Auf der Suche nach den schönsten und längsten Sandstränden des Landes (07.10.2019)

Heute gilts. Heute will ich dahin, weswegen ich hier bin. Zwei Strände empfiehlt mir mein Reiseführer. Den 1 km südlich von Ulcinj liegenden Plaza za Zene, den Frauenstrand. Das ist zwar einer aus Kies, aber er soll geschützt in einer Bucht liegen und vor Männerblicken schützen. Das will ich ausprobieren. Es ist T-Shirt -kurze -Hosen -Wetter. Das ist perfekt. Das zweite Ziel ist, ebenfalls im Süden gelegen und 2 km außerhalb der Stadt gelegen, Velika Plaza, der Große Strand. 13 km Sand verspricht mir der Reiseführer da.

Leider gibt’s in meinem Buch, das ja den gesamten Balkan umfasst, keine Karte. Und die, die ich mir bei der Touristeninfo geholt habe, ist, naja, bunt. Zur wirklichen Orientierung nützt die nicht mal in der Stadt was, und Strände, außer dem neben dem Hafen, sind da auch nicht drin. Nicht mal mit Richtungspfeil.

Aber es gibt eine Art Küstenstraße. Wenn ich der Richtung Süden folge, sollte es ja irgendwo einen Weg nach unten zu den Stränden geben.

Ich packe Fleisch aus Bar ein und Brot und Wasser, ein Handtuch, Badesachen, die Kamera und den Kleinen Kumpel, dazu eine Jacke, weil es ja abends kühl wird, und stapfe los.

Ich plane einen langen Tag am Strand. Am liebsten mit Sonnenuntergang. Deshalb erwerbe ich im Geschäft gegenüber schnell noch ein Cider.

Erst mal muss ich runter. Irgendwie zu der Straße. Da gibt es so einen Park auf der anderen Seite der Bucht, den sehe ich immer vom Balkon aus, da will ich starten.

Der Park entpuppt sich als Parkplatz. Mit schönen alten Bäumen und Blick auf die Altstadt. Ist also trotzdem irgendwie schön. Obwohl natürlich schade.

Dann wackle ich los.

Gleich der erste Versuch scheitert. Erst denke ich ja, ich bin im Rotlichtviertel gelandet, dann endet die Straße doch in einem Hotel-Komplex. Also zurück und neuer Versuch.

Jetzt scheine ich richtig zu sein. Rechts die hügelige Küste, die komplett zugebaut ist, links noch mehr Hotels, Wald, Straßen, die zu Hotels führen und jede Menge Bauruinen. Manche der Ruinen scheinen nie fertig gestellt worden zu sein, andere wurden einfach aufgegeben. Es handelt sich dabei ausnahmslos um ehemalige Ferienwohnungen, Apartments und Hotels oder solche, die es mal werden wollten.

Rechts erhasche ich manchmal einen Blick auf die Küste. Die sieht traumhaft aus. Manchmal gelingt es mir sogar, mich an so einen Hotelstrand zu schmuggeln. So nah sieht das leider nicht mehr so traumhaft aus. Viel Beton, damit die zahlenden Gäste auf ebenen Flächen sonnenbaden können.

Aber eigentlich bin ich schon mindestens zwei Kilometer gelaufen. Wo ist denn hier der Frauenstrand?

Ich lese wirklich jedes Schild, laufe jeden Weg Richtung Wasser (der immer an einem Hotelstrand oder in einem Restaurant endet). Schließlich ist die Straße zu Ende. Schluss. Aus. Führt auch kein Trampelpfad irgendwohin.

Ach Herrje.

Ich setze mich in ein völlig überteuertes Restaurant mit Blick aufs Meer. Ich blicke nicht nur aufs Meer, sondern auch in eine wunderschöne Bucht. Da baden sogar zwei… Frauen. Ich frage den Kellner, wo der Frauenstrand ist und tatsächlich, es ist die Bucht. Wie frau dahin kommt, weiß er allerdings nicht.

Dann suche ich sicher noch 30 min. Ich würde sogar über einen Zaun oder eine Mauer klettern. Aber da ist nichts.

Das ist ja nun mal mehr als frustrierend. Zum längsten Sandstrand komme ich hier auch nicht, weil es gibt ja keinen Weg, nicht mal einen kleinen, auf dem ich mich lang schwindeln könnte. Und da immer noch Steilküste, will ich auch nicht blind durch den Wald stapfen und womöglich abstürzen. So heiß bin ich dann doch nicht auf Strand.

Frustriert trete ich den Rückzug an.

Da ist ja noch der Stadtstrand. Aber ehrlich, der ist so dreckig. Über den Müll auf dem Kies könnte man ja noch steigen, aber im Wasser schwimmende Plastebeutel laden nun wirklich nicht ein. Gehe ich mir lieber ein Kleid kaufen. Frustkauf sozusagen.

Aber was ist das? Quasi unter mir, auf dem Weg in die Stadt, der den Touristen über eine Art Hochstraße führt, ist ja auch Ulcinj. Und! Da ist ein Friseur. Frizer Moki. Stimmt, ich wollt ja schon in Russland Haare schneiden lassen. Jetzt wird es aber Zeit.

Zum Laden zu kommen, ist etwas abenteuerlich und auch ein bisschen gruselig. Hier führt garantiert kein Guide Touristen lang. Ich will auch fast umdrehen. Aber ich will auch zum Friseur.

Dann stehe ich vor dem kleinen Geschäft. Zwei Herren, ein Kunde. Öh,

Werden hier auch Frauen bedient?

Ja,natürlich.

Ich zeige dem Fachmann ein Foto auf meinem Smartphone. Er runzelt die Stirn. Ok, das Bild ist von einer professionellen Seite. Zeige ich ihm eben das Foto aus Athen. Das hat das Kleine Kind gemacht, als ich da im letzten November in diesem unabhängigen Viertel hab Haare schneiden lassen.

Oh ja, das kriegt der Herr hin. Kostet 7€. Alter, da fühle ich mich schon ein bisschen schlecht.

Während mir also die Haare geschnitten werden, ist der männliche Kunde neben mir fertig, der Muezzin ruft und der Kollege breitet seinen Teppich neben dem Geschäft aus. Ich hoffe, der, der mir die Haare schneidet, kriegt keinen Ärger mit wem auch immer, weil er seiner Pflicht wegen mir nicht nachkommt. Vielleicht ist er aber auch eher so ein lockerer Typ.

Jedenfalls bin ich mit dem Ergebnis seiner Arbeit sehr zufrieden, beide Fachmänner sind stolz und ich soll unbedingt ein Foto nach Deutschland schicken. Mache ich auch.

Dann, ich habe inzwischen tatsächlich ein neues Kleid gekauft, suche ich nach dem Weg zum Großen Strand. In einem Café auf Googlemaps. Der Strand soll ja nicht nur 13 km lang, sondern an mehreren Stellen auch 100m breit sein. Wieso gibt’s da keine Richtungsschilder hin?

Ich laufe los und lande, trotz vieler Schlängel wieder am Parkplatz. Dabei muss ich wenigstens dem Nacktbadestrand Luftlinie schon mal mindesten 100 m nah gekommen sein (sagt GoogleMaps), aber Häuser und Grundstücke versperren mir den Zugang.

Ich gebe auf. Ich weiß nicht, was die da im Buch geschrieben haben. Oder es ist wie in Bar. Schließlich sehen hier einige Hotels sehr neu aus und es wird überall gebaut und gebaut, vielleicht führt kein Weg mehr zum Strand.

Im Hotel schaue ich dann noch mal im Tablet nach. Autoroute. Und da gibt’s tatsächlich eine 8 km lange Strecke. Gmpf. Aber die hätte ich eh nicht laufen wollen.

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Gut vorbereitet (06.10.2019)

Jedenfalls, was den Weg zur Unterkunft betrifft, bin ich gut vorbereitet. Ich habe mir gestern den Weg auf Googlemaps gesucht und dann abfotografiert. Das sollte eigentlich klappen.

Was wieder nicht klappt, ist der Fahrplan. Der von mir anvisierte Bus fährt, Sie ahnen es bereits, nur bis September. In der Bar neben dem Busbahnhof bin ich langsam Stammgast.

Nuja.

Die Fahrt dauert dann eine halbe Stunde und zur Unterkunft finde ich auch recht gut. Und da es immer bergauf geht, habe ich schon mal einen schönen Blick auf Ulcinj.

Ulcinj ist die südlichste Stadt Montenegros und wird mit den schönsten und längsten Sandstränden des Landes beworben. Es ist Sommer, Skopje habe ich abgewählt, also mache ich jetzt Strandurlaub.

Meine Unterkunft liegt weit oben. Ich kann tatsächlich zum Meer gucken, egal ob von meinem gigantisch großen Zimmer oder meinem noch gigantisch größeren Balkon aus. Leider kommt man jetzt nicht direkt hin, Ulcinj ist auf Hügeln gebaut, die bis zum Meer reichen. Da muss man auf Serpentinen runter oder ins Zentrum und von da zum Wasser. Es gibt viele Treppen, von denen man vermuten könnte, dass sie Abkürzungen sind, aber wann immer ich es ausprobiert habe, ich landete immer auf einem Grundstück. Also laufen.

Das mache ich auch gleich.

Natürlich hat auch Ulcinj eine Altstadt. Die liegt auf einer Art Plateau und wurde schon vor 2000 Jahren von den Byzantinern angelegt. Dann hat jeder neue Herrscher die Stadt erweitert. Im 15. Jahrhundert dann wurde auf den Grundmauern der alten Stadt eine Zitadelle errichtet und die Venezianer haben später genau wie die Osmanen ihre Spuren hinterlassen. 80% der etwa 30000 Einwohner der ziemlich nah an der albanischen Grenze liegenden Stadt sind Muslime und tatsächlich hört man hier die Muezzins zu den entsprechenden Zeiten aus allen Ecken zum Gebet rufen. Gleich neben mir ist auch eine Moschee, da muss ich keine Angst haben, zu verschlafen.

Ansonsten bietet Ulcinj das übliche Bild. Viel Beton.

Ich ziehe mich um und erkunde erst mal die Altstadt.

Die war einst der Sitz gefürchteter Piraten. Heute werden die Häuser hauptsächlich als Hotels genutzt. Es gibt relativ viele Restaurants, ein Museum und angenehm wenig Touristen. Enge Gassen und teilweise eine schöne Sicht aufs Meer.

Am Fuß der Altstadt ist ein kleiner Hafen, durch den ich zum Stadtstrand schlunze.

Gegenüber meiner Unterkunft ist ein kleiner Supermarkt, in dem ich mich mit Brot und Cider eindecke. Ich habe ja immer noch Fleisch von vor zwei Tagen aus Bar, das gibt’s nun den zweiten Abend zu essen.

Was die Kamera betrifft, so fotografiere ich immer noch recht sparsam und ohne Zoom. Ich hoffe, Sie finden trotzdem Gefallen an der Auswahl.

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Winterfahrplan (5.10.2019)

Als das Kleine Kind meinte, Bar sei ja sooo hässlich, konterte ich, dass es sich aber gut als Basislager eigne, um sich schöne Ort anzusehen. Und gestern hat das ja schon mal gut geklappt. Heute will ich am Meer bleiben. Nach Budva oder Kotor möchte ich. Und wenn ich auch etwas Angst vor den vielen Touristen habe, entscheide ich mich für letzteres.

Als ich am Busbahnhof ein Ticket kaufen will, werde ich darüber aufgeklärt, dass der nächste Bus erst 11:18 Uhr fährt.

Ja, aber…

Winterfahrplan.

Menno. Da frage ich mal lieber, wann der Bus nach Skopje morgen genau fährt und kauf auch gleich eine Fahrkarte.

Es gibt keinen Bus nach Skopje

???

Nur bis September.

Ich glaube das nicht. Also so innerlich. Da empfiehlt mir die Kollegin der Schalterbeamten, es in Sutomare zu versuchen. Da fährt 19:30 Uhr ein Bus nach Skopje.

Ich habe ja nun viel Zeit und laufe zum Bahnhof gleich um die Ecke und gucke, wo da so Züge hinfahren. Also im Prinzip gibt es nur die eine Strecke. Die nach Belgrad. Natürlich fahren nicht alle 10 Züge nach Serbien. Nur zwei. Die anderen fahren nach Podgorica, oder Bijelo Polje an der Grenze zu Serbien.

Vielleicht gibt es ja in Podgorica einen Bus nach Skopje? So denke ich nach und hocke inzwischen in einer Bar, wo man stundenlang bei Kaffee sitzen darf und immer wieder frisches Wasser bekommt und so vergeht die Zeit.

Der Bus kommt und ich habe die geniale Idee, den Busfahrer zu fragen, wann der letzte Bus zurück fährt. Eigentlich hat die Idee meine Kurzzeitreisebekannte, eine Griechin, die früher in Kotor gearbeitet hat. Mit der habe ich mich über meinen Plan, den vorletzten Bus zurück zu nehmen, in Sutomare auszusteigen, zu fragen, ob der Bus nach Skopje wirklich fährt, und dann mit dem letzten Bus zurück nach Bar zu fahren, unterhalten

. Aber was, wenn der letzte Bus nicht fährt?

Frag den Fahrer. Der weiß das bestimmt.

Ich frage den Fahrer

17:30 Uhr

!!!!!!!!

Ach Du… Da habe ich ja gar keine Zeit in Kotor. Und ich wollte doch ein bisschen im Fjord wandern.

Der Fahrer steigt jetzt erst mal aus und raucht eine und quatscht ein bisschen.

Und meine Laune sinkt.

Geduld. Geduld und Gelassenheit sind das erste, was man auf dem Balkan lernen muss,klärt mich meine neue Bekannte auf.

In Sutomare aussteigen kann ich natürlich auch nicht.

Das heißt: Skopje Adé. Ich probiere es ein andernmal. Jetzt brauche ich Alternativen.

Aber erst Mal Kotor.

Die Fahrt könnte sehr schön sein, führt die Straße doch im Prinzip an der Küste lang. Leider hat der Fahrer einen merkwürdigen Stil. Er lenkt nämlich mit dem rechten Ellenbogen. Mit der rechten Hand hält er sich das Ohr zu, weil in der linken hält er sein Smartphone und ebendieses ans Ohr. Zwei Stunden dauert die Fahrt. Zwei Stunden regelt der Fahrer sein komplettes Leben am Telefon.

Nun ja, was soll ich Ihnen über Kotor erzählen? Es dürften wohl alle schon vom südlichsten Fjord Europas gehört haben. Es ist wirklich traumhaft schön hier. Die Bucht selber besteht ja eigentlich aus vier „Becken“, in jedem ein Ort. Kotor ist namensgebend für die gesamte Bucht und auch der bekannteste Ort. es würde sich aber sicher lohnen, wenn man sich auch Herceg Novi, Tivat und Risan ansehen würde. Vielleicht sind diese drei Orte auch etwas ruhiger? Denn vor Kotor liegt natürlich ein Kreuzfahrschiff. Vielleicht habe ich ja Glück, dass nur eins da ist. Dazu kommen unzählige Reisebusse, die überall parken. Und ich.

Trotzdem, auch in scheinbar überfüllten Orten gibt es immer stille Ecken. Ich finde sie in den Gässchen und auf der Stadtmauer, außerhalb der Weltkulturerbealtstadt sowieso.

Wirklich schade, dass ich so wenig Zeit habe. Trotzdem finde ich noch welche, mich etwas abseits am Hafen in ein Café zu setzen. Mit Blick auf die Altstadt und die Bucht. Und dort kann ich auch ein bissl in meinem Reiseführer blättern und weil es in Ländern wie Montenegro über alle wifi gibt, buche ich gleich ein Zimmer für morgen. In Ulcinj. Da soll es dolle Strände geben. Und natürlich eine Altstadt.

Aber jetzt fahre ich erstmal zurück nach Bar. Und wenn auch nicht alle Busse fahren und die Touristeninfo im Winter Sommerfahrpläne austeilt, nicht alles ist schlecht! Als ich meine Pension sehe, bitte ich den Fahrer zu halten, was er prompt tut. Vielleicht mache ich deshalb so gern Urlaub in Südosteuropa, in Italien oder Russland. Es fährt zwar nicht immer alles, aber wenn, dann viel flexibler.

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Brutalismus und alte Stätten (04.10.2019)

Das Kleine Kind, dass sich schon öfter auf dem Balkan rumtrieb, meinte, Bar sei eine hässliche Stadt. Da hat sie Recht.

Obwohl, ein bisschen muss man die Stadt in Schutz nehmen. 1979 nämlich wurde das ursprüngliche Bar, das 5 km im Landesinneren liegt, bei einem Erdbeben zerstört. Und auch, wenn am Meer schon vor 1979 gebaut wurde, nach dem Erdbeben wurde der Ort am Rande des Rumija-Gebirges aufgegeben und am Meer wurde gebaut, bis der Arzt kommt. Im damals üblichen Stil.

Es ist wirklich hässlich.

Aber das interessiert mich im Moment nicht. Ich versuche, meine Unterkunft zu finden.

GoogleMaps funktioniert nicht. Ok, ich nutze die Offline- Karten. Bitte ich Einheimische um Hilfe.

Die schicken mich hierhin und dahin. Als mir jemand rät, ein Taxi zu nehmen, versuche ich das. Aber der Taxifahrer weiß auch nicht, wo das ist.

Ich laufe und suche weiter. Renne hin und her. Und bin dem Heulen nah.

In einer größeren Straße gehe ich dann in ein Notarbüro. Die rufen kurzerhand in der Unterkunft an und ich werde abgeholt.

Es stellt sich heraus, ich bin ungefähr 30 min immer um die Pension herumgerannt, ohne sie zu finden. Wenn man dann weiß, wo sie ist, ist es ganz einfach. Von der Straße am Wasser aus sieht man sogar das Schild…

Ich habe ein nettes Zimmer, das beste, wie der Besitzer meint, mit Blick aufs Meer und auf die neugebaute katholische Kirche. Zwischen mir und dem Meer liegt freilich noch ein Olivenhain, die Küstenstraße und die Promenade. Und gleich neben der Pension wird ordentlich gebaut. Wie sich herausstellt, ist die Baustelle der Grund für meine Irrungen. Da wurde einfach eine Straße platt gemacht. Gebaut wird im üblich hässlichen Stil. Hoch und viel Beton. Soho City nennt sich der neue Komplex hochtrabend.

Egal.

Es ist T-Shirt- Wetter, früher Vormittag und ich will mir jetzt mal die Stadt ansehen.

Aber erst gehe ich essen. Ich habe Hunger. Setze mich in ein Restaurant an der Promenade.

Alter! Klar habe ich Hunger, aber wie soll ich diesen Fleischberg schaffen. Ganz unten drunter leigt sogar Grünzeug. Das esse ich auf, dazu zwei Stück Fleisch. Die restlichen 38 Stück lasse ich mir einpacken. Davon kann ich noch drei Tage leben.

Dann Stadt.

Bar ist die bedeutendste Hafenstadt Montenegros. Wie gesagt, das alte Bar liegt etwas landeinwärts. Das neue entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert und besonders nach jenem Erdbeben. Allerdings wurde der Ort nicht gänzlich neu gegründet. Es ist schon seit dem 10. Jahrhundert bekannt. War mal in dieser, dann in jener Hand. Serben, Venezianer, Osmanen und auch Montenegriner herrschten hier. Davon zeugen kaum noch Spuren.

Bar ist hässlich!

Hat allerdings eine schöne Promenade und sehr schöne Sandstrände.

Aber ich erschrecke mich erstmal an der Architektur und flüchte ins Touristeninformationszentrum. Hier gibt es einen Stadtplan und eine Liste mit allen Bussen und Zügen, die von Bar aus irgendwohin fahren. Aufgelistet nach lokalen, nationalen und internationalen Verbindungen.

Ach Gugge! Hier gibt’s einen Bus nach Skopje! Gut zu wissen.

Aber ich begebe mich erstmal zur lokalen Bushaltestelle. Ich will ins alte Bar, nach Stari Bar. Eine junge Frau hilft mir. Sonst wäre ich vielleicht in den Schulbus gehüpft und sonst wo gelandet. Oder nie angekommen. Kommt nämlich kein Bus.

Mit der Anweisung, die Klappe zu halten, folge ich der jungen Frau in ein Taxi. Für genau den Buspreis setzt mich das in Stari Bar ab, während alle weiteren Insassen noch etwas weiter fahren.

In Stari Bar leben inzwischen wieder Menschen. Und bieten Öl und Oliven und Honig und Schnaps an. Ein Restaurant hat eh jedes Haus. Scheint es. Hier gefällt es mir. Der Ort ist belebt und fröhlich und schön. Und die Touristenmenge hält sich in Grenzen.

Der befestigte Teil des Ortes steht seit den 1960ern  unter Denkmalsschutz. Der Uhrturm wurde rekonstruiert, die Stadtmauer ist noch ganz gut erhalten und von dieser kann man tief im Tal ein Viadukt erkennen. Sonst eher so Ruinen. Aber sehr schön. Und wirklich wenig Touristen. Und man kann von hier oben bis zum neuen Bar gucken und zum Meer, auf Stari Bar sowieso und natürlich in die Berge. Und gaaaanz wenig Touristen.

Bis eine Herde Franzosen kommt. Ehrlich, so laute Franzosen habe ich noch nie erlebt. Die waren vermutlich erst in einem der zahlreichen Restaurants. Ich mache das jetzt. Und ich suche mir eins, wo Mutter und Tochter selbstgebackenen Kuchen verkaufen. Da sitze ich nun in der Sonne, sehe vorbei flanierenden Touristen zu und genieße das Leben.

Es kann so schön sein.

An der Bushaltestelle lerne ich ein älteres deutsche Pärchen kennen und wir schwätzen ein bisschen. Leider hat der Mann die unangenehme Eigenschaft, die Montenegriner zu bewerten.

Diesmal kommt der Bus und ich schlunze noch was an der Promenade entlang.

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Wettersturz (3.10.2019)

Gestern Abend hat mich das kleine Kind noch auf die Free Belgrade Walking Tours aufmerksam gemacht. Das mache ich heute.

Doch, der Regen weckt mich. Außerdem ist es mindestens 10° C kälter als gestern.

Trotzdem.

Ich finde den richtigen Bus und fahre in die Innenstadt. Und dann suche ich erst mal den ehemaligen Hauptbahnhof. Der liegt schön zentral und wird gerade umgebaut in ein exklusives Wohn- und Geschäftsviertel namens Belgrade Waterfront new city hub.

Der Verkehr ist ohrenbetäubend. Dazu der Regen. Das macht keinen Spaß.

Ich frage mich durch, finde den Bahnhof bzw die Baustelle und renne rum und suche die Straßenbahn Nummer 3. Als ich die Haltestelle gefunden habe, erklärt mir ein junger Mann, dass er hier seit einer dreiviertel Stunde wartet und jetzt aufgibt. Toll. Das mache ich auch.

Ich frage mich wieder zurück und zum Platz der Republik. Zum Verkehr kommt, dass den Straßen oft oder eigentlich meistens die Namenschilder fehlen. So ist es trotz Stadtplan schwierig, mein Ziel zu finden.

Ich bin dann trotzdem zu zeitig am Treffpunkt. Oder besser, die im Internet angegebene Tour (orangener Schirm) 10:30 Uhr findet wohl nicht statt. Dafür erscheint bald eine junge Frau mit gelbem Schirm. Die startet 11:00. Da gehe ich mit.

Die Route, die Downtown Tour, verläuft nicht ganz so wie im an alle ausgehändigten Stadtplan angegeben, macht aber trotzdem Spaß. Wir sind Türken, Australier, Niederländer, Franzosen. In Skardalija, einem ehemaligen Romaviertel, gibt es Rakija. Wir erfahren viel über Serbien, die Osmanen, die kyrillische Schrift, den Kampf gegen die Osmanen, serbische Blasmusik und die Art, die Musiker zu bezahlen. Wir haben viel Spaß. Auch wenn’s natürlich viel zu kalt und nass ist.

Dorcol fällt aus, da muss ich allein nochmal hin.

Die Tour endet auf der Burg am Kalemegdan Park. Die Burg steht auf einem Plateau über der Mündung von Save und Donau. Von da hat man einen schönen Blick, auch wenn das Wetter schlecht ist. Das Plateau um die Burg heißt Kalemegdan, das kommt aus dem türkischen und bedeutet soviel wie Kampffeld. Die Festung selber spielte auch eine gewisse Rolle im Kampf zwischen Osmanen und Europa.

Mir ist so kalt, ich muss erstmal irgendwo einkehren. Und ich nehme mir nicht die Zeit, außerhalb der Touristenmeile zu suchen. Ich esse so ein in Brotteig gebackenes Schnitzel, eine traditionelle Speise auf dem Balkan, wärme mich am Kaffee und warte, dass es endlich aufhört zu regnen. Ich schlendere noch ein bisschen im Stadtzentrum rum, dann mache ich mich auf zum Dorcol Viertel. Aber ehrlich, so ohne Straßennamen nützt auch der schöne neue Stadtplan nichts. Also ich bin schon irgendwie dort, aber das was ich wirklich suche, ist nicht da.

Ich gebe mal wieder auf und laufe zurück zum Schiff.

Belgrad erscheint mir als Moloch. Ein planloses Nebeneinander von Viertel und Häusern mit viel zu großen Straßen und viel zu viel und viel zu lautem Verkehr. Vielleicht muss ich nochmal bei besserem Wetter her. Vielleicht gefällt die Stadt mir dann besser.

Das Schiff liegt an der Donau. Dort reiht sich ein Neubauviertel ans andere. Aber es gibt die Promenade, mit viel Grün und Spielplätzen. Das habe ich ja gestern Abned zum Glück noch genossen.

Jetzt warte ich im Restaurant, dass es Zeit wird, ein Taxi (*grmpf*) zu bestellen und mich nach Topcider kutschieren zu lassen. Diesmal bestehe ich allerdings darauf, in Dinar zu bezahlen und schon kostet die Fahrt weniger.

Topcider liegt in einem ehemaligen beliebten Ausflugsziel der Belgrader. Irgendein König baute sich dort auch einen Sommerpalast. Und um besser dahin zu kommen, ließ er auch eine Bahnstrecke bauen. Und einen schicken kleinen Bahnhof.

Hier kann man es wirklich aushalten. Muss ich auch, fährt der Zug doch erst in zwei Stunden. Aber ich hatte keine Ahnung, wie weit es hierher ist, wie die Verkehrssituation ist und überhaupt. Jetzt unterhalte ich mich mit einer anderen Backpackerin, die nach Mojcovic, auch in Montenegro will, und dort die Gipfeltour starten will.

So vergeht die Zeit recht schnell.

Die Fahrt selber ist ein bisschen ekelig, weil ein wirklich alter stinkender Mann in unserem Abteil liegt, den niemand berühren mag. Der braucht auch zwei Stunden, sich einzurichten. Na irgendwann liegen wir anderen dann doch auch in unseren Kojen und fahren der Sonne entgegen.

Die Fotos sind nicht so dolle. Auch mit voll funktionsfähiger Kamera hätte ich bei dem Wetter kaum Lust gehabt, zu fotografieren. Na sehen Sie selbst.

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Ein Bahnhof am Rande (des Universums) Belgrads (02.10.2019)

Ich fahre also weiter nach Belgrad, der Hauptstadt Serbiens, und raus aus der EU.

Und obwohl Kroatien und Slowenien EU-Mitgliedsstaaten sind, sind die Grenzkontrollen abartig. Das erinnert mich stark an Ostblockzeiten. Und dann erst die Grenze zu Serbien.

Ich bin entnervt.

9,5 Stunden dauert die Fahrt Ljubljana- Belgrad auf diese Weise. Aber besonders schlimm ist, dass an den Grenzen die Türen geschlossen bleiben müssen. Es ist stickig im Zug und warm.

An anderen Stationen springen die Raucher zu den Türen, öffnen diese und rauchen. Auf die Art und Weise kommt auch Frischluft in den Wagon.

In Sid, das ist der serbische Grenzort, wird eine Gruppe Geflüchteter zum Zug eskortiert und fährt ein paar Stationen im Nachbarwagon mit.

Im Bahnhof Neu- Belgrad lagren sicher zwei Dutzend Gestrandeter allein auf unserem Bahnsteig.

Und dann die Endhaltestelle.Belgrad Centar

Äh.

Der Bahnhof ist unter der Erde. Und sehr überschaubar. 9 Gleise. Und ein Ausgang. Dem folgen ein junges Pärchen, dass nach Montenegro will, und ich erst mal…

… und stehen in the middle of nowhere.

Eine Straße. Taxifahrer. Eine Bushaltestelle. In weiter Ferne die Lichter der Stadt (es ist abends und dunkel)

Wohin fährt der Bus?

Egal. Wir gehen erst mal wieder runter in den Kellerbahnhof und kaufen Fahrkarten. Oder versuchen es. Also ich.

Dazu muss man erstmal einen Fahrkartenschalter suchen. Es gibt einen. Aber da gibt es nur nationale Fahrkarten. Internationale gibt es in einer Art Büro. Das ist klein und ich zwänge mich mit meinem Rucksack zwischen zwei Schreibtische. Das Pärchen passt nun nicht mehr ins Office.

Einmal Skopje bitte

Da fährt kein Zug, antwortet dir Frau träge.

Ich bin verwirrt. Das habe ich doch im Internet gelesen. Mein Blick fällt auf den Fahrplan neben mir. Von Belgrad Centar fahren nicht ganz 20 Züge täglich ab. Einer davon nach Skopje. Verwirrt zeige ich auf den Fahrplan.

Nur bis September, mault die Frau entnervt.

Ich lasse nicht locker. Und wie komme ich nach Skopje? Achselzucken.

Ich gebe nicht auf Gibt es einen Bus nach Skopje? Achselzucken.

Ok, war vielleicht dumm, jemanden der serbischen Staatsbahn nach einem Bus zu fragen. Also noch ein Versuch: Und wenn ich bis Nis fahre (am Fahrplan habe ich gesehen, es gibt einen Zug nach Nis, einer Stadt an der mazedonischen Grenze), gibt’s dort vielleicht einen Zug nach Skopje? Achselzucken.

Jetzt wird es dem Kollegen der Dame zu viel. Bahnangestellte auf Kompetenz testen, das geht nun wirklich zu weit. Er schiebt mich kurzerhand aus dem Büro.

Das Pärchen tritt ein, also nur eine Hälfte des Pärchens, und ersteht seine Tickets nach Montenegro.

Ich bin immer noch verwirrt. Ich muss jetzt ganz schnell umdisponieren. Wohin kann man mit dem Zug fahren und wo will ich hin?

Fahr doch nach Bar, rät mir das Pärchen.

Liegt Bar am Meer?

Ja.

Na gut, fahre ich eben nach Bar. Entschlossen trete ich wieder ins Büro und kaufe eine Fahrkarte für den Nachtzug nach Bar. Der nun wieder fährt ab Topcider. Aber bis morgen Abned werde ich schon rausfinden, wie ich dahin komme.

Ich tauche aus der Unterwelt aus und nehme, was ich sonst nie tue, ein Taxi. Aber nachts auf einer Art Bundesstraße nach Belgrad laufen, dazu habe ich nun wirklich keine Lust. Und obwohl ich gerade Dinar am Kohlekasten gezogen habe, will der Taxifahrer Euro. 20.

Dafür klärt mich der Taxifahrer über die Flüchtlingspolitik Deutschlands auf. Als ich eine Fehlinformation aufzuklären versuche, unterbricht mich der Taxifahrer mit den Worten, dass er einen Kumpel in Stuttgart habe, und der habe ihm alles erzählt. Er, der Taxifahrer, wisse also Bescheid. Ok, das macht keinen Sinn. Ich lasse ihn brabbeln. Ist natürlich Mist, dass Länder wie Serbien, Montenegro oder Bosnien und Herzegowina, darunter „leiden“ müssen, dass die EU sich abschottet und die Grenzen dicht macht. Aber statt auf Ungarns Grenzzaun und Kroatiens Push Backs sauer zu sein, sind die Leute sauer auf die Geflüchteten. Das ist wie immer. Das ist Bildersturm. Ich denke die ganze Zeit, aber als Ihr Euch in Jugoslawien die Rüben eingehauen habt, durften die, die das Scheiße fanden, doch auch u.a. nach Deutschland. Aber ich sage nichts. Ich bin im Urlaub.

Mein Hotel ist ein Schiff auf der Donau. Es ist immer noch T-Shirt- Wetter und die Belgrader flanieren die Uferpromenade entlang. Ich bin eigentlich hundemüde, aber so einen lauen Abend sollte frau nicht im Bett verbringen. Ich checke ein und flaniere ebenfalls. Und drei Schiffe weiter esse ich. Draußen. Mit Blick auf die Burg.

Bilder gibt’s wieder keine. Ich war ja im Zug. Und mit analogen Kameras macht man keine Zwölfhundert Fotos. Ich hoffe, mein Bericht gefällt Ihnen trotzdem. Und morgen gibt’s auch paar Bilder. Versprochen

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Fast eine Katastrophe (01.10.2019)

Ljubljana also.

Die Hauptstadt Sloweniens hat weniger als 300000 Einwohner und kommt sehr gemütlich daher. Jedenfalls das Altstadtviertel, in dem Gaststätten mit Außenterrassen entlang des Flusses Ljubljanica zum Einkehren einladen.

Aber ich hatte ein pomfortionöses Frühstück im Central Hostel. Das hat immerhin 4 Sterne und auch wenn ich in der Kapsel schlafe, am Frühstücksbuffet darf ich mich wie alle Gäste bedienen.

Übrigens gabs gestern beim Einchecken ein kleines Gastgeschenk: eine 1-Liter- Metall-Trinkflasche. Die schleppe ich nun überall mit mir rum. Und da wo es Wasserspender gibt, wie zum Beispiel im Central, fülle ich sie auf. Sonst kaufe ich mir Wasser und fülle es um. Seit Georgien traue ich mich irgendwie nicht mehr, Leitungswasser zu trinken. In Ländern wie diesen.

Es ist leider etwas bewölkt. Aber warm. Und die Altstadt hat man schnell gesehen. Da ich so ausgiebig gefrühstückt habe, gibt es auch keinen Grund, in einem der Cafés am Fluss zu hocken. Stattdessen laufe ich ein bisschen weg vom Fluss und genieße Kaffee und Kuchen und Pause etwas abseits der anderen Touristen.

In meinem Reiseführer gehört Slowenien ja nicht zum Balkan. Und also auch Ljubljana nicht. Ich habe nur so einen kleinen Stadtplan, in dem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gekennzeichnet sind. Es sind genau 22. Und ich habe ca. 19 gesehen. Die Drachenbrücke, die Drei Brücken und die Metzgerbrücke sowieso und mehrmals.

Wo ich nicht direkt war, das gucke ich mir von oben an. Denn nun fahre ich mit dem Funikular hoch zur Burg. Die Burg selber ist kaum einen Besuch wert. Zuviel Glas, zuviel neues, zuviel Restaurants. Aber man hat einen guten Blick auf die Stadt von da oben. Und da die Sonne nun doch herausgekommen ist, sieht man die Berge, die Ljubljana umgeben.

In dem kleinen Stadtplan wird auch ein alternatives Kulturzentrum genannt, dass aus eine Hausbesetzung einer ehemaligen Kaserne hervorgegangen ist. Und da die slowenische Hauptstadt nicht so groß ist, liegt es quasi um die Ecke.

Als ich da bin, geht der Fotoapparat kaputt.

!!!!

Am ersten Urlaubstag

!!!!!

Ich muss mal hier erwähnen, dass ich mich unlängst von dem großen Gedöhns getrennt habe. War mir einfach zu anstrengend geworden, ständig die Nikon und die Wechselobjektive UND eine Kamera für Gegenden, in denen ich die Nikon lieber verstecke, und in solchen Gegenden bin ich ja nun mal ab und an, mit auf Reisen rum zu schleppen.Stattdessen habe ich mir eine Lumix zugelegt. Mit Leica Objektiv und 250er Zoom. Für Nachtfotos ist die natürlich nicht wirklich was und Bird Watching ist auch schwieriger als mit der großen, Aber sie passt in die Bauchtasche und kann damit überall gut versteckt und schnell wieder herausgeholt werden.

In Russland hat die mir hervorragende Dienste geleistet. Bei der Radtour Himmelfahrt auch. Und natürlich in der Sächsischen. Und überhaupt.

Und jetzt!

Zoom fährt nicht ein. Vermutlich Dreck drin.

!!!!

Katastrophe

!!!!

Der uneheliche Schwiegersohn zu Hause fängt sofort an zu recherchieren und schickt mich dann zu zwei Fotogeschäften. Außerdem soll ich das Teil mal an ein Staubsaugerrohr halten.

So sehe ich nun ganz andere Ecken von Ljubljana. Die Neubauten. Den Beton.

Helfen kann mir übrigens keiner so schnell, wie ich Hilfe brauche. Ein paar Tage müsste ich schon in der Stadt bleiben. Will ich aber nicht. Aber immerhin, in dem einen Geschäft darf ich das Objektiv mal ins Staubsaugerrohr halten.

Die Kamera geht wieder. Leidlich.

Misstrauisch bin ich trotzdem. Ich werde wohl ohne Zoom fotografieren und überhaupt mich so benehmen, als sei ich mit einer analogen unterwegs. Also keine Zweihundert15hunderttausend Fotos.

Und natürlich werde ich sie immer streicheln. Und ihr sagen, dass sie eine gute Kamera ist. Bei Autos funktioniert das ja auch.

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Kapsel ****

Zwei oder vier Urlaube weiter versuche ich es wieder mal. Nachdem ich über Italien und Athen nur unvollständig, über den letzten Trip nach Russland gar nicht berichtet habe…

Diesmal war ich auf dem Balkan. Ziel war eine Art Hauptstadthopping. Wobei ich nur in Hauptstädte wollte, in denen ich noch nie, oder schon sehr sehr lange nicht mehr war.

Tirana ausgeschlossen.

Hätte ich mal den Reiseführer vorher gelesen.

Aber Sie wissen ja vielleicht noch, Reiseführer lese ich ungern vorher.

Immerhin hatte ich mir einen gekauft. Und ein Zugticket nach Ljubljana. Auch ein Hotel gebucht.

Von da an wollte ich weitersehen.

Ich bin ja doch nicht so ganz unbedarft losgefahren. Im Internet hatte ich mir schon Zugverbindungen rausgesucht. Kaufen wollte ich die Tickets aber erst je nach Bedarf und erst auf dem Balkan.

Hätte ich mal den Reiseführer vorher gelesen.

Ich habe auch viele dicke Sachen eingepackt. Und den Kleinen Kumpel. Den Kleinen Kumpel habe ich in Russland benutzt, um Fotos auf Facebook zu posten. Mit dem Kleinen Kumpel statt mit mir.

Nuja.

Erst mal war ich noch boofen. Also am Wochenende. Dann, am Montag, bin ich mit Rucksack und Reiseführer „Balkan“ in den Zug nach Ljubljana gestiegen. Der kam schon in Leipzig mit 25 min Verspätung an. Zum Glück hätte ich aber in München eine Stunde Aufenthalt gehabt, so dass ich die Verspätung verschmerzen und nicht allzulange Lederhosen gucken musste. Noch mal in Villach umsteigen und schwupps, ist Inch in Ljubljana.

Das heißt, erst wurde natürlich an der slowenischen Grenze ewig rumgestanden und kontrolliert. Wahrscheinlich wurde geguckt, dass kein Mensch in die falsche Richtung flüchtet. Nicht auszudenken, das.

In Ljubljana dann funzt GoogleMaps nicht. GoogleMaps funzt auf dieser Reise ziemlich häufig nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich habe das Hotel trotzdem und im Dunkeln recht gut gefunden.

Haben Sie schon mal in einer Kapsel geschlafen? Also ich hatte das Hotel extra deswegen ausgesucht. An der Rezeption der Herr hat mich trotzdem zweimal gefragt, ob ich wirklich in der Kapsel schlafen will. Ja, doch. Falls ich mal nach Japan fahre. Dort gibt’s das häufiger. Habe ich im Fernsehen gesehen. Und Fernsehen bildet.

Nein, im Ernst. Ich fand die Vorstellung recht witzig und wollte es mal ausprobieren.

Ich erhielt also den Schlüssel zum Raum mit den Kapseln und zu meiner Kapsel. Es gibt einen Aufenthaltsraum mit Schließfächern fürs Gepäck. Denn Gepäck passt nun wirklich in keine Kapsel.

Da passt nur die Matratze rein, zwei kleine Ablageflächen, ein Fernseher, Klimaanlage, Licht.

Ich finde es gemütlich. Und weil es schon spät ist, und ich lange unterwegs war, gehe ich gleich schlafen. Deswegen gibt’s erst morgen viel zu viele Fotos.

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Schon mal im Eislabyrinth warm gelaufen?

Morgen schließt in Leipzig die Eiswelt, eine Eis- und Schneeskulpturen- Ausstellung. Natürlich im Zelt. Denn so kalt, dass man so was ein paar Monate im Freien präsentieren könnte, wird’s in Deutschland schon lange nicht mehr.

Das wollte ich mir doch mal ansehen. Zusammen mit Prinzessin und Kleinem König.

Leider, montags, zum Omatag, müssen wir am Nachmittag schon zum Voltegieren. Also die Prinzessin muss dahin, der Kleine König und ich bringen sie nur.

Da Voltegieren doch anstrengend ist und die Größe des Pferdes ein konzentriertes Kind empfiehlt, ist montags zwingend Mittagsschlaf angesagt.

Die Eiswelt aber öffnet erst 10:00 und teuer ist der Eintritt auch. Immerhin haben da 25 internationale Künstler ein paar Wochen gewerkelt und gehauen, um je 200 Tonnen Schnee und Eis zu bearbeiten. Die Halle bzw das Zelt muss konstant auf -8 C runtergekühlt werden. Das kostet schon, keine Frage. Ökologisch ist das auch nicht, ich weiß, aber sehen will ich das trotzdem.

Als ich aus Polen zurückkam, vor 2 Wochen, bot sich die Chance, weil das Voltegieren ausfiel.

Also ab zum Bayrischen Platz, vor dem Zelt die Kinder umgezogen (ein paar Bänke, liebe Stadt und/oder Veranstalter wären eine nette Sache gewesen) und rein ins kalte Vergnügen.

Goseschenke, Messemännchen, Völki, Bayrischer Bahnhof, Nikolaikirche, Zoo, dazu Notenspuren, Clara Schuhmann, Bach und noch ein paar Musiker als Referenz an Leipzig. Ein Aquarium , ein paar Märchenfiguren und…

…schon ist man am Ausgang. Nach ca 1 Stunde.

Nein, ich habe etwas unterschlagen: Sitzgelegenheiten, vor allem aber Bücherlabyrinth und Eisrutsche. Auf der Eisrutsche können der Kleine König und die Prinzessin bis zum Erbrechen rutschen. Mir wird allerdings nach ca. 10 min sehr sehr kalt. Zum Glück ist das Labyrinth gleich nebenan, da scheuchen wir uns jetzt durch. Damit die Oma wieder warm wird. Jawoll.

Und jetzt erst mal in diesen überdachten Bayrischen Biergarten. Aufwärmen. Kakao trinken. Der Kleine König fällt um vor Erschöpfung und hält Mittagsschlaf auf einer Bank. Die Prinzessin kann auch allein nach nebenan und rutschen. Allein ist sie ja nicht wirklich. Da sind schon noch ein paar Kinder. Und die Eltern sitzen im Warmen bei Kakao und Brezeln.

So bringen wir es doch auf drei Stunden. Der Kleine König wird geweckt und es geht noch mal zum Abschlussrutschen. Und dann noch mal durchs Labyrinth zum Oma aufwärmen.

Ein paar Fotos. Keine Meisterwerke, nur, dass Sie einen Eindruck bekommen

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Zwei Fliegen mit einer Klappe

Der Freitag beginnt schlecht.

Erstens ist von der angekündigten Sonne nichts zu sehen.

Zweitens hat jemand mein Essen aus der Gemeinschaftsküche geklaut. Obwohl ich alles ordnungsgemäß beschriftet habe.

Was die Sonne angeht, so hoffe ich mal, dass die mittags oder so rauskommt (hat ja gestern auch geklappt) und stapfe mißmutig (wegen des Diebes) zur Fähre.

Der Bus zur Mole fährt nur im Sommer, also muss ich hinlaufen, und weil mir so ein Containerhafen den Weg versperrt, muss ich, müssen alle, einen ziemlichen Umweg laufen.

Und der ist alles andere als schön. Ich stapfe um ein Dreck schleuderndes etwas herum. Ein etwas sehr großes. Gehört möglicherweise zum Hafen. Ich frage mich allerdings, ob vielleicht die Sonne mehr Chancen hätte ohne dieses Dreck schleudernde Ding. Die Straße wird auch gebaut und ich muss recht oft in Pampe ausweichen.

Dann bin ich am Leuchtturm. Das ist der höchste an der Ostsee. Und von der Aussichtsplattform soll man einen schönen Blick haben.

Nur leider. Der Leuchtturm steht auf dem Betriebsgelände.

Dabei scheint jetzt die Sonne und ich würde wirklich gern den Blick genießen.

Das Fort Gerhard lasse ich rechts liegen. Ich will ja eigentlich zur Mole.

Aber hier geht’s nicht weiter.

Mist.

Zurück.

Um das Fort herum.

Ich ignoriere ein Verbotsschild und schwindle mich am Strand lang. Ich sehe die Mole. Ich sehe Menschen darauf. Ich will dahin.

Jemand hat dankenswerterweise ein paar Steine so gestapelt, dass ich rauf klettern kann.

Geschafft.

Was ist denn das? Auf der anderen Seite der Swine sind ja auch Leute an der Mühlenbake. Als ich dort war, war da Wasser. War ja auch Wind. Heute ist die Ostsee wie eine Badewanne. Deshalb wahrscheinlich. Mache ich mir später Gedanken drüber. Jetzt laufe ich erstmal die 1400 m auf der Mole lang zu diesem Leuchtturm. Oder was das ist. Das ist die längste Steinmole Europas. Und als ich an ihrer Spitze stehe, könnte ich nur noch mit dem Schiff weiter raus.

Apropos Schiffe. Die fahren hier ständig raus und rein. In und aus der Swine, meine ich. Fischkutter, Containerschiffe, Kreuzfahrer. Nur zu diesem riesigen Ding, um das ich laufen musste, und das einen Arm noch weiter ins Meer hinaus streckt, da fährt nix. Wer weiß.

Die Sonne scheint, ich picknicke und wenn es nicht so stinken würde, wäre die Welt in Ordnung. Es stinkt so nach Öl, Benzin, Raffinerie.

Ich laufe zurück, wieder um das Dreck schleudernde Ding herum und als ich die richtige Straße, also eine in bewohntem Gebiet, erreiche, setze ich mich erwartungsvoll an eine Bushaltestelle.

Klappt. Und wie zu erwarten war, fährt der Bus zum Fährhafen. Weil ich auf dieser Seite nichts entdecken konnte, was sehenswert wäre, außer natürlich die Mole, beschließe ich, jetzt gleich noch zur Mühlenbake zu laufen. Da hätte ich sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Also ab in die Fähre und am Ufer lang zur Ostsee.

Es ist ganz fantastisches Wetter. Und es sind sehr viele Menschen da. Aber wahrscheinlich ist es am Freitag noch besser als am Samstag. Beide Molen wurden übrigens Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut und dienen, Sie ahnen es, als Wellenbrecher dem Schutz der Hafeneinfahrt und der Schiffe.

Gegessen habe ich natürlich auch noch. Ich bin ja hier ständig hin und her gerissen zwischen Fisch und polnischer Küche. Am Freitag gabs polnisch. Bigos! Ich könnte allein des Essens wegen hier öfter herfahren.

Samstag dann strahlend blauer Himmel. Ich schlendere durch die Stadt. Ich schlendere über den sogenannten „Polenmarkt“. Ich kaufe sogar was… zu essen.

In einem zum Café umgebauten alten evangelischen Kirchturm stelle ich fest, dass hier auch die Kuchenstücke viel zu groß sind. Da brauche ich kein Abendbrot mehr. Die Promenade ist rappelvoll und der Strand irgendwie auch. Es ist so warm und sonnig, dass viele im Sand sitzen. Kinder buddeln und die Bänke sind alle besetzt.

Es folgen, zum Abschluss, noch ein paar Bilder von Swinoujscie.

Morgen geht’s nach Hause. Und die Rückfahrt dauert sogar noch länger als die Herfahrt. Dafür fahre ich am Tag durch all die Orte, in denen ich zuletzt war, als ich höchstens 13 war, eher 12.

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