Weg von der Insel (23.06.2019)

8:00 Uhr aufstehen. Und das im Urlaub.

Es ist diesig, es ist kalt, es nieselt.

Wir sind ein bisschen aufgeregt, ob uns der Marschrutkafahrer auch findet. Der, der uns hergefahren hat, hat uns schließlich am falschen Ort abgesetzt. Deshalb gehen wir nach dem Frühstück und dem Auschecken runter zur Nagornaja- Straße. Unsere Pension liegt laut Adresse zwar auch in dieser Straße, aber in Wirklichkeit eben nicht. Da die Marschrutkas die Fahrgäste an ihren Unterkünften abholen, ist natürlich unklar, wann genau der Minibus hier sein wird.

Doch der Fahrer findet unsere Unterkunft und wir hasten den Berg hinauf einem kopfschütelnden Chauffeur entgegen.

Kein Platz für meinen Rucksack, obwohl mit uns erst 5 Leute im Fahrzeug sitzen. Eine Asiatin mit Mundschutz zeigt mir, wo ich mich hinzusetzen habe. Die Frau ist Passagierin. Ich bin sofort angefressen. Ehrlich, wenn das so weiter geht, entwickle ich hier noch einen Rassismus. Aber natürlich, ich weiß, die Arschlochdichte ist ja überall gleich. Und die hier spinnt ja wohl.

Leute einsammeln. Der Bus wird voll. Rappelvoll. Vier Amis, die Asiatin, wir, der Rest Russen.

Schwanger darf man nicht sein. Es rüttelt und schüttelt.

35 km Rüttelplatte, dann endlich die Fähre, die schon auf uns wartet. Unsere „Freundin“ hustet ununterbrochen. Deswegen wohl der Mundschutz. Als sie sich aber erbricht und danach gleich weiter isst, sind wir anderen leicht konsterniert.

Pause an der Raststätte. Das Essen an diesen riesigen Schnellimbissen ist erstaunlicherweise gut. Jedenfalls an dieser. Und es gibt saubere Toiletten. Das muss erwähnt werden, weil ich das letzte Mal ja ganz andere Erfahrungen gemacht habe.

Die von allen ungeliebte Mitfahrerin, die kein Wort spricht, zeigt allen und überall, was sie zu tun und wo sie sich hinzubewegen haben.

Am Zentralmarkt in Irkutsk, dem Ziel, kann sie dann doch reden. Sie wundert sich nämlich, dass wir nicht am Busbahnhof ankommen. Und da ich ja ein netter Mensch bin und nicht nachtragend, das zumindest nicht zeige, rede ich mit ihr und erkläre, dass das die Endhaltestelle ist. Wie sie allerdings zum Busbahnhof kommt, soll sie selber rausfinden.

Ich bin böse.

Nein, am Zentralmarkt bin ich selbst immer erstmal etwas orientierungslos und weiß nicht, in welche Richtung ich gehen muss. Ich hätte ihr den Weg gar nicht erklären können, weil ich selbst sicher erstmal falsch gelaufen wäre.

Wir sind wieder im Art Hostel, wo man uns diesmal schon erwartet. Wir dürfen uns auch ein anderes Zimmer wünschen. In das erste hat immer ne Straßenlaterne geschienen, jetzt haben wir eins zum Hinterhof hinaus.

Dann wackeln wir noch zum 130. Quartier. Das ist im Stil der traditionellen russischen Holzbauweise errichtet. Einige Häuser sind alt und restauriert, andere der Einfachheit halber neu gebaut, allerdings nach dem Vorbild alter Stadthäuser.

Es gibt nur noch Boutiquen und Nobelrestaurants dort. Und ein Einkaufszentrum am Rand des Viertels. Wir sind schnell durch. Falls ich noch mal nach Irkutsk komme, hier muss ich nicht mehr her. (Wie wir das Viertel vor 5 Jahren erlebt haben, können Sie hier lesen. Dann werden Sie auch den Unterschied bemerken. Der zweite Blick) Aber dann treffen wir zwei Reisebekannte aus Chuschir, die wir in der Unterkunft trafen. Die sind auf Weltreise. Low Budget. Wir quatschen ein bisschen, verabschieden uns und wackeln zurück. Auf dem Weg finden wir ein wunderbares russisches Kafe, wo ich endlich leckeren Omul und die Freundin nicht weniger leckere Buusy essen.

Fotos gibt’s heute fast keine. Das Quartier ist nicht schön und alles andere, fast alles andere habe ich Ihnen ja schon gezeigt. Allerdings mussten wir dringend die Straßenbahn fotografieren, mit der wir sehr gern durch die Stadt gefahren sind. Und den Mann auf dem Pferd. Glaubt uns ja sonst wieder keiner.

Über Inch

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