Kontaktsperre

Und, haben Sie die Zeit des Lock Downs gut überstanden? Waren Sie im Home Office? Haben Sie Ihre Freunde und Ihre Familie im Internet getroffen? Auf einen Kaffee? Ein Bier oder ein Glas Wein?

Ich war ja, bevor es richtig losging, krank. Das schrieb ich im vorigen Blog.

Meine Mitbewohnerin aus Italien war da schon im Home Office und telefonierte täglich mit ihrer Familie in der Heimat.

Dann kam mit meiner Gesundschreibung der Lockdown. Der Verband hatte uns da schon längst ins Home Office geschickt und wir dachten darüber nach, wie wir unsere KlientInnen erreichen, beraten, betreuen können.

Ich aber hatte zu Hause einen PC stehen. Eine Spende. Für eine Familie mit Schulkindern. Da ich eine Familie mit Schulkindern hatte, in der die Mutter auch noch in Ausbildung ist, bekam ich den Zuschlag und den PC.

Also fuhr ich am 23.3. unter Beachtung aller Sicherheitshinweise und Hygienevorschriften in die sächsische Kleinstadt. Mit Handschuhen und Mundschutz, obwohl der da noch nicht vorgeschrieben war, stellte ich das Gerät vor dem Haus der Familie ab.

Dass irgendwann Mundschutzpflicht käme, war mir klar. Deshalb hatte ich schon mal genäht. War ja zu Hause. Das Kleine Kind hat auch welche genäht. Und die konnte man dann gegen den Nachweis einer Spende an eine Flüchtlingshilfsorganisation auf Lesbos geschenkt bekommen.

Aber das nur nebenbei.

Ich hatte schon, während ich krank war, Kontakt zu meinen Mentees und habe sie ständig über die aktuelle Situation, Beschränkungen, Öffnungszeiten Ämter und Hygienemaßnahmen informiert.

Nun also Lock Down. Home Office. Beratung in Videokonferenzen.

Einige KlientInnen haben das schneller begriffen, andere haben etwas länger gebraucht, zwei haben es nicht verstanden. Aber die sind auch in der persönlichen Beratung eher schwierig.

Nebenbei haben eine Kollegin und ich Tools fürs Bewerbungstraining entwickelt. Inklusive Kompetenzfeststellung. Das hat so wunderbar funktioniert, dass wir beschlossen haben, das auch im real live weiter zu verwenden. Dann bekommen es die KlientInnen freilich persönlich ausgehändigt. Während des Lock Downs haben wir dicke Briefe verschickt und die Sachen dann im Video Meeting bearbeitet.

Nebenbei hatte ich zwei Videokonferenzen pro Woche mit den KollegInnen. Es musste ja soviel entwickelt und abgesprochen werden. Dazu Online Meetings mit anderen KolegInnen in Sachsen. Der Rest wurde telefonisch erledigt. Inklusive Verlängerungen von Aufenthalten.

Ich kann Ihnen sagen. Ich habe im Home Office Überstunden gemacht. Denn gerade Online Beratungen müssen gut vorbereitet werden. Das dauert gut und gerne mal 1 Stunde. Im Büro reichen mir dazu 10 Minuten.

Und nebenbei habe ich immer gelesen, was es gerade für aktuelle Bestimmungen in Sachsen gibt und meine KlientInnen informiert. Auch in spanisch, arabisch, englisch und französisch… wenn ich entsprechendes im Netz gefunden habe.

Und unsere Geldgeber (wir sind projektfinanziert) wollten natürlich wissen, ob und wie wir arbeiten. Also nochmal verschärfte Dokumentation unserer Arbeit. Hat auch täglich gut und gerne 15 Minuten gedauert. Am Tag!

Jetzt sitze ich wieder einmal die Woche im Büro. Unter strengen Hygienevorschriften mache ich, wie meine KollegInnen Beratung. Mit Händewaschen, Mund- Nasen- Schutz und Desinfektion. Da reiht sich ein Beratungstermin an den anderen. Dokumentation mache ich dann im Home Office.

Und da ich seit dem 1.1.2020 auch eine andere sächsiche Kleinstadt „bedienen“ muss, gibt’s immer noch viel Online Beratung. Das ist nämlich besser, als dass die Leute mit Bus und Bahn durch den Landkreis gurken müssen.

Die Dienstberatungen finden jetzt in meinem Garten statt. Da ist genug Platz. Besser, als sich zu fünft in ein enges Beratungszimmer zu drängen.

Und privat?

Ich bin 60 geworden. Im April!

Das war natürlich suboptimal.

Wenigstens war schönes Wetter.

Ich saß im Garten. Den hatten wir in zwei Hälften geteilt, schon wegen Ostern. Die eine Hälfte für mich, die andere, mit riesigem Beet dazwischen, für die Kinder und Enkel.

Und so saß ich in der einen Hälfte, die Kinder und Enkel in der anderen. Also, das Kleine Kind aus Dresden war nicht da. Das Kleine Kind aus Dresden habe ich schon ganz lange nicht mehr getroffen. Mit dem Kleinen Kind aus Dresden habe ich videotelefoniert und Päckchen hin und her geschickt.

Ich saß also im Garten, in der einen Hälfte, in der anderen saß das Gr0ße Kind mit Familie.

Und dann kamen Freunde. Die haben mir über den Gartenzaun gratuliert. Das fand ich Klasse. Und irgendwie besonders. Genau wie meinen 50. Da lag ich nach ner Rücken- OP flach. Und ab Mittag gaben sich die Gratulanten die Türklinke in die Hand. Zeitweise war die Bude da so voll, dass ich den Überblick verlor. Ich lag ja und litt daher unter eingeschränktem Sehfeld.

So gesehen bringen Ausnahmesituationen besondere Geburtstagserinnerungen. Trotzdem, den 70. würde ich gern ganz normal feiern.

Die große Party, die im Juli stattfinden sollte, musste auf 2021 verschoben werden. Zwar dürfen in Sachsen jetzt 100 Menschen zusammen feiern, aber unbeschwert wäre ich da nicht.

Und naja, ich habe gaaanz viel Urlaub übrig. Im Juni wollte ich nach Nord- Mazedonien. Im Oktober in die Ukraine. Jeweils mit dem Zug.

Verschoben.

Ich fahre jetzt mit den Enkeln 1 Woche auf einen Reiterhof. In Sachsen. Falls wieder irgendwelche Bundesländer irgendwelche Bewohner anderer Bundesländer nicht rein lassen.

Und im Oktober werde ich, so keine zweite Welle kommt, eine Radtour machen. Oder mit der Enkelin wandern. Die wünscht sich das.

Aber nächstes Jahr, nächstes Jahr brauche ich Urlaub im Osten.

Über Inch

www.inch.beep.de
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4 Antworten zu Kontaktsperre

  1. freiedenkerin schreibt:

    Nachträglich alles Gute und Liebe zum runden Geburtstag! Hätte ich nie gedacht, dass du schon Sechzig bist, ich habe dich stets für um die Vierzig gehalten. 😉

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  2. Mitzi Irsaj schreibt:

    Ich drücke dir die Daumen für den nächsten runden Geburtstag. Auch wenn dieser Corona Geburtstag anders als geplant war, klingt ja für mich trotzdem auf seine Art sehr schön. Ich hatte in dieser Zeit sowieso das Gefühl, dass man vieles mehr geschätzt hat. Liebe Grüße

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  3. berlinmetropolis schreibt:

    Ich lese jetzt erst und wünsche ebenfalls nachträglich noch die besten Wünsche!
    Bei mir war es ein „halbrunder“ Geburtstag, der ins Wasser fiel. Den wollte ich tatsächlich einmal feiern. Dann eben im nächsten Jahr! Viel Spaß – falls Du Urlaub bekommen hast und mit dem Rad unterwegs bist! Liebe Grüße
    PS 60 Jahre hat mich jetzt doch etwas irritiert 😉

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