Inch fährt zum Tanzen nach Jamel

„…Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? …“

Daran musste ich immer mal denken, als wir im Auto saßen. Etwas mehr als vier Stunden Fahrt, nur um ein Festival zu besuchen. Ein Festival, dessen Line Up wir nicht mal kennen. Aber nach Jamel fährt man eher wegen des Supports. Uns war es wirklich ein Bedürfnis. Aber natürlich. Die Musik. Vielen Bands scheint es ein Anliegen zu sein, dort zu spielen. Die Ärzte waren schon da. Die Toten Hosen. Mal sehen, wer in diesem Jahr kommt. Das Line Up ist geheim. Damit niemand komisches kommt. Nur wegen der Musik. Das Kind hofft auf Turbostaat. Die haben am Wochenende Tourneepause.

Das Kind hat die Karte inklusive An- und Abfahrt und Vollverpflegung zu Weihnachten geschenkt bekommen. Von mir. Tapfer fährt sie nun mit sechs alten Leuten (und einem Kind) nach Jamel.

Gallien müssen Sie natürlich durch Jamel ersetzen. Und Römer durch Nazis. 35 Einwohner hat das Nest nur. Keine Ahnung, ob es da noch alt Eingesessene gibt. Die sind wohl nach und nach weggezogen, so dass der Volksgemeinschaft nun nur noch die Lohmeyers entgegen stehen. Die sind auch zugezogen. Aus Hamburg. Haben das alte Forsthaus gekauft und viel Gegend, restaurieren fleißig, weichen dem brauen Sumpf nicht und veranstalten seit 2007 das Forstrock- Festival „Jamel rockt den Förster“. Mit ca 1200 Gästen, workshops und viel Musik.

Die Atmosphäre ist sehr entspannt, die Menschen auf dem Gelände extrem nett zueinander. Da können sich alte Frauen wie ich sogar bei den Beatsteaks weit vor wagen und tanzen. Aber das Kleine Kind, dass ganz vorn war, sagt, sogar beim Pogen ging es friedlich zu.

Das war Samstag Abend.

Freitag also erst mal langwierige Anreise, Zeltaufbau und die erste Schneckeninvasion ertragen. Also das mit den Nacktschnecken war wirklich eklig. Drei Tage Dixieklos, nur eine Dusche und die auch noch kalt, feiernde Völkische auf der anderen Seite des Dorfes. Alles kann frau ertragen. Aber braune Nacktschnecken, die überall hin, wirklich ÜBERALL HIN kriechen. Nee.

Schnell aufs Festivalgelände.

Zaunpfahl eröffnet, bei Gold Roger, Hip Hop ist so gar nicht mein Ding, gehen wir noch mal zu den Zelten und empfangen den 2. Teil der Gruppe (drei alte Leute und ein Kind).Bela B. moderiert den Abend übrigens und ich weiß nicht, ob er es ist, dem auch der Vergleich mit Asterix in den Sinn kommt oder irgendeiner Band oder vielleicht am nächsten Tag Fatih Cevikkollu, der den Samstag moderiert.

Jedenfalls langweile ich mich durch Die Sterne, aber dann geht es richtig ab. KRAFTCLUB. Das Kleine Kind ist weg, wir hopsen hinten rum und überhaupt sind alle aus dem Häuschen und die Stimmung ist riesig. Wird auch nicht weniger, als Slime spielt, aber mir hat an diesem Abend eindeutig Kraftclub am besten gefallen, vielleicht, weil ich sie zum ersten Mal live gesehen habe.

Ins Zelt zu kommen, ohne so eine dämliche Nacktschnecke mit rein zu schmuggeln, ist ziemlich schwierig. Und wenn man nachts, wie das nun mal bei alten Leuten ist, noch mal raus muss zum Pullern, muss man sich erst frei kämpfen. Von innen. Um gesund raus zu kommen. Übrigens muss ich nicht immer und grundsätzlich nachts raus aufs Klo oder in den Wald, aber wir zelten neben dem Partybus. Das ist ein Fehler, den es in Zukunft zu vermeiden gibt.

Am nächsten Tag, nach dem Frühstück, dass es übrigens gegen eine kleine Spende auf dem Festivalgelände gibt, nach dem Duschen und was mann und frau so alles bis mittags zu erledigen haben, gehen die Freunde zum See. Das Kleine Kind und ich gehen zu den workshops. Finden den einen zu anstrengend, verstehen den anderen nicht und weil uns niemand sagen kann, wo und wann der stattfindet, für den wir uns schon in Leipzig entschieden haben, entscheiden wir uns für ein ausgiebiges Chillen. Tagsüber gibt’s auch keine Nacktschnecken. Nirgends. Weder auf dem Stroh auf dem Feld noch auf den Zelten, oder gar innen.

Chillen über Mittag ist wirklich ne gute Idee, so sind das Kleine Kind und ich fit, während die Freunde am Zelt abhängen. Dabei sind Schreng Schreng & Lala, sowie Schnippo Schranke echt witzig. Außerdem ist es noch recht übersichtlich. Frau kann auf der Wiese rumlümmeln, oder sich den besten Platz für den Campingstuhl suchen. Das Auge Gottes kommt dann allerdings so laut daher, dass ich fast von selbigem falle.

Wir fliehen zum Zelt, aber wirklich leiser ist es da natürlich nicht. Bei Schrottgrenze und bei Fehlfarben sind wir wieder da und natürlich, bei den Beatsteaks. Das man im bzw auf dem Publikum steht, und das ne ganze Weile, das habe ich so noch nicht gesehen und haut mich immer noch ein bissl um. Turbostaat war nicht da. Vielleicht sind sie die Band, für die Fehlfarben einspringen musste. Wer weiß das schon. Jedenfalls war die Spannung in den langen Umbaupausen manchmal unerträglich. Um so explosiver dann vielleicht die Freunde, wenn der Vorhang fiel. Und dass die Beatsteaks kommen, das verfestigte sich im Laufe des Samstag Abends so sehr, dass es kein Gerücht sein konnte.

Es folgt der übliche Kampf gegen die Schnecken. Den Partybus kann ich bis 4:00 morgens hören.

Und weil Jamel nur 7 km von der Ostsee entfernt ist, fahren wir da am Sonntag hin. Nachdem wir alles ver- und schneckenfrei eingepackt haben.

War  ein nettes kleines Festival mit entspannten und achtsamen Menschen.

Fotos gibt es nicht so viele. Ich war ja zum Tanzen da…

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Über Inch

www.inch.beep.de
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8 Antworten zu Inch fährt zum Tanzen nach Jamel

  1. Herr Ärmel schreibt:

    Klasse Bericht und klasse Fotos. Am klassesten aber: dass Du wieder mal was von Dir lesen lässt.!!!.
    Schöne Grüsse,
    Herr Ärmel

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  2. freiedenkerin schreibt:

    Ein richtig guter Bericht – von den Nacktschnecken einmal abgesehen. 😉
    Schön, dass es jetzt wieder etwas öfter Posts von dir zum lesen und anschauen gibt.

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  3. Maria schreibt:

    Schön, mal wieder von dir zu lesen. Das macht so Bock drauf, selbst mal hin zu fahren. Ok, außer die Nacktschnecken. Vielleicht liegen ja auch unter meinem Weihnachtsbaum Karten für’s nächste „Jamel rockt den Förster“.

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  4. Zaphod schreibt:

    Nacktschnecken, Nazis und Zelte sind schon mal drei Gründe, warum ich lieber Augenzeugenberichte darüber lese, obwohl die Beatsteaks ja eine der besten Livebands überhaupt sein sollen und die wirklich widerlichen Braunen draußen bleiben 🙂

    Ich bin zu alt für diesen Sch… , jedenfalls ohne Wohnmobil 😀

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