Einmal Himmelreich und zurück

Das schenkten mir Freunde spontan, als sie erfuhren, dass ich da noch nie war.

Sie legten auch gleich den Termin für den Ausflug fest und erinnerten mich glücklicherweise zeitnah daran.

So ging es also an einem Samstag Ende April mit dem Auto erst mal nach Bad Kösen. Das liegt an der Saale, in Sachsen-Anhalt und wie mir Wikipedia verrät, ist es, das ist neu für mich, ein Ortsteil von Naumburg.

Naumburg, das ist das Ding mit dem Dom und Bad Kösen ist erst seit 6 Jahren ein Teil davon.

Egal.

Wir stellen das Auto ab und laufen erst Mal zur Saline und dem Gradierwerk. Letzteres ist immerhin 325m lang. Lange stehen wir an der alten Saline und versuchen herauszufinden, wie die Mechanik funktioniert bzw wo wie was angetrieben wird. Denn leider stehen alle Räder still. Vielleicht nur im Winter, vielleicht für immer, wir wissen es nicht. Der Mitbewohner und der Freund diskutieren lange, die Freundin und ich helfen mit klugen Kommentaren. Wir einigen uns auf eine Erklärung. Könnte aber die falsche sein.

Also tippeln wir wieder runter zur Saale und rauf zur Rudelsburg. Mit Blick auf die Saale, die sich hier tief in den Muschelkalk eingegraben hat und vorbei an merkwürdigen, befremdlich wirkenden Denkmalen. Sehr viel wird hier irgendwelcher oder irgendeines Corps gedacht. Vor allem aber eine Inschrift am sogenannten Löwendenkmal schämen wir uns, dem Mitbewohner zu übersetzen. Immerhin, man entfernte es 1953. Nach der Wende kam es wieder an seinen alten Platz.

Da ist es auf der Rudelsburg doch viel schöner. Und im Hof gibt es ein wirklich nettes Restaurant. Wir können auch schon mal nach Himmelreich rüber gucken.

Aber erst mal geht es zur zweiten Burg, der Saaleck, und von da ganz runter ins Tal, über den Fluss und dann wieder steil hinauf zum Ziel.

Die Pension und Gaststätte „Himmelreich“ liegt sicher 200m hoch über dem Saaletal, direkt in einem Knie, was einen herrlichen Ausblick garantiert, und direkt gegenüber der zwei Burgen.

Das Wetter ist bestens, die Windbeutel sind riesig und lecker, ich bin in angenehmer für Gesellschaft. Was für ein schönes Geschenk.

Sollten Sie mal in der Nähe sein, fahren Sie hin. Es lohnt sich, trotz merkwürdiger Denkmale.

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6 Antworten zu Einmal Himmelreich und zurück

  1. Herr Ärmel schreibt:

    Wie ein Gradierwerk funktioniert, könnte ich dir hier in der Nähe zeigen, auch zum Heilsame-Luft-Schnappen;-)

    Ach je, wenn ich deine Fotos sehe – – wie alt müsste ich werden, um all die Schönheiten hier im Land zu sehen, die noch auf meiner Wunschliste stehen, und die ständig länger wird…

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  2. Zaphod schreibt:

    Das Gradierwerk von Bad Kösen ist sogar in der Wikipedia abgebildet. Gott sei Dank, sonst wüsste ich gar nicht wie so etwas ohne Details aussieht *g* (das Detailfoto ist natürlich trotzdem super)

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  3. Gudrun schreibt:

    In Bad Kösen war ich vor einer Woche. Bis dahin wusste ich nicht, dass der Bergrat Borlach die Wasserkunst auch dort gebaut hatte. Faszinierend.
    Ein Ausflug dahin lohnt sich wirklich. Da hast du Recht.

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  4. freiedenkerin schreibt:

    Windbeutel zählen zu meinen Lieblingsgebäcksorten – jetzt läuft mir ganz schön das Wässerchen im Munde zusammen. 😉

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  5. Bludgeon schreibt:

    Super-Fotos, schöner Ausflug, lechz! Heimweh.

    Auf der Rudelsburg wurde die erste Burschenschaft(= Corps) durch Studenten aus Jena gegründet, was nichts rechtsradikales hat, weil sie damals eine Art Partisanenbewegung gegen Napoleon war. Der Ort wurde symbolisch gewählt: Eine deutsche Burgruine in Erinnerung an mittelalterliche Stärke. Geschichtswissenschaft im eigentlichen Sinne gab es noch nicht. Deshalb wurde wild drauflos geträumt, wie herrlich das unter Kaiser Barbarossa gewesen sein muss.
    Dabei wurden die Kaiser durcheinander gebracht: Barbarossa wurde zugeschrieben, was erst sein Enkel Federico leistete.
    Nach 1815 wurden die Burschenschaften mehr und mehr, jede Uni hatte mehrere – und das Wartburgfest von 1817 lief dann der Rudelsburg den Rang ab. Die Waterloo- und Leipzig-Kämpferveteranen waren sauer, dass der kuriose Deutsche Bund entstanden war und kein einheitliches Deutschland. Sie blieben Untergrund wegen der Karlsbader Beschlüsse von 1819. Die wiederum Deutschlandweit uneinheitlich aufgehoben wurden zwischen 1836 und 1860.
    Ihr Negativ-Image bekamen die Corps-Studenten zunehmend ab 1871, ihr Zweck hatte sich erfüllt, nun wurden es bloße Sauf-und Kungel-Clubs, dabei behielten sie ihre ans germanische erinnernde Namen bei „Borussia“, „Saxonia“,“Franconia“ usw. – was in der Weimarer Republik seinen reaktionären Unterton erhielt und für den Rassismus unter Hitler empfänglich machte.

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    • Inch schreibt:

      Oh, das ist interessant. Danke für die Info unf Aufklärung. Über diese Burschenschaften habe ich mir nie Gedanken gemacht, außer dass ich sie pauschal in die reaktionäre Ecke gestellt habe. Ich weiß, ich weiß. Pauschalisierungen. Ich arbeite gerade daran

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