Letzter Stopp Zagreb (12.10.2019)

Zagreb also.

Zagreb hat alles, was Inch für einen Stadtbummel braucht. Enge Gässchen, kleine Straßen, große Straßen, Parks, schöne Aussichten, viele Cafés, kleine niedliche Häuser, große Häuser aus der Gründerzeit, spitze Türmchen obenauf, Kirchen, Unterstadt, Oberstadt, viel Architektur eben, Statuen und, man kann das nur zu schätzen wissen, wenn man mal in Belgrad war in letzter Zeit, einen Bahnhof IN der Stadt.

Ich wohne in der Kneipenmeile. Hostel, 6- Bett-Zimmer, serbischer Zimmergenosse, der Belgrad, wo er herkommt, doof findet.

Zagreb ist um die 950 Jahre alt. Die Oberstadt entwickelte sich als Wohnort der Kaufleute und Handwerker auf dem Hügel Gric gegenüber des 1094 gegründeten Bistums mit Kapitol und slawischer Siedlung. Erst 1850 vereinigten sich Kapitol, Gradec (die Stadt auf dem Hügel Gric) und die später entstandene Unterstadt zu Zagreb. Oder Agram, wie die Stadt zu österreich- ungarischen Zeiten hieß. Heute leben in der kroatischen Hauptstadt 800000 Menschen.

Hostel und Kneipenmei befinden sich in der Oberstadt, der 1892 im neoklassizistischen Ziel erbaute Hauptbahnhof in der Unterstadt.

Ich bin gefühlt seit zwei Tagen auf den Beinen und stehend k.o., als ich einchecke. Aber wenn man so an der Quelle haust, muss man abends schon noch mal raus. Hunger habe ich auch.

Nun ist das in Zagreb mit dem Essen so eine Sache. Ich bin natürlich nur einen Abend und einen Tag in der Stadt und kann das evtl. nicht beurteilen, aber ich finde immer nur Pizza Pasta Burger. An diesem Abend kann ich das kaum glauben und suche erst mal eine Weile nach einem Restaurant mit einheimischen Gerichten. Ich könnte natürlich auch Döner, asiatisch oder griechisch… Schließlich lasse ich mich irgendwo nieder. Als nach der 2. Zigarette immer noch kein Kellner kommt, wechsle ich die Lokalität. Dort warte ich nur eine Zigarette, in der 3. Kneipe steht der Kellner so schnell neben mir, dass ich mich fast ein bisschen erschrecke.

Das Gute ist, dass es warm ist, alle draußen sitzen und noch mehr draußen laufen. Es gibt also jede Menge zu sehen.

Der nächste Tag beginnt mit diesigem, aber warmen Wetter. Ich schlendere zum Markt, gleich um die Ecke. Der Dolac- Markt wurde 1928 angelegt, ich wage mich sogar ganz kurz in die Fischhalle. Ansonsten ist er genau so, wie Inch es mag. Gemüse, Obst, Blumen, Fleisch und Käse, Bauernmarkt eben, aber dazu auch Handwerk. Es gibt viele Gebrauchsgüter aus Holz und Leder. Ich decke mich mit dringend benötigten hölzernen Küchenuntensilien ein und finde auch paar Dinge für den Kleinen König und die Prinzessin.

Dann schlendere ich durch die Stadt. Kathedrale, Markuskirche und noch mehr Kirchen, Gassen, Straßen, Türme und Türmchen, Stadttor, Markusplatz und noch mehr Plätze, Bänke zum Ausruhen, Grün zum Entspannen, Cafés zum Auftanken, noch mehr Märkte und viele Hinterhöfe. Und am Mittag kommt auch die Sonne raus. Und es gibt sehr viele Krawattengeschäfte in der Stadt. Ich stehe nun nicht so auf Krawatten, zum Glück gibt es auch kleine Lädchen mit Likörchen und Seifchen und Ölchen. Das ist schon eher meins. Ich schaue bei so einer wundertätigen Marienstatue vorbei, störe aber hoffentlich die Gläubigen nicht. Durch Zagreb zu streunen macht mir richtig viel Spaß.

Die Fahrt zum Busbahnhof spare ich mir. Zwar gibt es für den Nachtzug keine Liegeplätze mehr, aber ein Sitz im Zug ist allemal besser als einer in einem engen Bus.

Im Zug nach München dann teile ich das Abteil mit einem Pärchen aus Bangladesch und einem Reisenden aus Schottland.

An der kroatisch- slowenischen Grenze gibt es Theater mit einer Deutschen Familie. Weil das Kind, blond, blauäugig, biodeutsch, „nur“ im Reisepass des Vaters steht, dürfen die nicht über die Grenze. Vater und etwa zweijähriges Kind werden aus dem Zug geholt und in einen zurück nach Zagreb gesetzt. Die Mutter fährt weiter. Wahrscheinlich, um einen Kinderpass zu besorgen. (ich habe übrigens nachgesehen, für Reisen nach Slowenien und Kroatien reicht der Eintrag des Kindes in einen elterlichen Reisepass. Scheiße, wenn Eltern sich auf so etwas verlassen)

Wir unterhalten uns angeregt, als es ganz laut, wirklich ganz laut knallt. Dann kommt der Zug zum Stehen und ich bin nun doch froh, dass ich nicht im Schlaf- oder Liegewagen bin. Denn wir müssen alle raus auf den Bahnsteig und da sehen die, die aus den Betten kommen, irgendwie noch unglücklicher aus als wir.

Nach einer halben Stunde, ich betone: EINER HALBEN STUNDE, ist der kaputte Zug abgeschleppt und ein neuer eingefahren. Das darf man der Deutschen Bahn gar nicht erzählen. Und der Defekt erweist sich als Glücksfall, denn nun haben wir Pullmannsitze, die das Pärchen und ich sofort ausziehen. Nur der der Schotte will nicht mitmachen. Er schläft entsprechend schlecht, wir dagegen so gut, dass uns der Brite in München wecken muss.

Ich könnte jetzt sagen, das Zugticket Zagreb-München war das teuerste der Reise. Aber das ist natürlich Quatsch. München- Leipzig toppt alles. Trotz Bahncard und Fixpreis.

Aber das war ja zu erwarten.

Tja, das war mein Balkanurlaub. Es hat nicht alles so geklappt, wie ich es wollte. Dafür war ich an Orten, die ich vorher nicht auf dem Plan hatte. Aber ich habe ein Gefühl für Reisen in dieser Region bekommen. Das war auch das Ziel. Nun bin ich gewappnet für mehr Ausflüge auf den Balkan.

Übrigens, in meinem Reiseführer, den ich erst in Zagreb ausführlich gelesen habe, steht gleich am Anfang unter dem Punkt „Das wichtigste in Kürze“, Abschnitt „Hauptstadt-Hopping“, …ist der Westbalkan nicht prädestiniert für Zugreisen…. Manchmal macht es vielleicht doch Sinn, Reiseführer im Vorfeld zu lesen. Andererseits, hätte ich dann die Reise unternommen?

Über Inch

www.inch.beep.de
Dieser Beitrag wurde unter Wanderlust abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

7 Antworten zu Letzter Stopp Zagreb (12.10.2019)

  1. freiedenkerin schreibt:

    Die halbe Stunde dauert es hier in Deutschland alleine schon, um überhaupt festzustellen, dass die Lok kaputt ist, und die Fahrgäste zu informieren! Erst vor wenigen Monaten live und in Farbe selbst erlebt!

    Liken

  2. wildgans schreibt:

    Wie sich das anfühlt, nach so einer Reise wieder daheim anzukommen…?
    Mein Bett würde sich noch `ne Weile gefühlt ratternd bewegen, glaub ich…
    Nachtgruß von Sonja

    Liken

  3. Zaphod schreibt:

    Es gibt ja reichlich Städte von denen man so gar keine Vorstellung hat, aber Zagreb scheint tatsächlich eine Reise wert zu sein.

    Liken

    • Inch schreibt:

      Ganz sicher ist sie das. Und wenn man mit dem Zug anreist, kann man gleich in Ljubljana zwischenstoppen. Oder man ausflügelt nach Ljubljana. Ist ja nur so 2-3 Stunden entfernt. Mit dem Zug

      Liken

  4. Herr Ärmel schreibt:

    In Zagreb bist du sicherlich auch mit diesem famosen Bähnchen von der Unter- hoch in die Oberstadt gefahren. 😉
    Ich fand Zagreb auch ziemlich anregend. Auf Platz drei hinter Lubljana und Sarajevo. Das mit dem einheimischen Essen in Zagreb kann ich nur bestätigen. Bis zur kroatischen Küche kann es längerer Weg werden…
    Feine Bilder, wie gehabt

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s