schreibt:

    Wenn „Vater Staat“ etwas vom kleinen Bürgerlein haben will, dann ist er ungemein fix. Will das kleine Bürgerlein etwas vom „Vater Staat“ haben, dann ist von fix sein keine Rede mehr… :-/

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  6. schreibschaukel schreibt:

    Schlimm. Da zeigst du bewundernswerte Initiative und wirst dafür bestraft. Nicht zu fassen.

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