Willkommen im Paradies (29./30.09.2017)

Wir bitten zuerst unsere First Class Passagiere und Senatoren an Bord.

Ich erwarte irgendwie noch den Zusatz und unsere Männer.

München Flughafen. 40 Minuten Zeit zum Umstieg. Haben wir gut geschafft. Hätten wir auch ohne die Verspätung, mit der das Boarding beginnt und der Flieger letztendlich abhebt.

Der Weg hierher war stressiger.

Ich bin es gewohnt, bis zuletzt zu arbeiten und dann abends in den Urlaub zu starten. Hat bisher wunderbar funktioniert. Aber an diesem letzten Freitag im September.

Irgendwie dachten einige meiner Klienten, ich könnte noch die Welt retten. Kann ich natürlich nicht. Nur rumtelefonieren, Unterlagen irgendwo hinterlegen, wieder rumtelefonieren, genau aufschreiben, was zu tun ist und bis wann.

Ab 26. Oktober bin ich wieder wirklich da. Vom 16.- 20. Oktober nur für Notfälle erreichbar.

Ich bin gespannt.

Der Umstieg ist für mich so aufregend, dass ich die Arbeit augenblicklich vergesse. Außerdem bin ich hundemüde. Die Freundin ist es auch.

Aber wer kann schon schlafen, wenn er/sie essen muss. Na, halten wir uns nicht mit Wasser und so Kram auf, sondern bereiten uns wenigstens trinktechnisch auf den Urlaub vor. Prost

4 Uhr Ortszeit Ankunft Tbilissi. Flughafentransfer ist was feines. Einfach Schild suchen, Fahrer folgen, ins Auto plumpsen, am Hotel raus, einchecken, rauchen, ins Bett fallen.

Oder fast. Denn das Bett hat nur eine Decke. Die Freundin kramt den Schlafsack raus. Ich dann auch, weil das Laken doch fleckig und die Decke zu kurz ist.

Ich quäle mich sogar zum Frühstück kurz raus. Die Freundin schläft durch.

Bis Mittag. Gegen 13:00 Uhr starten wir.

Das Hotel liegt im Bäderviertel. Was wiederum im oberen Kala, der Altstadt liegt.

Hier gibt es also viele Bäder. Die liegen unter lustigen runden steinernen Kuppeln. Die Freundin will da aber unbedingt hin. Später. Nach Tuschetien.

Hier gibt es auch eine Moschee, in die wir aber gerade nicht rein können und obwohl ich das keinesfalls will, landen wir im Botanischen Garten. Da erleben wir einen 5. Geburtstag.  Also, da sind so um die 20 Kinder, doppelt so viele Erwachsene, Beutel mit Spielzeug für jeden Gast. Wir fragen den Opa. 5. Geburtstag. Das betont er so, dass wir denken, das muss was besonderes sein. Aber wen wir später auch fragen, es ist nichts besonderes. Und die große Feier ganz normal.

Der Georgier an sich feiert ja sehr gern. Es gibt da eine Geschichte, die uns mehrmals erzählt wurde.

Als Gott die Welt aufteilte an all die Völker und Nationen, da tanzten und tranken die Georgier und verpassten den Termin. Als sie nun später kamen, sich ihr Land abzuholen, bedauerte Gott, dass alles aufgeteilt wäre. Ich vermute, dass die Georgier nun lamentierten und klagten. Denn das können sie mindestens ebenso gut wie feiern. Ich jedenfalls habe nie Menschen erlebt, die so über 500 Jahre und länger zurückliegendes Ungemach  klagen können als sei es gerade eben passiert und sie wenigstens Augenzeuge gewesen, wenn  nicht sogar ein Verwandter betroffen war, wie die Georgier. Aber das tun sie zum Glück selten. Eigentlich feiern sie lieber. Weil es also nichts mehr zu verteilen gab, entschied Gott, den Georgiern das Land zu geben, dass er eigentlich für sich selbst aufgehoben hatte. Und so lebten die Georgier fortan in Gottes Land, quasi im Paradies.

Wir klauen ein paar Samen für den heimischen Garten, entdecken am Himmel noch ein paar Dinge, die wir unbedingt später tun müssen und essen unsere ersten Chatschapuri, eine Art Fladenbrot, dass entweder mit jungem Käse gefüllt oder bestreut gebacken wird. Allerdings, so lecker das Essen in Georgien ist, den Käse haben wir irgendwann über. Und jedes Gericht mit Käse auch. Denn da geht es ihnen wir den Russen. So richtige Käsemeister sind sie nicht. Im Grunde haben wir nur einmal irgendwo eine Art Schnittkäse gegessen, ansonsten begegnete uns nur eine Art Feta, meistens vom Schaf.

Aber noch sind die Chatschapuri lecker, der Geschmack fremd und verheißungsvoll. Nur eben etwas viel. Aber an viel essen werden wir uns gewöhnen müssen. An viel trinken auch. Ob und wie uns das gelingt, werden Sie erfahren.

Wir schlunzen weiter etwas ziellos durch die Altstadt. Wir bestaunen abenteuerliche Konstruktionen an Häusern, die an Felsufern stehen, bestaunen die Friedensbrücke, einen Neubau, den die Einheimischen Pampers nennen, wechseln kurz die Flussseite, um zur Metechi- Kirche zu gelangen und zum Reiterstandbild Wachtang I.  Von hier hat man einen guten Blick auf den Verkehr. Der ist ohrenbetäubend, schmutzig, mit viel Huperei verbunden. Auf uns wirkt er chaotisch. Aber auf Deutsche wirkt ja jeder Verkehr außerhalb von Ampeln, Zebrastreifen und Geschwindigkeitsbegrenzungen chaotisch. Zebrastreifen mit Ampeln wären aber tatsächlich hilfreich, denn ohne werden sie ignoriert, auch mit Fußgänger drauf. Ich versuche es mit der in Paris gelernten Methode und ignoriere die Autos. Das kostet mich fast mein Leben. Und das am ersten Urlaubstag. Die Freundin findet den Trick raus. Fahrer mit den Augen fixieren. Klappt zu 80%. Wenn nicht, kann man noch zur Seite springen.

Wir wagen uns wieder auf die andere Flussseite, über die große Straße.

Wir suchen die Synagoge.

Verwirrung. An der Zionskirche höre ich den Rabbi. Das ist eindeutig hebräisch. Aber das hier ist eine Kirche. Mit Gottesdienst und betenden Christen ringsum. Wir suchen und suchen. Das Gebet kommt aus Lautsprechern

???

Die Synagoge finden wir zufällig. Aber da sind viele orthodoxe Juden. Tafeln werden auf den Hof gestellt. Hier wird wohl bald das Ende des Sabbat gefeiert. Da müssen wir eben später noch mal wieder kommen.

Durchs jüdische Viertel ängstigen wir uns im Dunkeln. Alles verfallen. Aber hier leben eindeutig Menschen! Trotzdem. Schnell weg hier.

Auf dem Meidan findet eine HippHopp Party statt. Meine Güte, ist das laut.

Restaurant suchen, Pelmeni essen und ab ins Hotel.

Weil es morgen ein Stadtführung gibt, habe ich auf Erklärungen zur Stadt verzichtet. Die Fotos sind wie immer viel zu viel. Wer gucken will, klickt drauf.

Werbeanzeigen

Über Inch

www.inch.beep.de
Dieser Beitrag wurde unter Wanderlust abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

8 Antworten zu Willkommen im Paradies (29./30.09.2017)

  1. Vinni schreibt:

    Ah, Reiseberichte! Ich bin sehr gespannt! Die Bilder sehen jedenfalls schon sehr verheißungsvoll aus 🙂

    Liken

  2. freiedenkerin schreibt:

    Darauf habe ich mich so lange Zeit gefreut! Endlich gibt es wieder Reiseberichte von dir!

    Liken

  3. Zaphod schreibt:

    Tolle Balkon-struktionen. Aber was sind das für merkwürdige Objekte auf 6362 und 6364? Kunst?

    Danke für’s Mitnehmen, war mal wieder sehr lesens- und sehenswert alles.

    Liken

    • Inch schreibt:

      Das haben wir uns auch gefragt. Ist wohl Kinst. Ein Baum aus Metall mit seltsamen Früchten. Vielleicht eine Anspielung auf den lebensspendenden Stamm (von dem wird noch zu berichten sein)?

      Liken

  4. Inch schreibt:

    Also eigentlich warte ich ja immer noch darauf, dass die des Russischen Kundigen hier an die Übersetzungen der zwei Schilder wagen. Die habe ich nämlich extra für Sie gepostet.

    Liken

  5. Herr Ärmel schreibt:

    So, jetzt ist die Zeit und ich werde deine Berichte auf einen Hieb lesen. Sie haben das verdient. Die Berichte. Und du auch. Und Fotos gugge.

    Das Phänomen mit dem weissen Käse – egal ob von Kuh, Ziege oder Schaf – ist mir überall ausserhalb Europas in der sogenannten Drotten Welt begegnet. Überall die ähnlich aussehende und schmeckende weisse Masse.
    Des Rätsels Lösung weiss ich noch immer nicht. Meine private Erklärung ist denn auch entsprechend löchrig. Es handelt sich jeweils um die einfachste Art der Käseherstellung. Da gibts keine elaborierten Techniken, wie z.B. bestimmte Schimmelarten an den Wänden, Reifung in Salzlake etc..

    Und jetzt weiter – ich freu mich schon.

    Liken

    • Inch schreibt:

      Naja, ich weiß nicht. Das würde ja bedeuten, als die Schweiz und Österreich und wir und die Franzosen, die Italiener, die Niederländerr noch Drotte Welt waren, gabs auch nur so ne weiße Masse. Aber es ist noch nichts so lange her, dass wir Drotte Welt waren. Vielleicht legten und legen andere einfach mehr Gewicht auf andere Speisen als Käse. Allerdings, so schreibts ja der Ostnomade öfters, inzwischen leiden zumindest die Russen unter diesem MAngel an Vielfalt. Und inzwischen sollte es doch Möglichkeiten geben.

      Liken

      • Herr Ärmel schreibt:

        So weit sich das kulturhistorisch zurückverfolgen lässt, fingen alle mal mit weissem Käse an. Ist doch eigentlich auch logisch. Erst wenn man es schafft, aus der Milch eines Tieres eine mehr oder weniger lange haltbare Käsemasse herzustellen, kann man darangehen, diese Masse geschmacklich und konsistenziell zu verändern

        Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s