Gartenkunst, Wanderlust und die Leichtigkeit des Studierens

oder   Der erste Demonstrant war ein Chinese

Och, ist es hier schön, rufe ich immer wieder, ganz gemütlich. So schön. Familiär. Och, och, wunderbar.

Das Kleine Kind pflichtet mir grinsend bei. Sie findet den Campus auch sehr nett. Naja, dass man eine Stunde mit Bahn und Bus fahren muss, jeden Morgen, das ist ein Manko. Und das Studenten nicht durch den Schlosspark zum Campus laufen müssen, das ist richtig blöd. Aber das Gelände selbst ist sehr schön, sehr gemütlich, sehr überschaubar.

Wir sind in Pillnitz, auf dem Campus der HTW Dresden, Fakultät Landbau, Umwelt und Chemie. Das Kleine Kind studiert hier Umweldingens. Natürlich wohnt sie nicht hier. Sie wohnt in Dresden, in der Neustadt. Ist ja klar.

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Wir gucken uns noch ein paar Projekte der Gartenbaustudenten an, dann ist es Zeit, rüber zum Schloss zu gehen.

Und zum Park.

Wir zahlen Eintritt, sehen uns die Schlösser aber nur von außen an. Der Park ist viel zu groß, als das man seine Zeit in Museen verschwenden sollte.

Also, wie das so mit Schlössern ist, gab es da Um-und Ausbauten, Brände, Schenkungen und Enteignungen. Wen die Geschichte interessiert, der frage bitte Tante Google. Der heutige Bau jedenfalls stammt aus dem 18. Jahrhundert. August der Starke ließ ihn, nachdem die Cosel eben in Ungnade gefallen war, ab 1720 im barocken Stil zu seiner persönlichen Sommerresidenz um- und ausbauen. Das dauerte so bis 1725 und die Anlage bestand im Wesentlichen aus Wasser- und Bergpalais, dem Lust- und dem Schlossgarten, ein paar Pavillons und Tempeln. Später kamen noch das Neue Palais, englischer, chinesischer Garten, ein paar mehr Pavillons und das Palmenhaus hinzu. Es gibt eine Orangerie und ein Reithaus.

Sie merken schon, die ganze Anlage ist recht groß. Klar, Königs mussten sich vom Volke fern halten, wollten sich aber auch nicht langweilen. Das braucht Platz.

Aber, sie haben sehr schön bauen lassen!

Ich bin wirklich fasziniert von der Architektur. Und an einem der Palais finden wir dann auch den demonstrierenden Chinesen. Natürlich gibt es noch andere Motive. Chinesen in allen möglichen Situationen und Posen, es gibt Vögel und Drachen und Boote, aber eben auch den demonstrierenden. Und ich dachte bis zum Sonntag, nur Papier, Böller, Eis und Spaghetti kämen aus dem Reich der Mitte.

Es ist irre heiß und wir sind froh, dass der Park hie und da Schatten bietet. Eigentlich wählen wir unsere Spazier-route auch je nach Schattenlage, gehen natürlich trotzdem ins Palmenhaus, das seinerzeit das größte Gewächshaus Europas war, lassen aber die große Freitreppe am Wasserpalais runter zur Elbe aus. Dafür staunen wir lange über das Gewächshaus für die Kamelie. Das wird im Winter nämlich über den Baum gefahren. Die, die Kamelie, ist immerhin so um die 8m hoch.

Dann will mir das Kleine Kind noch die Umgebung zeigen. Immerhin forscht und untersucht sie und ihre Kommilitonen nicht nur im Park, aber am Ausgang ist ein großer, ein wirklich sehr großer Pflanzen- Bauern- Gartenmarkt, der uns eine Stunde vom Wandern abhält.

Dann aber endlich geht es durch den Keppgrund, entlang eines Baches und in herrlichem Schatten. Es ist ganz still hier. Die Wanderer sind in der Sächsischen Schweiz, die Spaziergänger im Park. Das Kleine Kind erzählt mir was über Habitate und Hanglagen, über Bäume und die von ihr so geliebten Insekten.

Bevor wir in der Naturschänke Malchendorf einkehren, lerne ich noch, dass Wassermühlen eigentlich ein Indikator für Umweltzerstörung sind. Stimmt. Bei näherer Betrachtung. Trotzdem sind sie schön.

Über Höhen und fast auch einen Zuckerhut geht es zur nächsten, der Meixmühle, die aber so was von schön ist. Dann wundern wir uns über ein Denkmal, dass die Untertanen zur Goldenen Hochzeit König Johanns und seiner Gemahlin Königin Amalia Augusta von Sachsen erbauten und eine Ruine, die, wie ich erst jetzt lese, schon als Ruine so hin gestellt wurde und kommen durch den Friedrichgrund zurück nach Pillnitz.

Es ist inzwischen später Nachmittag, es ist viel zu heiß. Wir sind beide platt und müde, schleichen zum Bus und in Dresden verpasse ich meinen Zug um 2 min. Also schleichen wir zurück ins Wohnviertel, lassen uns ein Eis schmecken, schauen den Leuten zu, machen uns über Versuche der Stadt, das Viertel (die Neustadt!) zu verschönern und eigentlich ist es schön, dass wir den Tag so gemütlich ausklingen lassen können.

Im Zug allerdings beglückt mich wieder die Herde Austauschstudenten, die ich schon auf der Hinfahrt erleben durfte. Und die reden nur von Alkohol. Ehrlich!

Die letzten beiden Bilder zeige ich Ihnen aus ganz persönlichen Motiven. Im gezeigten Flüsschen stand das Kleine Kind tagelang mit Gummistiefeln und Eimerchen und machte irgendwelche Messungen. Ach ja, eine Stoppuhr hatte sie auch dabei. Das zweite Bild ist ein Beispiel für den Frust der Pillnitzer, die nicht verstehen, warum sie plötzlich Eintritt für den Park zahlen sollen. Das muss ja auch mal gesagt werden.

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