Wieder im Zug (11.10.2019)

Es gibt einen Grund, weswegen ich Zug, nicht Bus fahre. Jedenfalls wenn es möglich ist. Denn mit Bussen kommt man ganz gut quer durch den Balkan.

Aber.

Ich bin in Europa zwei Mal längere Strecken so gefahren. Einmal nach Lüttich und natürlich wieder zurück. Und einmal nach Meteora. Und wieder zurück.

Besonders die Fahrt nach Lüttich war die Hölle. Und die zurück. Danach dachte ich jeweils, ich kann jede Bandscheibe einzeln aus dem Sitz lesen. Nee, Bus fahre ich in Europa nur noch auf kürzeren Strecken, also maximal 4 Stunden. Ich betone Europa, weil ich ja vier Wochen mit dem Bus quer durch die USA gefahren bin. Aber das waren Greyhounds. Die sind anders gebaut. Da ist mehr Platz. In denen kann man es gern mal 14 Stunden aushalten und steigt dann am Ziel ausgeruht aus. In Europa ist mir das noch nie passiert.

Deshalb also Zug. Besonders nachts. Da kann ich Schlaf- oder Liegewagen nehmen. Das ist sowieso das beste. Abends in Podgorica zum Beispiel schlafen gehen und morgens in Belgrad aufwachen. Und sollte ich tagsüber fahren, kann ich im Zug aufstehen, herumlaufen. Im Bus sitzt frau meistens. Im Bus tut mir irgendwann der Rücken weh, die Beine schwellen an. Jedenfalls in den viel zu eng gebauten Überlandbussen Europas.

Und dann stehe ich am Bahnhof in Podgorica, es ist 21:00 Uhr, ich halte mein Ticket für den Schlafwagen in der Hand, der Zug fährt ein und…

kein Schlafwagen.

Verwirrt steige ich erst mal ein und frage einen Fahrgast, ob das der Nachtzug nach Belgrad ist und wo denn die Schlafwagen sind..

Ja, aber wir fahren nur bis Kolasin, dort geht es mit dem Bus nach Mojkovac und da steht dann der Nachtzug nach Belgrad.

Ah gut.

Dann mault mich der Schaffner an wegen meiner Reservierung. Ich verstehe ihn nicht, er zuckt mit den Achseln und geht weiter.

Hm

In Kolasin warten wir etwa eine halbe Stunde auf die Busse. Als wir drin sitzen, sagt der Schaffner, dass wir nicht nach Mojkovac, sondern gleich bis zur Grenze, nach Bijelo Polje fahren. Na toll.

An der Grenze besteht der Zug auch nur aus drei Wagons. Schlafwagen Fehlanzeige. Und natürlich wechseln die Schaffner. Die serbische Kollegin, kann, als ich sie frage, wer mir das Geld für die Reservierung zurückerstattet, plötzlich kein Englisch mehr. Dabei gehts mir gar nicht um das Geld. Mir gehts um den Komfort. 11 Stunden im Zug, nachts, das ist die Hölle.

Ich richte mich ein, so gut es eben geht, schlafe bestimmt auch mal. Zwei Stunden oder so.

Als wir in Belgrad ankommen, tut mir so ziemlich alles weh. Und meine Füße scheinen auf das Doppelte angeschwollen zu sein.

Wenigstens ist die Schalterbeamte freundlich. Erklärt mir, wie ich mit Öffentlichen in die Stadt und nach Belgrad Central komme und ruft wirklich irgendwo an wegen meiner Beschwerde wegen der fehlenden Schlafwagen. Im Central würde ich mein Geld zurück bekommen, teilt sie mir schließlich mit.

Ich fahre also mit der Straßenbahn Nr.3 zum alten Hauptbahnhof. Das ist einfach. Mein Plan sieht so aus: Bushaltestelle suchen, frühstücken, dann mit dem Bus zum Central fahren.

Nun ja, Pläne sind dazu da, sie anzupassen.

1 Stunde suche ich die Bushaltestelle. Ich stapfe über Baustellen, laufe hier hin und dort hin, klopfe an die Türen geschlossener Hostels ( um zu fragen, wo Bus Nr. 36 fährt, denn die Leute auf der Straße haben keine Ahnung), lande schließlich auf dem Busbahnhof der Fernbusse. Immerhin, dort kann mir jemand den Weg beschreiben.

Dann stehe ich an der Haltestelle. Frage gefühlt 25000 Leute, ob die 36 hier wirklich fährt. Frühstück gebe ich auf. Ich rühre mich hier nicht weg, bin entschlossen, den ersten Bus, der kommt, zu nehmen. Nach 45 min ist es tatsächlich so weit. Ich springe rein und bin zwei Stunden zu früh am Bahnhof. Aber lieber so, als wieder ein Taxi bemühen.

Meine Reservierung bekomme ich natürlich nicht zurück erstattet. Dazu müsse ich nach Montenegro fahren.

Wenigstens gibt es jetzt hier ein Bistro. Ein Bistro, in dem man sogar rauchen kann.

Dann sitze ich im Zug nach Zagreb. Der ist 18.15 Uhr da. Ich habe keinen Blick für die Landschaft. Ich bin stehend k.o. Ich will eigentlich nur schnell ins Hostel und schlafen. Aber davon erzähle ich ihnen später.

Heute gibts keine Bilder. Ich hatte zu keiner Zeit die Nerven, Fotos zu machen.

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7 Antworten zu Wieder im Zug (11.10.2019)

  1. freiedenkerin schreibt:

    Uff! Das ist ja noch schlimmer als unsere Deutsche Bahn!

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  2. wildgans schreibt:

    Ein Nervenkostüm könnte auf solchen Reisen mittelschwer beschädigt werden. Ich wünsche zukünftlich besseres Reiseauskommen!

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  3. Zaphod schreibt:

    Bei Zug und Bus kann man ja immer irgendwie Abenteuer erwarten, ganz besonders auf längeren Strecken. Geht aber mit Flug auch wenn man etwas Pech hat.

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  4. Herr Ärmel schreibt:

    Dieses ständige Suchen, bei dem man mehr oder weniger auf Unverständnis stösst habe ich in Südosteuropa mehrfach erlebt. Ganz schön nervig manchmal, wenn man „plötzlich nicht mehr verstanden wird.“
    Ich bin gespannt, was du über Zagreb schreiben wirst…

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