Zwei Fliegen mit einer Klappe

Der Freitag beginnt schlecht.

Erstens ist von der angekündigten Sonne nichts zu sehen.

Zweitens hat jemand mein Essen aus der Gemeinschaftsküche geklaut. Obwohl ich alles ordnungsgemäß beschriftet habe.

Was die Sonne angeht, so hoffe ich mal, dass die mittags oder so rauskommt (hat ja gestern auch geklappt) und stapfe mißmutig (wegen des Diebes) zur Fähre.

Der Bus zur Mole fährt nur im Sommer, also muss ich hinlaufen, und weil mir so ein Containerhafen den Weg versperrt, muss ich, müssen alle, einen ziemlichen Umweg laufen.

Und der ist alles andere als schön. Ich stapfe um ein Dreck schleuderndes etwas herum. Ein etwas sehr großes. Gehört möglicherweise zum Hafen. Ich frage mich allerdings, ob vielleicht die Sonne mehr Chancen hätte ohne dieses Dreck schleudernde Ding. Die Straße wird auch gebaut und ich muss recht oft in Pampe ausweichen.

Dann bin ich am Leuchtturm. Das ist der höchste an der Ostsee. Und von der Aussichtsplattform soll man einen schönen Blick haben.

Nur leider. Der Leuchtturm steht auf dem Betriebsgelände.

Dabei scheint jetzt die Sonne und ich würde wirklich gern den Blick genießen.

Das Fort Gerhard lasse ich rechts liegen. Ich will ja eigentlich zur Mole.

Aber hier geht’s nicht weiter.

Mist.

Zurück.

Um das Fort herum.

Ich ignoriere ein Verbotsschild und schwindle mich am Strand lang. Ich sehe die Mole. Ich sehe Menschen darauf. Ich will dahin.

Jemand hat dankenswerterweise ein paar Steine so gestapelt, dass ich rauf klettern kann.

Geschafft.

Was ist denn das? Auf der anderen Seite der Swine sind ja auch Leute an der Mühlenbake. Als ich dort war, war da Wasser. War ja auch Wind. Heute ist die Ostsee wie eine Badewanne. Deshalb wahrscheinlich. Mache ich mir später Gedanken drüber. Jetzt laufe ich erstmal die 1400 m auf der Mole lang zu diesem Leuchtturm. Oder was das ist. Das ist die längste Steinmole Europas. Und als ich an ihrer Spitze stehe, könnte ich nur noch mit dem Schiff weiter raus.

Apropos Schiffe. Die fahren hier ständig raus und rein. In und aus der Swine, meine ich. Fischkutter, Containerschiffe, Kreuzfahrer. Nur zu diesem riesigen Ding, um das ich laufen musste, und das einen Arm noch weiter ins Meer hinaus streckt, da fährt nix. Wer weiß.

Die Sonne scheint, ich picknicke und wenn es nicht so stinken würde, wäre die Welt in Ordnung. Es stinkt so nach Öl, Benzin, Raffinerie.

Ich laufe zurück, wieder um das Dreck schleudernde Ding herum und als ich die richtige Straße, also eine in bewohntem Gebiet, erreiche, setze ich mich erwartungsvoll an eine Bushaltestelle.

Klappt. Und wie zu erwarten war, fährt der Bus zum Fährhafen. Weil ich auf dieser Seite nichts entdecken konnte, was sehenswert wäre, außer natürlich die Mole, beschließe ich, jetzt gleich noch zur Mühlenbake zu laufen. Da hätte ich sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Also ab in die Fähre und am Ufer lang zur Ostsee.

Es ist ganz fantastisches Wetter. Und es sind sehr viele Menschen da. Aber wahrscheinlich ist es am Freitag noch besser als am Samstag. Beide Molen wurden übrigens Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut und dienen, Sie ahnen es, als Wellenbrecher dem Schutz der Hafeneinfahrt und der Schiffe.

Gegessen habe ich natürlich auch noch. Ich bin ja hier ständig hin und her gerissen zwischen Fisch und polnischer Küche. Am Freitag gabs polnisch. Bigos! Ich könnte allein des Essens wegen hier öfter herfahren.

Samstag dann strahlend blauer Himmel. Ich schlendere durch die Stadt. Ich schlendere über den sogenannten „Polenmarkt“. Ich kaufe sogar was… zu essen.

In einem zum Café umgebauten alten evangelischen Kirchturm stelle ich fest, dass hier auch die Kuchenstücke viel zu groß sind. Da brauche ich kein Abendbrot mehr. Die Promenade ist rappelvoll und der Strand irgendwie auch. Es ist so warm und sonnig, dass viele im Sand sitzen. Kinder buddeln und die Bänke sind alle besetzt.

Es folgen, zum Abschluss, noch ein paar Bilder von Swinoujscie.

Morgen geht’s nach Hause. Und die Rückfahrt dauert sogar noch länger als die Herfahrt. Dafür fahre ich am Tag durch all die Orte, in denen ich zuletzt war, als ich höchstens 13 war, eher 12.

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3 Antworten zu Zwei Fliegen mit einer Klappe

  1. Ein schöner Reisebericht 😊

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  2. Zaphod schreibt:

    Das Café wirkt äußerst gemütlich (und lieber große Kuchenstücke als Bigos!)
    Was ist denn das für eine seltsame Windmühle da auf der Mole? Stromlieferant für den Leuchtturm?

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    • Inch schreibt:

      Keine Ahnung. Ich habe alles gelesen, was es dort zu lesen gab, von Strom war da nicht die Rede. Ich glaube, dass die wie eine Mühle aussieht, ist nur Deko. Sonst hätten die doch auf die Westmole das gleiche Ding gebaut. Aber da steht eine Galeriebake.

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