# Himmlisch

Eigentlich sollte dieser Blog unter einem negativeren Titel stehen. Mir schwebte so etwas wie Sozialer Stress vor, hatte aber noch nicht das richtige gefunden.

Da kam mir sunny mit ihrer Blogparade Punkt.Punkt.Punkt zu Hilfe. Himmlisch ist da das Wort des heutigen Sonntags. Und stimmt, man kann die Sache auch etwas freundlicher bezeichnen. Denn wenn ich auch derzeit von Termin zu Termin haste, so haste ich ja, weil ich das möchte, und manches Mal wird mir dabei ein himmlische Vergnügen geboten.

Himmlisch.

Der Duden sagt:

  1.  den Himmel betreffend, zu ihm gehörend, dort befindlich 
  2. von Gott ausgehend, gewirkt, göttlich
  3. (emotional) so geartet, dass es jemandes Entzücken hervorruft, wunderbar, herrlich
  4. sehr, überaus
  5. (veraltet) den Himmel betreffend

Da meine Festplatte mit allen Fotos noch beim Festplattendoktor ist, gibt es kein himmlisches Bild, also eins, das nach Punkt 1. den Himmel betrifft, von mir.

Jedoch brauche ich auch keins, beziehe ich mich doch auf die Deutung 2. und 3.

Da habe ich eh keine Fotos gemacht.

Es ist nämlich wie immer in der Vorweihnachtszeit. Inch verfällt in Stress. Nicht genug, dass ich mit Plätzchen backen und Geschenkeanhäufung zu tun habe, es vermehrt Veranstaltungen wie Weihnachtsessen mit Freunden, Glühwein trinken mit den ehemaligen Kollegen und Weihnachtsliedersingen mit den Kletterkumpels gibt, schneien ausgerechnet jetzt zahlreiche Angebote von Kulturleben in mein Postfach. Es sind tatsächlich so viel, dass ich mir die Veranstaltungen inkl. der Teilnehmenden in einen Kalender eintragen muss, weil ich sonst komplett den Überblick verlöre, nervös vorm Gewandhaus stünde und den falschen anpiepsen würde, wo er denn bliebe.

Dabei habe ich Glück. Auf die zahlreichen Kinoangebote hatte keiner Bock. Also ich wäre schon gern zu der ein oder anderen Vorstellung gegangen, aber ohne Geflüchtete habe ich da als Kulturlotse keinen Zutritt. Ich könnte mir natürlich ganz eigenständig eine Karte kaufen, andererseits… es gibt eben genug andere Termine.

Am Donnerstag zum Beispiel.

Da waren wir zu dritt beim Jazz.

Im Live Club Telegraph.

Das Duo Stiehler/Lucaciu und Ryo Taketa luden zu weihnachtlicher Popmusik.

Ja ich weiß. Aber man kann die Jungs auch nicht gleich mit Free Jazz überfordern. Ich meine, die mich begleitenden Jungs. Schließlich will ich, dass die das nächste Mal wieder mitkommen.

Es gab dann überraschend viel Text. Text vom Christkind, der Weihnacht, von Josef, Maria, Jesus. Es ging um Gotterbarmen, diverse Omas, die Schnapsplantage des Opas. Und dazwischen Musik. Sehr gute Musik.

Wegen der Texte hatte ich Sorge, dass die Jungs vom Spaß ausgeschlossen sind. Wegen der manchmal sehr ernsten Töne hatte ich Sorge, dass die Jungs das jetzt ein bisschen zu christlich finden. Wegen des Spaßes hatte ich manchmal Sorge, dass die Jungs das jetzt zu respektlos finden.

Aber, sie bestätigten mir beide, dass sie weitgehendst verstünden, hatten im Übrigen einen Heidenspass. Ein himmlisches Vergnügen mit himmlischen Botschaften, die manchmal ernster, manchmal nicht so ernst gemeint waren.

Und heute, vor dem Weihnachtsliedersingen mit den Kletterkumpels, waren wir im Gewandhaus.

Das Lehrerorchester, immerhin allesamt Amateure, boten eine sehr professionelle Vorstellung. Stücke von Johann Friedrich Fasch, Tschaikowskis Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll Op. 23 und Beethovens Sinfonie Nr.3 “Eroica“. Wir waren allesamt entzückt (siehe Duden, Nr. 3) und hatten zudem himmlisch gute Plätze.

Ihnen allen wünsche ich eine himmlisch stressfreie Vorweihnachtszeit.

Ich werde mir diesbezüglich auch Mühe geben.

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Über Inch

www.inch.beep.de
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4 Antworten zu # Himmlisch

  1. Zaphod schreibt:

    Das hört sich aber überwiegend nach positivem Stress an, was für ein Pech dass ich den nur am Wochenende genießen kann. Zum Beispiel 4 Stunden in einer Schweinekälte auf dem Ponyhof stehen und Kinder bespaßen. Oder am Sonntag eine Stunde auf der harten Kirchenbank sitzen und nicht ganz so professionellen Tönen lauschen :D. Das machste auch nur wenn die Enkeltochter im Block flötet.

    Beim Kino war vielleicht nur nicht der richtige Film dabei. Gibts nicht grad wieder was von Star Wars? *g*

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    • Inch schreibt:

      Ich weiß genau, was Du meinst. Ich war letztens auch in der Kirche, ca 50 Kindern beim Singen zuhören. Eins davon war die Prinzessin.
      Klar ist das positiver Stress. Aber verteilt über, sagen wir mal 8 Wochen, wäre auch ok.
      Und zu den Filmen. Das lag tatsächlich an der Auswahl. Wer sich vor 16 Monaten oder weniger auf die Socken gemacht hat, will nicht sehen, wie es anderen auf ihrer Flucht ging. Der will keine Boote sehen und Budapest und was weiß ich. Er oder sie will auch nicht sehen, wie es jetzt in Aleppo aussieht oder in der Nähe von Mossul.
      Die Karten für das nächste Konzert sind übrigens bestellt…

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  2. Sandra schreibt:

    Hallo Inch,

    ich lese auch zwischen den Zeilen von positivem Stress. Der soll ja in Maßen, die sich noch mit dem Kalender und den Zeiten in denen man sich einfach mal Ausruhen gönnen sollte, auch sehr gut sein. Leg halt zwischen deinen schönen Veranstaltungen mal die Beine hoch und schließe de Augen, auch wenn es nur für zehn Minuten geht 😉 .

    Liebe Grüße
    Sandra

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    • Inch schreibt:

      Nuja, „dummerweise“ arbeite ich ja neuerdings wieder, da bleibt nicht viel Zeit zum Beine hochlegen, denn mal ehrlich, wenn man fast 1,5 Jahre nur freiwillig gearbeitet hat ist dieses verpflichtende ganz schon gewöhnungsbedürftig. Ich jedenfalls bräuchte die Wochenenden eigentlich zum Ausschlafen

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