Vorsicht Fußgänger

Vor geraumer Zeit habe ich alle meine Minifahrräder, noch von Mifa stammend, für kleines Geld verkauft. Ich habe mein Tourenrad, ein geerbtes E- Bike und, da hängt ja auch noch das Rennrad, das reicht. 5 Räder braucht wirklich niemand.

Im Mai oder so habe ich es endlich geschafft, mich mit einem Freund ins Benehmen zu setzen. Der holte das Rennrad und pimpte es nach meinen Wünschen auf. Mit Profilmänteln und Gepäckträger. Wegen der ebenfalls notwendigen Reparaturen musste ich etwas warten. Ein Teil aus Frankreich brauchte etwas, eh es den Weg nach Deutschland fand.

Doch dann kam der ersehnte Telefonanruf. Ich lief los und fuhr glücklich nach Hause.

Dort war mein Sauerteig „explodiert“. Ich half ihm zurück in seinen Behälter und fiel erschöpft zu Bett.

Das Radl stand im Flur.

Ein Zisch riss mich aus dem Dämmerzustand.

Schon wieder der Sauerteig? Doch der blubberte artig in seinem Behälter vor sich hin.

Der Kater? Hat der was umgeworfen?

Ich durchkämmte die gesamte Wohnung. Nix.

Am nächsten Morgen sollte mich das alte neue Rennrad zur Arbeit bringen. Dafür wurde es schließlich reaktiviert.

Platten.

Aha, daher der Zisch.

Es schien, als wolle mir das Rad etwas sagen. Ich hörte nicht zu.

Nach dem Reifenwechsel fuhr ich exakt zweimal irgendwohin und wieder zurück.

Beim 3. Mal gings in den Garten.

Kurz vor diesem wich ich etwas von der Route ab, weil diese über verschobene Asphaltplatten führt und ich fürchtete, in die Spalten zu geraten und zu stürzen.

Ich wählte den Weg jenseits des Flusses. Als ich zurück auf die hiesige Seite die Brücke überquerte, gewahrte ich einer Gruppe Menschen.

Es sind ja derzeit recht viele Menschen unterwegs. Man merkt halt, dass viele in Deutschland Urlaub machen. Letztens im Zoo ergriffen die Prinzessin, der Kleine König und ich gar die Flucht. So viele Leute hatten wir da wirklich noch nie erlebt. Wir flohen Richtung Rosental, sahen uns den Zoo von dort aus an und entdeckten ein paar nette Spielplätze.

Und an den Seen ist es auch recht voll. Die Prinzessin fragte mich neulich, wieso denn Menschen hier Urlaub machten. Nuja, die sind eben nicht von hier, antwortete ich. Und als wir zum Beispiel am Arendsee urlaubten, haben sich vielleicht auch ein paar Einheimische gefragt, was denn an dem See so besonderes sei.

Im Süden der Stadt, unserer Stadt, gibt es ja nun neun große Seen. Und jede Menge kleinerer. Geflutete und rekultivierte Tagebaue. Und mein Garten, der liegt nur unweit davon. Genau zwischen nämlich so einem und der Agra. Also zwischen zwei Ausflugszielen quasi. Da ist schon ohne Urlauber am Wochenende mit Fußgängern und anderen Radfahrern zu rechnen.

Aber jetzt, wo viele Menschen in Deutschland Urlaub machen, ist richtig was los. Und Sonntag war ja auch, als ich über die Brücke kam.

Ich sah die Gruppe Menschen. Zu der gehörten Kinder. Bei Kindern und Hunden bremse ich immer. Sowohl auf dem Rad als auch im Auto. Man weiß ja nie. Die sind beide leicht unberechenbar.

Ich bremste also die Fahrt etwas ab und beobachtete das Geschehen. Und tatsächlich, plötzlich kam hinter der Menschengruppe ein Kind hervorgeprescht, sah mich, machte einen Schritt zurück und

rannte dann doch vor.

Wumms.

Frontal zusammengestoßen.

Ich will das jetzt nicht im Detail beschreiben. Ich stand unter Schock. Ich bekam keine Luft. Gefühlt ein halbes Dutzend Menschen kümmerten sich um mich. Eine Ärztin kam des Weges und übernahm. Jemand rief den Krankenwagen. Ich rief jemanden an, dass sie jemanden anriefe, mein Rad zu holen. Ich war ja fast im Garten.

Sonntags ist die Agra zu. Da kommt kein Rettungswagen eben aufs Gelände. Obwohl doch Fußgänger und Radfahrer unterwegs sind. Der Pleißeradweg führt hier lang.

Es dauerte, bis der Rettungswagen den einen Weg fand, wie er zu uns gelänge. Vielleicht hats auch nicht so lange gedauert. Ich weiß es nicht. Ich bekam einen Tropf und eine Halskrause. Dann wurde das Kind weggefahren. Dem Kind geht es übrigens gut. Es ist nicht verletzt. Aber ins Krankenhaus musste es, um zu gucken, ob da innen was kaputt ist.

Und ich wartete auf den nächsten Rettungswagen. Als ich in dem lag, waren alle Zeugen weg und der Leitstelle fiel ein, dass ja die Polizei auch noch kommen müsse und das wir auf die warten sollten.

????????????????????????

Kam dem Sanitäter auch spanisch vor. Als er losfahren wollt, kam die Polizei. Nur kurz meine Daten notiert und ab gings mit Lalülala. Hat vielleicht doch alles nicht so lange gedauert. Kam mir vielleicht nur so vor.

Wenn man auf so ein Brett geschnallt in einem Krankenwagen über Leipzigs Straßen jagt, weiß man im Nachhinein nicht, woher die blauen Flecken kommen. Vom Sturz oder doch vielleicht vom Brett.

Im Krankenhaus die Untersuchungen und Durchleuchtungen ergaben: Da ist innen nix kaputt und nix gebrochen.

Und dann darf man zusehen, wie man nach Haue kommt.

Das war vor 1,5 Wochen. An einem Sonntag.

Jetzt liege ich hier. Vollgedröhnt mit Schmerzmitteln und jeden Tag entdecke ich einen neuen blauen Fleck. Diese Flecken belustigen mich. Was mich nicht belustigt, ist die Rippenprellung. Ich hatte ja die Hand an der Bremse, weswegen ich wahrscheinlich auf die Seite gefallen bin, was irgendwie meinen Kopf gerettet hat. Und natürlich der Helm. Ohne Helm wäre der Kopf kaputt oder jedenfalls die Rippenprellung mein kleinstes Problem. Wahrscheinlich bin ich auf den Lenker gefallen. Zum Glück haben Rennräder Hornlenker. Ein gerader hätte vielleicht doch mehr Schaden angerichtet. An den Rippen.

Aber Hauptsache, der Kopf ist ganz. Also.

TRAGEN SIE HELM!

Und achten Sie auf Urlauber. Die sind gerade vermehrt unterwegs.

Ich ab Samstag übrigens in der Oberlausitz. Man bleibt ja in Deutschland in diesen Zeiten.

Über Inch

www.inch.beep.de
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5 Antworten zu Vorsicht Fußgänger

  1. wildgans schreibt:

    Aufregend! Beinahe lernt man was, nä, echt jetzt…
    Gruß von Sonja

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  2. Sommerer Salvör schreibt:

    Gute Besserung wünsche ich dir! Da hast du ja noch Glück gehabt:).
    Oder man bleibt nicht in D ;-).
    Ich fahre gerade Rad auf den dänischen Ostseeinseln, da scheint mir die Unfallgefahr und Coronagefahr doch wesentlich geringer.
    Nur mal so. Liebe Grüße von Salli

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  3. freiedenkerin schreibt:

    Das hat sich jetzt gar nicht schön gelesen… Aber du bist zum Glück glimpflich davon gekommen…
    Erhol dich gut!

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  4. Gudrun schreibt:

    Menschenskinder, liebe Inch! Du kannst einen aber auch einen Schrecken einjagen. Ich wünsche dir gute Besserung und dass du deinen Urlaub dann genießen kannst.
    Es ist heute spät geworden, aber Sauerteigbrot bäckt gerade noch. 😊 Eine feine Sache ist das und wahrscheinlich duftet es im ganzen Haus.
    Um meine Kinder mache ich mir gerade große Sorgen. Bei meiner großen Tochter in LA tobt die Seuche gerade richtig und auch bei meiner anderen Tochter sieht es nicht gut aus im Kreis Dithmarschen. Mein Schwiegersohn arbeitet in Heide im Krankenhaus. Hoffentlich geht alles gut. Die Sorglosig- und Schludrigkeit mancher Mitmenschen kann ich nicht verstehen.
    Grüße aus dem Leipziger Westen und nochmal: Gute Besserung.
    (Ist dir mal aufgefallen, dass man wie ewig nicht gewaschen aussieht, wenn die blauen Flecken verblassen)

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  5. Herr Ärmel schreibt:

    Pfff – zum Glück ist nicht mehr passiert. Es reicht auch so. Rasche gute Besserung wünsche ich.
    Und einen prima Urlaub.
    Mit dem Fahrradhelm tue ich mich schwer. Er liegt auf dem Regalbrett im Ställchen…

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