Fast aufm Dorf

In Markkleeberg, zwischen Villen und Gärten, Park und Beschaulichkeit, kann man sich, während man auf die S-Bahn nach Leipzig wartet, an einem ganz besonderen Straßenkunstwerk erfreuen.

Na, wer kann sich noch an das russische Märchen erinnern? Ein Zeichentrickfilm wars.

(Auch diese Fotos vergrößern sich, wenn man drauf klickt)

Veröffentlicht unter Erinnerung, Im Osten nichts Neues, Straßengalerie | Verschlagwortet mit , , | 2 Kommentare

Angezubert

Ich gebe zu, ein bisschen plagt mich das schlechte Gewissen, als ich samstags auf dem Bahnhof stehe.

Alle kommen nach Leipzig. Zur Anti-TTIP/CETA-Demo. Nur ich, ich fahre weg.

Dabei könnte ich das voll verdrängen, wenn ich mit dem Auto gefahren wäre, aber die Prinzessin ist krank, das Wetter schauderhaft kalt und regnerisch, der Inchbruder hat sich das Inchfamilienauto gekrallt, ins Inchbruderauto passt kein Kinderwagen, was bei nasskaltem Wetter schlecht ist, weil man nicht wüsste, wo man den Kleinen König ablegen könnte und dann noch die kranke Prinzessin. Kurzum, die Kleinfamilie bleibt in der Stadt und so allein, nee, allein muss ich nicht Auto fahren.

So stehe ich also zu ungünstigster Zeit am Bahnhof. Mein Zug geht 12:00 Uhr. Lauter TTIP/CETA-Gegner strömen mir entgegen. Aber als ich im Zug sitze, ehrlich, habe ich sie schon vergessen. Die Demo sowieso. Asche auf mein Haupt.

Die Hütte wird 40, das muss gefeiert werden. Ich wundere mich noch ein bisschen Wieso denn der 40.? und werde aufgeklärt, dass bei diesem Jubiläum noch die Entdecker/Er- und Umbauer mit dabei sein werden. Wer weiß, wie das in 10 Jahren ist. Ein einleuchtendes Argument und eins, das wieder einmal zeigt, wie familiär unser kleiner Verein ist, auch wenn er in den letzten Jahren doch ganz schön gewachsen ist und schon zu groß, alle zu kennen, wird doch noch an alle gedacht.

Natürlich, zu so einem Jubiläum, da kommen viele, die passen nicht in die für maximal 40 Leute ausgelegte Wanderhütte. Also zelten. Bei bestem Herbtskaltnasswetter. Und die Party findet natürlich auch im Freien statt.

Immerhin, als ich das Ziel an der Elbe erreiche, regnet es gerade nicht, was mich veranlasst, sofort und ohne Geplänkel mein klitzekleines Zelt aufzubauen. Die Wiese ist schon gefährlich morastisch, ausgelegte Bretter sollen den Zugang erleichtern, werden aber im Laufe des Abends und bei Fast-Dauerregen zu einer lustigen Rutschparty.

In Leipzig habe ich mir auf dem Bahnhof schnell noch Gummistiefel gekauft, aber das ist Quatsch, ich ziehe lieber die Strümpfe aus und die Tefas an, das ist immer noch das beste.

Siggi erzählt davon, wie vor 40 Jahren die Scheune gefunden, der Pachtvertrag geschlossen und schließlich umgebaut wurde. Er erzählt von einem dreijährigen Kletterverbot (an das sich natürlich niemand recht hielt), von Material, dass in Betrieben nicht mehr gebraucht wurde, von Material, das irgendwie beschafft wurde, von haarsträubenden Transporten desselben von Leipzig in die Sächsische Schweiz, von der Einweihung, von Ausbauten, Hüttenwarten, der schwierigen Zeit um die Wende herum. Ein kurzweiliger Beitrag, untermauert mit alten Fotos. Und doch verpassen ihn einige, denn hinter dem Gebilde aus Festzelt, Tarps und Bühne hat Paul DIE Attraktion schlechthin aufgebaut: Ein Wannen-Blubber-Schaumbad!

Ich kann Ihnen sagen. Wenn wir das Ding schon vor 20 Jahren gehabt hätten, meint Rainer, hätten wir jetzt eine große, eine sehr große Jugendgruppe. Mir ist es tatsächlich gelungen, das Ding einmal leer zu fotografieren, das war wohl während des Essens, und dieses Foto zeige ich Ihnen hier. Denn sonst, sonst waren da immer Leute drin. Nackt natürlich. Ich glaube 10. Oder 12? Oder doch nur 8? Ich habe nur Beine, Arme und Köpfe gesehen. Alles irgendwie sehr durcheinander, sehr fröhlich. Ab und zu hüpfte einer raus, oder zwei oder fünf und stürmte nackt aber schaumig die Tanzfläche. BSV-eigen Flitzer sozusagen.

Getanzt wurde nach dem Essen, nach dem Kulturprogramm und nach der Ehrung an diesem Abend gewählter bester Köche, bester Nudelköche, bester Hüttenwarte, Vereinsmutter/vater, Hüttenmutter/vater, Bezwinger, bester Figur beim Klettern, bester Motivator und was weiß ich nicht noch.

Es spielte dann auch noch eine Band, die war gar nicht schlecht. Aber der Bär ging natürlich ab, als Max und Andi mit Band auf die Bühne kamen. Die Jungs sind sozusagen im Verein groß geworden, einen kenne ich gar seit seiner Kindergartenzeit. Heißen die eigentlich noch Höhenrausch? Oder doch Helenes Fischer? Egal. Die älteren Herren U60 pogten wie die Irren, fast war kein Tanzen möglich, schaumtrunkene Flitzer stürmten die Tanzfläche, es war ein Fest, des BSV würdig.

Ich hatte mich übrigens zum Glück auf Bier eingestellt, denn der Wein war irgendwann alle. Was für ein trockenes Ende wäre das gewesen.

In der Hütte dann Disko, draußen um das Lagerfeuer drängten sich, als es gerade mal nicht regnete, wohl dreißig Leute.

Ich wusch mir Füße und Schuhe, bevor ich zum Zelt schlitterte. Vergebens.

Am nächsten Morgen dann mehr oder weniger verkaterte Menschen an der großen Frühstückstafel. Verkatert , aber fröhlich. Und in der Klettertruppe gibt’s ein neues Wort: ANZUBERN. Danke Paul. Und ein Glück, dass wir das Ding nicht schon vor 20 Jahren hatten.

Die Fotos sind nicht gut, aber historisch. Wer den Zuber (Wannen-Blubber-Schaumbad) groß sehen will, klickt auf die Bilder.

Veröffentlicht unter Im Osten nichts Neues, Wanderlust | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

Streetart aktuell

dscn4931-001

Bild | Veröffentlicht am von | Verschlagwortet mit , , , | Kommentar hinterlassen

Sommer tanken

Die letzten Sommertage genießen

dscn4908

Veröffentlicht unter Im Osten nichts Neues, KinderKinder | Verschlagwortet mit , , , | 2 Kommentare

Im Gefühlschaos

Sonntag also Tag des offenen Denkmals. Ich durchforste das Programm und suche mir Orte, die sonst nicht geöffnet sind. Fünf stehen am Ende auf meiner Liste.

Die Konsumzentrale in Plagwitz, die Zentrale Hinrichtungsstätte der DDR in der Südvorstadt, Schacht Dölitz ganz im Süden, zwei Lichtspieltheater im Osten. Da ich abends noch ins Gewandhaus will, werde ich nicht alles schaffen. Der Schacht wird zuerst von der Liste gestrichen. Das Ost-Passage Theater wird vielleicht der Zeit zum Opfer fallen, da es nur bis 16:00 geöffnet ist, das Fortuna dagegen ist ziemlich weit im Osten.

Ich fahre erst mal in den Westen. Konsumzentrale. Bauhaus. Das wollte ich schon lange mal sehen.

Die Konsumgenossenschaft Leipzig gibt es seit 1884, damals noch als Consum-Verein für Plagwitz und Umgegend. Jeder DDR-Bürger kennt ja noch den Konsum, neben HO DIE große Einkaufskette. Aber wer weiß schon, dass das keine Erfindung der Nachkriegszeit ist?

Jedenfalls, der Consum-Verein ist erfolgreich, überall entstehen Filialen, da muss eine Zentrale her. Der Hamburger Architekt Fritz Höger setzt sich gegen vier Mitbewerber durch, so beginnen im Frühjahr 1930 die Bauarbeiten.

Ein halbes Jahr später (!!!), am 28.Juli 1930, wird die Zentrale eingeweiht. Nach einigen Erweiterungen wird der gesamte Komplex 1932 fertiggestellt.

Die Stahlbaukonstruktion mit Backsteinfassade erinnert, wen wunderts, an einen Ozeandampfer. Mich beeindrucken besonders die gewölbten Fensterscheiben. Im Innern ist mir das gesamte Haus zu dunkel.

Wunderbarerweise übersteht das Ensemble den 2. Weltkrieg, wird zu DDR-Zeiten Sitz der Konsumgenossenschaft. Nach der Wende schließen sich die Genossenschaften von Stadt und Kreis Leipzig und dem Kreis Delitzsch zur Konsumgenossenschaft Leipzig eG zusammen. 2000 beginnt die Sanierung des Architekturdenkmals.

Heute sind die Gebäude nicht nur Verwaltungszentrale, es gibt auch viele Untermieter. Festsaal und Sitzungssaal können außerdem für Tagungen, Feiern usw. genutzt werden.

Im Hof ist ein Fest mit Büdchen und Hüpfburgen, deshalb halte ich mich lieber ans Innere und fotografiere hauptsächlich dort. Wie gesagt, mir ist es innen alles etwas zu dunkel. Dann läuft mir noch eine Führung über den Weg. Ich höre ein bisschen zu und warte, bis die Truppe entschwindet. Leider hält sie sich nun sehr lange auf der Terrasse am Festsaal auf.

Das dauert zu lange. Ich packe meinen Kram zusammen und fahre in den Süden.

Arndtstraße 48, hinter dem heutigen Amtsgericht, im Frauentrakt der ehemaligen Vollzugsanstalt Erich-Kästner-Straße, mitten in der Leipziger Südvorstadt, befindet sich die ehemalige zentrale Hinrichtungsstätte der DDR.

Ich muss auf die Führung warten. Es gibt nicht viel zu sehen. Nur viel zu fühlen. Das Grauen. Während die unglaubliche Geschichte dieser ehemaligen Hausmeisterwohnung erzählt wird. Bis 1968 hatten die zum Tode Verurteilten noch einen letzten Wunsch frei. Und Zeit, einen Abschiedsbrief zu schreiben. Der nie zugestellt wurde.

Das Fallbeil steht nicht mehr. Nur die Abdrücke sind noch da. Und mir wird bewusst, dass ich auf dem Abfluss stehe.

Blutabluss.

Ich würde hier gern weg. Aber es sind viel zu viele Menschen in dem Raum.

Später wird erschossen. Genickschuss. Der Vollstrecker stand vermutlich hinter einer Tür. Hier war eine Holzwand mit Tür. Und während der Verurteilte diese Tür öffnete, trat der Henker hinter der anderen vor und tötete durch Genickschuss.

Die Leichen wurden auf dem Südfriedhof anonym verbrannt und begraben. Sterbeurkunden gefälscht.

Ich trete hinaus in die Sonne. Nach alte Kinos besichtigen ist mir grad nicht. Ich fahre lieber nach Hause.

Ich brauche eine Pause.

Abends dann Gewandhaus.

Saisoneröffnung.

Vier sinfonische Zwischenspiele aus „Intermezzo“ von Johann Strauß.

Stefano Bellani, einPianist aus Südamerika, stellt sein erstes Klavierkonzert vor (und gibt zig Zugaben) und nach der Pause Schwanensee op.20 von Peter Tschaikowski.

Unsere Gesellschaft wird sich verändern, hieß es letztes Jahr, als sich Flüchtenden für kurze Zeit die Tür öffnete. Ich muss daran denken und grinse. Zum Beispiel nämlich hier. In Konzertsälen, wo eifrig zwischen den Stücken geklatscht wird und verwirrte Deutsche entweder mitmachen oder sich still entrüsten. Kristjan Järvi, der Dirigent, trägts mit Humor, zeigt dem Publikum, wie viel Stücke noch kommen, eh geklatscht werden darf und bis zu Tschaikowski haben alle gelernt. Dann gibt es langen Beifall, eine Zugabe und ehrlich, ich finde das mit der Begeisterung zwischen drin eher Klasse.

Veröffentlicht unter Leipzig, Im Osten nichts Neues, Erinnerung, Kulturbetrieb | Verschlagwortet mit , , , , , | 9 Kommentare

Trödel, Tanzen, Feste feiern

Es ist wie immer in dieser Stadt. Wochenlang passiert nix und dann gleich alles am selben Tag oder Wochenende.

Oder liegt es an mir? Wenn ich mir nichts vornehme, nehme ich auch nichts wahr, doch sobald ich nur einen Termin habe, fallen mir noch andere Gelegenheiten auf?

Das ist ja wie mit dem Urlaub. Man entscheidet sich, zum Beispiel, nach Rumänien zu fahren. Und plötzlich übertrifft sich das Fernsehen mit Dokus über das Land. Oder wissen Sie noch? Früher, als Sie oder Ihre Frau schwanger war? Plötzlich waren alle schwanger.

Na wie dem auch sei, es ist Wochenende und ich habe einige Termine zu koordinieren.

Ich! Die ich privat eher zum Chaos neige.

Ich stehe also am Samstag recht zeitig auf. Und komme doch als letzte. Das Große Kind, die Prinzessin und der Kleine König sind schon da.

Feinkostgelände.

Flohmarkt.

Flohmarkt außer der Reihe, weil heute auch Karlibeben ist, das Straßenfest auf der Karli. Die Bauarbeiten sind zwar im Großen und Ganzen abgeschlossen, aber das Beben kann ja bleiben. Und außerdem, man weiß ja nie, vielleicht wird bald wieder gebaut. Weil jemand ein Kabel vergessen hat oder sich in Deutschland verschiedene Bauträger grundsätzlich nicht einigen können.

So jedenfalls wars in der Straße der Kleinfamilie, die auch so eine Lebensader eines anderen Viertels ist. Erst wurde alles aufgerissen und gebaut. Ich glaube, die Gleise. Oder waren es doch erst die Parkbuchten? Dann wurde alles fein ordentlich gemacht. Jetzt ist wieder Baustelle. Ich glaube, die bauen dasselbe noch mal. Kann aber sein, dass mir das nur so vorkommt.

Wir schlendern übers Feinkostgelände, erstehen einige Dinge und halten uns dann noch sehr, sehr sehr lange im Patiperro auf. Eine Hose für die Oma, ein Rock fürs Große Kind, ein Kleid für die Prinzessin, ein Hemd für den Kleinen König.

Ein spätes Frühstück, während sich das Feinkostgelände nun füllt, auf der anderen Straßenseite und schon geht es, nach kurzem Kamerawechsel zu Hause, auf zum nächsten Termin.

Sommerfest der DHFK. Und die Prinzessin tanzt. Dieser Termin ist Pflicht. Ganz klar.

Dann wieder Kamerawechsel zu Hause und zurück auf die Karli.

Löffelfamilie.

Weil sich der Beginn verzögert, verpasse ich nichts von Torpedo Dnjeprpetrowsk, der Band, wegen der ich mich genau hier mit dem letzten Mitbewohner verabredet habe. Aber der, so stellt sich später raus, versteht etwas falsch und kommt nicht. Ich bin ein bisschen frustriert, J. und S. sind auch nicht da, und so starte ich allein zu einem kleinen Rundgang übers Beben. Nach 50 m höre ich schon meinen Namen. So ein Wohngebiet ist schon toll. Letztens in Geithain im kleinen Zoo saß nachmittags ein einsamer alter Herr auf der Bank links von uns. Rechts zwei ältere Damen. Sie kannten sich ganz offensichtlich nicht. So ist das eben, wenn wir unsere Eltern und Großeltern in Altersheime stecken. Dann landen sie irgendwo, wo sie niemanden kennen und sterben einsam, während wir uns einreden, dass sie es da, unter Gleichaltrigen viel besser hätten als an ihrem Wohnort oder gar, Gott behüte, bei uns.

5 Minuten später trabt der letzte Mitbewohner vorbei, mit einem Kumpel aus dem Theater im Schlepptau. Das mit der Löffelfamilie… er dachte, ich bin bei Familie Löffel. Privat. In einer Wohnung.

Wir schlendern gemeinsam. Aber der Theaterkumpel ist nicht in Stimmung. Innerhalb des nächsten Monats muss er zurück, nach Hause, wohin er nicht kann, weil ihm da Gefahr droht. Wir sind alle etwas fassungslos. Ich glaube, Anträge werden heutzutage nach Ländern entschieden.

Pakistan? Nach Hause.

Tunesien? Ab damit.

Libanon? Sie haben vier Wochen, das Land zu verlassen.

Folter? Haft? Das scheint mir nicht schlüssig. Wieso sind sie noch mal in ihre Wohnung zurück, als sie entlassen wurden, statt sofort zu fliehen? Nein, nein, so schlimme kann es nicht gewesen sein. (Der Entscheider)

Fußball ist heute übrigens auch. Die Brausemannschaft gegen Dortmund. Es gibt sogar einen Freisitz, der überträgt. Wir setzen uns auf eine Wiese, wo wir der Musik der Straße lauschen, den Jongleuren zusehen und die Reaktion der Fußballfans sehen können. Fotos davon habe ich keine gemacht. Irgendwann ist auch mal gut.

Für die, die ich Ihnen zeige, gilt wie immer: Wer ganz und groß gucken will: drauf klicken.

Veröffentlicht unter Im Osten nichts Neues, KinderKinder, Kulturbetrieb, Leipzig | Verschlagwortet mit , , , , , | 4 Kommentare

Boofenbilchterror*

*Für alle, die neu sind, keine Angst, ich erkläre noch, was Boofe und Bilch sind.

Erstes Septemberwochenende, Zeit mit den Mädels boofen zu fahren.

Da ich irgendwie noch nicht einmal klettern war in diesem Jahr, ist mir einiges entgangen. Zum Beispiel, dass unsere Lieblingsboofe geschleift, das heißt, Feuerstelle und Sitzbäume entfernt wurden. Und offensichtlich schreitet das Deutsche Recht voran. War schon gut 10 Jahre nach der Wiedervereinigung das Feuer machen in Boofen verboten, ist jetzt offensichtlich auch das Boofen überhaupt verboten.

Außer in, ja, wie soll ich es nennen, offiziellen Boofen? Und die heißen dann ganz beamtendeutsch:

dscn4864

Freiübernachtungsstelle.

Wer lässt sich so was einfallen? Aber wenigstens, neuen Lesern dürfte nun klar sein, was eine Boofe ist. Eine Freiübernachtungsstelle nämlich. Vorzugsweise in der Sächsischen Schweiz. Vorzugsweise unter einem Felsvorsprung. Vorzugsweise mit Feuer… Aber gut, lassen wir das.

Weil diverse Mitfahrerinnen am Freitag nach Geburtstage feiern und Schulfeste, starten wir erst am Samstag Morgen.

7:30 Uhr!

Ich kann Ihnen sagen.

9:02 Uhr fahren wir auf dem Parkplatz an der Neumannmühle vor. Einen so leeren Parkplatz habe ich da noch nie gesehen. Ehrlich.

Bianca stößt zu uns und los geht’s. Hinteres Raubschloss. Michi kennt den Weg zur Boofe.

Die bietet vielleicht 10 Leuten Platz. Wir sind fünf und teilen sofort in Schlafgemach und Speiseraum auf. Legen Boofmatte und Dinge, deren Verlust zu verschmerzen wäre (leider kommt es nun schon seit 20 Jahren immer wieder zu Diebstählen) und machen uns mit leichtem Gepäck auf und hinauf zum hinteren Raubschloss.

Meine Herren. Samstag bei schönstem Wetter. Auf den schmalen Stiegen staut es sich nach oben.

Wir genießen die Aussicht, stauen uns wieder runter, rüber zur Wartburg, wo eigentlich eine lange Lesepause geplant ist, die aber mit Schwatzen vertan wird.

Dann geht’s zur Neumannmühle. Wenn wir nicht kochen dürfen, müssen wir essen gehen. Wahrscheinlich bilden Naturschutz und Gastronomie eine fiese Mafia, die Boofer zwingt, Geld für leckere Menüs auszugeben. Aber immerhin, es macht auch die Rucksäcke leichter.

Zurück zur Boofe, dort erwartet uns eine Überraschung. Zehn weitere Gäste, die sich dreist in unseren Essensraum gelegt haben. Zum Glück soll es nicht regnen, denn nicht alle passen unters Felsdach und weiter vorn liegen auch welche auf einem ganz unüberdachten Platz und oben auf dem Gipfel schlafen auch welche. Ich frag mich, wo die da oben kacken gehen. Wo die es hier tun, ist nicht zu übersehen. Ich weiß nicht, ob sich die Nationalparkwächter einen Gefallen tun, wenn sie ALLE in die paar genehmigten Boofen zwingen. Der Verdauungsmüll häuft sich doch, im wahrsten Wortsinn, bei sicher 30 Leuten allein in dieser einen Nacht. Da wird sogar gekackt, wo gar keine Kackstelle ist. Das ist irgendwie eklig.

Aber ehrlich, ich denke, genau das wird der Grund sein, weswegen man in 10 Jahren das Boofen ganz verbietet. Naturschutz und Kletterer, das war schon immer eine schwierige Ehe. Nur diesmal werden die anderen gewinnen.

Wir schwingen uns nun ganz staufrei hoch auf den Gipfel. Sonnenuntergang genießen. Für Abendgold kommen wir zu spät. Schön ist es trotzdem.

Und dann die Nacht.

Nach Vernichtung aller alkoholischen Getränke trollen wir uns in die Schlafsäcke, da ruft Salli: EIN VIEH!

Alle Lichtschwerter richten sich auf angezeigte Stelle, da läuft er, der gemeine Boofenbilch.

Ist der süß, rufen vier, während Salli zetert und von schlimmen Mäuseerlebnissen erzählt.

Der Bilch ist weg und jetzt wird geschlafen.

Da schreit Salli.

Was!

Wer?

Wo?

Der Bilch hat ihr einen Stein auf den Kopf gerollt.

KINDER.FAUST.GROSS!

Wir leuchten und gucken, und siehe da, da ist noch ein zweiter. Ein kleiner. So süß.

Das wird mir aber nun doch zu bunt und wir drehen die Schlafsäcke um 180°.

Ruhe kehrt trotzdem nicht ein.

Zur Erklärung: Um den Bilch am Klauen des Essens zu hindern, hängt man selbiges an einen Stock, den man wiederum in einen Felsspalt unterm Dach steckt. Das ist nur einen Meter weg von Sallis Schlafplatz. Die Bilche mehren und machen, da ist nicht an Schlaf zu denken.

Und ich soll die fotografieren.

Im Dunkeln!

Ich bin nachtblind.

Das sieht dann so aus.

dscn4849

Wie sie sehen: Kein Bilch.

Die Kamera ist eh verwirrt und denkt: Ok, wenn sie Felsen fotografieren will…

Aber hier habe ich einen.

dscn4852

Sie sehen ihn nicht?

Hier

dscn4852-bilch

Und jetzt dürfen Sie noch ein bisschen selber suchen.

Wir hängen das Essen weit weg in einen Baum. Nicht um es zu retten, sondern um die Bilche wegzulocken.

Weg von uns.

Bilche sind Siebenschläfer (Im verlinkten Artikel gibt es auch gelungene Fotos). Und sie gehören zur Boofe dazu wie eigentlich das Feuer.

Dass die aber so einen Rabbatz machen können.

Denn nun springen sie wie Äffchen durch die Bäume, rufen sich, es ist irre.

An Schlaf ist nicht zu denken. Salli notiert mal paar Gedanken der Nacht.

whatsapp-image-2016-09-006

Gegen drei übermannt er uns doch. Der Schlaf.

Nein also. Irgendwo ist noch meine alte Blechbüchse. Die kommt ab nächstes Jahr wieder als Essensbüchse mit in die Boofe.

Wir frühstücken ausgiebig. Ist ja keine Sportkletterfahrt. Steigen hinunter und laufen zum Zeughaus.

Pünktlich als es regnet, sitzen wir im Auto. Und stauen uns zurück nach Leipzig. Nur diesmal nicht auf Stiegen.

Und jetzt noch ein paar Fotos. Wie immer gilt: Drauf klicken, gucken

Veröffentlicht unter Wanderlust | Verschlagwortet mit , , , , , | 8 Kommentare

Statt Badewannen

Badewannenrennen (oder besser noch hier) gibt es nicht mehr. Wohl aber das Wasserfest. Sie wissen schon, Gummientenrennen.

Nur, der Garten ist 10 km vom Park hinterm Haus entfernt. Der See dagegen ist hinterm Garten. Und dort, im Kanupark, findet immer zum Wasserfest das Pappbootrennen statt. Das wäre ja mal die Gelegenheit.

10:00 Uhr soll es losgehen, ich komme nicht so recht aus den Pötten und bin erst gegen Halb Zwei da.

Genau richtig.

Denn von 10-13:00 Uhr müssen die Teams erst mal ihre Boote bauen. Pappe und Tesaband bekommen sie gestellt. Das ist sicher spannend – für die Teams.

Ich komme genau richtig zur Parade der Bauwerke. Sehr gutes Timing, finde ich. Schließlich sind bestimmt 30°C im Schatten. Nur, hier ist kein Schatten.

Dann mache ich einen Anfängerfehler. Ich stehe kurz vorm Ziel. Mit noch ein paar Anfängern. Es schaffen nämlich nur drei Boote, DREI, die gesamte Strecke.

Alle anderen kentern schon am Anfang, ich glaube an Tor 1. Oder gar bevor es losgeht. Vierter wird die Crew, die es zu Tor 16 schafft. Immerhin. Gesehen habe ich es nicht. Nicht mal alle gekenterten Boot, herrenlosen Paddel oder bootlosen Paddler.

Der Kanupark Markkleeberg ist eine künstliche Wildwasseranlage, weltcuptuaglich, ich war da schon mal. Ist ein Produkt der Leipziger Olympiabewerbung. Die Olympischen Spiele fanden zum Glück in London statt, aber allein eine Bewerbung spült offensichtlich genug Geld ins Land, die Wildwasserbahn wurde 2007 eröffnet.

Markkleeberg heißt das Ding wohl, weil es am Südostzipfel der Markkleeberger Sees liegt. Denn die Stadt selber, die das Teil auch betreibt, ist etwas weiter weg. Wenn Sie mal hinfahren sollten oder wollten, suchen Sie lieber nach Auenhain.

Aber gut. 2007 fand auch das erste Pappbootrennen statt.

Und ich stehe, wie gesagt, irgendwie – falsch.

Nachdem nur eins von zehn Booten an mir vorbei geschippert ist, renne ich mal auf die andere Seite. Aber da sind viel zu viele Leute. Zwar kann ich die Ente sehen, aber nur so ein bisschen.

Es scheint, als seien breite Boote im Vorteil. Auch wenn die völlig schwimmuntauglich aussehen – sie kentern nicht! Ein etwas schmaleres Teil schafft es dann doch, aber der ist irgendwie Profi und gewinnt natürlich. Kinderwagen und Ente belegen die Podestplätze.

Jetzt überlege ich, ob ich nächstes Jahr, mit Schirm und viel Wasser UND Stuhl schon 10:00 Uhr hinfahre, mich am Start postiere und vier Stunden warte. Aber ich werde wohl wieder nicht aus den Pötten kommen.

Ein paar Fotos. Und weil ich pünktlich zur Parade kam, kann ich sogar mehr als drei Boote präsentieren. Nur eben ohne Wasser. Wie gehabt, drauf klicken.

Veröffentlicht unter Im Osten nichts Neues, Kulturbetrieb, Leipzig, zugeguckt | Verschlagwortet mit , , , , , , | 3 Kommentare

Oma, mit Dir ist Urlaub immer lustig

So, also so richtig weggefahren bin ich nicht. Aber den Urlaub mit der Prinzessin, im Garten, den habe ich natürlich gemacht. Milli, der Mäusejäger, war auch dabei.

Und wer nun glaubt, Urlaub im Garten, wie öde, dem widerspreche ich ganz vehement. Siehe Titel dieses Blogs.

Hm.

Und am ersten Tag, als noch schönes Wetter war, am Strand, gleich hinterm Garten, am See, da meinte die Prinzessin gar:

Oma, hier ist es wie an der Ostsee !

Nämlich.

Leider wurde das Wetter dann zunehmend schlechter. So konnte ich mein Versprechen, zu zelten, nicht einhalten. Die anderen 19 Gartenpächter zogen es nämlich vor, die Lauben zu räumen. Und so ganz allein, ohne anwesenden Nachbarn, im Nirgendwo zwischen Pleiße und See, da traute ich mich nicht. Zu zelten, meine ich. Die Laube ist ja eine Festung. Da fürchte ich nix und niemanden.

Wenn sie schön verschlossen ist.

Immerhin, am zweiten Tag wars zwar nicht mehr ganz so warm, aber noch trocken genug, Schiff zu fahren. Die große Runde. Von einem See zum anderen und wieder zurück.

Der Kartenverkäufer wollte mir das ausreden, meinte, das sei zu langweilig für die Prinzessin. Die Begrüßung an Bord war schnippig, der Service eher unterirdisch. Kam mir bekannt vor.

Ich würde mir gern wünschen, dass noch mehr Schiffe schippern würden; ein bisschen Konkurrenz könnte vielleicht den Ton ändern. Allerdings, als wir später, als nach dem Urlaub das Wetter wieder besser wurde, am Strand lagen und so ein Schiff vorbei schipperte…, nein, zwei reichen.

Und überhaupt. Es müsste ja extra eins gebaut werden. Eins, dass durch die Schleuse passt. Ich dachte ja, ich fall vom Boot, als der Erklärbär auf der Kommandobrücke also erklärte, wie lang und breit die Schleuse ist und dass da kein Schiff von der Stange durch passt und dieses, mit dem wir grad in der Schleuse hocken, also eine Extra-Anfertigung ist.

Erinnert mich ganz furchtbar an die Uni Leipzig. Dort wurde ja ein Institut neu und teuer umgebaut und eingerichtet. Im Servicebereich gabs auch eine Schleuse. Nur nicht für Schiffe, sondern für so Material. Einen Tag, nachdem ich den obersten Oberen den zukünftigen Personalbedarf präsentiert und erläutert hatte, erfuhr ich durch einen dummen Zufall, dass der Bauträger sich für die billigste Variante entschieden hatte. Diese Schleuse nun war so klein, dass die 16 Stunden in Betrieb sein musste, um den täglichen Durchlauf zu garantieren.

Kann man das glauben?

Ich rannte den Oberesten der Oberen also die Bude ein, kam mir unheimlich dämlich vor, und präsentierte einen neuen, doppelten Personalbedarf. Und Schichtbetrieb im Servicebereich.

Zusätzlich ließen wir spezielle Regale anfertigen, weil die handelsüblichen… nicht passten.

Im Schiff sitzend fragte ich mich nun: Selber Bauträger? Ein sächsisches Problem (von wegen Schildau)? Oder wird im ganzen Land so verfahren. Jedenfalls wenn mit öffentlichen Geldern gebaut wird.

Die Prinzessin interessiert das alles nicht. Sie guckt, wie sich die Tore schließen und das Schiff nach oben steigt.

Und dann geht’s vorbei an noch mehr Inseln, auch künstlichen und es ist überhaupt nicht langweilig.

Nur die Rückfahrt. Da halten Ihre Hoheit ein Nickerchen.

Dann wurde es etwas kühl. Und regnete hie und da auch mal.

Trotzdem, Fahrrad fahren und Marschmellows grillen, Apfelmus und Brombeermarmelade (mit Lavendel!) kochen, Eis essen und Pizza UND Rasen mähen. Jawoll.

Und dann war da ja noch Milli the cat.

Der entdeckte plötzlich, dass man Mäuse fangen kann und legte uns jeden Tag seine Beute unter den Apfelbaum. Die erste Maus hatte er ja noch in die Laube geschleppt, das musste ich ihm abgewöhnen. Hat er mir aber nicht übel genommen. Milli the cat heißt nur Milli der Mäusejäger. Klingt irgendwie ritterlicher, finden Sie nicht?

Ein paar Fotos. Drauf klicken, Sie wissen schon

 

Veröffentlicht unter Gartenkram, Im Osten nichts Neues, KinderKinder, Viechereien | Verschlagwortet mit , , , , , | Kommentar hinterlassen

Oma! Dann war ich ganz allein!

So, der Urlaub mit der Prinzessin ist vorbei, aber bevor ich Ihnen davon berichte, mache ich mich wieder aus dem Staub.

Vor dem königlichen Urlaub gabs nämlich noch ein Ereignis. Und von dem gilt es zuerst zu erzählen.

Kindernachtrennen auf der Radrennbahn Leipzig. Das 13. schon, für die Prinzessin war es das zweite und das letzte auf dem Laufrad.

Denn im nächsten Jahr wird sie zu alt sein, in diesem durfte sie noch entscheiden, ob Lauf- oder Fahrrad.

Ich kann Ihnen sagen.

Ich war ja schon oft auf der über 70 Jahre alten Bahn, die ich noch als Alfred-Rosch-Kampfbahn kennengelernt habe.

Jens Fiedler habe ich da noch sprinten sehen.

Sprints finden da heut nicht mehr statt. Die Betonbahn ist stark sanierungsbedürftig, Risse in der 400 Meter langen Bahn werden für die schnellsten der Schnellen zum unkalkulierbaren Risiko. Vielleicht ist sie auch zu lang. Zu unmodern. Nicht ganz überdacht ist sie auch.

Aber, das älteste noch gefahrene Steherrennen der Welt, der Preis der Stadt Leipzig, findet da noch statt. Und Nachwuchsrennen. Ich meine jetzt echte Nachwuchsrennen, so auf Rennrad und nicht auf Lauf- oder Kinderfahrrad.

Trotzdem, ich finde, als längste ihrer Art in Deutschland hätte sie ein bisschen mehr Beachtung verdient. Und Geld zur Sanierung.

Aber wer weiß, vielleicht wären dann die Art Zwergenrennen nicht möglich? Auf einer teuer sanierten Bahn?

400 m. VIERHUNDERT METER!

Wissen Sie, wie lang das für 3-jährige ist? So ganz allein? Ohne Eltern?

Die rannten zwar im Innenraum mit, aber so auf Rasen, mit Hüpfburgen und Entenangelteichen und Fressbuden als Hindernissen hatten die keine Chance. Und dann all die fremden Menschen, die da im Weg standen. Die Zwerge gaben sich alle Mühe, ihre Mamas und Papas und Omas und Opas zu entdecken, bekamen aber nur fremde Tanten und Onkels zu Gesicht, die so Dinge riefen wie: „Prima“ und „Toll machst Du das“.

Ich schreibe von den Jüngsten, weil als die Prinzessin startete, war ich zu aufgeregt, auf die anderen zu achten. Außerdem ist es doch sehr schwierig, die Prinzessin in einem Pulk von 30 Laufradrennern zu entdecken, vor allem, wenn da noch ein Kind als Schmetterling geschminkt ist.

Und dann hören wir den Stadionsprecher: Die Prinzessin ist vor der 29.

!!???!!

Oma! Dann war ich ganz allein!

Ja, Prinzessin, das war, als Du den anderen davon gefahren bist.

Zweite! Wow!

Das sind die guten Gene der Mutter, strahlt der Uropa stolz.

Und dann gibt’s richtig eine Siegerehrung mit Medaillen und vielen Preisen.

Trotzdem, wie schon vor zwei Jahren beim Kinderrennen am Stadion, ich bleibe dabei: Jedes teilnehmende Kind sollte eine Medaille kriegen. Schließlich ist es den Knirpsen noch völlig Wurscht, ob sie nun Erste oder letzter werden. Aber so eine Medaille, das ist schon cool.

Wer die Fotos ganz und groß sehen will, klickt drauf. Und unter den Fotos gibts noch das offizielle Video.

Das offizielle Video

Veröffentlicht unter Im Osten nichts Neues, KinderKinder, Leipzig | Verschlagwortet mit , , , , , | 5 Kommentare