Nichts weiter los (25.06.2019)

Heute ist sightseeing angesagt. Aber ehrlich, welche Stadt sieht schon schön aus bei schlechtem Wetter? Ulan- Ude macht da keine Ausnahme. Es ist bewölkt und viel zu kalt.

Ulan- Ude ist die Hauptstadt der Teilrepublik Burjatien. Knapp eine halbe Million Menschen leben hier. Die Stadt wirkt schon viel asiatischer als Irkutsk, allerdings überwiegt auch hier die Russische Ethnie.

Die Stadt, mehr als 4000 km östlich von Moskau gelegen, ist letzter Zwischenstopp derer, die weiter in die Mongolei reisen oder mit der Transsib entweder nach Wladiwostok oder nach Peking wollen. Die Mongolei ist tatsächlich so nah, dass wir viele Autos mit dem Landeskennzeichen sehen. Aber die Burjaten sind schließlich auch Mongolen, irgendwie.

Wir gucken ein paar Holzhäuser und eine Kirche in einer Fußgängerzone in der Nähe unseres Hotels und schlendern die Leninstraße hoch und runter. Am Haus der Pioniere wundern wir uns, dass es noch ein Haus der Pioniere gibt und ein Denkmal für den Kleinen Trompeter. Am Leninkopf machen wir Fotos und treffen die Franzosen, die wir gestern im Hotel kennengelernt haben.

Ulan-Ude ist eine moderne und saubere Stadt. Eine Stadt mit Geschichte. Hier findet man alles. Holzhäuser, klassizistische Bauten, sozialistischen Beton und modernes Glas. Natürlich wird auch des Großen Vaterländischen Krieges gedacht und Lenin steht wie in allen Städten, in denen ich in Russland war, wie eh und je an seinem Platz. Der in Ulan- Ude ist nur ein Kopf. Dafür aber kann sich die Stadt rühmen, die größte Porträtbüste der Welt zu besitzen. 7,70 m misst allein das Gesicht in der Höhe, 42 Tonnen wiegt das Ding insgesamt. Ich setze den Kleinen Kumpel ans Denkmal, damit man auf dem Foto eine Ahnung von der Größe des Denkmals bekommt. Die Franzosen, die übrigens auf dem Weg nach Peking in Ulan- Ude zwischenstoppen, erinnert das sofort an die fabelhafte Welt der Amelie und den weltreisenden Gartenzwerg. Aber ich wollte wirklich nur die Größenverhältnisse zeigen und mich nicht selbst positionieren. Bzw nutze ich die Fotos mit dem Kleinen Kumpel gern für Facebook. Aber nun dürfen Sie ihn heute auch sehen. Am Ende des Blogs, in der Galerie.

Ulan- Ude wurde 1666 gegründet. Wie so viele Städte in Sibirien von Kosaken. 1775 hatte sich die Station am Fluss Selenga ausgedehnt, erhielt Stadtrecht und nannte sich Werchneudinsk. 100 Jahre später musste die Stadt, die nach einem Großbrand zerstört war, komplett neu aufgebaut werden. Zu Sowjetzeiten war sie die Hauptstadt der Burjatischen ASSR (das A steht für autonom). Ulan- Ude heißt sie seit 1934. Ulan- Ude kommt aus dem burjatischen und heißt Rote Uda. Die Uda wiederum ist ein Fluss, der in die Selenga mündet. Ulan-Ude gilt auch als buddhistisches Zentrum Russlands. Und die Stadt liegt, wie schon erwähnt, ziemlich nah an der Mongolei, so ungefähr 250 km sind es bis zur Grenze, was in Russland weniger als ein Katzensprung ist.

Wir sehen noch bei der Oper vorbei, schauen uns den Markt an, bestaunen die unterschiedlichen Architekturstile und in einem Restaurant würde ich am liebsten ein Kinderbuch klauen. „50 Rezepte für kleine Gourmets“. Ich klaue es natürlich nicht, sondern stelle es neidisch zurück an seinen Platz.

(Vor 5 Jahren logierten wir in einem ganz anderen Stadtteil. Zwar waren wir auch am Lenindenkmal, trotzdem haben wir ein paar andere Sachen gesehen. Und den Baikal. Denn da war besseres Wetter. Wenn Sie nachlesen möchten, bitte Weltmeisterlich )

Ein paar Fotos habe ich für Sie ausgesucht. Klicken Sie drauf, wenn Sie genauer gucken wollen.

Über Inch

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4 Antworten zu Nichts weiter los (25.06.2019)

  1. freiedenkerin schreibt:

    Interessante und auch schöne Stadt! Und der Leninkopf ist in der Tat sehr mächtig.

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  2. Zaphod schreibt:

    Okaaay, ich sollte mir angewöhnen Reiseberichte in der richtigen Reihenfolge zu lesen, der erste Eindruck von Ulan-Ude war schlimm, aber das sieht hier schon wieder ganz anders aus. Ich liebe ja diese verzierten Schnitzereien an den Holzhäusern und so ein rundes Türmchenzimmer mit Aussicht hätte ich auch immer gerne gehabt. Aber wenn die nicht mal fließendes Wasser haben ist das Plumpsklo auf dem Hof sicher auch nicht weit und da hört’s dann schnell auf mit der Romantik.

    Bei den 50 Rezepten für Kinder wär ich etwa skeptisch, kein Plan was man aus Chips, Ananas, Frühlingszwiebeln, Erdbeeren, Schokolade und Paprika alles basteln kann, aber wenn ich mir den Markt da ansehe scheint es dort immerhin alles zu geben.

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    • Inch schreibt:

      Kein fließend Wasser ist echt doof. Aber da die Leute immer noch nicht erkannt haben, welch architektonischer Schatz ihre Holzhäuser sind, wird da eben nicht rein investiert. Und die 50 Rezepte… bzw Lebensmittel. Jo, es gibt da alles. Und wahrscheinlich nicht mal von irgendwo aus dem Ausland importiert. Das Land ist so riesig…

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