Pfeffer mit Kuchen

Hand aufs Herz:

Was wissen Sie über Pfefferkuchen (in manchen Gegenden auch Lebkuchen genannt)?

Dass man sie Weihnachten isst und sie viel zur früh, so ab August in den Supermärkten rumliegen?

Und woher kommen Pfeffer/ Lebkuchen? Welche Ort fällt Ihnen dazu zuerst ein?

Ich wette, die meisten denken zuerst an Nürnberg. Vielleicht auch an Aachener Printen. Denn Printen heißen Leb- und Pfefferkuchen eben anderswo. Oder vielleicht nennt man die Teile in Ihrer Gegend auch Honigkuchen? Wobei Honigkuchen ja nicht ganz exakt ist, denn aus diesen einstanden ja die Gewürzkuchen.

Egal Wie auch immer Sie es kennen oder nennen mögen. Die Dauerbackware ist keinesfalls ein reines Weihnachtsgebäck. Früher wurde sie vielmehr zu allen Feiertagen verspeist, und davon gab es, zumindest in Sachsen, 100. Hier bei uns heißt die süße Dauerbackware übrigens Pfefferkuchen. Und zwar nicht, weil da irgendwo Pfeffer mit reingemengt wurde, sondern weil orientalische Gewürze früher einfach alle Pfeffer hießen. Und fremde, unbekannte Gewürze sind schon drin, in den Pfefferkuchen: Wenn Sie nur bedenken, dass Anis und Zimt keine heimischen Gewürze sind.

Jedenfalls, ungefähr im Mittelalter spezialisierten sich die Bäcker in Schwarz- und Sauerteigbäcker und in die Weiß- und Süßbäcker. Letztere lieferten Kuchengebäck, weswegen sie auch Küchler genannt wurden, und zu ihnen gehörten eben auch die Bäcker von Pfefferkuchen.

An manchen Orten blieben die Pfefferküchler in den Bäckerinnungen, als Inhaber eines Kuchentisches, an anderen bildeten sie eigene Innungen. Im heutigen Polen geschah das schon im 13. und 14. Jahrhundert.. Auch in Nürnberg bildeten die Pfefferküchler eigene Innungen. Und in Pulsnitz, der Pfefferkuchenstadt in Sachsen. Heute gibt es da noch einige Handwerksbetriebe, Pfefferküchlereieen eben, und eine Fabrik.

Ich weiß das, weil Freundinnen früher in Pulsnitz lebten und arbeiteten und es gab nichts schöneres als, egal zu welcher Jahreszeit, von Küchlerei zu Küchlerei zu strollen und sich mit Pfefferkuchen einzudecken.

Die Freundinnen wohnen nicht mehr da. Wir müssen warten bis zur Adventszeit, denn da werden die Leckereien auf den Weihnachtsmärkten hier verkauft.

Oder man fährt in die Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft in den Urlaub. Und logiert nur 2 km entfernt des Städtchens Weißenberg,

Gerade mal knapp 4000 Menschen leben da. Aber am Markt, nicht zu übersehen, steht das Pfefferkuchenmuseum.

Ein PFEFFERKUCHENMUSEUM.

Das kann man auch ohne Enkel besuchen. Ich war natürlich mit dort.

Das Pfefferkuchenmuseum in Weißenberg ist eine alte Pfefferküchlerei, die bis 1937 noch in Betrieb war, dann aber vom letzten Inhaber wegen fehlender Erben der Stadt vermacht wurde.

Da sie relativ schnell Museum wurde, nur nach 1945 diente sie 14 Jahre als Wohnhaus, blieb die Struktur des Handwerkbetriebes weitgehend erhalten. Und europaweit ist sie die älteste Pfefferküchlerei, die als Museum genutzt wird.

Das Haus stammt aus dem 17. Jahrhundert. Vermutlich gab es an gleicher Stelle schon früher eine Pfefferküchlerei, allerdings wurde die Stadt im 30jährigen Krieg zerstört. Vom Wiederaufbau an betrieb die Familie Opitz/ Bräuer die Küchlerei bis eben 1937. Küchler war ein sehr vornehmes Handwerk und die Rezepte natürlich streng geheim.

Man betritt das Haus durch den Verkaufsraum, den man am liebsten nicht mehr verlassen würde. Denn natürlich, hier werden Pulsnitzer Pfefferkuchen verkauft. Direkt vom Laden aus geht es in die Ladenstube. Dort wurde gegessen, gelebt und verziert. Richtig spannend wird es dann im Hausflur mit der riesigen Riegelesse. Darunter ein nicht weniger großer altdeutscher Backofen, daneben bzw davor Koch- und Löschkessel und der Hausherd. Die Esse ist so riesig, da war auch Platz, um gaanz viele Würste und Schinken und Speck aufzuhängen und nebenbei zu räuchern. Ich meine, wenn Sie bedenken, dass die Backröhre, NUR DIE BACKRÖHRE, ein Ausmaß von 2,30 x 1,90 m hatte.

Gleich neben dem großen Backofen führt eine Falltür in den Keller. Dort wurde auch der Honig und Honigmet gelagert. Und in einem darüber liegenden dunklen Raum der Pfefferkuchenteig, und zwar 6 Monate bis 2 Jahre!!! Wenn der so gereifte Teig weiter verarbeitet wurde, musste er erst erwärmt und anschließend auf der Teigbreche zerkleinert werden.

Vom Treppenhaus kommt man in einen Raum mit vielen vielen Pfefferkuchenformen, vom Model bis zur Austechform, aus verschiedenen Materialien. Das war die „Dunkle Backstube“. Hier entstand der Grundteig aus Roggenmehl, Honig und Wasser. Da man noch keine Backtriebemittel kannte, musste der Teig wie oben erwähnt, dann so lange reifen. Beim Brechen wurden die kristallinen Strukturen des Honigs dann aufgebrochen und mit jedem Bruch wurde der Teig heller. Dann erst kamen die Gewürze, der „Pfeffer“ , dazu und in der hellen Backstube entstanden dann die Leckereien

In der ersten Etage liegen die sogenannte Gute Stube und das Schlafzimmer, und im Hausflur mit der nicht zu übersehenden Riegelesse die Gewürz- und Vorratskammer. Hier sind Gewürze, Aromen, Lote, Gewürzwaagen und natürlich geheime Gewürzmischungen ausgestellt.

Im Hinterhof schließlich lädt ein Haus in eine Ausstellung ein.

Der Kleine König ruft: Oh, ich glaube, ich träume!

Denn hier kann man Pfefferkuchen bestaunen. Häuser und Herzen und Figuren. Aus verschiedenen Ecken Deutschlands und aus anderen Ländern. Der Raum ist zu klein, alles auszustellen. So öffnet man Schübe unter den Vitrinen und staunt und staunt und staunt.

Bevor wir das Museum verlassen, kaufen wir natürlich noch Pfefferkuchen. Pulsnitzer.

Ihnen liebe LeserInnen empfehle ich, die auch mal zu kosten. Und wenn Sie irgendwo mal über eine als Museum fungierende Pfefferküchlerei stolpern, gehen Sie hinein. Es lohnt sich. Und ist spannend. Denn wir alle kennen die Backware ja, sei es nun als Pfeffer-, Leb-, Gewürzkuchen oder eben Printe.

Über Inch

www.inch.beep.de
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