Oma! Dann war ich ganz allein!

So, der Urlaub mit der Prinzessin ist vorbei, aber bevor ich Ihnen davon berichte, mache ich mich wieder aus dem Staub.

Vor dem königlichen Urlaub gabs nämlich noch ein Ereignis. Und von dem gilt es zuerst zu erzählen.

Kindernachtrennen auf der Radrennbahn Leipzig. Das 13. schon, für die Prinzessin war es das zweite und das letzte auf dem Laufrad.

Denn im nächsten Jahr wird sie zu alt sein, in diesem durfte sie noch entscheiden, ob Lauf- oder Fahrrad.

Ich kann Ihnen sagen.

Ich war ja schon oft auf der über 70 Jahre alten Bahn, die ich noch als Alfred-Rosch-Kampfbahn kennengelernt habe.

Jens Fiedler habe ich da noch sprinten sehen.

Sprints finden da heut nicht mehr statt. Die Betonbahn ist stark sanierungsbedürftig, Risse in der 400 Meter langen Bahn werden für die schnellsten der Schnellen zum unkalkulierbaren Risiko. Vielleicht ist sie auch zu lang. Zu unmodern. Nicht ganz überdacht ist sie auch.

Aber, das älteste noch gefahrene Steherrennen der Welt, der Preis der Stadt Leipzig, findet da noch statt. Und Nachwuchsrennen. Ich meine jetzt echte Nachwuchsrennen, so auf Rennrad und nicht auf Lauf- oder Kinderfahrrad.

Trotzdem, ich finde, als längste ihrer Art in Deutschland hätte sie ein bisschen mehr Beachtung verdient. Und Geld zur Sanierung.

Aber wer weiß, vielleicht wären dann die Art Zwergenrennen nicht möglich? Auf einer teuer sanierten Bahn?

400 m. VIERHUNDERT METER!

Wissen Sie, wie lang das für 3-jährige ist? So ganz allein? Ohne Eltern?

Die rannten zwar im Innenraum mit, aber so auf Rasen, mit Hüpfburgen und Entenangelteichen und Fressbuden als Hindernissen hatten die keine Chance. Und dann all die fremden Menschen, die da im Weg standen. Die Zwerge gaben sich alle Mühe, ihre Mamas und Papas und Omas und Opas zu entdecken, bekamen aber nur fremde Tanten und Onkels zu Gesicht, die so Dinge riefen wie: „Prima“ und „Toll machst Du das“.

Ich schreibe von den Jüngsten, weil als die Prinzessin startete, war ich zu aufgeregt, auf die anderen zu achten. Außerdem ist es doch sehr schwierig, die Prinzessin in einem Pulk von 30 Laufradrennern zu entdecken, vor allem, wenn da noch ein Kind als Schmetterling geschminkt ist.

Und dann hören wir den Stadionsprecher: Die Prinzessin ist vor der 29.

!!???!!

Oma! Dann war ich ganz allein!

Ja, Prinzessin, das war, als Du den anderen davon gefahren bist.

Zweite! Wow!

Das sind die guten Gene der Mutter, strahlt der Uropa stolz.

Und dann gibt’s richtig eine Siegerehrung mit Medaillen und vielen Preisen.

Trotzdem, wie schon vor zwei Jahren beim Kinderrennen am Stadion, ich bleibe dabei: Jedes teilnehmende Kind sollte eine Medaille kriegen. Schließlich ist es den Knirpsen noch völlig Wurscht, ob sie nun Erste oder letzter werden. Aber so eine Medaille, das ist schon cool.

Wer die Fotos ganz und groß sehen will, klickt drauf. Und unter den Fotos gibts noch das offizielle Video.

Das offizielle Video

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Lebenszeichen

Es tut mir leid.

Ehrlich.

Aber..

Also ich lebe noch.

Und es rührt mich, dass  mir einige gemailt haben. Das macht natürlich auch ein schlechtes Gewissen. Aber ich wollte heute sowieso… Wirklich.

Über einen Monat habe ich nichts von mir hören lassen, das erschreckt mich selbst ein bisschen.

Aber wissen Sie, nach der Schule bin ich gern in den Garten gefahren, habe da die Einsamkeit genossen, mich über Besuch gefreut, und wenn ich mal zu Hause war und doch den Laptop angemacht habe, dann nur, um nach Jobs zu suchen, Bewerbungen zu schreiben, Jobs für einen Klienten zu suchen, Bewerbungen zu schreiben, nach einem WG-Zimmer für K. zu suchen, nach einem Sportverein für K., für ein Referat zu recherchieren, das Referat zu schreiben…

Jetzt ist der Kurs vorbei. Ich habe sofort gemacht, was ich die letzten Wochen schon am Wochenende gemacht habe: Ich bin in den Garten gezogen. Komplett und mit Milli.

Nur wenn Gäste kommen, bin ich in der Wohnung. Oder zum Wäsche waschen. So Zeug eben.

Nur eben, im Garten, da gibts kein Internet. Was ja eigentlich und irgendwie auch cool ist.

Statt in die Kiste zu starren, sehe ich den Pflanzen beim Wachsen zu, habe mich über die ersten Tomaten gefreut und werde jetzt davon überschwemmt. Genau wie von den Gurken. Ich staune, wie viel Platz die Kürbisse brauchen, freue mich, dass Bienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber meinen Borretsch so gut annehmen, kämpfe gegen Giersch und Zaunwinde, schaue selbst gezogenem Kohlrabi, Stockrosen und Löwenmaul beim Wachsen zu, habe kein Glück mit Salat, frage mich, wo Klatschmohn und Kornblumen hin sind. Und der Alant? Und wie erntet man Waldmeister? Und was davon? Wozu ist Borretsch überhaupt gut, außer für Bienen? Ich ernte Himbeeren, koche Kirsch- und Brombeermarmelade, letztere wahlweise mit Äpfeln und/oder Lavendel, habe viel zu viel Mangold.

Ich freue mich, dass Milli nach wie vor kommt, wenn ich ihn rufe, freue mich, wenn die Kinder da sind. Und K. Und andere Freunde. Und ich begrüße jeden Morgen das Goldammerpärchen in meinem Garten.

Ich habe das Gefühl, vollkommen entschleunigt zu sein. Und ja, ich genieße es auch, wenn niemand da ist. Dann lese ich, oder jäte Unkraut, oder gucke den Pflanzen beim Wachsen zu… na Sie wissen schon.

Natürlich bin ich nicht nur im Garten. Ich habe ziemlich oft und viel syrisch gegessen, die letzten Wochen. In der Schule habe ich coole Menschen kennengelernt, die mir hoffentlich nicht verloren gehen werden. Wir waren in Grethen zur alljährlichen Radtour. Das Frühstück am See habe ich allerdings verpasst. Dafür war ich auf einem Grundstück direkt am See, da wohnen die Pächter in Bauwagen und alten Wohnwagen.

Das Kind, das Kleine, war da und ist jetzt in Berlin. Und die Prinzessin und der Kleine König wachsen und wachsen und wachsen.

Und ich habe Grillen gelernt!

Im September bin ich wieder da. Regelmäßig. Versprochen.

Ein paar Fotos aus den letzten Wochen

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# Angst

The only thing to fear is fear itself.

Das hing jahrelang in meinem Wohnzimmer. Es betitelte ein Bild, dass einen Free solo Kletterer zeigte.

Nun Free Solo bin ich nie geklettert. Free Solo, ohne Seil, das ist etwas für lebensmüde, gelangweilte Zivilisten.

Die Sächsische Schweiz bietet genug Gelegenheiten, es mal mit der Angst zu bekommen.

Als ich mich entschloss, an sunnys Blogparade Punkt.Punkt.Punkt teilzunehmen, musste ich auch ein Thema liefern.

Dieses schien mir recht passend. Sunny hat es, der besseren Verständlichkeit wegen, in Angst umgewandelt. Vielleicht habe ich es auch selbst vorgeschlagen, mit dem englischen Untertitel.

Angst hat man natürlich nicht nur beim Klettern.

Angst ist wichtig, sichert sie doch unser Überleben.

Allerdings, manchmal kann Angst lähmend sein.

Und das lernt man beim Klettern. Und auch wie gefährlich diese lähmende Angst ist. Dann klebt man zitternd in irgendeiner Wand, traut sich nicht vor und nicht zurück und gefährdet damit sich und die anderen. Ich habe solche Situationen erlebt.

Die Angst zu überwinden ( denn.es.kommt.kein.Hubschrauber.Dich.zu.retten), ist zermürbend. Für alle.

Hat man es geschafft, ist man nicht immer glücklich. Nicht sofort. Aber meistens, wenn vielleicht manchmal auch erst etwas später, doch irgendwie stolz, stärker sowieso.

Und kennt man dieses Gefühl nicht auch aus dem richtigen Leben? Ich meine, dem ohne Kletterei? Wie oft lähmt uns die Angst. Aber wie befreiend ist es, wenn wir uns aus dieser Umklammerung befreien können? Vielleicht zittern wir noch eine gewisse Zeit, schelten uns selbst unserer Unvorsicht. Wenn aber das Zittern vorbei st, geht auch die Schelte. Wir sind stolz etwas geschafft zu haben. Und stärker.

Doch zurück zum Klettern.

Die besten Momente sind die, wo man die Angst, sobald man sie im Nacken ahnt, überwinden kann. Wenn man sie ausschaltet, bevor sie andocken kann und jedes Handlen übernimmt bzw jedes Nicht-Handeln.

Dann funktioniert der ganze Körper scheinbar ohne den Umweg übers Gehirn, das denkende.  Jeder Handgriff, jeder Fußtritt sitzt. Die Wand liest sich so klar wie ein Buch in Großbuchstaben. Es gibt keine Zweifel, keine Fehler, kein Misslingen. Das Gefühl ist leider nicht zu beschreiben. Es ist der absolute Sieg über die Angst.

Noch auf dem Gipfel ist man in einer Art Rausch.

Leider sind diese Moment sehr selten, denn sie treten nur an sehr kniffligen Stellen auf.

Meistens habe ich schon am Fuß der Wand Angst und suche mir lieber einen einfacheren, machbareren Weg. Eine Genussroute eben. Ich bin ja nicht darauf aus, mir weh zu tun. Oder irgendwo bewegungsunfähig, von Angst gelähmt, wimmernd in der Wand zu hocken.

Aber ehrlich, mir reichen die paar anderen Momente.

Angst hilft uns zu überleben. Das wissen wir alle. Oder sollten es. Doch Angst kann lähmend sein, Das habe ich beim Klettern gelernt. Sie dann zu überwinden, macht in den meisten Fällen stolz und stärker.

Ich habe Ihnen eine unvollständige Auswahl an Fotos herausgesucht. Was ich so auf die Schnelle finden konnte. Das eine, das vom Loküberfall, ist wohl auf einer anderen Festplatte. Oder analog. Macht nichts.

Wie immer. Wer groß gucken will, klickt aufs Bild

 

 

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Herr Ärmel, es geht auch in Hörweite!

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Letztes Jahr, als der Herr Ärmel mich besuchte, waren wir im Rosenthal, um das Gewandhaus zu Leipzig bei den Klassik Airleben zu erleben.

Nun ja, das Rosenthal ist groß, die Wiese hinterm Zoo auch und wir saßen ziemlich weit weg.

Dieses Jahr, also gestern, hatte ich mich mit einem der ehemaligen Mitbewohner und einer Freundin verabredet. Eigentlich hatte ich noch ein paar anderen Neubürgern Bescheid gegeben, denen, mit denen ich immer in die Oper, das Gewandhaus oder so gehe. Mit denen wollte ich morgen nach Dresden, Kreuzkirche, Mahlers Auferstehungssinfonie. Aber. Ramadan. Nein, das ist zu anstrengend, meinten sie. Alle.

Na dann Klassik Airleben. Ist in Leipzig, man liegt auf der Wiese und kann 21:35 Uhr anfangen zu essen und zu trinken. Da essen und trinken eh alle. Um es vorweg zu nehmen: Es kam keiner. Zu müde. Klar, wenn man den ganzen Tag, also so seit 3:30 nichts gegessen und vor allem nichts getrunken hat… Befremdlich erscheint mir das trotzdem.

Na egal. Der ehemalige Mitbewohner fastet auch und kommt trotzdem. Allerdings relativ spät, woran aber die Freundin, also meine, Schuld ist.

Mir schwant böses.

Aber, eingedenk der Erfahrungen des letzten Jahres, schieben wir uns und unsere Räder tapfer mitten rein in die Masse, finden ein Plätzchen, das gerade so für drei passt, schieben die Räder wieder raus und an den Rand, und lassen uns nieder.

Hier ist es sogar richtig laut. Also so musikalisch. So laut, dass wir manchmal ganz schön laut reden müssen,um uns zu verstehen. Denn das ist ja das Schöne: Frau und man muss nicht immer zuhören. Wir warten mit unseren Fressereien bis der Mitbewohner essen kann/darf/will. Aber zu trinken fangen wir sofort an. Schließlich, eine Flasche Prosecco und eine Flasche Kirschwein, die wollen geschafft sein in 2,5 Stunden.

Es ist ein wunderschöner Abend. Eine leichte Brise macht die Temperaturen erträglich , Ballons schweben wie Monde über uns, der Dirigent entschuldigt sich dafür Brite zu sein, die Solistin ist ganz wunderbar und sieht aus wie eine Prinzessin, die Menschen sind entspannt und genießen den Abend. 25000 Menschen sollen gestern da gewesen sein. Da dürften, wenn das Wetter heute hält, wohl wieder die 50000 des Vorjahres für die beiden Konzerte erreicht werden.

Unter dem Motto La Primadonna gab es gestern Stücke von Rossini, Mozart, Verdi und Strauß. Spät am Abend tanzten wir alle den CanCan, so gut wir eben konnten. Auch der ehemalige Mitbewohner musste tanzen. Schließlich war es schon gegen 22:00 Uhr und wir hatten alle gegessen. Keine Ausreden also.

Als die Titelmusik von Star Wars durch den Park und rüber in den Zoo schallte, verabredeten wir einen Star Wars Video Abend. Irgendwann im Winter. Denn der ehemalige Mitbewohner kennt Star Wars nicht! Kennt.Er.Nicht.

Unglaublich.

Keine Ahnung, wann das Konzert endete. 23:00 Uhr? Ich war spät zu Hause, allerdings, eh sich 25000 von einer Wiese wegsortiert haben, das dauert ja auch etwas.

Also jedenfalls, Herr Ärmel, beim nächtens Mal, da legen wir uns einfach viel viel weiter vorn hin.

Versprochen.

 

 

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Das kranke Tier

Ein Pfützchen in meinem Bett!IMG-20160623-WA0001

Der Kater!

Gerade bin ich nach Hause gekommen und finde die Sauerei vor. Ich bin wütend, fühle mich schuldig , beziehe das Bett neu und schmeiße die Waschmaschine an.

Ich war heute lange unterwegs, bin direkt von der Schule in den Garten und  nun, erst nach über 12 Stunden wieder da. Fand der Kater wahrscheinlich Scheiße.

Am Vortag und am Vor-Vortag bin ich zwischen Schule und Garten bzw Begegnungscafé zu Hause gewesen, da hat er in sein Fahrradkörbchen gemacht, dass da steht, weil es auch ne wunderbare Liegekuhle ist.

Ich denke, Milli the cat ist sauer, dass er nicht jeden Tag und immer mit darf. Und überhaupt ist ihm soooo langweilig. Alle Mitbewohner sind ausgezogen. Niemand, der rumtobt, spielt, schmust, je nach Bedarf und Laune. Jedenfalls tagsüber.

Der Kater protestiert. Ganz klar.

Das Bett ist bezogen und ich hau mich rein.

Der Kater kommt, sieht mir tief in die Augen und

pullert.

Nicht viel, aber genug, um erneut alles frisch zu beziehen.

20 min später noch mal dasselbe.

Mir geht langsam das Bettzeug aus.

Nu verscheuche ich ihn einfach. Irgendwie muss ich durch die Nacht. Ich gewinne, Katerchen legt sich auf sein Kissen auf dem Fensterbrett und pennt.

Donnerstag.

Ich fahre sofort noch der Schule nach Hause. Wir müssen zum Tierarzt.

Aber nicht gleich.

Milli begrüßt mich, schmust, nimmt sein Leckerli entgegen, springt aufs Bett und …

ich fasse es nicht.

Gut, dass das Zeug von gestern trocken ist.

Beim Tierarzt ist der Kater völlig entspannt. Guckt ein bisschen neugierig rum und legt sich dann hin.

Die Behandlung lässt er freundlich über sich ergehen. Sogar Fieber messen erträgt er huldvoll.

Doch im Ultraschall-Raum erholt sich ein Kater von seiner OP.

Ich warne Tierarzt und Helferin.

Aber wer glaubt mir schon bei diesem sich tiefenentspannt zeigendem Kater?

Es kommt wie es kommen muss. Da helfen auch keine Schutzhandschuhe.

KAMPFMODUS.

Mit Mühe und Not verpasst man ihm zwei Spritzen. Prophylaktisch. Dabei pullert er im Stress, was eine Untersuchung ermöglicht.

Nu ist er krank, der arme Kater. Bakterielle Blasenentzündung.

Die Pullerei war kein Protest, sondern die Ansage: Huhu, ich bin krank.

Die Spritzen haben sofort gewirkt, auch das klägliche Miauen hat aufgehört.

Naja, mal sehen, wie ich die Wohnung heute Nachmittag vorfinde.

 

 

 

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sonntags

Die Veranstaltungen hätten für fünf Sonntage gereicht und ich wäre genug unterwegs gewesen.

Aber wie das so ist in L.E. Entweder es passiert gar nichts oder alles auf einmal.

Zugegeben, der Termin in der Villa stand zuerst.

Kuchentafel. Vor allem aber Finale und Auswertung der Spendenrallye.

Brückenfest 2.0.

Am Mittwoch sagte ich allen Beschied, postete den Termin nochmal in der Gruppe meiner ehemaligen Schüler, Mitstreiter und Freunde aus der Erstaufnahmeeinrichtung.

Ach Herrje. Menschenkette auch noch?

Ich gerate unter Termindruck.

Ein paar Straßenfeste fallen aus. Definitiv.

Dann fahre ich zum Synagogenmahnmal, da, wo die große Synagoge stand. Die Menschenkette soll vom Rabet im Osten, um die dortigen Moscheen, vorbei an ein paar Kirchen in der Innenstadt bis hierher führen.

Ein ehrgeiziges Ziel. So recht glauben kann ich daran nicht.

Und wirklich, am Mahnmal bin ich allein. Doch ein Blick in die Stadt zeigt, es tut sich was. Und nach und nach kommen auch Leute hierher. Dann Zusammenschluss mit denen aus der Stadt.

Es ist weit nach 14:00 Uhr und für mich höchste Zeit.

Nach Hause rasen, Kuchen holen, ab in die Villa. Zum Glück, wie die Villa, die Brücke und das Mahnmal gleich um die Ecke.

Die zur Demo formierte Menschenkette behindert mich auf ihrem Weg zur Brücke. Ich will in die andere Richtung.

Auch in der Villa bin ich eine der ersten, auch hier füllt sich der Innenhof langsam. Ehrenamtliche, Hauptamtliche, Nutzer des sozio-kulturellen Zentrums.

Ich führe ein paar nette Gespräche, beklatsche die Spenden und schlage mir den Bauch mit leckerem Kuchen, nein Torte! voll.

Dann aber schnell zur Brücke.

Ist natürlich blöd, dass gerade Ramadan ist. Von meinen befreundeten Zugereisten ist niemand da. Andere Neubürger sind da zum Glück etwas härter im Nehmen. Moscheen sind vertreten und das jüdische Zentrum, Kirchen, jeder Menge Vereine, der DGB und ein paar Parteien. Es gibt zwei Bühnen, Musik, Tanz und kluge Reden. Lecker Speisen, mir völlig unbekannt.

Ein fröhlich buntes Fest.

Und ich bin jetzt erledigt. Schleiche nach Hause und direkt ins Bett.

Hätte auch für drei Sonntage gereicht. Oder fünf. Dann hätte ich auch noch die Straßenfeste mitnehmen können.

Fotos: Drauf klicken und groß gucken.

 

 

 

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Heimfahrt

Meine Mutter ruft mich an und fragt, wann wir am Samstag losfahren.

Fahren? Fahren wir irgendwo hin?

Zum Klassentreffen.

Ach Herrje, ich dachte, das wäre im Juli.

Früher war das Dorf ein Dorf eben, mit Bürgermeister und allem was dazu gehört. Zehn Jahre nach der Wende fiel es dem Sparzwang zum Opfer und wurde Teil einer größeren Dorfgemeinde. Jetzt gehört es wohl eher zu einer Gebietsgemeinde. Nicht weniger als 17 Dörfer gehören zu diesem Produkt irgendeiner Reform, darunter Orte, die mir früher, mit dem Fahrrad und als Kind, viel zu weit entfernt waren. Das mag wohl daran liegen, dass das Dorf am Rand der heutigen Gemeinde liegt, etwas abseits, und sicher ist man mit dem Auto heute schnell in den anderen 16 Orten. Trotzdem bezweifle ich, dass ein Gemeinderat, wo sitzt der eigentlich?, alle Belange aller Orte gleichberechtigt behandelt.

Im 12. Jahrhundert wurde das Dorf zum 1. Mal urkundlich erwähnt, irgendwann soll es mal über 1000 Einwohner gehabt haben, heute sind es um die 500.

Wir sind zu zeitig da. Das ist Absicht.

Am Hof, der heute vermietet ist, halten wir, werden eingeladen und sehen uns den Fortschritt des Innenausbaus an. Dann fahren wir langsam durch den Ort. 2 Parallelstraßen, verbunden durch drei Querstraßen.

Die großen Gehöfte verfallen. In zwei oder dreien sehen wir Wohnwagen, Zelte und junge Menschen. Ich drücke ihnen die Daumen, dass die Restaurierung gelingt, weiß aber, dass sie es nicht wuppen werden können. Die Gehöfte sind zu groß, es sind Bauernhöfe. Was will eine Familie mit Scheunen, Ställen und Wohnungen für drei Generationen Großfamilien? Das Dorf liegt zu abgelegen. Die Stadt zu weit weg und die Heiden und die Berge auch.

Idyllisch liegt es da. Die Bäume hoch, so dass man die Kirche suchen muss. Manches Anwesen verschwindet hinter üppigem Grün. In Richtung Norden kleinere Häuser. Flachbauten, teilweise nach dem Krieg gebaut, aber auch recht viel ganz neues, soweit man in einem 500-Seelennest von ganz viel sprechen kann.

Es ist Zeit zum Treffen zu gehen, dort werden wir sicher Antworten finden auf all unsere Fragen.

Die neuen Häuser gehören nicht ausschließlich Zugezogenen, auch die Einheimischen bauen hier, weil ihnen die Höfe der Eltern zu groß sind. Es ist, als erfinde sich das Dorf da neu.

Die Höfe werden wohl verfallen. Um die zu erhalten, braucht es zwei Gutverdiener. Aber diese Art Gutverdiener wohnen in den Städten, und die sind zu weit entfernt, denn das Geld darf natürlich auch nicht zu hart verdient sein, damit am Ende des Tages noch Energie bleibt für die alten Gemäuer. So sehen es die Leute hier.

Ich denke mir, öffnet das Dorf für Junge, für Alternative, für Kreative, und weiß, dass sie das nie tun werden.

Wir laufen zur Schule, längst geschlossen, mit dem Neubau hinter dem alten Haus, der später sogar noch aufgestockt wurde. 4 Klassen-8 Klassen- 4 Klassen- Schließung.

Ein Dorf in Sachsen, ganz im Norden. Das Nachbardorf, durch das wir auf der Herfahrt kamen, sah noch schlimmer aus. Würde ich die Gemeinde abfahren, die 17 Orte, würde ich wohl ähnliches zu sehen bekommen. Über Politik rede ich mit den Leuten hier lieber nicht.

Aber die ist auch nicht Thema des Tages. Thema sind Erinnerungen, Geschichten über die nicht Anwesenden, ein altes Poesiealbum und Zuckertüten. Bis zur 7. Klasse war ich Teil dieser Gemeinschaft, meine Mutter meine und unsere erste Lehrerin. Das Dorf war wie ein großer Abenteuerspielplatz, der Wald und die Felder ringsum eingeschlossen. Die nächsten Dörfer schienen meilenweit entfernt, wenn ich dahin zum Bäcker oder Fleischer oder Englischunterricht musste, schien mir das endlos weit, wenn wir dahin zum Baden fuhren, schrumpfte die Endlosigkeit auf erträgliche 3 Kilometer. Es war der beste Platz der Welt, um Kind zu sein. Für eine Kindheit ist das Dorf auch heute noch ideal.

Für die Bilder gilt: Wer groß und ganz gucken will, klickt aufs Bild.

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Perspektivwechsel

Mit der Umschulung bekomme ich eine Monatskarte für den MDV, Zone 1. Zwar fahre ich mit dem Fahrrad zur Schule, nutze die Karte aber ansonsten gern und ausgiebig. Nicht für die Straßenbahn, eher für die S-Bahn. Denn da kann man das Fahrrad kostenlos mitnehmen.

Und wie das so ist, wenn man das Verkehrsmittel wechselt, ändern sich auch unwesentlich die Wege. Und Perspektiven.

So fahre ich seit mehr als einem Monat wenigstens viermal die Woche am MDR vorbei. Eigentlich tat ich das schon im letzten Sommer wenigstens zweimal wöchentlich, wenn ich zum Hof fuhr, aber erst jetzt fiel mir auf: Da scheint gar kein Zaun zu sein?

Also stieg ich letztens aus, schob das Fahrrad Richtung Objekt der Begierde und sah mich um. Ich wollte nur erkunden, schließlich war das Wetter schlecht und ich hatte nur die kleine Kamera dabei, konnte mich dann aber doch nicht beherrschen.

Scheint ein ehemaliges Lokdepot zu sein, vielleicht auch eine Werkstatt. Vielleicht erschließt sich mir der ehemalige Nutzen bei einem späteren Besuch. Es gibt da schließlich noch viel mehr zu sehen. Bei besserem Wetter und mit anderer Kamera.

Wie immer: Wer ganz und/oder groß gucken will, klickt aufs Bild.

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Licht und Schatten

Bing, eine Nachricht erreicht mich.

Bitte, Frau Lehrerin, was bedeutet das?

Ein ehemaliger Schüler schickt mir Fotos eines offiziellen Schreibens. Es ist vom Gericht. Es kündigt die Aufhebung eines Bescheids wegen Verfahrensfehlern ein.

Ich jubele und erkläre X. den Inhalt.

Vor zwei Monaten hatte er mich um Hilfe gebeten. Asylverfahren abgelehnt, Abschiebung angedroht.

Klage eingereicht. Begründung nachgereicht. Alles ohne Anwalt.

Als uns während meiner derzeitigen Schulung der entsprechende Dozent, immerhin Jurist, dann immer wieder erklärte, dass wir in solchen Fällen UNBEDINGT einen Anwalt zu konsultieren hätten, wurde mir ein bisschen mulmig. Aber ein Anwalt kostet so 200€. Und Klage kann man schließlich selber einreichen. Und die Begründung nachschieben. Jedenfalls, wenn so offensichtlich Rechtsgrundsätze nicht eingehalten wurden.

Trotzdem. Mhm.

Es kamen Briefe vom Amt und vom Gericht. Da die Sozialarbeiter in der Unterkunft eher wenig hilfreich waren, oder X. vielleicht auch nicht vertrauenswürdig schienen, landete alles bei mir.

Und gestern dann: Bescheid aufgehoben wegen Verfahrensfehler. Das heißt nun nicht, das X. bleiben kann, das heißt nur, dass er ein faires Verfahren bekommt. Eine faire Chance, seine Fluchtgründe darzulegen.

Ich pack das Handy ein und fahre breit grinsend weiter.

Ich bin auf dem Weg zum letzten ehemaligen Mitbewohner. Einladung zum Fasten brechen. Strahlend erzähle ich ihm von X. Und freue mich und freue mich.

Dann sprechen wir über Termine im Oktober. Und der letzte ehemalige Mitbewohner, der jetzt in einer WG lebt, erzählt, dass Y. dann nicht mehr da sein wird. Y.s Asylantrag wurde abgelehnt.

Die Stimmung sinkt auf den Nullpunkt. Dann freue ich mich wieder für X. So geht das hin und her.

Wir, ich wusste, dass das kommen würde. X. und Z. haben kaum Chancen, bleiben zu dürfen. Bei Y. schien alles offen. Alle drei kommen weder aus Syrien, noch aus dem Irak, Eritrea oder dem Iran.

Wir, ich wusste, dass das passieren würde.

Doch nun, wo es soweit ist, wird es doch eine Weile dauern, sich daran zu gewöhnen. Vielleicht ist es auch etwas, woran man sich nie gewöhnen kann.

Was für ein Glück, dass ich in Deutschland geboren wurde.

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In Viertel

Seit genau eineinhalb Monaten bin ich wochentäglich in Plagwitz unterwegs. Ein Viertel, das ich im alten Blog mal mit Connewitz verglichen habe, was zu Protesten vereinzelter Plagwitzer führte. Natürlich ist Plagwitz nicht wie Connewitz. Die Kreativität der Bewohner erinnerte und erinnert mich jedoch immer wieder an das Connewitz der 1990er Jahre. Aber natürlich, in Plagwitz waren zuerst die Künstler. Vielleicht bestehen die oder einige Bewohner deshalb auch auf eine ganz eigene Kreativität. Eine kreativere Kreativität sozusagen, vor allem aber eine mehr von der Kunst inspirierte.

Völlig Wurst. Mich erinnerte und erinnert das Viertel an Connewitz. Die Kleinfamilie lebte da, als sie noch gar keine Kleinfamilie sondern lediglich ein Pärchen war.  Damals entstanden so Kneipen hier und dort und um die Ecke. In der Gieszer war ich schon in den 1990ern.  Buchläden, Geschäfte, wie sie nur  in Vierteln wie Plagwitz oder Connewitz entstehen und überleben können.

Und jetzt?

Erinnert mich Plagwitz mehr denn je an den Stadtteil im Süden. Jedenfalls scheint man die selben Probleme da zu haben, nur mit dem Unterschied, dass für Connewitz keine New Yorker Zeitschrift warb.

Wie immer gilt: Wer groß und/oder ganz gucken will, klickt aufs Bild.

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