Alles auf einmal (26.06.2019)

Heute scheint die Sonne. Da sieht die Welt und die Stadt gleich besser aus. Ich zeige Ihnen deshalb heute noch mal die Kathedrale bei Sonnenschein. An der laufen wir nämlich vorbei zum Bus.

Wir wollen zum Iwolginskij Dazan, einem buddhistischen Kloster. Nein, nicht irgendeins, sondern DAS buddhistische Kloster. Zentrum der buddhistischen traditionellen Sangha Russlands, Wohnort und Wirkungsstätte des Khambo Lama. Sangha bedeutet buddhistische Versammlung, oder Gemeinschaft. Oder Gemeinschaft der buddhistischen Praktizierenden. So was in der Art.

Der Iwolginskij Dazan ist Kloster und Universität (Philosophie, Theologie, buddhistische Medizin , Malerei)

Der Buddhismus kam zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert nach Russland. Und zwar zuerst nach Burjatien, also zu einer Zeit, als die Kosaken im Gebiet schon siedelten, die Burjaten aber offenbar noch dem Schamanismus anhingen.

Heute bekennen sich neben den Burjaten auch die Kalmücken und Tuwiner zum Buddhismus. Ab ca den 1930 wurde die Religion verfolgt. Tempel wurden zerstört und ab 1940 gab es praktisch keine Buddhisten mehr in Russland. Außer in Burjatien. Denen wurde ihre Religionsausübung erlaubt.

Wir fahren also in der Marschrutka nach Iwolga, steigen dort um und fahren ins Kloster.

Auch hier hat sich in den letzten 5 Jahren viel geändert. Das Restaurant ist jetzt außerhalb der Anlage, umzingelt von Ständen, an denen vor allem Frauen Strick- Leder- und Holzware verkaufen.

Betritt man dann die Tempelanlage, muss man auch erst mal an Kiosken und Ständen vorbei. Hier werden Kerzen und Tücher, Gebetsfahnen und mongolisch- burjatische Volkskunst feil geboten.

Wir schlendern durch die Anlage, bestaunen die Klöster, drehen eifrig Gebetsmühlen, verstehen den Sinn mancher Dinge nicht, wundern uns über andere, merkwürdig anmutenden Dinge, verirren uns ins Wohnviertel, starren Mönche an und Besucher in sehr traditionellen Gewändern. Es wird viel gebaut, vor allem neue Wohnhäuser. Die Anlage wird bevölkert von Mönchen, Gläubigen und Touristen. Aber da sie recht groß ist, verläuft sich alles hübsch.

Wir essen im Restaurant vor den Toren des Dazan und fahren zurück nach Ulan- Ude.

Wir haben noch etwas vor.

Wir wollen in so ein Dorf Altgläubiger, das Touristen den Zutritt erlaubt, fahren. Tagartadai heißt der Ort und wir müssen in Ulan- Ude zu einem anderen Busbahnhof.

Schaffen wir auch. Und wir finden auch den richtigen Bus. Doch…

als wir einsteigen wollen, nimmt uns der Busfahrer nicht mit. Während wir verdutzt da stehen, fährt er halbleer los.

Äh.

Das ist jetzt.

Was war das?

Der nächste Bus fährt in einer Stunde. Für uns zu spät. Wir müssen ja wieder zurück und heute Abend mit dem Zug nach Irkutsk fahren.

Merkwürdig.

Und was machen wir jetzt?

Freundin, da auf der anderen Seite der Uda, da wo unser Hotel steht, da sehen wir doch immer eine Insel und eine Brücke. Lass uns dahin gehen.

Und wir gehen. Bestaunen nebenbei noch die Straße des Kommunismus und einen öffentlichen Trinkwasserbrunnen (in den Holzhäusern gibt es oft keinen Wasseranschluss) Und laufen dann über eine endlos lange Brücke. Auf einer Insel landen wir nicht. Immerhin können wir von der Brücke aus erahnen, wo die Uda in die Selenga fließt. Und in dem Stadtteil, in dem wir gelandet sind, lockt die Himmelfahrtskirche, die komplett aus Holz zu sein scheint.

Leider ziehen schwarze Wolken auf. Das macht sich zwar sehr gut für Fotos, weswegen und weil ich Holzkirchen mag, ich Ihnen gleich drei Fotos präsentiere, aber so fürs Wohlbefinden ist das eher ungünstig.

Wir flüchten in ein Restaurant gegenüber des Hotels, wo wir mit Blick auf die Ude und das Unwetter essend und trinkend warten, das es Zeit wird, unsere Rucksäcke zu holen und in ein Taxi zum Bahnhof zu hüpfen. Es ist jetzt richtig kalt.

Zurück nach Irkutsk fahren wir 2. Klasse. Oder Kupé, wie der Russe sagt. Schlafen wollen wir dann doch lieber in einem abgeschlossenen Abteil. Und bei dem Wetter draußen, ist das eh das beste, was man machen kann.

(Natürlich waren wir vor 5 Jahren auch im Dazan. Hier können Sie lesen, wie es damals war: Religionsunterricht )

Fotos gibt es heute wieder ein paar mehr. Und wer drauf klickt, kann besser sehen

Über Inch

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4 Antworten zu Alles auf einmal (26.06.2019)

  1. athenmosaik schreibt:

    Sehr interessant, und danke für die schönen Fotos. Das Bild mit den Stühlen ist postkartenreif! Lieben Gruß

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  2. Zaphod schreibt:

    Hättest Du gesagt die Hogedingens Kathedrale würde in Disneyland stehen hätte ich das auch geglaubt :).
    Und das seltsame Ding im Klostergarten ist wahrscheinlich die Entlüftung der Tiefgarage in der das Lamamobil parkt. Sieht jedenfalls ähnlich aus wie die unserer Tiefgarage, nur ohne den Henkelpott oben drauf :))
    Wieder mal sehr interessant das alles (und etwas schockierend was die Behausungen in Ulan Ude angeht)
    Danke für’s mitnehmen 😉

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    • Inch schreibt:

      Die Behausungen in Ulan Ude werden sicher bald verschwinden. Jemand wird den Leuten Geld geben, dann sind sie für 1 Jahr reich und ziehen in eine Mietwohnung, die sie ab dem 2. Jahr nicht mehr bezahlen können, zumal sie dann ja auch für Wasser bezahlen müssen und keinen Garten und Hof für Gemüseanbau und Hühner haben, und da, wo die Katen standen, entsteht irgendwas schickes.
      Es ist irre, wie nah in Russland Dinge oft nebeneinander liegen.
      Und danke für die Erklärung für das Dingens im Kloster „grins“ Würde ich da nochmal hinfahren, würde ich das direkt überprüfen. Aber ich glaube, zwei Besuche dort reichen mir jetzt auch.

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