Taxifahrt (13. Oktober 2017)

Sieht man sich die Fotos an, könnte man meinen, vom heutigen Tag gäbe es nichts zu berichten. Tatsächlich habe ich exakt 2 Bilder gemacht. Und die kann ich Ihnen nicht mal zeigen.

Aber natürlich gibt es zu erzählen. Und sogar ein paar Bilder, denn die Freundin findet immer ein Motiv.

Heute geht’s zurück nach Tbilissi. Aber nicht mit dem Zug. Die Gastleute sagen, Taxi wäre schöner und auch gar nicht teuer und rufen „ihren“ Taxifahrer an. Der ist im Urlaub oder unterwegs oder was, jedenfalls bestellen sie einen anderen.

Vorher gibt’s ordentlich Frühstück, das Enkelkind ist da und die Vermieter schwanken zwischen Enkelchen zeigen und uns in Ruhe frühstücken lassen.

Das mit dem Taxi geht so: Ein Großraumfahrzeug lädt sich 5-6 Passagiere ein mit dem gleichen Ziel. Die teilen sich den Fahrpreis und so kommt man für 5 Lari pro Person von Gori nach Tbilissi. Das ist natürlich sehr komfortabel. Allerdings ist der Fahrer doch recht unfreundlich. Und die anderen Fahrgäste haben ihre besten Klamotten an und viel Parfüm aufgelegt. Geht ja schließlich in die Hauptstadt. Ich frage mich in solchen Situationen immer, was die so von uns halten. Als Deutsch gelten wir ja reich. Und zwar sitzen wir in teuren Wandersachen da und haben teure Rucksäcke im Kofferraum und natürlich teure Kameras… aber wahrscheinlich erkennt der Einheimische nur die Kamera und hält uns für ziemlich verlottert. Wir riechen auch nicht so gut. Zwar frisch geduscht, aber nicht parfümiert und die Schuhe tragen wir schon paar Tage, auch wenn die Socken frisch sind. Also ich würde mich in einer Marchrutka wohler fühlen. Marchrutkas fahren auch nach Tbilissi, aber die hätte uns nicht vom Gasthaus abgeholt. Ist schon bequemer so. Ich fühle mich eben nur nicht sehr wohl.

An der Metrostation Isani sind wir am vorläufigen Ziel und das Geschacher mit den Taxifahrern fängt an. 15 Lari wollen die für die Fahrt zur Unterkunft. Uns wurde von Einheimischen gesagt, wir sollten nicht mehr als 5 bezahlen. Die Männer winken lachend ab, umringen uns aber weiter. Ein junger, englisch sprechender Mann kommt uns zu Hilfe. Aber die Fahrer bleiben stur. Es gäbe auch eine Marchrutka in die Richtung, sagt der junge Mann. Aber nein, wir haben keinen Stadtplan von diesem Teil Tbilissis. Unser Helfer entschuldigt sich für die Fahrer, das sei der Touri- Aufschlag. Ja, wissen wir. Georgien hat unglaubliches geleistet. Um der Korruption Herr zu werden. Hat alle Polizisten entlassen und die, die neu eingestellt wurden, haben das 10- fache Gehalt bekommen. Damit die eben nicht wie ihre Vorgänger Autos anhalten unter irgendeinem Vorwand und jeder weiß, hier geht’s nur weiter, wenn man Bakschisch zahlt. Das Parlamentsgebäude ist gläsern, viel Stadtverwaltungsgebäude im Land ebenfalls. Damit will man Transparenz demonstrieren. Und es bleibt nicht beim Demonstrieren. Abgeordnete müssen ihre Gehälter und Besitztümer angeben. Das kann dann jeder im Internet lesen. Die Georgier wollen in die EU. Die Taxifahrer, scheint es, nicht. Denn an denen gehen alle Bemühungen vorbei. Taxameter werden, so es sie gibt, nicht eingeschaltet. Und der Preis richtet sich nach Herkunft, manchmal auch nach Anzahl der Passagiere und natürlich dem Wetter.

Schließlich fährt uns einer für 12 Lari und da wir hier sonst nicht wegkommen, willigen wir ein.

Ganz großes Kino.

Der Fahrer findet die Adresse nicht!

Um den Preis feilschen und dann seinen Job nicht richtig machen. Ich krieg nen Hals.

Er ruft unsere Vermieter an, die kommen uns mit dem Auto holen.

Echt mal.

Wir haben ein großes Zimmer in einem großen Wohnhaus, dass von einer armenisch- russischen Familie bewohnt wird. Die 11- jährige Tochter dolmetscht ins Englische. Offenbar sind alle sehr stolz auf das Kind. Der Vater guckt den ganzen Tag Fernsehen und spielt nebenbei auf dem Laptop. Die Mutter macht mal dies mal das. Es scheint noch ältere Kinder zu geben, vielleicht sind das auch Cousins oder Onkel. Das Licht im Zimmer müssen wir im Flur ein und ausschalten, das ist etwas merkwürdig, aber sonst ist alles ok und die Familie sehr nett.

Zum Haus, das am Rande der Stadt steht mit Blick auf die Berge, gehört ein Hund. Eine Art Labrador. Der wohnt auf dem Hof, darf nicht ins Haus und verschwindet nachts, denn der Hof ist offen. Tags Haushund, nachts Straßenhund. So ist das also.

In Tbilissi gibt es jede Menge Straßenhunde, die durch die Bank weg freundlich sind und einen gepflegten Eindruck machen. Sie tragen einen gut sichtbaren Plastechip im Ohr, daran erkennt man, dass der Hund geimpft und sterilisiert ist.

„Unser“ Hofhund trägt nix im Ohr. Vielleicht hat er ja einen Chip IM Ohr inkl Adresse der Besitzer. Vielleicht hoffen diese auch, dass er Nächtens weggefangen wird und geimpft und mit Plastechip am Ohr wieder kommt. Wer weiß das schon. Es würde Kosten sparen. Allerdings bliebe dann zu hoffen, dass keine deutsche oder französische Hundeweltretterin vorbei kommt und den armen Straßenhund von seinem Elend erlöst und ihn in ihre schicke Appartementwohnung in Mitteleuropa kauft.

Naja, unsere Sorge solls nicht sein.

Unsere Sorge ist die Fahrt ins Stadtzentrum. Von Taxifahrern haben wir genug, bis zur Metrostation zu laufen ist aber zu weit, also wenden wir das altbewährte Mittel aus Gori an.

Marchrutka Nr 10, das kriegen wir hin. Ziffern können wir lesen. Und auf einen Zettel lassen wir uns auf georgisch schreiben, wo wir aussteigen müssen, wenn wir zurück kommen.

Klappt wunderbar. Wir steigen im Bäderviertel aus, treffen Buba und spazieren durch das sommerliche Tbilissi. Uns hat es da so ein Restaurant auf einem Boot angetan. Aber zum Stadtfest war alles reserviert, jetzt ist es geschlossen. Wir landen wieder in „unserem“ Restaurant hinter dem Maidan. Hier sind die Pelmeni einfach am besten.

Die Rückfahrt. Nun ja. Es ist dunkel. Die Marchrutka ist zwar nicht ganz so voll wie auf der Fahrt in der Stadt. Ich sitze auf einem Sitz statt in der Tür zu klemmen und wir können nach links und rechts gucken. Aber im Dunkeln sieht so eine Stadt schon ganz schön anders aus. Es nützt nichts, wir müssen Mitfahrende um Hilfe bitten. Also eigentlich brauchen wir nicht zu bitten, die Leute helfen uns einfach.

Im Dunkeln als Fußgänger eine Straße zu überqueren ist in Tbilissi auch nicht ohne Risiko. Vor allem, wenn dem Fußgänger nicht ganz klar ist, auf welcher gedachten Spur die Autos fahren, da diese es selber nicht so genau zu wissen scheinen und Spuren mit weißen Linien gibt es eh nicht, nur breite sehr befahrene Straßen.

Aber ich sitze hier und schreibe. Ergo sind wir gesund über die Straße gekommen, haben Brot gekauft und dieses auch wieder zurück getragen.

Zurück im Haus stellen wir fest, es gibt noch einen kleinen Bruder. Die großen sind also Onkel. Oder Cousins.

Wir löschen das Licht und tapsen im Dunkel in unsere Betten. Morgen gibt es noch ein Fest. Jepp

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2 Antworten zu Taxifahrt (13. Oktober 2017)

  1. Zaphod schreibt:

    Hmmm, Pelmeni in was? Suppe? Sauce? Sieht lecker aus.
    Und Ladde Madschiadooo könn se scheinbar, das ist wichtig für den Tourismus 😀

    Die Taxifahrer in Hamburg sind übrigens auch nicht besser wenn man Pech hat *g*

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    • Inch schreibt:

      Ja, die Pelmeni schwammen da in einer Art Brühe mit Sauerrahm. War aber ganz ok, die Brühe. Und im Gegensatz zu Cocktails klappt das mit dem Latte. Cocktail habe ich einmal probiert. Mache ich in Georgien nie wieder – falls ich nochmal hinkomme. Hätte mir fast den Abend versaut.
      Und in Hamburg geht das auch? Ich dachte, Taximeter und so, überall in Deutschland… Na gut, dass ich in Hamburg nicht auf Taxifahrer angewiesen bin 😉

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