# Blick in fremde Fenster

Ein paar Mal habe ich jetzt sunnys Blogparade geschwänzt. Genau genommen drei Mal.

Das lag ein bisschen an der fehlenden Zeit, nicht der fehlenden Zeit zu bloggen, sondern über das Thema nachzudenken und Bilder zu suchen. Dabei hatte ich zum Thema Stau sogar eine Idee. Aber absolut kein Foto.

Und nun also Blick in fremde Fenster.

Ich blicke zur Zeit in viele fremde Fenster. Das habe ich ja früher schon gern getan.

Wenn ich irgendwohin gereist bin, war ich mehr an den Menschen interessiert als an Sehenswürdigkeiten. Hat mich in der Ferne jemand in seine Wohnung schauen lassen, galt der Urlaub für mich als gelungen. So interpretiere ich das Thema und ich könnte jetzt ein paar Fotos zeigen. Von Jurten in Kirgisien oder Kasachstan (ohne Fenster), Häusern in Russland, Rumänien, den USA, Hochzeiten in Bulgarien…

Nicht zuletzt war ich ja lange genug als couchsurfer unterwegs und als solcher darf man eh immer in fremde Fenster gucken.

Doch eigentlich muss man dazu nicht reisen. Wenn man selber Gastgeber ist, blickt man auch zu Hause in viele fremde Fenster. So viele Geschichten, so viele Träume.

Freilich erzählt jeder nur, was er preisgeben will.

Bei Flüchtlingen ist das anders. Die erzählen eigentlich eher nichts. Oder nur von den guten Zeiten. Wenn sie dann aber anfangen, sprudelt es aus ihnen hervor, so als müssten sie sich einer schweren Last entledigen. Und so ist es ja auch. Dann sitze ich da und höre zu während alles in mir schreit: NEIN. ICH WILL DAS NICHT HÖREN! BITTE. NEIN!

Geschichten von Krieg, Flucht und Hunger. Von Booten und Kälte und langen Fußmärschen. Von Verlusten und Hoffnung.

Ein Blick in  Fenster, in die ich lieber nicht sehen will.

Seit September arbeite und lebe ich mehr oder weniger eng mit Menschen zusammen, für die ich mich noch vor einem Jahr nicht sonderlich interessiert habe.

Arabische Länder waren nie mein Reiseziel. Afrika auch nicht wirklich. Und Asien auch nur bedingt.

Nun blicke ich seit September ständig in fremde Fenster, lerne immer mehr über andere Kulturen und Gewohnheiten.

Zum Beispiel Geburtstag.

K. feiert seinen ersten in Deutschland. Und nachdem er genau eine Woche vorher lernen durfte, wie Inch erst mit Freunden und dann ganz gesittet mit Familie feiert, wird seiner zu einer Mischung nicht nur aus Syrien und Deutschland, es gibt Essen aus Pakistan. Denn der beste Kumpel kommt von da. Und zu kochen ist dessen Geschenk.

Erst aber gibt es Kaffee und Kuchen. Das ist Deutsch. Das hat sich K. von mir gewünscht. Dann müsste eigentlich getanzt werden. Das wäre dann der syrische Teil. Leider sind alle anderen Gäste Deutsche und die tun sich nun mal schwer mit einfach lostanzen. Zumal so ohne Alkohol. Nach dem Biryani, dem pakistanischen Teil des Abends, versucht K. es noch einmal, aber obwohl ich jetzt doch etwas Wein und Sekt herausgeholt habe, sind die Deutschen, wir Deutschen einfach zu steif für spontane Tanzeinlagen.

Dafür haben beide, der Pakistani und der Syrer, ein paar deutsche Spiele gelernt. Es ist spät geworden gestern Abend. Und war lustig. Trotz fast ohne Alkohol.

 

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Über Inch

www.inch.beep.de
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5 Antworten zu # Blick in fremde Fenster

  1. Sandra schreibt:

    Hallo Inch,

    dieser Blick in fremde Fenster öffnet Türen und zeigt, wie schwer es sein muss, sich an andere Lebensumstände gewöhnen zu müssen. Gerade das Beispiel der Nichttänzer. Schade das K. diesen Wunsch nicht wirklich erfüllt bekommen hat. Sehr berührend finde ich seine Idee die Bräuche zu mischen und damit mit jedem in seiner Weise zu feiern. Das (?) Biryani schaut sehr lecker aus, ich muss mich mal schlau machen und ein Rezept dazu suchen.

    Liebe Grüße
    Sandra

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  2. Frau Tonari schreibt:

    Ich bin begeistert, wie Du das Thema interpretierst und Deine Art zeigst, in fremde Fenster zu blicken. Klar doch, man muss es ja nicht wirklich wörtlich nehmen. Der übertragene Sinn ist manchmal viel spannender.

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  3. der einsiedler schreibt:

    das gefällt mir:
    Fotos gelöscht

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  4. Sabienes schreibt:

    Manchmal ist das Kennenlernen von fremden Menschen und fremden Kulturen auch so eine Art Fenster!
    LG Sabienes

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  5. freiedenkerin schreibt:

    Was wären wir hier in Schland ohne die Einflüsse fremder Kulturen und Menschen, ohne die entsprechenden Fenster und Türen…

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