Wettersturz (3.10.2019)

Gestern Abend hat mich das kleine Kind noch auf die Free Belgrade Walking Tours aufmerksam gemacht. Das mache ich heute.

Doch, der Regen weckt mich. Außerdem ist es mindestens 10° C kälter als gestern.

Trotzdem.

Ich finde den richtigen Bus und fahre in die Innenstadt. Und dann suche ich erst mal den ehemaligen Hauptbahnhof. Der liegt schön zentral und wird gerade umgebaut in ein exklusives Wohn- und Geschäftsviertel namens Belgrade Waterfront new city hub.

Der Verkehr ist ohrenbetäubend. Dazu der Regen. Das macht keinen Spaß.

Ich frage mich durch, finde den Bahnhof bzw die Baustelle und renne rum und suche die Straßenbahn Nummer 3. Als ich die Haltestelle gefunden habe, erklärt mir ein junger Mann, dass er hier seit einer dreiviertel Stunde wartet und jetzt aufgibt. Toll. Das mache ich auch.

Ich frage mich wieder zurück und zum Platz der Republik. Zum Verkehr kommt, dass den Straßen oft oder eigentlich meistens die Namenschilder fehlen. So ist es trotz Stadtplan schwierig, mein Ziel zu finden.

Ich bin dann trotzdem zu zeitig am Treffpunkt. Oder besser, die im Internet angegebene Tour (orangener Schirm) 10:30 Uhr findet wohl nicht statt. Dafür erscheint bald eine junge Frau mit gelbem Schirm. Die startet 11:00. Da gehe ich mit.

Die Route, die Downtown Tour, verläuft nicht ganz so wie im an alle ausgehändigten Stadtplan angegeben, macht aber trotzdem Spaß. Wir sind Türken, Australier, Niederländer, Franzosen. In Skardalija, einem ehemaligen Romaviertel, gibt es Rakija. Wir erfahren viel über Serbien, die Osmanen, die kyrillische Schrift, den Kampf gegen die Osmanen, serbische Blasmusik und die Art, die Musiker zu bezahlen. Wir haben viel Spaß. Auch wenn’s natürlich viel zu kalt und nass ist.

Dorcol fällt aus, da muss ich allein nochmal hin.

Die Tour endet auf der Burg am Kalemegdan Park. Die Burg steht auf einem Plateau über der Mündung von Save und Donau. Von da hat man einen schönen Blick, auch wenn das Wetter schlecht ist. Das Plateau um die Burg heißt Kalemegdan, das kommt aus dem türkischen und bedeutet soviel wie Kampffeld. Die Festung selber spielte auch eine gewisse Rolle im Kampf zwischen Osmanen und Europa.

Mir ist so kalt, ich muss erstmal irgendwo einkehren. Und ich nehme mir nicht die Zeit, außerhalb der Touristenmeile zu suchen. Ich esse so ein in Brotteig gebackenes Schnitzel, eine traditionelle Speise auf dem Balkan, wärme mich am Kaffee und warte, dass es endlich aufhört zu regnen. Ich schlendere noch ein bisschen im Stadtzentrum rum, dann mache ich mich auf zum Dorcol Viertel. Aber ehrlich, so ohne Straßennamen nützt auch der schöne neue Stadtplan nichts. Also ich bin schon irgendwie dort, aber das was ich wirklich suche, ist nicht da.

Ich gebe mal wieder auf und laufe zurück zum Schiff.

Belgrad erscheint mir als Moloch. Ein planloses Nebeneinander von Viertel und Häusern mit viel zu großen Straßen und viel zu viel und viel zu lautem Verkehr. Vielleicht muss ich nochmal bei besserem Wetter her. Vielleicht gefällt die Stadt mir dann besser.

Das Schiff liegt an der Donau. Dort reiht sich ein Neubauviertel ans andere. Aber es gibt die Promenade, mit viel Grün und Spielplätzen. Das habe ich ja gestern Abned zum Glück noch genossen.

Jetzt warte ich im Restaurant, dass es Zeit wird, ein Taxi (*grmpf*) zu bestellen und mich nach Topcider kutschieren zu lassen. Diesmal bestehe ich allerdings darauf, in Dinar zu bezahlen und schon kostet die Fahrt weniger.

Topcider liegt in einem ehemaligen beliebten Ausflugsziel der Belgrader. Irgendein König baute sich dort auch einen Sommerpalast. Und um besser dahin zu kommen, ließ er auch eine Bahnstrecke bauen. Und einen schicken kleinen Bahnhof.

Hier kann man es wirklich aushalten. Muss ich auch, fährt der Zug doch erst in zwei Stunden. Aber ich hatte keine Ahnung, wie weit es hierher ist, wie die Verkehrssituation ist und überhaupt. Jetzt unterhalte ich mich mit einer anderen Backpackerin, die nach Mojcovic, auch in Montenegro will, und dort die Gipfeltour starten will.

So vergeht die Zeit recht schnell.

Die Fahrt selber ist ein bisschen ekelig, weil ein wirklich alter stinkender Mann in unserem Abteil liegt, den niemand berühren mag. Der braucht auch zwei Stunden, sich einzurichten. Na irgendwann liegen wir anderen dann doch auch in unseren Kojen und fahren der Sonne entgegen.

Die Fotos sind nicht so dolle. Auch mit voll funktionsfähiger Kamera hätte ich bei dem Wetter kaum Lust gehabt, zu fotografieren. Na sehen Sie selbst.

Über Inch

www.inch.beep.de
Dieser Beitrag wurde unter Wanderlust abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Wettersturz (3.10.2019)

  1. Herr Ärmel schreibt:

    Der Blick von der Burg ist beeindruckend. Auch bei nieseligem Wetter. Und die Bahnfahrt? Die Bahnfahrt? Nach Bar…

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s