Auf der Suche nach den schönsten und längsten Sandstränden des Landes (07.10.2019)

Heute gilts. Heute will ich dahin, weswegen ich hier bin. Zwei Strände empfiehlt mir mein Reiseführer. Den 1 km südlich von Ulcinj liegenden Plaza za Zene, den Frauenstrand. Das ist zwar einer aus Kies, aber er soll geschützt in einer Bucht liegen und vor Männerblicken schützen. Das will ich ausprobieren. Es ist T-Shirt -kurze -Hosen -Wetter. Das ist perfekt. Das zweite Ziel ist, ebenfalls im Süden gelegen und 2 km außerhalb der Stadt gelegen, Velika Plaza, der Große Strand. 13 km Sand verspricht mir der Reiseführer da.

Leider gibt’s in meinem Buch, das ja den gesamten Balkan umfasst, keine Karte. Und die, die ich mir bei der Touristeninfo geholt habe, ist, naja, bunt. Zur wirklichen Orientierung nützt die nicht mal in der Stadt was, und Strände, außer dem neben dem Hafen, sind da auch nicht drin. Nicht mal mit Richtungspfeil.

Aber es gibt eine Art Küstenstraße. Wenn ich der Richtung Süden folge, sollte es ja irgendwo einen Weg nach unten zu den Stränden geben.

Ich packe Fleisch aus Bar ein und Brot und Wasser, ein Handtuch, Badesachen, die Kamera und den Kleinen Kumpel, dazu eine Jacke, weil es ja abends kühl wird, und stapfe los.

Ich plane einen langen Tag am Strand. Am liebsten mit Sonnenuntergang. Deshalb erwerbe ich im Geschäft gegenüber schnell noch ein Cider.

Erst mal muss ich runter. Irgendwie zu der Straße. Da gibt es so einen Park auf der anderen Seite der Bucht, den sehe ich immer vom Balkon aus, da will ich starten.

Der Park entpuppt sich als Parkplatz. Mit schönen alten Bäumen und Blick auf die Altstadt. Ist also trotzdem irgendwie schön. Obwohl natürlich schade.

Dann wackle ich los.

Gleich der erste Versuch scheitert. Erst denke ich ja, ich bin im Rotlichtviertel gelandet, dann endet die Straße doch in einem Hotel-Komplex. Also zurück und neuer Versuch.

Jetzt scheine ich richtig zu sein. Rechts die hügelige Küste, die komplett zugebaut ist, links noch mehr Hotels, Wald, Straßen, die zu Hotels führen und jede Menge Bauruinen. Manche der Ruinen scheinen nie fertig gestellt worden zu sein, andere wurden einfach aufgegeben. Es handelt sich dabei ausnahmslos um ehemalige Ferienwohnungen, Apartments und Hotels oder solche, die es mal werden wollten.

Rechts erhasche ich manchmal einen Blick auf die Küste. Die sieht traumhaft aus. Manchmal gelingt es mir sogar, mich an so einen Hotelstrand zu schmuggeln. So nah sieht das leider nicht mehr so traumhaft aus. Viel Beton, damit die zahlenden Gäste auf ebenen Flächen sonnenbaden können.

Aber eigentlich bin ich schon mindestens zwei Kilometer gelaufen. Wo ist denn hier der Frauenstrand?

Ich lese wirklich jedes Schild, laufe jeden Weg Richtung Wasser (der immer an einem Hotelstrand oder in einem Restaurant endet). Schließlich ist die Straße zu Ende. Schluss. Aus. Führt auch kein Trampelpfad irgendwohin.

Ach Herrje.

Ich setze mich in ein völlig überteuertes Restaurant mit Blick aufs Meer. Ich blicke nicht nur aufs Meer, sondern auch in eine wunderschöne Bucht. Da baden sogar zwei… Frauen. Ich frage den Kellner, wo der Frauenstrand ist und tatsächlich, es ist die Bucht. Wie frau dahin kommt, weiß er allerdings nicht.

Dann suche ich sicher noch 30 min. Ich würde sogar über einen Zaun oder eine Mauer klettern. Aber da ist nichts.

Das ist ja nun mal mehr als frustrierend. Zum längsten Sandstrand komme ich hier auch nicht, weil es gibt ja keinen Weg, nicht mal einen kleinen, auf dem ich mich lang schwindeln könnte. Und da immer noch Steilküste, will ich auch nicht blind durch den Wald stapfen und womöglich abstürzen. So heiß bin ich dann doch nicht auf Strand.

Frustriert trete ich den Rückzug an.

Da ist ja noch der Stadtstrand. Aber ehrlich, der ist so dreckig. Über den Müll auf dem Kies könnte man ja noch steigen, aber im Wasser schwimmende Plastebeutel laden nun wirklich nicht ein. Gehe ich mir lieber ein Kleid kaufen. Frustkauf sozusagen.

Aber was ist das? Quasi unter mir, auf dem Weg in die Stadt, der den Touristen über eine Art Hochstraße führt, ist ja auch Ulcinj. Und! Da ist ein Friseur. Frizer Moki. Stimmt, ich wollt ja schon in Russland Haare schneiden lassen. Jetzt wird es aber Zeit.

Zum Laden zu kommen, ist etwas abenteuerlich und auch ein bisschen gruselig. Hier führt garantiert kein Guide Touristen lang. Ich will auch fast umdrehen. Aber ich will auch zum Friseur.

Dann stehe ich vor dem kleinen Geschäft. Zwei Herren, ein Kunde. Öh,

Werden hier auch Frauen bedient?

Ja,natürlich.

Ich zeige dem Fachmann ein Foto auf meinem Smartphone. Er runzelt die Stirn. Ok, das Bild ist von einer professionellen Seite. Zeige ich ihm eben das Foto aus Athen. Das hat das Kleine Kind gemacht, als ich da im letzten November in diesem unabhängigen Viertel hab Haare schneiden lassen.

Oh ja, das kriegt der Herr hin. Kostet 7€. Alter, da fühle ich mich schon ein bisschen schlecht.

Während mir also die Haare geschnitten werden, ist der männliche Kunde neben mir fertig, der Muezzin ruft und der Kollege breitet seinen Teppich neben dem Geschäft aus. Ich hoffe, der, der mir die Haare schneidet, kriegt keinen Ärger mit wem auch immer, weil er seiner Pflicht wegen mir nicht nachkommt. Vielleicht ist er aber auch eher so ein lockerer Typ.

Jedenfalls bin ich mit dem Ergebnis seiner Arbeit sehr zufrieden, beide Fachmänner sind stolz und ich soll unbedingt ein Foto nach Deutschland schicken. Mache ich auch.

Dann, ich habe inzwischen tatsächlich ein neues Kleid gekauft, suche ich nach dem Weg zum Großen Strand. In einem Café auf Googlemaps. Der Strand soll ja nicht nur 13 km lang, sondern an mehreren Stellen auch 100m breit sein. Wieso gibt’s da keine Richtungsschilder hin?

Ich laufe los und lande, trotz vieler Schlängel wieder am Parkplatz. Dabei muss ich wenigstens dem Nacktbadestrand Luftlinie schon mal mindesten 100 m nah gekommen sein (sagt GoogleMaps), aber Häuser und Grundstücke versperren mir den Zugang.

Ich gebe auf. Ich weiß nicht, was die da im Buch geschrieben haben. Oder es ist wie in Bar. Schließlich sehen hier einige Hotels sehr neu aus und es wird überall gebaut und gebaut, vielleicht führt kein Weg mehr zum Strand.

Im Hotel schaue ich dann noch mal im Tablet nach. Autoroute. Und da gibt’s tatsächlich eine 8 km lange Strecke. Gmpf. Aber die hätte ich eh nicht laufen wollen.

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8 Antworten zu Auf der Suche nach den schönsten und längsten Sandstränden des Landes (07.10.2019)

  1. Herr Ärmel schreibt:

    Die beiden berühmten Strände von Ulcinj…
    Der grosse Strand ist an der Bojana Mündung am beeindruckendsten. Dort finden auch die Kite Weltmeisterschaften statt. Ich habe damals vor Bojana keinen Weg von der Strasse zum Strand gefunden. Alle Zuwege waren entweder vergittert oder nur mit einem Geländewagen befahrbar.

    Deine Fotos wecken Erinnerungen. Ich wünsche dir weiterhin schöne Reiseerlebnisse

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  2. freiedenkerin schreibt:

    Ähnliches widerfuhr mir mal auf Kreta, in der Nähe von Heraklion. Auf meiner Wanderkarte war ein schöner Strand abseits des Hoteldorfs vermerkt, in dem ich hauste. Auf einem Pfad, der etwa 500 Meter westlich von der Hauptstraße abzweigen sollte, müsse dieser Traumstrand zu erreichen sein. Zwei Stunden Herumirrens später war ich in der Pampa gelandet – links eine riesige Müllhalde mit Tierkadavern etc., rechts ein Kraftwerk…

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  3. Zaphod schreibt:

    Hach, die Fotos wecken ganz alte Urlaubserinnerungen. So weit südlich bin ich zwar nie gewesen, aber in Kroatien sieht das auch nicht viel anders aus. Sandstrände kenne ich da gar nicht. Korcula und Peljesac und die anderen Inseln war immer nur Kies, aber wenn man vom Boot aus reinspringen kann ist’s eh egal.

    Im Strände nicht finden bin ich auch ganz toll, deswegen war es ein Segen dass wir ein SUV mit viel Bodenfreiheit hatten dieses Jahr. Wenigstens nicht zu Fuß unterwegs wie Du *g*

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  4. wildgans schreibt:

    Das gleicht ja einer echten Strandfindeodyssee! Deine Art zu reisen ist so anders…Wer hat dir das beigebracht? Ich hätte noch viele Fragen…
    Auf jeden Fall lasse ich Grüße hier

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    • Inch schreibt:

      Meine Neugier. Meine Neugier hat mir das beigebracht. Und vermutlich meine Eltern und Großeltern, die auch nie besonders an Sehenswürdigkeiten interessiert waren sondern entdecken wollten.

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