Kurze- Hosen- Wetter, oder? (22.10.2020)

Ich sags Ihnen gleich: Heute gibt es viele Fotos. Das Wetter war einfach zu schön. Jedenfalls am Start und am Ziel.

Tapfer schlüpfe ich in die kurze Radlerhose.

Und dann, nach einem wirklich voluminösem Frühstück (muss ja schließlich eine Weile halten), fahre ich noch mal in die Altstadt und schaue sie mir ausgiebigst an. Ein paar Fotos habe ich Ihnen gestern schon präsentiert.

Ich radle zur Burg und runter an die Elbe, entlang der Stadtmauer, fahre durch Tore und Gassen und enge Gassen. Es gibt hier soo viel Fachwerk.

Tangermünde liegt im Landkreis Stendal, also in der Altmark. Es ist eine Hansestadt. Aber auch eine Kaiserstadt. Diesen Titel hat sie, weil sie im 14. Jahrhundert mal kurz Zweitsitz des Kaisers Karl IV. war. In dieser Zeit wurde auch die Burg Tangermünde ausgebaut. Die hatte 925 schon ein Markgraf errichten lassen. Zwei Jahrhunderte war sie Reichsburg und diente der Grenzüberwachung an der Elbe.

Die Stadt Tangermünde entstand erst im 13. Jahrhundert. Ihre Blütezeit erlebte die Hansestadt im 15. Jahrhundert. Anfang des 17. brannte sie fast vollständig ab und danach entstanden die Fachwerkhäuser. Oder jedenfalls viele. Stadtmauer, Rathaus, Kirche und Burg hatten den Brand überlebt.

Ich genieße die Sonne, die Architektur, die Geschichte und lese viele Erklärtafeln, dann mache ich mich auf den Weg Richtung Havelberg.

Ich entscheide mich, linksseitig der Elbe zu bleiben. Bis Billberge geht es am Fluss entlang, wenn auch ziemlich häufig mit einem Damm, der mir den Blick aufs Wasser verwehrt.

In Arneburg könnte ich noch einmal die Flussseite wechseln, oder linksseitig auf kürzestem Weg über Dalchau bis York Stein fahren, aber das Wetter ist schön und ich bleibe auf dem diesseitigen Radweg und mache einen ziemlichen Umweg über Hohenberg- Krusemark. Hier stoße ich auf den Altmarkrundkurs, der bis Havelberg identisch mit dem Elberadweg ist. Zumindest bis Schwarzholz ist das eine ziemlich sinnlose Route. Öde Dörfer, langweilige Landschaft, jedenfalls im Oktober, und keine Einkehrmöglichkeiten.

Außerdem zieht es sich wieder zu und wird etwas frisch.

Wenigstens gibt es alle paar Kilometer diese überdachten Rastplätze. Da kann man nicht meckern. In Sachsen- Anhalt waren die überall. Inklusive Mülleimer.

Ich mache also Rast und starre auf Felder, Silos und in Plastik verpacktes Heu.

Es gibt dann doch wenigstens eine Kirchenruine zu besichtigen in der Wüstung Käcklitz. Die Kirche ist ein Backsteingebäude aus der Frühgotik, später, im 15. Jahrhundert, wurde sie umgebaut.

Die Kirche fiel mit dem Dorf Käcklitz, 1321 das erste Mal erwähnt. Es gab dort sogar eine Schule, allerdings nur bis 1953.

Dummerweise verlief eine Panzerstraße der Sowjetarmee durch den Ort, 2x im Jahr fanden Manöver statt. Ich habe mal in meiner Teenagerzeit neben eine „Russenkaserne“ gewohnt, obwohl noch jung, habe ich von den Schäden gehört, die Panzer an Gartenzäunen und Hausmauern anrichten können und für die es nie eine wirkliche Entschädigung gab. Mich wundert also nicht, dass die letzte Familie das Dorf 1968 verlassen hat.

Übrig geblieben ist die Ruine der Kirche, in der 1962 die letzte Konfirmation und 1968(!) der letzte Gottesdienst stattfand.

Hier ist es fast ein bissl gruselig. Ich bin nämlich ganz allein hier und um mich herum nur Wald.

Schnell weiter. Hinter dem Gutshaus Büttnershof führt der Weg zur Fähre nach Sandau.

Doch die ist seit einem ¾ Jahr außer Betrieb.

Laut meiner Karte UND dem Navi müsste ich jetzt nach Werben und von dort zurück nach Räbel, um die dortige Fähre zu nutzen. Ein Umweg von 15 km.

Ich bin angefressen und nicht mal sicher, ob die andere Fähre nicht auch nicht fährt.

Aber ein Pärchen in einem ankernden Boot versichert mir erstens, dass in Räbel alles arbeitet und gibt mir zweitens einen Tipp für eine Abkürzung. Einfach immer den Damm lang. Da fahre ich zwar alle Nasen lang an Betreten Verboten Schildern vorbei, aber da soll mal einer kommen. Jetzt. Dem zieh ich die Luftpumpe über den Schädel.

In Havelberg scheint dann wieder die Sonne, ich checke in meiner pomfortionösen Unterkunft ein, dusche und erkunde die zweite Hansestadt an diesem Tag.

In Havelberg gibt es einen Dom, enge Gässchen, eine Kirche aus dem 14. Jahrhundert, einen Stadtgraben und natürlich, viel Fachwerk und Backstein. Und weil die Stadt nur etwas über halb so groß ist wie Tangermünde, ist die Altstadt schnell erkundet. Die liegt auf einer Prignitzer Insel in der Havel, die etwas weiter in die Elbe mündet.

Der Dom, im 12. Jahrhundert ursprünglich im romanischen Stil erbaut, wurde nach einem Brandschaden im 13./14. Jahrhundert im gotischen Stil umgebaut. Wie eine Trutzburg erhebt er sich über der Stadt und man hat von da einen schönen Blick auf die Insel, den Graben und sogar die Elbe.

Ich schlunze noch etwas durch die Stadt, in der Touristikinformation erhalte ich einen kleinen Altmarkrundkursführer, der mir die Weiterfahrt morgen erleichtern wird, ich laufe am Stadtgraben lang und stelle fest, etwas zu Essen zu finden, ist doch etwas schwierig. Die einen schließen, die anderen öffnen erst eine halbe Stunde später. Schließlich lande ich in einem Italiener am Stadtgraben. Und bevor ich schlafen gehe, genieße ich noch mal den nächtlichen Blick auf die Kirche St. Laurentius vom Hinterhof der Herberge aus.

Viele Bilder gibt es heute, wer drauf klickt, kann groß gucken.

Über Inch

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