Und plötzlich habe ich ganz viel Zeit

Im Moment bin ich ja noch krank geschrieben. Bei der Gelegenheit geriet ich heute kurzzeitig in Panik. Meine Ärztin schickte mich nämlich zum Lunge röntgen. Weil ich nun schon seit über einer Woche starken Husten habe.

Nach dem Röntgen dann nahm mich die Fachkraft zur Seite und meinte, sie würde mich sicherheitshalber zum CT schicken. Das ist zum Glück im selben Haus. Und ich hatte noch nie so schnell einen CT- Termin. Musste nicht mal warten. Kam sofort dran.

Die Ärztin dort begann damit, dass sie mich nicht in Panik versetzen möchte..

Ich geriet sofort in Panik. Weiche Knie und so. Schweißausbruch.

Dann nach dem CT aber sofort die Entwarnung „Sieht gut aus“.

5 Minuten später noch ein kurzes Gespräch und die beruhigende Auskunft, dass die Lunge keine Auffälligkeiten zeigt.

Puh.

Aber darüber wollte ich gar nicht schreiben.

Unabhängig von meiner Krankschreibung kam heute die Anweisung, keinen physischen Kontakt zu Klienten mehr zu halten.

Home office.

Home Office in der Beratung.

Also telefonisch.

In der Beratung für Menschen, die keine MuttersprachlerInnen sind.

Ich bin gespannt.

Zum Glück bin ich noch für eine Woche krank.

Da kann ich Freitag mal die KollegInnen fragen, wie es läuft. Und was sie für Tipps haben.

Übrigens haben hier, wie bei Ihnen sicher auch, Agentur für Arbeit und Jobcenter geschlossen. Vieles soll jetzt online möglich sein.

Die Ausländerämter sind geöffnet. Da sitzen täglich bis zu 20 Menschen in einem Raum und warten bis zu 2 Stunden, dass sie ihr Anliegen vortragen dürfen.

Viele von denen wohnen in Heimen. Die sind, scheints, keine Risikogruppe.

Bleiben Sie gesund!

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Es ist nass ( 29./30.06.2019)

Es ist nass (29./30.06.2019)

Am letzten Tag in Listwjanka gibt es zum Frühstück endlich Blini. Das muss Inch hier erwähnen.

Ansonsten.

Rückfahrt.

Natürlich nieselt es leicht, als wir uns raus an die Straße stellen, aber zum Glück lässt die erste Marschrutka Richtung Irkutsk nicht lange auf sich warten.

Den Schamanenstein müssten wir von der Straße aussehen

Wir sehen ihn nicht. Merkwürdig.

Die Straßen sind nass.

Auch in Irkutsk muss es geregnet haben. Aber als wir den Zentralmarkt erreichen, deuten nur noch Pfützen darauf hin, vom Himmel her bleibt es trocken.

Im Hostel erfahren wir dann zu unserer Verblüffung, dass es SEHR HEFTIG geregnet haben muss. Mit überschwemmten Straßen und voll gelaufenen Kellern und allem drum und dran. Der öffentliche und der private Verkehr kam völlig zum Erliegen.

Äh.

Vielleicht hat deswegen niemand die Kohlekästen in Listwjanka aufgefüllt? Das war also gar kein russisches, sondern ein wetterisches Problem?

Und wir scheinen mit der Urlaubsplanung Glück gehabt zu haben, dass wir zu der Zeit nicht in Irkutsk waren. Den Schamanenstein hätten wir dann wohl auch nicht vom Bötchen aus gesehen, wegen des hohen Wasserspiegels. Falls überhaupt ein Bötchen gefahren ist.

Apropos Wasser. Wir gehen zur Angara. Es ist Samstag, einigermaßen warm und ich will die Leute tanzen sehen. Aber die sind wohl noch mit dem Auspumpen der Keller beschäftigt. Es tanzt niemand, es ist auch sonst ziemlich leer.

Wir sehen ein paar Anglern zu und Kindern, die Papierschiffchen in den Fluss setzen. Wir finden ein merkwürdiges Denkmal ohne Inschrift. Ein Soldat, aber eher ein moderner. Vielleicht Afghanistan? Tschetschenien?

In unserem Lieblingscafé essen wir, dann wird gepackt für die Heimreise. Die Freundin fragt mich noch, ob sie irgendwas in den Rucksack oder ins Handgepäck tun soll. Ich habe vergessen, worum es sich handelt. Aber sie verstaut es im Handgepäck.

Am nächsten Morgen höhnt die Sonne vom Himmel.

Der Flug nach Moskau dauert natürlich genauso lange wie der Hinflug, aber wegen der Zeitzonen sind wir schon mittags Ortszeit da. Und in Moskau regent es. Es regnet ganz dolle. Und wir haben paar Stunden Aufenthalt und sehen zu, wie nasse Angestellte Gepäck hin und her laden. Ich glaube, die haben wenig Spaß.

Dann gehts in den Flieger nach Berlin.

In Berlin hat man ja immer das Problem, dass, wenn man nach 21:00 Uhr ankommt, man nicht mehr zumutbar nach L.E. kommt. Also gilt es immer jemanden zu organisieren, der einen mit dem Auto abholt. In diesem Fall ist es der Inchbruder. Dafür bekommt er auch Socken aus Yakwolle und Süßes.

Aber darauf muss er warten. Denn der Freundin Rucksack fehlt. Es fehlt auch ganz viel Gepäck von ganz viel Chinesen, die auch im Flieger aus Moskau saßen. Und von einem Herrn aus Brandenburg. Ich glaube, die Aus- Ein- und Umpacker in Moskau haten nicht nur keinen Spaß bei dem Regen sondern waren auch leicht unmotiviert.

Am Schalter geht es etwas kompliziert zu, weil es an einem das Formular gibt und an dem anderen man dann das verlorene Gepäckstück anzeigen kann. Das kapieren nicht mal der Reisende aus Brandenburg und wir so schnell. Wie sollen es da Ausländer verstehen? Zumal die Angestellten irgendwie kein Englisch zu können scheinen. Und sich ihre Überlastung auch deutlich anmerken lassen.

Nuja, der Bruder hat sich über Socken und Konfekt gefreut und die Freundin hatte zwei Tage später ihren Rucksack. Und es war gut, dass sie dieses eine Teil ins Handgepäck gepackt hat. Es war ihr Wohnungsschlüssel. Ich pack den in Zukunft auch immer ins Handgepäck. Man weiß ja nie. Und Inch auch nicht.

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Auf historischen Gleisen (28.06.2019)

Ich warne Sie, heute gibt es fast 40 Fotos.

Heute fahren wir nach Port Baikal.

Port Baikal besaß früher eine gewisse Wichtigkeit für die Transsibirische Eisenbahn. Um von Irkutsk weiter Richtung Osten zu kommen, stellte sich den Ingenieuren und Planern nämlich der Baikal in den Weg. Es gab drei Varianten für den Bau um den See. Man entschied sich für Port Baikal. Die Trasse wurde zunächst entlang der Angara bis Port Baikal verlegt. Dort, im Hafen, wurde eine spezielle Anlegestelle für Eisenbahnwaggons gebaut. In England bestellte man derweil eine spezielle Fähre, eine Mischung aus Eisbrecher und Fährschiff, die in Einzelteilen geliefert und in der Werft von Listwjanka innerhalb zweier Jahre wieder zusammengebaut wurde.

Die Züge, die in Port Baikal ankamen, wurden auf die Fähre verladen und überquerten den Baikal und legten in Mysowaja an. Das geschah 1900 zum ersten Mal und die Fahrtdauer dauerte bei gutem Wind 3,5 Stunden. Leider aber nicht im Winter. Der Eisbrecher war zu schwach. Oder das Eis des Baikals zu dick. Von Mitte Januar bis Mitte Mai stiegen die Passagiere der Transsib auf Pferdeschlitten um und überquerten den See auf diese Weise. In einem Winter verlegte man Schienen über das Eis. Immerhin benötigte man fast 3000 Pferde, um den Winterfahrbetrieb aufrechtzuerhalten und Passagiere und Gepäck von Ufer zu Ufer zu transportieren. Doch während des russisch japanischen Krieges mussten zudem Waffen und Geschütze transportiert werden. Mit Pferden nicht zu schaffen. So zogen 60 Lokomotiven über 2300 Waggons übers Eis. Nur eine versank. Die Strecke war allerdings nur knapp einen Monat in Betrieb.

Der letzte durchgehende Zug fuhr 1956 auf dieser Strecke. Seitdem fährt die Transsib auf der heutigen Bahnstrecke, also um den See herum. (Wir sind die Strecke am 25.06. gefahren) Nicht zuletzt machten es Diesel- und E-Loks möglich, diese anspruchsvollere Trasse störungsfrei zu bedienen.

Aber, auf der alten Strecke fahren sporadisch Bummelzüge. Und wer weiß?  Vielleicht haben wir ja Glück.

Unser Motel liegt strategisch günstig am Fähranleger nach Port Baikal. 10 Minuten dauert die Überfahrt. Und wie eigentlich immer im ländlichen Raum, braucht es Vertrauen zur Technik, dem Steg und so weiter.

Es ist ausgesprochen gutes Wetter und es wird immer besser.

Zuerst stürzen wir natürlich zum Bahnhof und der alten Lok. Dann gibts da so einen Aussichtspunkt. Aber weil da alle 12 Leute, die mit uns auf der Fähre waren, hin wackeln, gehen wir erst einmal in die andere Richtung.

Ich kann Ihnen sagen!

Wir sehen seltsame Verkehrsmittel. Fahrerlaubnis braucht hier eh keiner. Und weil heute natürlich kein Bummelzug fährt, laufen wir auf den Schienen lang. Das ist gut, denn nachdem wir in einem kleinen Lädchen bei einer Omma Kaffee getrunken haben und ich die eine Schachtel Zigaretten, die es eben gab, gekauft,  gelangen wir ins Naturreservat. Und da darf man tatsächlich nur auf den Gleisen laufen. Da sind wir doch froh, dass heute kein Zug fährt.

Ich kann Ihnen sagen.

Absolute Stille.

Sieht man mal vom Vogelgezwitscher ab. Und vom zeitweiligen Rauschen des Sees. Unglaublich viele Blumen und noch mehr Schmetterlinge.

Wir sind im Paradies.

Auch wenn es jetzt fast ein bisschen zu warm wird zum Wandern. Schließlich gibt es auf den Gleisen, wie Sie sich denken können, nicht einen Baum.

Ich will aber jetzt mindestens bis zum ersten Tunnel laufen. Schließlich gibt es auf den 84 km bis Sljudjanka derer 39. Ich muss da noch mal hin. Ich MUSS nochmal mit diesem Bummelzug fahren. 424 Ingenieurbauwerke gibt es da insgesamt. Das muss man doch mal gesehen haben.

Wir laufen also zum ersten Tunnel. Wobei wir nur langsam voran kommen. Wegen der Blumen und Schmetterlinge und überhaupt.

Als wir zurück laufen und nun zu diesem Aussichtspunkt wollen, von dem aus man den hiesigen Schamanenfelsen sehen kann, zieht es sich zu. Am Hafen angelangt, fängt es an zu nieseln. Fahren wir lieber zurück. Außerdem haben wir eine geniale Idee. Morgen fahren wir nicht mit der Marschrutka zurück nach Irkutsk, sondern mit dem Boot. Das fährt bestimmt am Schamanenfelsen vorbei. Den hat Vater Baikal seiner Tochter Angara hinterher geworfen, als die sich dünne machen wollte.

Auf der Rückfahrt nach Listwjanka sehen wir den nicht. Es regnet ja. Dafür sieht die Freundin eine Baikalrobbe! Ich nicht. Ich habe mich zur Kassiererin in deren Unterschlupf verzogen.

Das Boot nach Irkutsk ist nun etwas teurer als die Marschrutka. Also warten wir im Motel das Ende des Regens ab und laufen ins Stadtzentrum zum Geldautomaten. Der arbeitet nicht. Der zweite auch nicht. Die arbeiten nicht, weil das Geld alle ist und offensichtlich ist noch niemand aus Irkutsk gekommen, um aufzufüllen.

Es ist Freitag. Morgen ist Samstag. Die Wochenendler trudeln ein. Händler hoffen auf gute Geschäfte. Versteh einer die Russen.

Ganz am anderen Ende, oben auf einem Hügel über dem See, soll es ein internationales Hotel geben. Mit Bankomat.

Wir schleppen uns wieder zurück. Vorbei am Motel und der Fähranlegestelle, den Berg hinauf.

Wir finden im Hotel noch das Schild Bankomat. Der Kohlekasten selbst ist weg.

Toll.

(Das Hotel ist auch nicht mehr international sondern eher … chinesisch))

Heute müssen wir wo essen, wo wir mit Kreditkarte bezahlen können und morgen nehmen wir die Marschrutka.

Am Abend verwundert uns der Ex- Schwager der Freundin. Der macht sich Sorgen um uns. Wegen der Unwetter im Raum Irkutsk und den Überschwemmungen. Wir wissen von nichts. Und einen Zusammenhang zu den leeren Automaten stellen wir auch nicht her.

Ich habe auf Fotos von Häusern in Port Baikal verzichtet. Sind so schon viel zu viele Fotos. Klicken Sie drauf und gucken Sie genau.

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Das Grauen am See (27.06.2019)

Ein bisschen aufgeregt bin ich schon, ob das alles so klappt.

Früh in Irkutsk ankommen, mit der Tram zum Zentralmarkt und dann gleich eine Marschrutka finden, die in die richtige Richtung fährt.

Es ist kalt. Und es regnet. Da ist es am Markt übersichtlich.

Wir aber brauchen erst einmal Frühstück und finden einen von Russen frequentierten Imbiss. Die sind immer die leckersten. Den merke ich mir.

Weil wir keine Ahnung haben, wo unsere Unterkunft in Listwjanka liegt, lassen wir uns vom Fahrer des Minibusses im Zentrum des Urlaubsortes absetzen.

Listwjanka also.

Sagen wir mal so.

Wer nicht nach Port Baikal will, braucht da nicht hin. Wer vielleicht nur kurze Zeit in Irkutsk ist und mal an den Baikal will, so nur für paar Stunden… der sollte da auch nicht hin.

Ok, der Ort liegt am Ufer des Baikals und ist innerhalb einer Stunde von Irkutsk aus zu erreichen. Mit der Marschrutka. Es gibt auch Boote, die hinfahren. Liegt schließlich am Ursprung der Angara, dem einzigen Abfluss des Baikals. Trotzdem. Lassen Sie es. Sie erhalten ein völlig falsches Bild. Vom See.

Wollen Sie dagegen sehen, wie Russen protzen. Auf nach Liswjanka.

Der Ort war seit Ende des 18 Jahrhunderts Post- und Fährstelle. Es ist natürlich davon auszugehen, dass da vorher schon Einheimische siedelten.

Heute erstreckt sich die Siedlung auf einer Länge von ca 5 km und zählt 1800 dauerhafte Einwohner.

Wir steigen also am Zentrum dieses langgezogenen Etwas aus. Genau gegenüber des Hotels „Majak“, das riesig ist und die Bürgermeisterin bauen lies.

Hier am Hafen verkauften früher Straßenverkäufer diverse Dinge. Die sind jetzt nicht mehr da. Die mussten weichen.

Aber wir suchen erstmal unsere Unterkunft. Dazu müssen wir im Prinzip zurück laufen, so ca 2-3 km. Die Straße am See entlang. Der Ort besteht eigentlich fast nur aus der Straße am See. Es gibt ab und an Querstraßen, aber die enden irgendwann im Wald, wie wir später feststellen werden. Hotels vermieten sich nun mal besser am Wasser. Und wer sich hier sein privates Urlaubsdomizil bauen will, der will da natürlich auch auf den See glotzen. Das, das Wasser, ist übrigens ziemlich schmutzig hier. Baden würde ich auch bei 35°C nicht. Nicht hier.

Auf der einen Straßenseite also der verschmutzte Baikal, auf der anderen dann ein Bild des architektonischen Grauens. Offensichtlich haben die Fischer Teile ihres Landes verkauft. Und so ducken sie sich nun neben rosaroten Schlössern, Palästen aus Glas und Beton und Investruinen. Die Freundin meint, ich solle nicht soviel fotografieren. Nicht dass die denken, mir gefällt der Scheiß.

Unser Motel ist schon fast am Ortsausgang. Natürlich auch an der Straße, auf deren anderer Seite der See liegt. Die Wirtsleute sind Georgier, da haben wir gleich ein Gesprächsthema. Aber nur kurz. Wir haben im Zug gut geschlafen und wollen den Ort erkunden.

Am anderen Ende soll es schöne Sandbuchten geben. Außerdem sind da die Fischer und am Markt, den es jetzt statt Straßenverkäufern gibt, kommen wir da auch vorbei. Inzwischen guckt auch die Sonne raus und es wird T-Shirt-warm.

Aber erst müssen wir uns wieder an den „Datschen“ vorbei gruseln. Am bzw ab Markt wird es dann besser. Hier sind keine Hotels. Dafür der Kinderarten, und dann sind da auch die Fischer mit ihren Räucherkammern. Am Ende des Ortes dann so eine Art Ferienlager und ein Picknickplatz. Keine Sandbucht, kein Weg dahin und auch kein Plan. Nuja, wäre eh zu kalt zum baden.

Wir erkunden jetzt mal lieber die Querstraßen. Hier wohnen die Einheimischen. Manchmal steht irgendwo eine kleine Pension. Aber im Großen und Ganzen wohnen hier Menschen. Hier gefällt es uns besser als direkt am See und alle Querstraßen enden in Birkenwäldern. Birkenwälder gehören ja irgendwie zu Russland, von den furchtbaren Palästen am See sieht man hier nix.

Ich habe Ihnen einige fotografiert, damit sie wissen, wovon ich schreibe. Aber, auf den Bildern sieht das gar nicht so schlimm aus.

Klicken Sie trotzdem drauf und gucken Sie genau.

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Alles auf einmal (26.06.2019)

Heute scheint die Sonne. Da sieht die Welt und die Stadt gleich besser aus. Ich zeige Ihnen deshalb heute noch mal die Kathedrale bei Sonnenschein. An der laufen wir nämlich vorbei zum Bus.

Wir wollen zum Iwolginskij Dazan, einem buddhistischen Kloster. Nein, nicht irgendeins, sondern DAS buddhistische Kloster. Zentrum der buddhistischen traditionellen Sangha Russlands, Wohnort und Wirkungsstätte des Khambo Lama. Sangha bedeutet buddhistische Versammlung, oder Gemeinschaft. Oder Gemeinschaft der buddhistischen Praktizierenden. So was in der Art.

Der Iwolginskij Dazan ist Kloster und Universität (Philosophie, Theologie, buddhistische Medizin , Malerei)

Der Buddhismus kam zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert nach Russland. Und zwar zuerst nach Burjatien, also zu einer Zeit, als die Kosaken im Gebiet schon siedelten, die Burjaten aber offenbar noch dem Schamanismus anhingen.

Heute bekennen sich neben den Burjaten auch die Kalmücken und Tuwiner zum Buddhismus. Ab ca den 1930 wurde die Religion verfolgt. Tempel wurden zerstört und ab 1940 gab es praktisch keine Buddhisten mehr in Russland. Außer in Burjatien. Denen wurde ihre Religionsausübung erlaubt.

Wir fahren also in der Marschrutka nach Iwolga, steigen dort um und fahren ins Kloster.

Auch hier hat sich in den letzten 5 Jahren viel geändert. Das Restaurant ist jetzt außerhalb der Anlage, umzingelt von Ständen, an denen vor allem Frauen Strick- Leder- und Holzware verkaufen.

Betritt man dann die Tempelanlage, muss man auch erst mal an Kiosken und Ständen vorbei. Hier werden Kerzen und Tücher, Gebetsfahnen und mongolisch- burjatische Volkskunst feil geboten.

Wir schlendern durch die Anlage, bestaunen die Klöster, drehen eifrig Gebetsmühlen, verstehen den Sinn mancher Dinge nicht, wundern uns über andere, merkwürdig anmutenden Dinge, verirren uns ins Wohnviertel, starren Mönche an und Besucher in sehr traditionellen Gewändern. Es wird viel gebaut, vor allem neue Wohnhäuser. Die Anlage wird bevölkert von Mönchen, Gläubigen und Touristen. Aber da sie recht groß ist, verläuft sich alles hübsch.

Wir essen im Restaurant vor den Toren des Dazan und fahren zurück nach Ulan- Ude.

Wir haben noch etwas vor.

Wir wollen in so ein Dorf Altgläubiger, das Touristen den Zutritt erlaubt, fahren. Tagartadai heißt der Ort und wir müssen in Ulan- Ude zu einem anderen Busbahnhof.

Schaffen wir auch. Und wir finden auch den richtigen Bus. Doch…

als wir einsteigen wollen, nimmt uns der Busfahrer nicht mit. Während wir verdutzt da stehen, fährt er halbleer los.

Äh.

Das ist jetzt.

Was war das?

Der nächste Bus fährt in einer Stunde. Für uns zu spät. Wir müssen ja wieder zurück und heute Abend mit dem Zug nach Irkutsk fahren.

Merkwürdig.

Und was machen wir jetzt?

Freundin, da auf der anderen Seite der Uda, da wo unser Hotel steht, da sehen wir doch immer eine Insel und eine Brücke. Lass uns dahin gehen.

Und wir gehen. Bestaunen nebenbei noch die Straße des Kommunismus und einen öffentlichen Trinkwasserbrunnen (in den Holzhäusern gibt es oft keinen Wasseranschluss) Und laufen dann über eine endlos lange Brücke. Auf einer Insel landen wir nicht. Immerhin können wir von der Brücke aus erahnen, wo die Uda in die Selenga fließt. Und in dem Stadtteil, in dem wir gelandet sind, lockt die Himmelfahrtskirche, die komplett aus Holz zu sein scheint.

Leider ziehen schwarze Wolken auf. Das macht sich zwar sehr gut für Fotos, weswegen und weil ich Holzkirchen mag, ich Ihnen gleich drei Fotos präsentiere, aber so fürs Wohlbefinden ist das eher ungünstig.

Wir flüchten in ein Restaurant gegenüber des Hotels, wo wir mit Blick auf die Ude und das Unwetter essend und trinkend warten, das es Zeit wird, unsere Rucksäcke zu holen und in ein Taxi zum Bahnhof zu hüpfen. Es ist jetzt richtig kalt.

Zurück nach Irkutsk fahren wir 2. Klasse. Oder Kupé, wie der Russe sagt. Schlafen wollen wir dann doch lieber in einem abgeschlossenen Abteil. Und bei dem Wetter draußen, ist das eh das beste, was man machen kann.

(Natürlich waren wir vor 5 Jahren auch im Dazan. Hier können Sie lesen, wie es damals war: Religionsunterricht )

Fotos gibt es heute wieder ein paar mehr. Und wer drauf klickt, kann besser sehen

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Nichts weiter los (25.06.2019)

Heute ist sightseeing angesagt. Aber ehrlich, welche Stadt sieht schon schön aus bei schlechtem Wetter? Ulan- Ude macht da keine Ausnahme. Es ist bewölkt und viel zu kalt.

Ulan- Ude ist die Hauptstadt der Teilrepublik Burjatien. Knapp eine halbe Million Menschen leben hier. Die Stadt wirkt schon viel asiatischer als Irkutsk, allerdings überwiegt auch hier die Russische Ethnie.

Die Stadt, mehr als 4000 km östlich von Moskau gelegen, ist letzter Zwischenstopp derer, die weiter in die Mongolei reisen oder mit der Transsib entweder nach Wladiwostok oder nach Peking wollen. Die Mongolei ist tatsächlich so nah, dass wir viele Autos mit dem Landeskennzeichen sehen. Aber die Burjaten sind schließlich auch Mongolen, irgendwie.

Wir gucken ein paar Holzhäuser und eine Kirche in einer Fußgängerzone in der Nähe unseres Hotels und schlendern die Leninstraße hoch und runter. Am Haus der Pioniere wundern wir uns, dass es noch ein Haus der Pioniere gibt und ein Denkmal für den Kleinen Trompeter. Am Leninkopf machen wir Fotos und treffen die Franzosen, die wir gestern im Hotel kennengelernt haben.

Ulan-Ude ist eine moderne und saubere Stadt. Eine Stadt mit Geschichte. Hier findet man alles. Holzhäuser, klassizistische Bauten, sozialistischen Beton und modernes Glas. Natürlich wird auch des Großen Vaterländischen Krieges gedacht und Lenin steht wie in allen Städten, in denen ich in Russland war, wie eh und je an seinem Platz. Der in Ulan- Ude ist nur ein Kopf. Dafür aber kann sich die Stadt rühmen, die größte Porträtbüste der Welt zu besitzen. 7,70 m misst allein das Gesicht in der Höhe, 42 Tonnen wiegt das Ding insgesamt. Ich setze den Kleinen Kumpel ans Denkmal, damit man auf dem Foto eine Ahnung von der Größe des Denkmals bekommt. Die Franzosen, die übrigens auf dem Weg nach Peking in Ulan- Ude zwischenstoppen, erinnert das sofort an die fabelhafte Welt der Amelie und den weltreisenden Gartenzwerg. Aber ich wollte wirklich nur die Größenverhältnisse zeigen und mich nicht selbst positionieren. Bzw nutze ich die Fotos mit dem Kleinen Kumpel gern für Facebook. Aber nun dürfen Sie ihn heute auch sehen. Am Ende des Blogs, in der Galerie.

Ulan- Ude wurde 1666 gegründet. Wie so viele Städte in Sibirien von Kosaken. 1775 hatte sich die Station am Fluss Selenga ausgedehnt, erhielt Stadtrecht und nannte sich Werchneudinsk. 100 Jahre später musste die Stadt, die nach einem Großbrand zerstört war, komplett neu aufgebaut werden. Zu Sowjetzeiten war sie die Hauptstadt der Burjatischen ASSR (das A steht für autonom). Ulan- Ude heißt sie seit 1934. Ulan- Ude kommt aus dem burjatischen und heißt Rote Uda. Die Uda wiederum ist ein Fluss, der in die Selenga mündet. Ulan-Ude gilt auch als buddhistisches Zentrum Russlands. Und die Stadt liegt, wie schon erwähnt, ziemlich nah an der Mongolei, so ungefähr 250 km sind es bis zur Grenze, was in Russland weniger als ein Katzensprung ist.

Wir sehen noch bei der Oper vorbei, schauen uns den Markt an, bestaunen die unterschiedlichen Architekturstile und in einem Restaurant würde ich am liebsten ein Kinderbuch klauen. „50 Rezepte für kleine Gourmets“. Ich klaue es natürlich nicht, sondern stelle es neidisch zurück an seinen Platz.

(Vor 5 Jahren logierten wir in einem ganz anderen Stadtteil. Zwar waren wir auch am Lenindenkmal, trotzdem haben wir ein paar andere Sachen gesehen. Und den Baikal. Denn da war besseres Wetter. Wenn Sie nachlesen möchten, bitte Weltmeisterlich )

Ein paar Fotos habe ich für Sie ausgesucht. Klicken Sie drauf, wenn Sie genauer gucken wollen.

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Platzkartnaja (24.06.2019)

Heute fahren wir Transsib. 3. Klasse. Das hatte ich mir gewünscht. Da wir am Tag fahren, können wir, falls es uns zu bunt wird, immer noch in den Speisewagen ausweichen.

3. Klasse, Platzkartnaja, bedeutet bis 36 Liegen in einem Wagon. Wir sind gespannt.

Doch zunächst heißt es wieder mitten in der Nacht aufstehen, 5:00 Uhr. Ein Taxi bringt uns zum Bahnhof auf der anderen Seite der Ankara.

Es ist neblig. Es ist kalt. Keine idealen Bedingungen für der Freundin Must have Foto vor dem Bahnhofsgebäude. Schließlich war deren Kindheitswunsch, das Synonym für ganz weit weg, immer Irkutsk. Es wird halt ein sibirisches Foto. Dick eingemummelt, Mütze, Kapuze.

Unser Wagon ist relativ leer. Interessiert begutachten wir alles. Auf der einen Seite, da wo wir zum Glück unsere Liegen haben, sind je zwei Liegen übereinander, in einer Nische insgesamt vier. Die unteren Liegen dienen am Tag als Sitzplätze, die oberen können zur Lehne runtergeklappt werden. Auf der anderen Seite sind zwei Liegen übereinander, die untere wird allerdings am Tag vollständig hoch bzw zu Sitzen und Tisch geklappt. Dort hat man bei einer längeren Fahrt sicher die A**karte.

(Wie es in der 2. Klasse, im Kupé, zugeht, können Sie hier nachlesen. Vor 5 Jahren sind wir ausschließlich Kupé gefahren. Im Zug)

Aber wir fahren nur 12 oder 14 Stunden, entlang am Baikal, nach Ulan- Ude. Bis Sljudjanka allerdings liegend. Wir müssen Schlaf nachholen. Frische Bettbezüge gabs gleich nach dem Einsteigen.

In Sljudjanka, einem Urlaubsort direkt am Baikal, haben wir 45 min Aufenthalt. Es gibt keine Babuschki, auch vor dem Bahnhofsgebäude nicht. Dafür höchst offizielle Kioske. Wir kaufen Omul und Piroschki. Und ich staune wieder mal, dass importierte Zigaretten, in dem Fall die Marke mit M, billiger sind als russische.

Der Baikal lässt sich kaum sehen, hüllt sich in dicke Nebelschwaden ein. Die Freundin hat Kopfschmerzen. Vermutlich von den Rüttelfahrten auf Olchon.

In Wydrino stehen sie, die Babuschki. Doch ich habe nur 500 Rubel, die mir niemand wechseln kann. Jetzt bin ich auch leicht bedient, denn natürlich ist der Omul aus dem Kiosk ungenießbar. Wieso kriegen den nur die Kafes und die Opis der Omis so hin, dass man ihn essen kann? Fragen über Fragen.

Abends treffen wir in Ulan- Ude ein und laufen eine kleine Ewigkeit zum Hotel. Hier ist es gar nicht neblig , dafür richtig heiß. Und das Hotel, die billigste Unterkunft auf dieser Reise, ist die nobelste. So richtig mit Hausschühchen und Bademantel und Hygieneprodukten im Bad. Dem Hotel ist ein gutes Restaurant angeschlossen, das wir unserem nicht verzehrten Reiseproviant vorziehen.

Heute gibt es wieder ein paar mehr Bilder. Aus dem Zug und aus dem Zug heraus, als das Wetter besser wurde und natürlich ein paar Stationen gibt es auch zu sehen. Den Baikal nicht. Der lag unter einer dicken grauen Nebelschicht. Und als es aufklarte, hatten wir den See längst passiert. Drauf klicken erleichtert wie immer die nähere Betrachtung.

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Weg von der Insel (23.06.2019)

8:00 Uhr aufstehen. Und das im Urlaub.

Es ist diesig, es ist kalt, es nieselt.

Wir sind ein bisschen aufgeregt, ob uns der Marschrutkafahrer auch findet. Der, der uns hergefahren hat, hat uns schließlich am falschen Ort abgesetzt. Deshalb gehen wir nach dem Frühstück und dem Auschecken runter zur Nagornaja- Straße. Unsere Pension liegt laut Adresse zwar auch in dieser Straße, aber in Wirklichkeit eben nicht. Da die Marschrutkas die Fahrgäste an ihren Unterkünften abholen, ist natürlich unklar, wann genau der Minibus hier sein wird.

Doch der Fahrer findet unsere Unterkunft und wir hasten den Berg hinauf einem kopfschütelnden Chauffeur entgegen.

Kein Platz für meinen Rucksack, obwohl mit uns erst 5 Leute im Fahrzeug sitzen. Eine Asiatin mit Mundschutz zeigt mir, wo ich mich hinzusetzen habe. Die Frau ist Passagierin. Ich bin sofort angefressen. Ehrlich, wenn das so weiter geht, entwickle ich hier noch einen Rassismus. Aber natürlich, ich weiß, die Arschlochdichte ist ja überall gleich. Und die hier spinnt ja wohl.

Leute einsammeln. Der Bus wird voll. Rappelvoll. Vier Amis, die Asiatin, wir, der Rest Russen.

Schwanger darf man nicht sein. Es rüttelt und schüttelt.

35 km Rüttelplatte, dann endlich die Fähre, die schon auf uns wartet. Unsere „Freundin“ hustet ununterbrochen. Deswegen wohl der Mundschutz. Als sie sich aber erbricht und danach gleich weiter isst, sind wir anderen leicht konsterniert.

Pause an der Raststätte. Das Essen an diesen riesigen Schnellimbissen ist erstaunlicherweise gut. Jedenfalls an dieser. Und es gibt saubere Toiletten. Das muss erwähnt werden, weil ich das letzte Mal ja ganz andere Erfahrungen gemacht habe.

Die von allen ungeliebte Mitfahrerin, die kein Wort spricht, zeigt allen und überall, was sie zu tun und wo sie sich hinzubewegen haben.

Am Zentralmarkt in Irkutsk, dem Ziel, kann sie dann doch reden. Sie wundert sich nämlich, dass wir nicht am Busbahnhof ankommen. Und da ich ja ein netter Mensch bin und nicht nachtragend, das zumindest nicht zeige, rede ich mit ihr und erkläre, dass das die Endhaltestelle ist. Wie sie allerdings zum Busbahnhof kommt, soll sie selber rausfinden.

Ich bin böse.

Nein, am Zentralmarkt bin ich selbst immer erstmal etwas orientierungslos und weiß nicht, in welche Richtung ich gehen muss. Ich hätte ihr den Weg gar nicht erklären können, weil ich selbst sicher erstmal falsch gelaufen wäre.

Wir sind wieder im Art Hostel, wo man uns diesmal schon erwartet. Wir dürfen uns auch ein anderes Zimmer wünschen. In das erste hat immer ne Straßenlaterne geschienen, jetzt haben wir eins zum Hinterhof hinaus.

Dann wackeln wir noch zum 130. Quartier. Das ist im Stil der traditionellen russischen Holzbauweise errichtet. Einige Häuser sind alt und restauriert, andere der Einfachheit halber neu gebaut, allerdings nach dem Vorbild alter Stadthäuser.

Es gibt nur noch Boutiquen und Nobelrestaurants dort. Und ein Einkaufszentrum am Rand des Viertels. Wir sind schnell durch. Falls ich noch mal nach Irkutsk komme, hier muss ich nicht mehr her. (Wie wir das Viertel vor 5 Jahren erlebt haben, können Sie hier lesen. Dann werden Sie auch den Unterschied bemerken. Der zweite Blick) Aber dann treffen wir zwei Reisebekannte aus Chuschir, die wir in der Unterkunft trafen. Die sind auf Weltreise. Low Budget. Wir quatschen ein bisschen, verabschieden uns und wackeln zurück. Auf dem Weg finden wir ein wunderbares russisches Kafe, wo ich endlich leckeren Omul und die Freundin nicht weniger leckere Buusy essen.

Fotos gibt’s heute fast keine. Das Quartier ist nicht schön und alles andere, fast alles andere habe ich Ihnen ja schon gezeigt. Allerdings mussten wir dringend die Straßenbahn fotografieren, mit der wir sehr gern durch die Stadt gefahren sind. Und den Mann auf dem Pferd. Glaubt uns ja sonst wieder keiner.

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Wandertag (22.06.2019)

In der Nacht hat es geregnet. Und auch am Vormittag ist es noch recht frisch.

Heute wollen wir Räder ausleihen und auf die andere Seite der Insel fahren. Das sind 20 km hin und 20 zurück. Dabei müssen wir jeweils 10 km bergauf und 10 km bergab fahren, weil zwischen unserem und dem anderen Ufer ein fieser Berg liegt.

Aber noch ist es uns zu windig und trüb.

Laufen wir also erstmal zur „Promenade“, trinken Kaffee, essen Blini und kaufen noch mehr Socken aus Yakwolle und für die Enkelin der Freundin eine Wackelmatrjoschka.

Währenddessen wägen wir das Für und Wieder der Radtour ab. Und entscheiden.

Nein.

Wir wandern lieber.

Richtung Klein Chuschir vorbei am „chinesischen Lager“. Hier sieht jedes Haus gleich aus. Und natürlich schützt ein Tor die Insassen, äh Bewohner, vor ungebetenen Gästen. Oder soll eher vermieden werden, dass die Bewohner unbefugt das Camp verlassen? Gut, Ferienanlagen sehen in der Regel immer hässlich aus. Und bestehen immer mehr oder weniger aus gleichen Bungalows.

Wir staunen über das Verständnis der Russen für Naturschutz. Direkt neben dem Schild, das die Grenze markiert und Auto fahren und Feuer verbietet, stehen neue Wohnhäuser und Autos und natürlich, da wo noch Wald ist, liegt Müll in eben diesem.

In einem Restaurant in einer Jurte wollen wir nun unbedingt einkehren. Aber erst müssen wir warten bis die Betreiber, die in ein paar Jurten nebenan wohnen, da sind. Und dann gibt es nur Käse. Gehen wir eben weiter.

Bin ich froh, dass wir keine Räder ausgeliehen haben. Es geht stetig bergan, es gibt keinen Baum, dafür einigermaßen Wind. Irgendwo da oben ist ein Aussichtspunkt. Den wählen wir als Ziel aus. Der Weg zieht sich.

Oben werden wir allerdings tatsächlich mit einer schönen Aussicht belohnt. Trotz trüben Wetters können wir das gesamte Ufer von Klein Chuschir bis Chuschir sehen. Die Orte natürlich auch. In die andere Richtung allerdings starren wir nur auf noch mehr Berge. Bin ich froh.

Über diese Berge wollen wir bei dem Wetter nicht mal laufen. Wir kehren zurück, kaufen im Supermarkt Reiseproviant, essen irgendwo Buusy und trollen uns in unsere Unterkunft.

Am Abend zieht dicker Nebel vom Baikal her. Das ist ein Naturschauspiel, das ich allerdings ohne Kamera genieße, weil ich nur noch mal raus wollte. Als ich mich endlich lösen kann vom Spektakel und den Fotoapparat geholt habe, ist es eigentlich schon vorbei. Hat weniger als eine halbe Stunde gedauert, da ist der Ort in dicken Nebel gehüllt.

Morgen soll es regnen. Egal. Morgen geht es zurück nach Irkutsk.

Es folgen ein paar Nebel- und ein Müllbild.

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Ruhetag und neue Bekanntschaften (21.06.2019)

Heute also ruhen wir uns aus. Trotz Sonnenschein bedeutet das, erst mal bis Mittag in der Pension abhängen. Nebenbei wäscht die Putzfrau, eine Burjatin, heimlich unsere Klamotten. Jedenfalls soll das die Chefin nicht wissen, bedeutet sie uns, die Burjatin. Wäschewaschen lassen kostet nämlich. Schlappe 100 Rubel. Vielleicht auch 200. Jedenfalls nicht viel. Aber die Putzfrau freut sich so, der Chefin ein Schnippchen zu schlagen und uns einen Gefallen tun zu können, wie soll man da Nein sagen?

Dann wackeln wir durch den Ort. Immerhin ist Freitag. Vielleicht sind da ein paar mehr Händler da wegen der zu erwartenden Wochenendausflügler. Ich brauch dringend neue Hausschuhe. Die aus Yakwolle. Die, die im Sommer so herrlich kühlen und im Winter kuschelig warm sind. Meine haben immerhin 5 Jahre gehalten. Aber jetzt hat die Sohle ein Loch. Ich bin ganz wuschig.

ICH.BRAUCHE.NEUE.HAUSSCHUHE.

Es sind tatsächlich mehr Händler da. Aber nicht die richtigen. Irgendwie. Viel Kunst und Schmuck und Gedöhns. Aber das Mädchen mit den Socken aus Yak-, Kamel-, Schaf- und Ziegenwolle ist wieder da. Und die hat heute Hausschuhe. Es sind nicht die Art, wie ich sie vor 5 Jahren kaufte. Sie sind ehrlich gesagt, nicht halb so schön. Und die sind auch nicht aus Yakwolle, sondern vom Kamel. Nuja, dann eben die.

Wir laufen die Hauptstraße hoch und runter, den Boulevard hoch und runter, kaufen noch mehr Tee und Warenje und Zirbelkerne.

Dann hängen wir wieder in der Pension ab. Es ist wirklich schade, dass es keinen geräucherten Omul mehr gibt. Den gesalzenen aus dem Supermarkt kriegen wir nicht geschnitten, nicht gekaut und eigentlich ist er auch ungenießbar.

Was die Russen Dank Sanktionen gelernt haben, ist, Käse herzustellen. Das ging denen früher völlig ab. Jetzt gibts hier ordentliche Sorten aus heimischer Produktion, die unseren Möchtegern- Edamer und – Gouda und – Tilsiter in nichts nachstehen. Und leckere Dauerwurst gibt es auch. Es heißt ja immer, dass Krisen auch Chancen bergen. Die Russen haben diese Chance meisterlich genutzt. Sanktionen können auch was Gutes haben.

Am Abend bringt uns eine Marschrutka nach Maly Chuschir, dem burjatischen Nachbardorf, in dem jetzt auch Russen leben. Und es gibt die ersten Pensionen und Hotels. Ich hoffe, die gehören Burjaten.

Mit uns gefahren sind 5 Russinnen, mit denen wir den alten Hof besuchen, auf dem noch ein bisschen versucht wird, die Traditionen zu bewahren und Besucher zu informieren. Das Programm ist zum Glück etwas anders als vor 5 Jahren. Interessant ist es allemal. Wir müssen wieder mittanzen, es gibt weiße Speisen und Getränke und Samogan, Schnaps, und die Frau spricht es wirklich so aus: Sa-mo-gan. Die Erzählerin ist diesmal eine sehr alte Frau und beim Rätselraten finde ich sogar einmal die Lösung. Da hätte ich jetzt gern meine Cousine neben mir, die mir vor 5 Jahren attestierte, wie grottenschlecht mein Russisch sei. Ätsch.

Dann vergisst uns der Fahrer abzuholen und wir stehen lange draußen in der Kälte. Denn nachts ist es kalt in diesem Juni. Die Russinnen zeigen uns Videos und Fotos, wie sie im Baikal baden. Ich meine, jetzt nicht nur mit den Füßen. Der Freundin und mir schaudert. Sie fragen uns, ob wir auch gebadet haben. Natürlich nicht! Und mit Hinweis auf die Fotos, auf denen alle Damen mit Schuhen badeten, meine ich Wir haben die falschen Schuhe. Zu dumm, dass ich Tefas trage. Das sind genau die richtigen Badeschuhe, gickern die fünf. Und dann zeigt uns Veronika noch ein Video vom Winter. Ein Video, wie sie im Winter badet. Im Freien. Und eine Dame, die aus Archangelsk kommt, hat leider kein Video oder Foto, beteuert aber, dass sie da auch im Winter badet. Wir glauben ihr aufs Wort.

Dann findet sich endlich der Fahrer ein und bringt uns zurück. Und wir brauchen erst mal ganz viel heißen Tee. Uns ist schon allein vom Video gucken bitterkalt zumute.

Morgen wollen wir Räder ausleihen und auf die andere Seite der Insel fahren. Wir haben heute schon geguckt, wo wir uns die Räder ausleihen werden und nach dem Preis gefragt.

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