14 qkm können doch recht unübersichtlich sein

Ein Blick aus dem Fenster zeigt, den von der Wetter App angekündigten Sonnenschein gibt es heute nicht. Es ist trüb und regnet sogar leicht.

Bei trübem Wetter will ich nicht nach Wolin. Die längste Steinmole Europas bei Niesel? Kommt nicht in Frage.

Fahre ich eben nach Karsibor. Da wäre zwar schönes Wetter auch nicht schlecht, gilt die Insel doch als Eldorado für Fotografen, aber das gilt sicher eher im Frühling und Sommer. Und Herbst.

Die Fähre braucht genau 5 Minuten von Usedom nach Wolin, und da steht der Bus und bringt mich auf die andere Insel. Die kleinste der bewohnten.

Ich lass mich bis zur Endhaltestelle bringen und marschiere los. Ich habe einen genauen Plan im Kopf. 14 qkm, pah. Da kann ich die Insel ja fast einmal umrunden.

Das Wetter ist leider wirklich mies. Zwar regnet es nicht mehr, aber so richtig Spaß macht fotografieren auch nicht.

Und dann verpasse ich gleich nach der Kirche den Abzweig und laufe eine endlos erscheinende Straße lang, die auf meiner Karte gar nicht drauf ist. Ist ja komisch. Die müsste eigentlich auf der anderen Seite sein.

Ich schalte mal GPS ein.

Ich bin auf der richtigen Seite.

Aber die Straße ist neu und die Häuser links und rechts auch so ziemlich.

Trotzdem bin ich falsch.

Ich will doch Richtung Vogelschutzgebiet. Aber ich laufe irgendwie Richtung ziemlich viel Wasser.

Die Insel ist umgeben von der alten Swine im Norden, dem Stettiner Haff im Süden, und dem Rückseiten- Delta der Swine im Osten. Fehlt noch der Piastowski- Kanal, der früher Kaiserfahrt hieß, und durch dessen Bau Karsibor von Usedom getrennt und so erst zur Insel wurde. (Auf Google Maps ist der nicht eingezeichnet, falls Sie gucken wollen. Da heißt der einfach Swine. Ist aber doch ganz gut als solche zu erkennen, weil schnurgerade) Zu erreichen ist sie seit mehr als 50 Jahren über eine Brücke von der Insel Wolin, und zu der kommt man wiederum mit der Fähre. Jedenfalls wenn man in Swinoujscie ist.

Jedenfalls ich will eigentlich Richtung Alter Swine, scheine aber Richtung Stettiner Haff zu laufen.

Also Umkehr.

Und da ist er ja, der kleine Abzweig.

Ich stapfe durchs Schilf, links und rechts Wasser und noch mehr Schilf, scheuche Gänse hoch und ärgere mich nun wirklich über das schlechte Licht.

Und ein bißchen gruselig ist es auch.

Nanu? Seit wann gruselt Inch sich denn, wenn sie irgendwo alleine durch die Pampa stapft? Dieses Gefühl stecken wir mal ganz schnell wieder weg. So etwas ist hinderlich.

Ich lande wieder im Dorf und vertraue erneut der Karte. Und wirklich, ich finde den ehemaligen evangelischen Friedhof im Wald. Auf dieser Seite der Insel ist nämlich Wald. Der Friedhof soll angeblich gut erhalten sein und gilt als eine der ältesten Nekropolen, ich habe jetzt vergessen, ob Pommerns oder Polens. Ist aber egal. Der Friedhof ist in einem jämmerlichen Zustand. Ich erspare Ihnen den Anblick sondern erfreue Sie nur mit einem Detail. Einem einigermaßen gut erhaltenem Detail. Es gibt viele solcher Zäune auf dem Friedhof, aber…

Muss man ja auch nicht pflegen, die letzten Angehörigen der hier Bestatteten sind wahrscheinlich auch längst am Ende ihres Lebens angekommen. Nur sollte man dann bitte nicht mit Worten wie „gut erhalten“ und „gepflegt“ werben.

Jetzt müsste es eigentlich auf dem Radweg rechts und dann links zum Fliegerdenkmal gehen.

Laut Karte.

Aber der Radweg geht nach links.

Ich folge ihm ein bißchen. Aber das kann nicht stimmen.

Also stapfe ich zurück, lande am Dorfrand, hier gibt’s einen Wegweiser zum Fliegerdenkaml ( aber keinen Radweg) und ich laufe tatsächlich los.

Doch dann ist die Luft raus. Wer weiß, wie weit das noch ist. Und wer weiß, wie der Zustand des Denkmals ist.

Ich meine, die Insel wird bewohnt von offensichtlich alteingesessenen Bauern und Fischern und ein paar zu Geld gekommenen Villenbauern. Jedenfalls den Häusern nach zu urteilen. Die haben mit Sicherheit anderes zu tun, als sich um ein Fliegerdenkmal zu kümmern. Und da, an der Hauptstraße, die 1. Mai heißt, da habe ich doch vom Bus aus eine Fischwirtschaft gesehen, die mit fangfrischem Getier wirbt.

Da will ich jetzt hin.

Es ist unglaublich. Obwohl besagte Wirtschaft gar nicht auf der Karte eingezeichnet ist, stehe ich mir nichts Dir nichts vor ihr.

Es gibt, was heute ins Netz ging.

Heute ging Zander ins Netz.

Und als ich rundum satt und zufrieden den Laden verlasse, da scheint die liebe Sonne. Das macht doch Hoffnung für morgen.

Ich aber lasse mich verleiten und beschließe den Bus Bus sein zu lassen und zu laufen. Schlappe 8,9 km, bei Sonne. Pah.

Ganz dumme Idee.

Und dann, als ich über die Brücke die eine Insel verlassen habe, kommt ganz, gaaaaanz ganz lange keine Bushaltestelle. Wozu auch? Links und rechts nur Schilf, Weiden, Wiesen und Wasser.

Als dann die erste Ortschaft kommt, bin ich sicher, keinen Schritt mehr zu laufen. Und sollte ich hier eine Stunde warten müssen. Muss aber nur 6 Minuten.

Morgen dann Wolin.

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3 Antworten zu 14 qkm können doch recht unübersichtlich sein

  1. freiedenkerin schreibt:

    Oh, wie habe ich deine Reiseberichte vermisst!

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  2. Zaphod schreibt:

    Args, bei solchem Wetter hätte ich nicht mal Lust vor die Tür zu gehen um durch flache Matschlandschaften zu stiefeln jetzt weiß ich gerade nicht warum ich nächsten Monat nach Dänemark fahre. Aber man hofft ja immer, sogar im Winter.

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