Ausruhzeit

Zwischen dem letzten Eintrag und heute war Urlaub.

Nix besonderes. Nur so wirklich ausruhen.

Der anstrengende Urlaub kommt im Herbst. Wenn alles klappt. Aber das verrate ich erst, wenn es klappt.

Nach Pfingsten also nahm ich mir 2 Wochen Auszeit. Eigentlich wollte ich über Pfingsten. Aber dann fiel mir ein, dass ich da ja Besuch kriege und verschob rasch.

Später fiel mir ein, dass ich das Wochenende nach Pfingsten unbedingt im Lande sein musste, weil ich schon im Januar versprochen hatte, mit zur Party zu kommen.

Da musste ich nun meinen Urlaub irgendwie drum herum basteln. Dabei gabs dann eben dieses Wochenende so viele andere Sachen. Zum Beispiel wäre ich gern nach Annaberg-Buchholz gefahren, um ordentlich Krach zu machen, wenn die AbtreibungsgegenerInnen schweigend betroffen durch die Stadt latschen. Und eine Nichte feierte ihren 30.

Aber nein, ich blieb eisern. Nachdem ich jahrelang immer einen Grund hatte, nicht zu fahren, hätten mir die Freunde nicht geglaubt, dass ich schon wieder einen Grund habe und womöglich vermutet, ich drücke mich. Schließlich waren alle mehr oder weniger verblüfft, dass ich tatsächlich noch NIE, wirklich NIE da war.

Aber diesmal. Ja.

Am Freitag die Band war richtig gut. Am Samstag bei der habe ich mich gefragt, was ich hier soll. Den Tag habe ich mit ein bisschen zur Elbe latschen, rumsitzen und lesen verbracht. Echt, zum Frühstück Bier, das kann ich nicht nur nicht vertragen, da wird mir schon beim Zugucken schlecht. Aber zum Glück gibt’s ja da viel Gegend. Sonst nix. Ich frag mich, was man da arbeitet, wenn man da wohnt. Vermutlich nix. Keine Ahnung.

Aber dafür kann der Kumpel dann auch jedes Jahr dieses Fest auf seinem Grundstück veranstalten. Mit Bands und laut die ganze Nacht durch und ab Frühstück. Himmel! Das beste an solchen Veranstaltungen ist ja, dass man gaaaanz ganz viele alte Freunde trifft. Manche hatte ich so lange nicht gesehen – und doch mühselig wieder erkannt. Ich wundere mich ja immer, dass dann doch noch einer oder eine auftaucht, die ich 20-40 Jahre nicht gesehen habe. Trotz all der runden Geburtstage. Und Beerdigungen.

Diesmal waren es zwei. Also zwei, die ich seit mehr als 30 Jahren nicht mehr gesehen habe.

Und dann, nach dem Wochenende, gleich am Montag, habe ich den Kleinen König eingepackt und die Prinzessin nebst Mutter und wir sind zelten gefahren. Nach Arendsee. Das ist in der Altmark. Und da in der Nähe habe ich mal gewohnt. Im Grenzgebiet an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.

Meine Fresse. Das ist noch immer ganz verschlafen und irgendwie am Arsch der Welt. Leider kapieren die Leute dort nicht, dass ihr scheinbar einziger Verkaufsschlager, der Tourismus, ein paar Opfer verlangt. Freundlichkeit zum Beispiel. Oder Flexibilität.

Den Zeltplatz hatte ich gewählt, weil man direkten Zugang (kostenlosen) zum Strandbad hatte. Das war leider zu. Weil der Rettungsschwimmer verunfallt war. Man durfte auch nicht auf eigene Gefahr. Nein. Und da sonst ziemlich viel Privatbesitz ist am See oder Naturschutzgebiet, haben wir eigentlich nur eine Stelle zum Baden gefunden. Aber erst mal haben wir uns geärgert und am nächsten Tag Autotourismus gemacht. Die Dörfer besuchen, wo ich mal gelebt und gearbeitet habe. Eins ist noch genau so schwer zu finden wie vor fast 40 Jahren. Dafür habe ich den Hof, wo ich gewohnt habe, gleich entdeckt. In den anderen Dörfern habe ich mich gar nicht zurecht gefunden, was sicher auch daran lag, dass nicht mehr ersichtlich ist, wo früher die Grenze war. Verwirrend war für mich zusätzlich, dass ich jetzt überall hin konnte und es dadurch viel zu viele Straßen gab. Sie müssen wissen, früher durfte man nur über eine im Ausweis bezeichnete Kontrollstelle nur in sein Dorf fahren. Nachbardörfer im Grenzgebiet zu besuchen ging nicht. Über einen anderen Kontrollposten reinzufahren sowieso nicht.

So sahen wir Nester, die ich gar nicht kannte, in deren Nachbarschaft ich aber ein paar Monate lebte. Störchendörfer! Leider ließ mich gerade ab da die Kamera im Stich. Und weil das gleich am 2. Tag war, gibt’s keine Urlaubsfotos. Obwohls da noch mehr Gegend gab als beim Kumpel. In die Gaststätten hat uns tatsächlich nur der Hunger getrieben, denn grundsätzlich haben sich dort Kinder zumindest zu benehmen und das wird auch kundgetan. Auch als Erwachsener kann man allerhand falsch machen und so ekelte uns eine Frau aus dem Garten eines eigentlich urigen Fischers direkt am See. Den hatten wir beim Radeln gefunden. Am 3. Tag haben wir uns nämlich welche geliehen, sind einmal ums Wasser und haben neben dem Fischer, der bestimmt schon 103 Jahre alt war, auch ein Stückl Strand gefunden.

Dann wurde überraschenderweise doch das Strandbad geöffnet und wir haben am vorletzten Tag alles nachgeholt, was wir gern in vier Tagen getan hätten.

Übrigens auch auf dem Zeltplatz scheint sich der Trend zu bestätigen. Zelte gibt’s kaum noch. Wenn schon Reisende, dann eher Wohnmobile. Aber die meisten waren eh Dauercamper mit Vorgärten und Gartenzwergen.

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2 Antworten zu Ausruhzeit

  1. Zaphod schreibt:

    Naja, wenn die da 40 Jahre in der Einöde leben mussten, quasi ohne Kontakt zur Außenwelt, dann sind die wohl nicht an Menschen gewöhnt *gg*
    Wer weiß wie die sich verhalten hätten, wärst Du auch noch mit ’nem Fotoapparat aufgetaucht. Am Amazonas wird man dafür mit Pfeilen beschossen.

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