Wettersturz (3.10.2019)

Gestern Abend hat mich das kleine Kind noch auf die Free Belgrade Walking Tours aufmerksam gemacht. Das mache ich heute.

Doch, der Regen weckt mich. Außerdem ist es mindestens 10° C kälter als gestern.

Trotzdem.

Ich finde den richtigen Bus und fahre in die Innenstadt. Und dann suche ich erst mal den ehemaligen Hauptbahnhof. Der liegt schön zentral und wird gerade umgebaut in ein exklusives Wohn- und Geschäftsviertel namens Belgrade Waterfront new city hub.

Der Verkehr ist ohrenbetäubend. Dazu der Regen. Das macht keinen Spaß.

Ich frage mich durch, finde den Bahnhof bzw die Baustelle und renne rum und suche die Straßenbahn Nummer 3. Als ich die Haltestelle gefunden habe, erklärt mir ein junger Mann, dass er hier seit einer dreiviertel Stunde wartet und jetzt aufgibt. Toll. Das mache ich auch.

Ich frage mich wieder zurück und zum Platz der Republik. Zum Verkehr kommt, dass den Straßen oft oder eigentlich meistens die Namenschilder fehlen. So ist es trotz Stadtplan schwierig, mein Ziel zu finden.

Ich bin dann trotzdem zu zeitig am Treffpunkt. Oder besser, die im Internet angegebene Tour (orangener Schirm) 10:30 Uhr findet wohl nicht statt. Dafür erscheint bald eine junge Frau mit gelbem Schirm. Die startet 11:00. Da gehe ich mit.

Die Route, die Downtown Tour, verläuft nicht ganz so wie im an alle ausgehändigten Stadtplan angegeben, macht aber trotzdem Spaß. Wir sind Türken, Australier, Niederländer, Franzosen. In Skardalija, einem ehemaligen Romaviertel, gibt es Rakija. Wir erfahren viel über Serbien, die Osmanen, die kyrillische Schrift, den Kampf gegen die Osmanen, serbische Blasmusik und die Art, die Musiker zu bezahlen. Wir haben viel Spaß. Auch wenn’s natürlich viel zu kalt und nass ist.

Dorcol fällt aus, da muss ich allein nochmal hin.

Die Tour endet auf der Burg am Kalemegdan Park. Die Burg steht auf einem Plateau über der Mündung von Save und Donau. Von da hat man einen schönen Blick, auch wenn das Wetter schlecht ist. Das Plateau um die Burg heißt Kalemegdan, das kommt aus dem türkischen und bedeutet soviel wie Kampffeld. Die Festung selber spielte auch eine gewisse Rolle im Kampf zwischen Osmanen und Europa.

Mir ist so kalt, ich muss erstmal irgendwo einkehren. Und ich nehme mir nicht die Zeit, außerhalb der Touristenmeile zu suchen. Ich esse so ein in Brotteig gebackenes Schnitzel, eine traditionelle Speise auf dem Balkan, wärme mich am Kaffee und warte, dass es endlich aufhört zu regnen. Ich schlendere noch ein bisschen im Stadtzentrum rum, dann mache ich mich auf zum Dorcol Viertel. Aber ehrlich, so ohne Straßennamen nützt auch der schöne neue Stadtplan nichts. Also ich bin schon irgendwie dort, aber das was ich wirklich suche, ist nicht da.

Ich gebe mal wieder auf und laufe zurück zum Schiff.

Belgrad erscheint mir als Moloch. Ein planloses Nebeneinander von Viertel und Häusern mit viel zu großen Straßen und viel zu viel und viel zu lautem Verkehr. Vielleicht muss ich nochmal bei besserem Wetter her. Vielleicht gefällt die Stadt mir dann besser.

Das Schiff liegt an der Donau. Dort reiht sich ein Neubauviertel ans andere. Aber es gibt die Promenade, mit viel Grün und Spielplätzen. Das habe ich ja gestern Abned zum Glück noch genossen.

Jetzt warte ich im Restaurant, dass es Zeit wird, ein Taxi (*grmpf*) zu bestellen und mich nach Topcider kutschieren zu lassen. Diesmal bestehe ich allerdings darauf, in Dinar zu bezahlen und schon kostet die Fahrt weniger.

Topcider liegt in einem ehemaligen beliebten Ausflugsziel der Belgrader. Irgendein König baute sich dort auch einen Sommerpalast. Und um besser dahin zu kommen, ließ er auch eine Bahnstrecke bauen. Und einen schicken kleinen Bahnhof.

Hier kann man es wirklich aushalten. Muss ich auch, fährt der Zug doch erst in zwei Stunden. Aber ich hatte keine Ahnung, wie weit es hierher ist, wie die Verkehrssituation ist und überhaupt. Jetzt unterhalte ich mich mit einer anderen Backpackerin, die nach Mojcovic, auch in Montenegro will, und dort die Gipfeltour starten will.

So vergeht die Zeit recht schnell.

Die Fahrt selber ist ein bisschen ekelig, weil ein wirklich alter stinkender Mann in unserem Abteil liegt, den niemand berühren mag. Der braucht auch zwei Stunden, sich einzurichten. Na irgendwann liegen wir anderen dann doch auch in unseren Kojen und fahren der Sonne entgegen.

Die Fotos sind nicht so dolle. Auch mit voll funktionsfähiger Kamera hätte ich bei dem Wetter kaum Lust gehabt, zu fotografieren. Na sehen Sie selbst.

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Ein Bahnhof am Rande (des Universums) Belgrads (02.10.2019)

Ich fahre also weiter nach Belgrad, der Hauptstadt Serbiens, und raus aus der EU.

Und obwohl Kroatien und Slowenien EU-Mitgliedsstaaten sind, sind die Grenzkontrollen abartig. Das erinnert mich stark an Ostblockzeiten. Und dann erst die Grenze zu Serbien.

Ich bin entnervt.

9,5 Stunden dauert die Fahrt Ljubljana- Belgrad auf diese Weise. Aber besonders schlimm ist, dass an den Grenzen die Türen geschlossen bleiben müssen. Es ist stickig im Zug und warm.

An anderen Stationen springen die Raucher zu den Türen, öffnen diese und rauchen. Auf die Art und Weise kommt auch Frischluft in den Wagon.

In Sid, das ist der serbische Grenzort, wird eine Gruppe Geflüchteter zum Zug eskortiert und fährt ein paar Stationen im Nachbarwagon mit.

Im Bahnhof Neu- Belgrad lagren sicher zwei Dutzend Gestrandeter allein auf unserem Bahnsteig.

Und dann die Endhaltestelle.Belgrad Centar

Äh.

Der Bahnhof ist unter der Erde. Und sehr überschaubar. 9 Gleise. Und ein Ausgang. Dem folgen ein junges Pärchen, dass nach Montenegro will, und ich erst mal…

… und stehen in the middle of nowhere.

Eine Straße. Taxifahrer. Eine Bushaltestelle. In weiter Ferne die Lichter der Stadt (es ist abends und dunkel)

Wohin fährt der Bus?

Egal. Wir gehen erst mal wieder runter in den Kellerbahnhof und kaufen Fahrkarten. Oder versuchen es. Also ich.

Dazu muss man erstmal einen Fahrkartenschalter suchen. Es gibt einen. Aber da gibt es nur nationale Fahrkarten. Internationale gibt es in einer Art Büro. Das ist klein und ich zwänge mich mit meinem Rucksack zwischen zwei Schreibtische. Das Pärchen passt nun nicht mehr ins Office.

Einmal Skopje bitte

Da fährt kein Zug, antwortet dir Frau träge.

Ich bin verwirrt. Das habe ich doch im Internet gelesen. Mein Blick fällt auf den Fahrplan neben mir. Von Belgrad Centar fahren nicht ganz 20 Züge täglich ab. Einer davon nach Skopje. Verwirrt zeige ich auf den Fahrplan.

Nur bis September, mault die Frau entnervt.

Ich lasse nicht locker. Und wie komme ich nach Skopje? Achselzucken.

Ich gebe nicht auf Gibt es einen Bus nach Skopje? Achselzucken.

Ok, war vielleicht dumm, jemanden der serbischen Staatsbahn nach einem Bus zu fragen. Also noch ein Versuch: Und wenn ich bis Nis fahre (am Fahrplan habe ich gesehen, es gibt einen Zug nach Nis, einer Stadt an der mazedonischen Grenze), gibt’s dort vielleicht einen Zug nach Skopje? Achselzucken.

Jetzt wird es dem Kollegen der Dame zu viel. Bahnangestellte auf Kompetenz testen, das geht nun wirklich zu weit. Er schiebt mich kurzerhand aus dem Büro.

Das Pärchen tritt ein, also nur eine Hälfte des Pärchens, und ersteht seine Tickets nach Montenegro.

Ich bin immer noch verwirrt. Ich muss jetzt ganz schnell umdisponieren. Wohin kann man mit dem Zug fahren und wo will ich hin?

Fahr doch nach Bar, rät mir das Pärchen.

Liegt Bar am Meer?

Ja.

Na gut, fahre ich eben nach Bar. Entschlossen trete ich wieder ins Büro und kaufe eine Fahrkarte für den Nachtzug nach Bar. Der nun wieder fährt ab Topcider. Aber bis morgen Abned werde ich schon rausfinden, wie ich dahin komme.

Ich tauche aus der Unterwelt aus und nehme, was ich sonst nie tue, ein Taxi. Aber nachts auf einer Art Bundesstraße nach Belgrad laufen, dazu habe ich nun wirklich keine Lust. Und obwohl ich gerade Dinar am Kohlekasten gezogen habe, will der Taxifahrer Euro. 20.

Dafür klärt mich der Taxifahrer über die Flüchtlingspolitik Deutschlands auf. Als ich eine Fehlinformation aufzuklären versuche, unterbricht mich der Taxifahrer mit den Worten, dass er einen Kumpel in Stuttgart habe, und der habe ihm alles erzählt. Er, der Taxifahrer, wisse also Bescheid. Ok, das macht keinen Sinn. Ich lasse ihn brabbeln. Ist natürlich Mist, dass Länder wie Serbien, Montenegro oder Bosnien und Herzegowina, darunter „leiden“ müssen, dass die EU sich abschottet und die Grenzen dicht macht. Aber statt auf Ungarns Grenzzaun und Kroatiens Push Backs sauer zu sein, sind die Leute sauer auf die Geflüchteten. Das ist wie immer. Das ist Bildersturm. Ich denke die ganze Zeit, aber als Ihr Euch in Jugoslawien die Rüben eingehauen habt, durften die, die das Scheiße fanden, doch auch u.a. nach Deutschland. Aber ich sage nichts. Ich bin im Urlaub.

Mein Hotel ist ein Schiff auf der Donau. Es ist immer noch T-Shirt- Wetter und die Belgrader flanieren die Uferpromenade entlang. Ich bin eigentlich hundemüde, aber so einen lauen Abend sollte frau nicht im Bett verbringen. Ich checke ein und flaniere ebenfalls. Und drei Schiffe weiter esse ich. Draußen. Mit Blick auf die Burg.

Bilder gibt’s wieder keine. Ich war ja im Zug. Und mit analogen Kameras macht man keine Zwölfhundert Fotos. Ich hoffe, mein Bericht gefällt Ihnen trotzdem. Und morgen gibt’s auch paar Bilder. Versprochen

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Fast eine Katastrophe (01.10.2019)

Ljubljana also.

Die Hauptstadt Sloweniens hat weniger als 300000 Einwohner und kommt sehr gemütlich daher. Jedenfalls das Altstadtviertel, in dem Gaststätten mit Außenterrassen entlang des Flusses Ljubljanica zum Einkehren einladen.

Aber ich hatte ein pomfortionöses Frühstück im Central Hostel. Das hat immerhin 4 Sterne und auch wenn ich in der Kapsel schlafe, am Frühstücksbuffet darf ich mich wie alle Gäste bedienen.

Übrigens gabs gestern beim Einchecken ein kleines Gastgeschenk: eine 1-Liter- Metall-Trinkflasche. Die schleppe ich nun überall mit mir rum. Und da wo es Wasserspender gibt, wie zum Beispiel im Central, fülle ich sie auf. Sonst kaufe ich mir Wasser und fülle es um. Seit Georgien traue ich mich irgendwie nicht mehr, Leitungswasser zu trinken. In Ländern wie diesen.

Es ist leider etwas bewölkt. Aber warm. Und die Altstadt hat man schnell gesehen. Da ich so ausgiebig gefrühstückt habe, gibt es auch keinen Grund, in einem der Cafés am Fluss zu hocken. Stattdessen laufe ich ein bisschen weg vom Fluss und genieße Kaffee und Kuchen und Pause etwas abseits der anderen Touristen.

In meinem Reiseführer gehört Slowenien ja nicht zum Balkan. Und also auch Ljubljana nicht. Ich habe nur so einen kleinen Stadtplan, in dem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gekennzeichnet sind. Es sind genau 22. Und ich habe ca. 19 gesehen. Die Drachenbrücke, die Drei Brücken und die Metzgerbrücke sowieso und mehrmals.

Wo ich nicht direkt war, das gucke ich mir von oben an. Denn nun fahre ich mit dem Funikular hoch zur Burg. Die Burg selber ist kaum einen Besuch wert. Zuviel Glas, zuviel neues, zuviel Restaurants. Aber man hat einen guten Blick auf die Stadt von da oben. Und da die Sonne nun doch herausgekommen ist, sieht man die Berge, die Ljubljana umgeben.

In dem kleinen Stadtplan wird auch ein alternatives Kulturzentrum genannt, dass aus eine Hausbesetzung einer ehemaligen Kaserne hervorgegangen ist. Und da die slowenische Hauptstadt nicht so groß ist, liegt es quasi um die Ecke.

Als ich da bin, geht der Fotoapparat kaputt.

!!!!

Am ersten Urlaubstag

!!!!!

Ich muss mal hier erwähnen, dass ich mich unlängst von dem großen Gedöhns getrennt habe. War mir einfach zu anstrengend geworden, ständig die Nikon und die Wechselobjektive UND eine Kamera für Gegenden, in denen ich die Nikon lieber verstecke, und in solchen Gegenden bin ich ja nun mal ab und an, mit auf Reisen rum zu schleppen.Stattdessen habe ich mir eine Lumix zugelegt. Mit Leica Objektiv und 250er Zoom. Für Nachtfotos ist die natürlich nicht wirklich was und Bird Watching ist auch schwieriger als mit der großen, Aber sie passt in die Bauchtasche und kann damit überall gut versteckt und schnell wieder herausgeholt werden.

In Russland hat die mir hervorragende Dienste geleistet. Bei der Radtour Himmelfahrt auch. Und natürlich in der Sächsischen. Und überhaupt.

Und jetzt!

Zoom fährt nicht ein. Vermutlich Dreck drin.

!!!!

Katastrophe

!!!!

Der uneheliche Schwiegersohn zu Hause fängt sofort an zu recherchieren und schickt mich dann zu zwei Fotogeschäften. Außerdem soll ich das Teil mal an ein Staubsaugerrohr halten.

So sehe ich nun ganz andere Ecken von Ljubljana. Die Neubauten. Den Beton.

Helfen kann mir übrigens keiner so schnell, wie ich Hilfe brauche. Ein paar Tage müsste ich schon in der Stadt bleiben. Will ich aber nicht. Aber immerhin, in dem einen Geschäft darf ich das Objektiv mal ins Staubsaugerrohr halten.

Die Kamera geht wieder. Leidlich.

Misstrauisch bin ich trotzdem. Ich werde wohl ohne Zoom fotografieren und überhaupt mich so benehmen, als sei ich mit einer analogen unterwegs. Also keine Zweihundert15hunderttausend Fotos.

Und natürlich werde ich sie immer streicheln. Und ihr sagen, dass sie eine gute Kamera ist. Bei Autos funktioniert das ja auch.

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Kapsel ****

Zwei oder vier Urlaube weiter versuche ich es wieder mal. Nachdem ich über Italien und Athen nur unvollständig, über den letzten Trip nach Russland gar nicht berichtet habe…

Diesmal war ich auf dem Balkan. Ziel war eine Art Hauptstadthopping. Wobei ich nur in Hauptstädte wollte, in denen ich noch nie, oder schon sehr sehr lange nicht mehr war.

Tirana ausgeschlossen.

Hätte ich mal den Reiseführer vorher gelesen.

Aber Sie wissen ja vielleicht noch, Reiseführer lese ich ungern vorher.

Immerhin hatte ich mir einen gekauft. Und ein Zugticket nach Ljubljana. Auch ein Hotel gebucht.

Von da an wollte ich weitersehen.

Ich bin ja doch nicht so ganz unbedarft losgefahren. Im Internet hatte ich mir schon Zugverbindungen rausgesucht. Kaufen wollte ich die Tickets aber erst je nach Bedarf und erst auf dem Balkan.

Hätte ich mal den Reiseführer vorher gelesen.

Ich habe auch viele dicke Sachen eingepackt. Und den Kleinen Kumpel. Den Kleinen Kumpel habe ich in Russland benutzt, um Fotos auf Facebook zu posten. Mit dem Kleinen Kumpel statt mit mir.

Nuja.

Erst mal war ich noch boofen. Also am Wochenende. Dann, am Montag, bin ich mit Rucksack und Reiseführer „Balkan“ in den Zug nach Ljubljana gestiegen. Der kam schon in Leipzig mit 25 min Verspätung an. Zum Glück hätte ich aber in München eine Stunde Aufenthalt gehabt, so dass ich die Verspätung verschmerzen und nicht allzulange Lederhosen gucken musste. Noch mal in Villach umsteigen und schwupps, ist Inch in Ljubljana.

Das heißt, erst wurde natürlich an der slowenischen Grenze ewig rumgestanden und kontrolliert. Wahrscheinlich wurde geguckt, dass kein Mensch in die falsche Richtung flüchtet. Nicht auszudenken, das.

In Ljubljana dann funzt GoogleMaps nicht. GoogleMaps funzt auf dieser Reise ziemlich häufig nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Ich habe das Hotel trotzdem und im Dunkeln recht gut gefunden.

Haben Sie schon mal in einer Kapsel geschlafen? Also ich hatte das Hotel extra deswegen ausgesucht. An der Rezeption der Herr hat mich trotzdem zweimal gefragt, ob ich wirklich in der Kapsel schlafen will. Ja, doch. Falls ich mal nach Japan fahre. Dort gibt’s das häufiger. Habe ich im Fernsehen gesehen. Und Fernsehen bildet.

Nein, im Ernst. Ich fand die Vorstellung recht witzig und wollte es mal ausprobieren.

Ich erhielt also den Schlüssel zum Raum mit den Kapseln und zu meiner Kapsel. Es gibt einen Aufenthaltsraum mit Schließfächern fürs Gepäck. Denn Gepäck passt nun wirklich in keine Kapsel.

Da passt nur die Matratze rein, zwei kleine Ablageflächen, ein Fernseher, Klimaanlage, Licht.

Ich finde es gemütlich. Und weil es schon spät ist, und ich lange unterwegs war, gehe ich gleich schlafen. Deswegen gibt’s erst morgen viel zu viele Fotos.

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Schon mal im Eislabyrinth warm gelaufen?

Morgen schließt in Leipzig die Eiswelt, eine Eis- und Schneeskulpturen- Ausstellung. Natürlich im Zelt. Denn so kalt, dass man so was ein paar Monate im Freien präsentieren könnte, wird’s in Deutschland schon lange nicht mehr.

Das wollte ich mir doch mal ansehen. Zusammen mit Prinzessin und Kleinem König.

Leider, montags, zum Omatag, müssen wir am Nachmittag schon zum Voltegieren. Also die Prinzessin muss dahin, der Kleine König und ich bringen sie nur.

Da Voltegieren doch anstrengend ist und die Größe des Pferdes ein konzentriertes Kind empfiehlt, ist montags zwingend Mittagsschlaf angesagt.

Die Eiswelt aber öffnet erst 10:00 und teuer ist der Eintritt auch. Immerhin haben da 25 internationale Künstler ein paar Wochen gewerkelt und gehauen, um je 200 Tonnen Schnee und Eis zu bearbeiten. Die Halle bzw das Zelt muss konstant auf -8 C runtergekühlt werden. Das kostet schon, keine Frage. Ökologisch ist das auch nicht, ich weiß, aber sehen will ich das trotzdem.

Als ich aus Polen zurückkam, vor 2 Wochen, bot sich die Chance, weil das Voltegieren ausfiel.

Also ab zum Bayrischen Platz, vor dem Zelt die Kinder umgezogen (ein paar Bänke, liebe Stadt und/oder Veranstalter wären eine nette Sache gewesen) und rein ins kalte Vergnügen.

Goseschenke, Messemännchen, Völki, Bayrischer Bahnhof, Nikolaikirche, Zoo, dazu Notenspuren, Clara Schuhmann, Bach und noch ein paar Musiker als Referenz an Leipzig. Ein Aquarium , ein paar Märchenfiguren und…

…schon ist man am Ausgang. Nach ca 1 Stunde.

Nein, ich habe etwas unterschlagen: Sitzgelegenheiten, vor allem aber Bücherlabyrinth und Eisrutsche. Auf der Eisrutsche können der Kleine König und die Prinzessin bis zum Erbrechen rutschen. Mir wird allerdings nach ca. 10 min sehr sehr kalt. Zum Glück ist das Labyrinth gleich nebenan, da scheuchen wir uns jetzt durch. Damit die Oma wieder warm wird. Jawoll.

Und jetzt erst mal in diesen überdachten Bayrischen Biergarten. Aufwärmen. Kakao trinken. Der Kleine König fällt um vor Erschöpfung und hält Mittagsschlaf auf einer Bank. Die Prinzessin kann auch allein nach nebenan und rutschen. Allein ist sie ja nicht wirklich. Da sind schon noch ein paar Kinder. Und die Eltern sitzen im Warmen bei Kakao und Brezeln.

So bringen wir es doch auf drei Stunden. Der Kleine König wird geweckt und es geht noch mal zum Abschlussrutschen. Und dann noch mal durchs Labyrinth zum Oma aufwärmen.

Ein paar Fotos. Keine Meisterwerke, nur, dass Sie einen Eindruck bekommen

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Zwei Fliegen mit einer Klappe

Der Freitag beginnt schlecht.

Erstens ist von der angekündigten Sonne nichts zu sehen.

Zweitens hat jemand mein Essen aus der Gemeinschaftsküche geklaut. Obwohl ich alles ordnungsgemäß beschriftet habe.

Was die Sonne angeht, so hoffe ich mal, dass die mittags oder so rauskommt (hat ja gestern auch geklappt) und stapfe mißmutig (wegen des Diebes) zur Fähre.

Der Bus zur Mole fährt nur im Sommer, also muss ich hinlaufen, und weil mir so ein Containerhafen den Weg versperrt, muss ich, müssen alle, einen ziemlichen Umweg laufen.

Und der ist alles andere als schön. Ich stapfe um ein Dreck schleuderndes etwas herum. Ein etwas sehr großes. Gehört möglicherweise zum Hafen. Ich frage mich allerdings, ob vielleicht die Sonne mehr Chancen hätte ohne dieses Dreck schleudernde Ding. Die Straße wird auch gebaut und ich muss recht oft in Pampe ausweichen.

Dann bin ich am Leuchtturm. Das ist der höchste an der Ostsee. Und von der Aussichtsplattform soll man einen schönen Blick haben.

Nur leider. Der Leuchtturm steht auf dem Betriebsgelände.

Dabei scheint jetzt die Sonne und ich würde wirklich gern den Blick genießen.

Das Fort Gerhard lasse ich rechts liegen. Ich will ja eigentlich zur Mole.

Aber hier geht’s nicht weiter.

Mist.

Zurück.

Um das Fort herum.

Ich ignoriere ein Verbotsschild und schwindle mich am Strand lang. Ich sehe die Mole. Ich sehe Menschen darauf. Ich will dahin.

Jemand hat dankenswerterweise ein paar Steine so gestapelt, dass ich rauf klettern kann.

Geschafft.

Was ist denn das? Auf der anderen Seite der Swine sind ja auch Leute an der Mühlenbake. Als ich dort war, war da Wasser. War ja auch Wind. Heute ist die Ostsee wie eine Badewanne. Deshalb wahrscheinlich. Mache ich mir später Gedanken drüber. Jetzt laufe ich erstmal die 1400 m auf der Mole lang zu diesem Leuchtturm. Oder was das ist. Das ist die längste Steinmole Europas. Und als ich an ihrer Spitze stehe, könnte ich nur noch mit dem Schiff weiter raus.

Apropos Schiffe. Die fahren hier ständig raus und rein. In und aus der Swine, meine ich. Fischkutter, Containerschiffe, Kreuzfahrer. Nur zu diesem riesigen Ding, um das ich laufen musste, und das einen Arm noch weiter ins Meer hinaus streckt, da fährt nix. Wer weiß.

Die Sonne scheint, ich picknicke und wenn es nicht so stinken würde, wäre die Welt in Ordnung. Es stinkt so nach Öl, Benzin, Raffinerie.

Ich laufe zurück, wieder um das Dreck schleudernde Ding herum und als ich die richtige Straße, also eine in bewohntem Gebiet, erreiche, setze ich mich erwartungsvoll an eine Bushaltestelle.

Klappt. Und wie zu erwarten war, fährt der Bus zum Fährhafen. Weil ich auf dieser Seite nichts entdecken konnte, was sehenswert wäre, außer natürlich die Mole, beschließe ich, jetzt gleich noch zur Mühlenbake zu laufen. Da hätte ich sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Also ab in die Fähre und am Ufer lang zur Ostsee.

Es ist ganz fantastisches Wetter. Und es sind sehr viele Menschen da. Aber wahrscheinlich ist es am Freitag noch besser als am Samstag. Beide Molen wurden übrigens Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut und dienen, Sie ahnen es, als Wellenbrecher dem Schutz der Hafeneinfahrt und der Schiffe.

Gegessen habe ich natürlich auch noch. Ich bin ja hier ständig hin und her gerissen zwischen Fisch und polnischer Küche. Am Freitag gabs polnisch. Bigos! Ich könnte allein des Essens wegen hier öfter herfahren.

Samstag dann strahlend blauer Himmel. Ich schlendere durch die Stadt. Ich schlendere über den sogenannten „Polenmarkt“. Ich kaufe sogar was… zu essen.

In einem zum Café umgebauten alten evangelischen Kirchturm stelle ich fest, dass hier auch die Kuchenstücke viel zu groß sind. Da brauche ich kein Abendbrot mehr. Die Promenade ist rappelvoll und der Strand irgendwie auch. Es ist so warm und sonnig, dass viele im Sand sitzen. Kinder buddeln und die Bänke sind alle besetzt.

Es folgen, zum Abschluss, noch ein paar Bilder von Swinoujscie.

Morgen geht’s nach Hause. Und die Rückfahrt dauert sogar noch länger als die Herfahrt. Dafür fahre ich am Tag durch all die Orte, in denen ich zuletzt war, als ich höchstens 13 war, eher 12.

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14 qkm können doch recht unübersichtlich sein

Ein Blick aus dem Fenster zeigt, den von der Wetter App angekündigten Sonnenschein gibt es heute nicht. Es ist trüb und regnet sogar leicht.

Bei trübem Wetter will ich nicht nach Wolin. Die längste Steinmole Europas bei Niesel? Kommt nicht in Frage.

Fahre ich eben nach Karsibor. Da wäre zwar schönes Wetter auch nicht schlecht, gilt die Insel doch als Eldorado für Fotografen, aber das gilt sicher eher im Frühling und Sommer. Und Herbst.

Die Fähre braucht genau 5 Minuten von Usedom nach Wolin, und da steht der Bus und bringt mich auf die andere Insel. Die kleinste der bewohnten.

Ich lass mich bis zur Endhaltestelle bringen und marschiere los. Ich habe einen genauen Plan im Kopf. 14 qkm, pah. Da kann ich die Insel ja fast einmal umrunden.

Das Wetter ist leider wirklich mies. Zwar regnet es nicht mehr, aber so richtig Spaß macht fotografieren auch nicht.

Und dann verpasse ich gleich nach der Kirche den Abzweig und laufe eine endlos erscheinende Straße lang, die auf meiner Karte gar nicht drauf ist. Ist ja komisch. Die müsste eigentlich auf der anderen Seite sein.

Ich schalte mal GPS ein.

Ich bin auf der richtigen Seite.

Aber die Straße ist neu und die Häuser links und rechts auch so ziemlich.

Trotzdem bin ich falsch.

Ich will doch Richtung Vogelschutzgebiet. Aber ich laufe irgendwie Richtung ziemlich viel Wasser.

Die Insel ist umgeben von der alten Swine im Norden, dem Stettiner Haff im Süden, und dem Rückseiten- Delta der Swine im Osten. Fehlt noch der Piastowski- Kanal, der früher Kaiserfahrt hieß, und durch dessen Bau Karsibor von Usedom getrennt und so erst zur Insel wurde. (Auf Google Maps ist der nicht eingezeichnet, falls Sie gucken wollen. Da heißt der einfach Swine. Ist aber doch ganz gut als solche zu erkennen, weil schnurgerade) Zu erreichen ist sie seit mehr als 50 Jahren über eine Brücke von der Insel Wolin, und zu der kommt man wiederum mit der Fähre. Jedenfalls wenn man in Swinoujscie ist.

Jedenfalls ich will eigentlich Richtung Alter Swine, scheine aber Richtung Stettiner Haff zu laufen.

Also Umkehr.

Und da ist er ja, der kleine Abzweig.

Ich stapfe durchs Schilf, links und rechts Wasser und noch mehr Schilf, scheuche Gänse hoch und ärgere mich nun wirklich über das schlechte Licht.

Und ein bißchen gruselig ist es auch.

Nanu? Seit wann gruselt Inch sich denn, wenn sie irgendwo alleine durch die Pampa stapft? Dieses Gefühl stecken wir mal ganz schnell wieder weg. So etwas ist hinderlich.

Ich lande wieder im Dorf und vertraue erneut der Karte. Und wirklich, ich finde den ehemaligen evangelischen Friedhof im Wald. Auf dieser Seite der Insel ist nämlich Wald. Der Friedhof soll angeblich gut erhalten sein und gilt als eine der ältesten Nekropolen, ich habe jetzt vergessen, ob Pommerns oder Polens. Ist aber egal. Der Friedhof ist in einem jämmerlichen Zustand. Ich erspare Ihnen den Anblick sondern erfreue Sie nur mit einem Detail. Einem einigermaßen gut erhaltenem Detail. Es gibt viele solcher Zäune auf dem Friedhof, aber…

Muss man ja auch nicht pflegen, die letzten Angehörigen der hier Bestatteten sind wahrscheinlich auch längst am Ende ihres Lebens angekommen. Nur sollte man dann bitte nicht mit Worten wie „gut erhalten“ und „gepflegt“ werben.

Jetzt müsste es eigentlich auf dem Radweg rechts und dann links zum Fliegerdenkmal gehen.

Laut Karte.

Aber der Radweg geht nach links.

Ich folge ihm ein bißchen. Aber das kann nicht stimmen.

Also stapfe ich zurück, lande am Dorfrand, hier gibt’s einen Wegweiser zum Fliegerdenkaml ( aber keinen Radweg) und ich laufe tatsächlich los.

Doch dann ist die Luft raus. Wer weiß, wie weit das noch ist. Und wer weiß, wie der Zustand des Denkmals ist.

Ich meine, die Insel wird bewohnt von offensichtlich alteingesessenen Bauern und Fischern und ein paar zu Geld gekommenen Villenbauern. Jedenfalls den Häusern nach zu urteilen. Die haben mit Sicherheit anderes zu tun, als sich um ein Fliegerdenkmal zu kümmern. Und da, an der Hauptstraße, die 1. Mai heißt, da habe ich doch vom Bus aus eine Fischwirtschaft gesehen, die mit fangfrischem Getier wirbt.

Da will ich jetzt hin.

Es ist unglaublich. Obwohl besagte Wirtschaft gar nicht auf der Karte eingezeichnet ist, stehe ich mir nichts Dir nichts vor ihr.

Es gibt, was heute ins Netz ging.

Heute ging Zander ins Netz.

Und als ich rundum satt und zufrieden den Laden verlasse, da scheint die liebe Sonne. Das macht doch Hoffnung für morgen.

Ich aber lasse mich verleiten und beschließe den Bus Bus sein zu lassen und zu laufen. Schlappe 8,9 km, bei Sonne. Pah.

Ganz dumme Idee.

Und dann, als ich über die Brücke die eine Insel verlassen habe, kommt ganz, gaaaaanz ganz lange keine Bushaltestelle. Wozu auch? Links und rechts nur Schilf, Weiden, Wiesen und Wasser.

Als dann die erste Ortschaft kommt, bin ich sicher, keinen Schritt mehr zu laufen. Und sollte ich hier eine Stunde warten müssen. Muss aber nur 6 Minuten.

Morgen dann Wolin.

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Urlaub an der See

Das letzte Stück der Zugfahrt ( 6 Stunden, 3 Umstiege) hörte sich an wie eine Reise in meine Kindheit.

Wolgast, Zinnowitz, Ahlbeck, Heringsdorf. Jemand löste eine Fahrkarte nach Karlshagen und auf dem Streckenplan über der Waggontür fand ich Peenemünde.

Leider, oder zu Glück, war es schon dunkel, so dass nur die Namen Erinnerungen wach riefen. Aber bei Tageslicht hätte ich vermutlich das Gesehene mit dem Gehörten nicht in Verbindung bringen können. Ich war mit 13, eher mit 12 Jahren zum letzten Mal hier. Da interessierte ich mich nicht für Architektur. Nur der Bahnhof von Wolgast rief eine diffuse Erinnerung wach. Vermutlich weil wir da immer umstiegen und etwas Aufenthalt hatten. Nach einer Nachtfahrt mit dem Zug.

Heute ist man schneller am Ziel. Trotzdem, 6 Stunden dauert es immer noch.

Mein Ziel ist Swinoujscie. Eigentlich ist mein Ziel die Ostsee. Aber die Deutsche ist auch im Winter unerschwinglich und außerdem vermutlich immer noch zu voll. Auf der Polnischen Seite ist es sicher einsamer, ruhiger.

Ruhe suche ich. Deswegen Ostsee. Ich will lange Wanderungen am Strand machen und möglichst wenige Kontakt zu Menschen.

Ja,eigentlich nicht mein Ding. Aber im Moment, in den letzten Monaten, stresst mich die Arbeit doch sehr. Ich habe täglich mit Menschen zu tun. Und die sind, wie eine Kollegin es sagte, ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Es sind intelligente, fokussierte, nette dabei. Und solche, die man privat meiden würde.

Am schlimmsten aber sind die Ämter. Nicht die Menschen, die dort arbeiten. Oder nur teilweise. Die Ämter als Ämter an sich. Mit ihren völlig unlogischen Vorgehensweisen. Und seit zwei drei Monaten nun auch noch Gerichte. Und Anwälte.

Wie dem auch sei, das Fass ist voll und bevor er überläuft also eine Woche Entspannung pur.

Ich bin nach Swinoujscie gereist, wie ich es am liebsten tue. Ohne große Vorbereitung. Ohne Reiseführer. Nur den dicken Wattemantel habe ich reparieren lassen. Damit ich nicht friere. Am Strand.

Ich weiß nicht, ob Swinoujscie früher, als es noch Swinemünde hieß, zu den Kaiserbädern gehörte. Fakt ist, dass der Kaiser hier gern und oft weilte. Fakt ist, dass die Stadt am Ende des 2. Weltkriegs sehr zerstört wurde. So wirkt die Stadt, wenn man vom Bahnhof kommt und Richtung Zentrum läuft, erstmal… hässlich. Neubauten aus den 1950ern bis 1970ern.

Und das, was an alten Häusern noch steht ist nicht mein Geschmack. Diese Bäderarchitektur hat mir noch nie gefallen.

Aber ich bin ja wegen der Ostsee hier.

Mein Hostel liegt günstig. Ich kann mich entscheiden, ob ich nach links oder rechts gehe. Ich komme immer zur Ostsee.

Am Dienstag mache ich einen Schlenker, lande genau zwischen links und rechts und laufe Richtung Swine. Es ist ein sonniger Tag, ordentlich viel Wind, und doch ein paar Menschen am Strand. Ich glaube, manche suchen Bernstein. Ich lasse mich auch ca 2 Minuten hinreißen. Aber ehrlich, ich würde Bernstein am Strand nicht mal erkennen, wenn ein Fähnchen dran steckte. Bernstein hat mich noch nie wirklich interessiert, weder in Roh- noch in geschliffener Form. Hühnergötter schon eher. Als ich Kind war und die Sommer zur Hälfte auf Usedom, zur anderen Hälfte auf dem Darß verbrachte.

Da wo die Swine in die Ostsee fließt, geht es freilich nicht weiter. Ich laufe also am Fluss lang, wundere mich kurz über Skulpturen, die eigentlich zu den Osterinseln gehören, besichtige zwei Festungen und noch etwas, was auch was mit Krieg zu tun hat, schaue mir genau an, wo die Schiffe zur Insel Wolin ablegen, lasse mich im Touristeninformationszentrum darüber aufklären, dass Swinoujscie auf Usedom UND Wolin liegt und Karsibor gehört auch dazu. Dass die Gegend Land der 44 Inseln heißt und dann wundere ich mich, als ich wieder stadteinwärts biege, dass ich gleich am Hostel bin. Irgendwie habe ich am Vormittag einen riesigen Haken geschlagen.

Zum Essen gehe ich in die andere Richtung, lande wohl am Touristenzentrum mit Boutiquen, Cafés und Restaurants, finde das empfohlene Fischrestaurant doch und esse ganz vorzüglich. Fisch natürlich.

Am Mittwoch, das steht fest, setze ich über nach Wolin.

Am Mittwoch ist das Wetter trübe.

Da will ich nicht nach Wolin.

Da laufe ich lieber am Strand lang mindestens bis Ahlbeck. Ich wechsle mal auf die Promenade, dann wieder an den Strand und komme so bis Heringsdorf- Neuhof.

Die Seebrücken sind hübsch, es gibt viel mehr Menschen hier und vielmehr Geschäfte. Am erstaunlichsten aber ist die sofort komplett andere Architektur. Hier scheint es nicht so viele Zerstörungen gegeben zu haben bzw. nach den 1990ern genug Geld,die alten Villen und Hotels zu restaurieren. Aber wie ich schon sagte, mir gefällt die Art Architektur nicht.

Ich muss mich korrigieren. Die große Stand-Promenade geht ja seit 2011 bis Swinoujscie und tatsächlich finden sich da schon recht viele Ressorts und Villen. Es wird auch fleißig gebaut. Auch im Naturschutzgebiet, das seinen Status bereits 2010 erhielt. Eigentlich darf man das freilich nicht betreten, aber wenn man da ein neues schickes Hotel hin bauen kann, kann man schon mal ein Auge zudrücken.

Die Sorgen gibt’s auf Deutscher Seite nicht. Da wurde offensichtlich schon vor 120 Jahren bis direkt hinter die Dünen gebaut. Da, wo auf Polnischer Seite das Naturschutzgebiet liegt.

Sehr merkwürdig erscheint mir Ahlbeck. Links der Promenade die pompösen Hotels und Villen. Rechts, zumindest auf einer Länge von vielleicht 200 m, die Holzhütten der Fischer, Trekker, Kähne, Fischkisten, Räucheröfen. Und natürlich, in etwas besserem Zustand, die Verkaufsbuden und Imbisse, wo es „garantiert“ frischen Fisch gibt.

Was ich nicht sehe, sind Wohnhäuser. Aber die gibt’s garantiert, weiter im Landesinneren.

In Heringsdorf stehen noch welche in Sichtweite der Promenade. Falls sie nicht gerade abgerissen werden. Hier gibt es auch noch ab und an Villen aus Holz. Die gefallen mir gleich besser. Natürlich ist alles saniert und hübsch. Und wie gesagt, viel zu viele Menschen.

Morgen soll das Wetter besser werden. Da fahre ich nach Wolin.

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Raten Sie doch mal…

… wo ich bin

 

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Die engsten Gassen von Athen

… die wir gesehen haben.

Steht man auf der Akropolis und schaut hinunter, fällt ganz nah ein Dächergewirr auf. Anafiotika. Da will ich hin.

Wir sind ja wieder mal ohne Reiseführer unterwegs. Lassen uns eher von Tipps und Ideen leiten. Für die Akropolis braucht frau das ja nicht, aber sonst so.

Natürlich haben wir ein oder zwei kostenlose Stadtpläne. Anafiotika ist da nicht drauf. Dabei liegt das Viertel wirklich ganz nah an der Akropolis, ist sozusagen an ihre Mauern gebaut.

So irren wir erst ein bisschen rum, landen in einer Straße, durch die immerhin Autos passen, mit vielen Läden links und rechts, Restaurants und noch mehr Touristen. Ich bin ein bisschen enttäuscht, denn das sieht hier nicht ganz so aus, wie ich es gelesen und erwartet habe. Vor allem sind die Häuser eher selten weiß.

Kommt, lasst uns mal da ein bisschen rauf gehen. Und – schwupps- finden wir uns in einem Gassengewirr wieder. Es geht treppauf, treppab, manchmal ist es sogar eben. Die Häuser sind weiß, die Treppen manchmal bunt. Es ist so eng, dass ich mich frage, wie die Leute die Möbel in die Häuser gekriegt haben oder kriegen. Aber die Häuser sind so klein, dass da eh nicht viel rein passt, wenn man berücksichtigt, dass da auch noch Menschen reinpassen müssen.

Die Menschen sind, soweit wir sie sehen, keine Ökoterroristen, Hippster und Walldorfschüler, sondern eher ganz normaler Durchschnitt. Und Gefüchtete. Ob letztere hier regulär wohnen oder in einer der Ruinen hausen, ist allerdings nicht ersichtlich. Denn das Viertel scheint nicht, wie ja schon die Einwohnerschaft andeutet, gentriefiziert. Es gibt Bewohntes und Verfallendes und Verfallenes. Direkt am Fuß der Akropolis. Und kaum Touristen. Keine Läden und keine Restaurants.

Die Geschichte des Viertels ist spannend und so wohl nur in Europa in Ländern wie Griechenland möglich. In Deutschland jedenfalls undenkbar.

Direkt an den Hügeln der Akropolis gelegen, galt die Lage zur Bebauung als unattraktiv. Außerdem wurden weite Teile Athens nicht bebaut, um spätere Ausgrabungen zu ermöglichen.

Handwerker von den Kykladen errichteten hier, nur 7 Jahre, nachdem das Gebiet zur geschützten archäologischen Stätte erklärt wurde, ihre kleinen weißen Häuschen. Natürlich ohne Baugenehmigung. Es heißt, das erste Haus wurde in nur einer Nacht gebaut. Es heißt auch, dass danach Häuser, die in nur einer Nacht gebaut wurden, stehen bleiben durften. Aber die Erbauer waren wohl eher arm, bauten sie doch in einer Zeit größter Wohnungsnot, der Baugrund  zu steil, als dass man hätte große Behausungen errichten können. Das war Ende des 19. Jahrhunderts.

Wurden die Häuser, ohne das je eine Baugenehmigung erteilt wurde, zunächst geduldet, besteht seit Mitte des letzten Jahrhunderts kein Rechtsanspruch auf Besitz und Wohnrecht mehr.

1970 wurden 75 der damals 84 Hausbesitzer aus archäologischen Belangen enteignet. Ob das jetzt bedeutet, dass 75 Häuser auch geräumt werden mussten, oder 9 Bewohner heute doch als Besitzer ihrer Häuser gelten, habe ich nicht ganz begriffen. Fakt ist, dass 27 Häuser tatsächlich abgerissen wurden und heute mehr als 9 Häuser bewohnt sein.

Die Wohndichte ist sehr hoch und soll hauptsächlich noch aus den Nachfahren der einstigen Hügelbesetzer sein. Die Bewohner pflegen ein eher dörfliches Leben, ganz Athen kämpft um den Erhalt des Viertels, das unter Denkmalschutz gestellt gehört. Das Fehlen von Läden und Restaurants hält Touristen angenehm fern und so bildet das Viertel, zwischen der Hauptattraktion der griechischen Hauptstadt und dem lauten, belebten Viertel Plaka eine Oase der Stille und Ruhe im Moloch Athen.

Genießen Sie einfach die ausgewählten Bilder. Und wenn Sie groß gucken wollen, Sie wissen ja: drauf klicken

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