Veränderungen (16/17. 06 2019)

oder Irgendwas ist ja immer

Wie ich schon erwähnte, diesmal hatten wir nicht soviel Zeit. Diesmal mussten wir fliegen. 7 Stunden braucht es trotzdem nach Irkutsk. Ist eben eine großes Land. Russland.

Der Flug selber war die Hölle. So wunderbar die russischen Züge sind, so schrecklich sind die Inlandflüge. Offenbar denkt, wer mal so 7 Tage im Zug lebt, um die Omma zu besuchen, 7 Stunden, das ist nix. Das sitzen wir mit der linken Backe ab.

Der Airbus ist proppenvoll, eng und die Lehnen lassen sich nur 2 cm verstellen. Ich glaube, ich mache kein Auge zu. Die Freundin auch nicht.

Das Arthostel finden wir schnell. Dort allerdings ist man überrascht, dass wir schon da sind. Also wird überprüft und gecheckt und tatsächlich, wir haben die Unterkunft schon bezahlt und auch Early Check In. So kann sich das Team nun an die Vorbereitung unseres Zimmers machen, während wir versuchen, nicht auf der Couch im Foyer einzuschlafen.

Zimmer vorbereiten heißt, zwei Jungs aus einem schmeißen, frische Bettwäsche und Handtücher reinlegen, Voilà. Zum Glück waren die Jungs keine Schmutzfinken und das Zimmer ist sauber.

Von Frühstück inklusive hat im Hostel noch nie jemand gehört. Trotzdem, das Hotel ist in Ordnung und das Personal zwar verpeilt, aber freundlich und hilfsbereit.

Und wir holen erstmal Nachtschlaf nach.

Dann wackeln wir zur Fußgängerzone, die gerade aufgerissen und wenig attraktiv ist. Dafür fehlt die laute Musik vor wirklich jedem Laden, die Käufer hereinlocken soll, uns aber vor 5 Jahren nur abschreckte. In einem russischen Restaurant essen wir. Der Rubel ist fast nichts mehr wert, deshalb ist essen immer eine ziemlich preiswerte Sache. Nach busy lunch brauchen wir wirklich nicht mehr zu gucken. Stattdessen gehen wir wann immer es sich anbietet in ein sogenanntes Kofe, da gibt es, anders als der Name vermuten lässt, einfache russische Gerichte.

Über die Fußgängerzone kommen wir zum Zentralmarkt. Der gruppiert sich um die Markthalle herum und ist wesentlich sehenswerter als diese. Hier gibt es so ziemlich alles, was man frau kind braucht. Für Inch einen Sonnenhut, denn den habe ich irgendwo liegen lassen.

Wir suchen hier den Platz, wo die Marschrutkas nach Talzy fahren. Das ist ein Freilichtmuseum ca. 50 km von Irkutsk entfernt. Die Freundin war da noch nicht und ich brauche neue Hausschuhe.

Offiziell heißt das Museumsdorf Architektur- ethnographisches Museum. Es wurde 1966 auf einem Hügel an der Angara gegründet und zeigt Architekturdenkmale aus ganz Ost- Sibirien, die zu einem Großteil vor der Überflutung im Zusammenhang mit dem Bau von Staudämmen gerettet wurden. Die meisten Exponate sind komplett aus Holz und stammen aus dem 17.-19. Jahrhundert. Dazu kommen noch die Lager der Ureinwohner, der Ewenken und der Tofalaren sowie burjatische Jurten.

Marschrutkas sind Minibusse, die auf festgelegten Strecken fahren. Die Abfahrtszeit richtet sich ein bisschen danach, wie viel Passagiere der Fahrer noch erwartet. Wenn man aussteigen will, gibt man dem Fahrer ein Zeichen, drückt ihm das Geld in die Hand und steigt aus.

Nach Talzy führt eine nahezu schnurgerade Straße. Also eigentlich führt die Straße nach Listwjanka am Baikalsee, aber auf der Hälfte der Strecke liegt das Museum. Die Fahrt kostet 100 Rubel. Das sind im Juni 2019 gerade mal 1,50€.

Das Freilichtmuseum hat sich leicht verändert. Natürlich stehen noch die Bauernhöfe da, der Erlöserturm, der wie die Kasaner Kapelle ohne einen einzigen Nagel gebaut wurde, die Lager der Ureinwohner und die Jurten. Die Veränderung betrifft eher das Flair. Es gibt sehr, wirklich sehr viele Souvenirshops, die sich teilweise in den Häusern befinden. Dazu kommt ein kleiner Markt für heimische Produkte. Meine Hausschuhe aber gibt es nicht mehr. Zwar steht die Jurte noch, aber in der verkaufen jetzt Menschen, die ganz sicher keine Burjaten sind, Zeugs. Unter dem Zeugs ist sicher auch burjatisches. Keine Ahnung.

Das Fischerdorf an der Angara ist kaum noch zu erkennen. Dort gibt es jetzt einen schönen Steg zum Sonnen und Boote anlegen. Also da gabs schon vor 5 Jahren einen Steg. Aber jetzt ist der riesig.

Es sind sehr viele chinesische Reisegruppen unterwegs.

Und oben auf dem Hügel wird ein russisches Dorf komplett aus Holz nachgebaut. Ob das mal Ferienwohnungen werden? Wir wissen es nicht. Auch neben dem Fischerdorf gibt es neue Pensionen, im Ort Talzy sozusagen. Falls ich noch mal hierher komme, könnte ich dort vielleicht mal logieren.

Trotzdem ist Talzy immer noch schön. Auch wenn viele Häuser geschlossen sind, was vielleicht daran liegt, dass im gesamten Komplex Vorbereitungen für ein Sommerfestival laufen. Und abgesehen davon, dass mir die Laden-Jurte nicht mehr so burjatisch vorkommt wie vor 5 Jahren, finden wir doch auch interessante Dinge bei den anderen Händlern und Verkäufern. Warenje (flüssige Marmelade) aus Zirbelkiefern zum Beispiel.

Wenn man dann zurück nach Irkutsk will, geht man einfach an die Straße, stellt sich an die Haltestelle und winkt die nächste Marschrutka heran. Gemeinsam mit Städtern, die vom Beeren sammeln zurück kommen, geht es dann zum Zentralmarkt.

Wir finden heraus, wo die Marschrutkas zur Insel Olchon fahren. Da geht das nämlich nicht so einfach wie nach Talzy oder Listwjanka. Es gibt kleine Kioske, wo die Karten verkauft werden. Man bekommt Abfahrtszeit und Nummer des Kleinbusses mit der Aufschrift Olchon Express gesagt, und findet sich zur entsprechenden Zeit ein. Das machen wir.

Und dann flanieren wir an der Ankara entlang. Das gehört einfach zu einem Besuch in Irkutsk dazu. Aber auf dem Weg zur Promenade fallen wir noch in jedes Geschäft ein, in dem man Buratinos kaufen könnte. Keiner hat Buratinos. Manche Verkäuferinnen lachen uns aus, andere scheinen zu denken, wir suchen einen Freund namens Buratino. Na so ist es ja fast auch.

Buratino war das russische Pendant zu Pinocchio. Aber nicht weil die Geschichten um die hölzerne Langnase von meinem Lieblingsautor Alexej Tolstoj stammen, mag ich ihn so sehr. Wir sind einfach mit ihm aufgewachsen. Außerdem steht mein Buratino zu Hause bzw. sitzt im Bücherregal. Die Freundin braucht dringend einen für das zu erwartende Enkelchen. Schließlich hat sowohl der ihres Mannes als auch der ihres Sohnes keine Nase mehr. In dieser Familie scheint männlicherseits ein starker Drang im Nasen abkauen zu bestehen.

Na wir finden jedenfalls keinen. Auch keine Wackel-Matrjoschka, die die Freundin ebenfalls begehrt.

Aber wir sind ja noch ne Weile in Russland. Wir finden die beiden Objekte der Begierde sicher noch.

Die Fotos sind von Irkutsk und Talzy. Wer Interesse hat, findet unter der Galerie die Links zu meinen Aufenthalten an beiden Orten vor 5 Jahren

 

Irkutsk Sommer 2014

Talzy Sommer 2014

Über Inch

www.inch.beep.de
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5 Antworten zu Veränderungen (16/17. 06 2019)

  1. Zaphod schreibt:

    Marmelade aus Zirbelkiefern? Das scheint aber eine sehr lokale Spezialität zu sein, laut Wikidingens ist das Marmelade ohne Geliermittel aus (meist) ganz normalen Früchten und ich weiß nicht ob ich mir dünne Erdbeermarmelade in den Tee rühren wollte.

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    • Inch schreibt:

      Du hast das was auf wikidingens dazu gefunden? Ich nicht. Der Ex-Mann der Freundin, der ja lange in Russland lebte, meinte sogar, man könne die in der Warenje liegenden Zapfen essen. Das habe ich gar nicht erst versucht. Die Freundin hat und meint, es schmeckt nicht. Und ja, als Süße im Tee ist das schon lecker. Ich hatte mir allerdings nur so ein ganz kleines Probeglas behalten. Ist evtl gesünder als Zucker für die, die Tee süß mögen. Was Warenje im allgemeinen betrifft, gabs die früher in Russland auch viel zu Blinies

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  2. Herr Ärmel schreibt:

    Schönen Dank für deinen Bericht und die klasse Fotos…
    Mir gefallen die Holzhäuser sehr

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