Das Grauen am See (27.06.2019)

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, ob das alles so klappt.

Früh in Irkutsk ankommen, mit der Tram zum Zentralmarkt und dann gleich eine Marschrutka finden, die in die richtige Richtung fährt.

Es ist kalt. Und es regnet. Da ist es am Markt übersichtlich.

Wir aber brauchen erst einmal Frühstück und finden einen von Russen frequentierten Imbiss. Die sind immer die leckersten. Den merke ich mir.

Weil wir keine Ahnung haben, wo unsere Unterkunft in Listwjanka liegt, lassen wir uns vom Fahrer des Minibusses im Zentrum des Urlaubsortes absetzen.

Listwjanka also.

Sagen wir mal so.

Wer nicht nach Port Baikal will, braucht da nicht hin. Wer vielleicht nur kurze Zeit in Irkutsk ist und mal an den Baikal will, so nur für paar Stunden… der sollte da auch nicht hin.

Ok, der Ort liegt am Ufer des Baikals und ist innerhalb einer Stunde von Irkutsk aus zu erreichen. Mit der Marschrutka. Es gibt auch Boote, die hinfahren. Liegt schließlich am Ursprung der Angara, dem einzigen Abfluss des Baikals. Trotzdem. Lassen Sie es. Sie erhalten ein völlig falsches Bild. Vom See.

Wollen Sie dagegen sehen, wie Russen protzen. Auf nach Liswjanka.

Der Ort war seit Ende des 18 Jahrhunderts Post- und Fährstelle. Es ist natürlich davon auszugehen, dass da vorher schon Einheimische siedelten.

Heute erstreckt sich die Siedlung auf einer Länge von ca 5 km und zählt 1800 dauerhafte Einwohner.

Wir steigen also am Zentrum dieses langgezogenen Etwas aus. Genau gegenüber des Hotels „Majak“, das riesig ist und die Bürgermeisterin bauen lies.

Hier am Hafen verkauften früher Straßenverkäufer diverse Dinge. Die sind jetzt nicht mehr da. Die mussten weichen.

Aber wir suchen erstmal unsere Unterkunft. Dazu müssen wir im Prinzip zurück laufen, so ca 2-3 km. Die Straße am See entlang. Der Ort besteht eigentlich fast nur aus der Straße am See. Es gibt ab und an Querstraßen, aber die enden irgendwann im Wald, wie wir später feststellen werden. Hotels vermieten sich nun mal besser am Wasser. Und wer sich hier sein privates Urlaubsdomizil bauen will, der will da natürlich auch auf den See glotzen. Das, das Wasser, ist übrigens ziemlich schmutzig hier. Baden würde ich auch bei 35°C nicht. Nicht hier.

Auf der einen Straßenseite also der verschmutzte Baikal, auf der anderen dann ein Bild des architektonischen Grauens. Offensichtlich haben die Fischer Teile ihres Landes verkauft. Und so ducken sie sich nun neben rosaroten Schlössern, Palästen aus Glas und Beton und Investruinen. Die Freundin meint, ich solle nicht soviel fotografieren. Nicht dass die denken, mir gefällt der Scheiß.

Unser Motel ist schon fast am Ortsausgang. Natürlich auch an der Straße, auf deren anderer Seite der See liegt. Die Wirtsleute sind Georgier, da haben wir gleich ein Gesprächsthema. Aber nur kurz. Wir haben im Zug gut geschlafen und wollen den Ort erkunden.

Am anderen Ende soll es schöne Sandbuchten geben. Außerdem sind da die Fischer und am Markt, den es jetzt statt Straßenverkäufern gibt, kommen wir da auch vorbei. Inzwischen guckt auch die Sonne raus und es wird T-Shirt-warm.

Aber erst müssen wir uns wieder an den „Datschen“ vorbei gruseln. Am bzw ab Markt wird es dann besser. Hier sind keine Hotels. Dafür der Kinderarten, und dann sind da auch die Fischer mit ihren Räucherkammern. Am Ende des Ortes dann so eine Art Ferienlager und ein Picknickplatz. Keine Sandbucht, kein Weg dahin und auch kein Plan. Nuja, wäre eh zu kalt zum baden.

Wir erkunden jetzt mal lieber die Querstraßen. Hier wohnen die Einheimischen. Manchmal steht irgendwo eine kleine Pension. Aber im Großen und Ganzen wohnen hier Menschen. Hier gefällt es uns besser als direkt am See und alle Querstraßen enden in Birkenwäldern. Birkenwälder gehören ja irgendwie zu Russland, von den furchtbaren Palästen am See sieht man hier nix.

Ich habe Ihnen einige fotografiert, damit sie wissen, wovon ich schreibe. Aber, auf den Bildern sieht das gar nicht so schlimm aus.

Klicken Sie trotzdem drauf und gucken Sie genau.

Über Inch

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8 Antworten zu Das Grauen am See (27.06.2019)

  1. wildgans schreibt:

    Es scheint mir wie hilflos,dennoch stolz hingesetztes Zeug…naives Gemurksel. Am Ende schönes Holz in unglückseliger Kombination mit Wellblech- Krönung 😦

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    • Inch schreibt:

      Naja, Wellblech findet man hier auf allen alten Holzhäusern. Scheint haltbarer zu sein als Holzschindeln. Oder billiger. Oder die Leute haben es einfach verlernt.
      Und die großen Hütten, die übrigens alle gerade unbewohnt waren, da scheint man zeigen zu wollen, was man hat. Ist aber, im Auge des mitteleuropäischen Betrachters, sehr missglückt

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  2. crocodylus schreibt:

    Es sieht aus wie ein Vogelnest, das man zwei Mal zerstört hat, Beim dritten Mal werden einfach aus Eile und Verzweiflung ein paar unpassende Dinge irgendwie zusammengesteckt. Danke für‘s Berichten.

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    • Inch schreibt:

      Naja, die kleinen blauen und grünen Holzhäuser standen schon immer da. Neu und unpassend sind die palastartigen Villen und Hotels. Nur das Hotel neben der Kirche passt sich dem dörflichen Charakter an und scheint gelungen

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  3. freiedenkerin schreibt:

    Das pastellfarbene Hotel im Stadtzentrum erinnert mich irgendwie an Miami Beach. 🙂

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  4. Zaphod schreibt:

    Ich interpretiere mal das Picknickschild: Ihr könnt singen, saufen, tanzen und den Dreck ruhig liegenlassen aber das Auto müsst ihr dann leider schieben.
    Richtig? 😀
    Die Querstraßenhäuser gefallen mir besser.

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    • Inch schreibt:

      „Ich interpretiere mal das Picknickschild: Ihr könnt singen, saufen, tanzen und den Dreck ruhig liegenlassen aber das Auto müsst ihr dann leider schieben.
      Richtig?“
      Ja, würde ich auch so sehen

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