Zwei Fliegen mit einer Klappe

Der Freitag beginnt schlecht.

Erstens ist von der angekündigten Sonne nichts zu sehen.

Zweitens hat jemand mein Essen aus der Gemeinschaftsküche geklaut. Obwohl ich alles ordnungsgemäß beschriftet habe.

Was die Sonne angeht, so hoffe ich mal, dass die mittags oder so rauskommt (hat ja gestern auch geklappt) und stapfe mißmutig (wegen des Diebes) zur Fähre.

Der Bus zur Mole fährt nur im Sommer, also muss ich hinlaufen, und weil mir so ein Containerhafen den Weg versperrt, muss ich, müssen alle, einen ziemlichen Umweg laufen.

Und der ist alles andere als schön. Ich stapfe um ein Dreck schleuderndes etwas herum. Ein etwas sehr großes. Gehört möglicherweise zum Hafen. Ich frage mich allerdings, ob vielleicht die Sonne mehr Chancen hätte ohne dieses Dreck schleudernde Ding. Die Straße wird auch gebaut und ich muss recht oft in Pampe ausweichen.

Dann bin ich am Leuchtturm. Das ist der höchste an der Ostsee. Und von der Aussichtsplattform soll man einen schönen Blick haben.

Nur leider. Der Leuchtturm steht auf dem Betriebsgelände.

Dabei scheint jetzt die Sonne und ich würde wirklich gern den Blick genießen.

Das Fort Gerhard lasse ich rechts liegen. Ich will ja eigentlich zur Mole.

Aber hier geht’s nicht weiter.

Mist.

Zurück.

Um das Fort herum.

Ich ignoriere ein Verbotsschild und schwindle mich am Strand lang. Ich sehe die Mole. Ich sehe Menschen darauf. Ich will dahin.

Jemand hat dankenswerterweise ein paar Steine so gestapelt, dass ich rauf klettern kann.

Geschafft.

Was ist denn das? Auf der anderen Seite der Swine sind ja auch Leute an der Mühlenbake. Als ich dort war, war da Wasser. War ja auch Wind. Heute ist die Ostsee wie eine Badewanne. Deshalb wahrscheinlich. Mache ich mir später Gedanken drüber. Jetzt laufe ich erstmal die 1400 m auf der Mole lang zu diesem Leuchtturm. Oder was das ist. Das ist die längste Steinmole Europas. Und als ich an ihrer Spitze stehe, könnte ich nur noch mit dem Schiff weiter raus.

Apropos Schiffe. Die fahren hier ständig raus und rein. In und aus der Swine, meine ich. Fischkutter, Containerschiffe, Kreuzfahrer. Nur zu diesem riesigen Ding, um das ich laufen musste, und das einen Arm noch weiter ins Meer hinaus streckt, da fährt nix. Wer weiß.

Die Sonne scheint, ich picknicke und wenn es nicht so stinken würde, wäre die Welt in Ordnung. Es stinkt so nach Öl, Benzin, Raffinerie.

Ich laufe zurück, wieder um das Dreck schleudernde Ding herum und als ich die richtige Straße, also eine in bewohntem Gebiet, erreiche, setze ich mich erwartungsvoll an eine Bushaltestelle.

Klappt. Und wie zu erwarten war, fährt der Bus zum Fährhafen. Weil ich auf dieser Seite nichts entdecken konnte, was sehenswert wäre, außer natürlich die Mole, beschließe ich, jetzt gleich noch zur Mühlenbake zu laufen. Da hätte ich sozusagen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Also ab in die Fähre und am Ufer lang zur Ostsee.

Es ist ganz fantastisches Wetter. Und es sind sehr viele Menschen da. Aber wahrscheinlich ist es am Freitag noch besser als am Samstag. Beide Molen wurden übrigens Anfang des 19. Jahrhunderts gebaut und dienen, Sie ahnen es, als Wellenbrecher dem Schutz der Hafeneinfahrt und der Schiffe.

Gegessen habe ich natürlich auch noch. Ich bin ja hier ständig hin und her gerissen zwischen Fisch und polnischer Küche. Am Freitag gabs polnisch. Bigos! Ich könnte allein des Essens wegen hier öfter herfahren.

Samstag dann strahlend blauer Himmel. Ich schlendere durch die Stadt. Ich schlendere über den sogenannten „Polenmarkt“. Ich kaufe sogar was… zu essen.

In einem zum Café umgebauten alten evangelischen Kirchturm stelle ich fest, dass hier auch die Kuchenstücke viel zu groß sind. Da brauche ich kein Abendbrot mehr. Die Promenade ist rappelvoll und der Strand irgendwie auch. Es ist so warm und sonnig, dass viele im Sand sitzen. Kinder buddeln und die Bänke sind alle besetzt.

Es folgen, zum Abschluss, noch ein paar Bilder von Swinoujscie.

Morgen geht’s nach Hause. Und die Rückfahrt dauert sogar noch länger als die Herfahrt. Dafür fahre ich am Tag durch all die Orte, in denen ich zuletzt war, als ich höchstens 13 war, eher 12.

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14 qkm können doch recht unübersichtlich sein

Ein Blick aus dem Fenster zeigt, den von der Wetter App angekündigten Sonnenschein gibt es heute nicht. Es ist trüb und regnet sogar leicht.

Bei trübem Wetter will ich nicht nach Wolin. Die längste Steinmole Europas bei Niesel? Kommt nicht in Frage.

Fahre ich eben nach Karsibor. Da wäre zwar schönes Wetter auch nicht schlecht, gilt die Insel doch als Eldorado für Fotografen, aber das gilt sicher eher im Frühling und Sommer. Und Herbst.

Die Fähre braucht genau 5 Minuten von Usedom nach Wolin, und da steht der Bus und bringt mich auf die andere Insel. Die kleinste der bewohnten.

Ich lass mich bis zur Endhaltestelle bringen und marschiere los. Ich habe einen genauen Plan im Kopf. 14 qkm, pah. Da kann ich die Insel ja fast einmal umrunden.

Das Wetter ist leider wirklich mies. Zwar regnet es nicht mehr, aber so richtig Spaß macht fotografieren auch nicht.

Und dann verpasse ich gleich nach der Kirche den Abzweig und laufe eine endlos erscheinende Straße lang, die auf meiner Karte gar nicht drauf ist. Ist ja komisch. Die müsste eigentlich auf der anderen Seite sein.

Ich schalte mal GPS ein.

Ich bin auf der richtigen Seite.

Aber die Straße ist neu und die Häuser links und rechts auch so ziemlich.

Trotzdem bin ich falsch.

Ich will doch Richtung Vogelschutzgebiet. Aber ich laufe irgendwie Richtung ziemlich viel Wasser.

Die Insel ist umgeben von der alten Swine im Norden, dem Stettiner Haff im Süden, und dem Rückseiten- Delta der Swine im Osten. Fehlt noch der Piastowski- Kanal, der früher Kaiserfahrt hieß, und durch dessen Bau Karsibor von Usedom getrennt und so erst zur Insel wurde. (Auf Google Maps ist der nicht eingezeichnet, falls Sie gucken wollen. Da heißt der einfach Swine. Ist aber doch ganz gut als solche zu erkennen, weil schnurgerade) Zu erreichen ist sie seit mehr als 50 Jahren über eine Brücke von der Insel Wolin, und zu der kommt man wiederum mit der Fähre. Jedenfalls wenn man in Swinoujscie ist.

Jedenfalls ich will eigentlich Richtung Alter Swine, scheine aber Richtung Stettiner Haff zu laufen.

Also Umkehr.

Und da ist er ja, der kleine Abzweig.

Ich stapfe durchs Schilf, links und rechts Wasser und noch mehr Schilf, scheuche Gänse hoch und ärgere mich nun wirklich über das schlechte Licht.

Und ein bißchen gruselig ist es auch.

Nanu? Seit wann gruselt Inch sich denn, wenn sie irgendwo alleine durch die Pampa stapft? Dieses Gefühl stecken wir mal ganz schnell wieder weg. So etwas ist hinderlich.

Ich lande wieder im Dorf und vertraue erneut der Karte. Und wirklich, ich finde den ehemaligen evangelischen Friedhof im Wald. Auf dieser Seite der Insel ist nämlich Wald. Der Friedhof soll angeblich gut erhalten sein und gilt als eine der ältesten Nekropolen, ich habe jetzt vergessen, ob Pommerns oder Polens. Ist aber egal. Der Friedhof ist in einem jämmerlichen Zustand. Ich erspare Ihnen den Anblick sondern erfreue Sie nur mit einem Detail. Einem einigermaßen gut erhaltenem Detail. Es gibt viele solcher Zäune auf dem Friedhof, aber…

Muss man ja auch nicht pflegen, die letzten Angehörigen der hier Bestatteten sind wahrscheinlich auch längst am Ende ihres Lebens angekommen. Nur sollte man dann bitte nicht mit Worten wie „gut erhalten“ und „gepflegt“ werben.

Jetzt müsste es eigentlich auf dem Radweg rechts und dann links zum Fliegerdenkmal gehen.

Laut Karte.

Aber der Radweg geht nach links.

Ich folge ihm ein bißchen. Aber das kann nicht stimmen.

Also stapfe ich zurück, lande am Dorfrand, hier gibt’s einen Wegweiser zum Fliegerdenkaml ( aber keinen Radweg) und ich laufe tatsächlich los.

Doch dann ist die Luft raus. Wer weiß, wie weit das noch ist. Und wer weiß, wie der Zustand des Denkmals ist.

Ich meine, die Insel wird bewohnt von offensichtlich alteingesessenen Bauern und Fischern und ein paar zu Geld gekommenen Villenbauern. Jedenfalls den Häusern nach zu urteilen. Die haben mit Sicherheit anderes zu tun, als sich um ein Fliegerdenkmal zu kümmern. Und da, an der Hauptstraße, die 1. Mai heißt, da habe ich doch vom Bus aus eine Fischwirtschaft gesehen, die mit fangfrischem Getier wirbt.

Da will ich jetzt hin.

Es ist unglaublich. Obwohl besagte Wirtschaft gar nicht auf der Karte eingezeichnet ist, stehe ich mir nichts Dir nichts vor ihr.

Es gibt, was heute ins Netz ging.

Heute ging Zander ins Netz.

Und als ich rundum satt und zufrieden den Laden verlasse, da scheint die liebe Sonne. Das macht doch Hoffnung für morgen.

Ich aber lasse mich verleiten und beschließe den Bus Bus sein zu lassen und zu laufen. Schlappe 8,9 km, bei Sonne. Pah.

Ganz dumme Idee.

Und dann, als ich über die Brücke die eine Insel verlassen habe, kommt ganz, gaaaaanz ganz lange keine Bushaltestelle. Wozu auch? Links und rechts nur Schilf, Weiden, Wiesen und Wasser.

Als dann die erste Ortschaft kommt, bin ich sicher, keinen Schritt mehr zu laufen. Und sollte ich hier eine Stunde warten müssen. Muss aber nur 6 Minuten.

Morgen dann Wolin.

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Urlaub an der See

Das letzte Stück der Zugfahrt ( 6 Stunden, 3 Umstiege) hörte sich an wie eine Reise in meine Kindheit.

Wolgast, Zinnowitz, Ahlbeck, Heringsdorf. Jemand löste eine Fahrkarte nach Karlshagen und auf dem Streckenplan über der Waggontür fand ich Peenemünde.

Leider, oder zu Glück, war es schon dunkel, so dass nur die Namen Erinnerungen wach riefen. Aber bei Tageslicht hätte ich vermutlich das Gesehene mit dem Gehörten nicht in Verbindung bringen können. Ich war mit 13, eher mit 12 Jahren zum letzten Mal hier. Da interessierte ich mich nicht für Architektur. Nur der Bahnhof von Wolgast rief eine diffuse Erinnerung wach. Vermutlich weil wir da immer umstiegen und etwas Aufenthalt hatten. Nach einer Nachtfahrt mit dem Zug.

Heute ist man schneller am Ziel. Trotzdem, 6 Stunden dauert es immer noch.

Mein Ziel ist Swinoujscie. Eigentlich ist mein Ziel die Ostsee. Aber die Deutsche ist auch im Winter unerschwinglich und außerdem vermutlich immer noch zu voll. Auf der Polnischen Seite ist es sicher einsamer, ruhiger.

Ruhe suche ich. Deswegen Ostsee. Ich will lange Wanderungen am Strand machen und möglichst wenige Kontakt zu Menschen.

Ja,eigentlich nicht mein Ding. Aber im Moment, in den letzten Monaten, stresst mich die Arbeit doch sehr. Ich habe täglich mit Menschen zu tun. Und die sind, wie eine Kollegin es sagte, ein Querschnitt durch die Gesellschaft. Es sind intelligente, fokussierte, nette dabei. Und solche, die man privat meiden würde.

Am schlimmsten aber sind die Ämter. Nicht die Menschen, die dort arbeiten. Oder nur teilweise. Die Ämter als Ämter an sich. Mit ihren völlig unlogischen Vorgehensweisen. Und seit zwei drei Monaten nun auch noch Gerichte. Und Anwälte.

Wie dem auch sei, das Fass ist voll und bevor er überläuft also eine Woche Entspannung pur.

Ich bin nach Swinoujscie gereist, wie ich es am liebsten tue. Ohne große Vorbereitung. Ohne Reiseführer. Nur den dicken Wattemantel habe ich reparieren lassen. Damit ich nicht friere. Am Strand.

Ich weiß nicht, ob Swinoujscie früher, als es noch Swinemünde hieß, zu den Kaiserbädern gehörte. Fakt ist, dass der Kaiser hier gern und oft weilte. Fakt ist, dass die Stadt am Ende des 2. Weltkriegs sehr zerstört wurde. So wirkt die Stadt, wenn man vom Bahnhof kommt und Richtung Zentrum läuft, erstmal… hässlich. Neubauten aus den 1950ern bis 1970ern.

Und das, was an alten Häusern noch steht ist nicht mein Geschmack. Diese Bäderarchitektur hat mir noch nie gefallen.

Aber ich bin ja wegen der Ostsee hier.

Mein Hostel liegt günstig. Ich kann mich entscheiden, ob ich nach links oder rechts gehe. Ich komme immer zur Ostsee.

Am Dienstag mache ich einen Schlenker, lande genau zwischen links und rechts und laufe Richtung Swine. Es ist ein sonniger Tag, ordentlich viel Wind, und doch ein paar Menschen am Strand. Ich glaube, manche suchen Bernstein. Ich lasse mich auch ca 2 Minuten hinreißen. Aber ehrlich, ich würde Bernstein am Strand nicht mal erkennen, wenn ein Fähnchen dran steckte. Bernstein hat mich noch nie wirklich interessiert, weder in Roh- noch in geschliffener Form. Hühnergötter schon eher. Als ich Kind war und die Sommer zur Hälfte auf Usedom, zur anderen Hälfte auf dem Darß verbrachte.

Da wo die Swine in die Ostsee fließt, geht es freilich nicht weiter. Ich laufe also am Fluss lang, wundere mich kurz über Skulpturen, die eigentlich zu den Osterinseln gehören, besichtige zwei Festungen und noch etwas, was auch was mit Krieg zu tun hat, schaue mir genau an, wo die Schiffe zur Insel Wolin ablegen, lasse mich im Touristeninformationszentrum darüber aufklären, dass Swinoujscie auf Usedom UND Wolin liegt und Karsibor gehört auch dazu. Dass die Gegend Land der 44 Inseln heißt und dann wundere ich mich, als ich wieder stadteinwärts biege, dass ich gleich am Hostel bin. Irgendwie habe ich am Vormittag einen riesigen Haken geschlagen.

Zum Essen gehe ich in die andere Richtung, lande wohl am Touristenzentrum mit Boutiquen, Cafés und Restaurants, finde das empfohlene Fischrestaurant doch und esse ganz vorzüglich. Fisch natürlich.

Am Mittwoch, das steht fest, setze ich über nach Wolin.

Am Mittwoch ist das Wetter trübe.

Da will ich nicht nach Wolin.

Da laufe ich lieber am Strand lang mindestens bis Ahlbeck. Ich wechsle mal auf die Promenade, dann wieder an den Strand und komme so bis Heringsdorf- Neuhof.

Die Seebrücken sind hübsch, es gibt viel mehr Menschen hier und vielmehr Geschäfte. Am erstaunlichsten aber ist die sofort komplett andere Architektur. Hier scheint es nicht so viele Zerstörungen gegeben zu haben bzw. nach den 1990ern genug Geld,die alten Villen und Hotels zu restaurieren. Aber wie ich schon sagte, mir gefällt die Art Architektur nicht.

Ich muss mich korrigieren. Die große Stand-Promenade geht ja seit 2011 bis Swinoujscie und tatsächlich finden sich da schon recht viele Ressorts und Villen. Es wird auch fleißig gebaut. Auch im Naturschutzgebiet, das seinen Status bereits 2010 erhielt. Eigentlich darf man das freilich nicht betreten, aber wenn man da ein neues schickes Hotel hin bauen kann, kann man schon mal ein Auge zudrücken.

Die Sorgen gibt’s auf Deutscher Seite nicht. Da wurde offensichtlich schon vor 120 Jahren bis direkt hinter die Dünen gebaut. Da, wo auf Polnischer Seite das Naturschutzgebiet liegt.

Sehr merkwürdig erscheint mir Ahlbeck. Links der Promenade die pompösen Hotels und Villen. Rechts, zumindest auf einer Länge von vielleicht 200 m, die Holzhütten der Fischer, Trekker, Kähne, Fischkisten, Räucheröfen. Und natürlich, in etwas besserem Zustand, die Verkaufsbuden und Imbisse, wo es „garantiert“ frischen Fisch gibt.

Was ich nicht sehe, sind Wohnhäuser. Aber die gibt’s garantiert, weiter im Landesinneren.

In Heringsdorf stehen noch welche in Sichtweite der Promenade. Falls sie nicht gerade abgerissen werden. Hier gibt es auch noch ab und an Villen aus Holz. Die gefallen mir gleich besser. Natürlich ist alles saniert und hübsch. Und wie gesagt, viel zu viele Menschen.

Morgen soll das Wetter besser werden. Da fahre ich nach Wolin.

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Raten Sie doch mal…

… wo ich bin

 

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Die engsten Gassen von Athen

… die wir gesehen haben.

Steht man auf der Akropolis und schaut hinunter, fällt ganz nah ein Dächergewirr auf. Anafiotika. Da will ich hin.

Wir sind ja wieder mal ohne Reiseführer unterwegs. Lassen uns eher von Tipps und Ideen leiten. Für die Akropolis braucht frau das ja nicht, aber sonst so.

Natürlich haben wir ein oder zwei kostenlose Stadtpläne. Anafiotika ist da nicht drauf. Dabei liegt das Viertel wirklich ganz nah an der Akropolis, ist sozusagen an ihre Mauern gebaut.

So irren wir erst ein bisschen rum, landen in einer Straße, durch die immerhin Autos passen, mit vielen Läden links und rechts, Restaurants und noch mehr Touristen. Ich bin ein bisschen enttäuscht, denn das sieht hier nicht ganz so aus, wie ich es gelesen und erwartet habe. Vor allem sind die Häuser eher selten weiß.

Kommt, lasst uns mal da ein bisschen rauf gehen. Und – schwupps- finden wir uns in einem Gassengewirr wieder. Es geht treppauf, treppab, manchmal ist es sogar eben. Die Häuser sind weiß, die Treppen manchmal bunt. Es ist so eng, dass ich mich frage, wie die Leute die Möbel in die Häuser gekriegt haben oder kriegen. Aber die Häuser sind so klein, dass da eh nicht viel rein passt, wenn man berücksichtigt, dass da auch noch Menschen reinpassen müssen.

Die Menschen sind, soweit wir sie sehen, keine Ökoterroristen, Hippster und Walldorfschüler, sondern eher ganz normaler Durchschnitt. Und Gefüchtete. Ob letztere hier regulär wohnen oder in einer der Ruinen hausen, ist allerdings nicht ersichtlich. Denn das Viertel scheint nicht, wie ja schon die Einwohnerschaft andeutet, gentriefiziert. Es gibt Bewohntes und Verfallendes und Verfallenes. Direkt am Fuß der Akropolis. Und kaum Touristen. Keine Läden und keine Restaurants.

Die Geschichte des Viertels ist spannend und so wohl nur in Europa in Ländern wie Griechenland möglich. In Deutschland jedenfalls undenkbar.

Direkt an den Hügeln der Akropolis gelegen, galt die Lage zur Bebauung als unattraktiv. Außerdem wurden weite Teile Athens nicht bebaut, um spätere Ausgrabungen zu ermöglichen.

Handwerker von den Kykladen errichteten hier, nur 7 Jahre, nachdem das Gebiet zur geschützten archäologischen Stätte erklärt wurde, ihre kleinen weißen Häuschen. Natürlich ohne Baugenehmigung. Es heißt, das erste Haus wurde in nur einer Nacht gebaut. Es heißt auch, dass danach Häuser, die in nur einer Nacht gebaut wurden, stehen bleiben durften. Aber die Erbauer waren wohl eher arm, bauten sie doch in einer Zeit größter Wohnungsnot, der Baugrund  zu steil, als dass man hätte große Behausungen errichten können. Das war Ende des 19. Jahrhunderts.

Wurden die Häuser, ohne das je eine Baugenehmigung erteilt wurde, zunächst geduldet, besteht seit Mitte des letzten Jahrhunderts kein Rechtsanspruch auf Besitz und Wohnrecht mehr.

1970 wurden 75 der damals 84 Hausbesitzer aus archäologischen Belangen enteignet. Ob das jetzt bedeutet, dass 75 Häuser auch geräumt werden mussten, oder 9 Bewohner heute doch als Besitzer ihrer Häuser gelten, habe ich nicht ganz begriffen. Fakt ist, dass 27 Häuser tatsächlich abgerissen wurden und heute mehr als 9 Häuser bewohnt sein.

Die Wohndichte ist sehr hoch und soll hauptsächlich noch aus den Nachfahren der einstigen Hügelbesetzer sein. Die Bewohner pflegen ein eher dörfliches Leben, ganz Athen kämpft um den Erhalt des Viertels, das unter Denkmalschutz gestellt gehört. Das Fehlen von Läden und Restaurants hält Touristen angenehm fern und so bildet das Viertel, zwischen der Hauptattraktion der griechischen Hauptstadt und dem lauten, belebten Viertel Plaka eine Oase der Stille und Ruhe im Moloch Athen.

Genießen Sie einfach die ausgewählten Bilder. Und wenn Sie groß gucken wollen, Sie wissen ja: drauf klicken

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Tote Steine in Athen

Wir waren ja, wie schon erwähnt, eigentlich in Athen, um tote Steine und Anarchisten zu gucken.

Selbst, wenn man an ersterem kein Interesse hat, kommt man in einer Stadt wie der griechischen Hauptstadt nicht um selbige herum. Jedenfalls im Großraum Zentrum. Da erhascht man über Dächer oder durch Seitenstraßen immer wieder einen Blick auf die auf ihrem Hügel thronende Akropolis.

Wir wollten da erst Mittwoch oder so hin, wenn garantiert die wenigsten Touristen in der Stadt sind und so war es eher Zufall, dass wir am Sonntag Nachmittag schon im Olympieion bzw dem Tempel des Olympischen Zeus landeten.

Der gehört jetzt nicht zur Akropolis, ist aber von ihr aus zu sehen, liegt an einer ziemlich befahrenen Straße und naja, am Sonntag, wir standen zufällig vor dem Eingang und wollten nur nach diesem Kombiticket fragen, da war der Eintritt frei.

Na aber nichts wie rein.

Im Winter haben die zu bestaunenden toten Steine nur bis 17:00 Uhr geöffnet, da muss man flink sein, frau auch. Wir mussten diese bittere Lektion noch lernen.

Gleich neben dem Tempel des Zeus steht Hadrians Tor. Und zwar so dicht an der Straße, dass sich nun wirklich kein Zaun drum bauen lässt und deshalb frei und kostenlos zu besichtigen ist. An jedem Tag, nicht nur wenn man an einem Sonntag mal Glück hat.

Aber das Kleine Kind kam mit dem Studentenausweis sowieso überall kostenlos rein. So muss das auch sein. Ich hoffe, auch Schulkinder dürfen kostenlos die Kultur bestaunen. So wie in Russland. Und ich finde es um so bemerkenswerter, dass die Griechen trotz Knebel aus Deutschland bzw. EU diese Bildung -für -alle -Mentalität, jedenfalls was Museen und die eigene Geschichte betrifft, beibehalten haben. Deutschland kann sich da eine ganz fette Scheibe abschneiden. Aber wen interessiert in Deutschland schon Bildung für alle?

Wie dem auch sei. Das Große Kind und ich erstanden also ein Kombiticket. Gilt drei Tage und ist jetzt nicht so ganz billig. Was wir nicht wussten, ist, dass man da jeweils nur EINmal zu jeder Säule darf. Das ist blöd. Denn die Akropolis ist groß und wir nun keine Frühaufsteher. Ins Akropolismuseum darf man mit der Karte auch nicht, das kostet extra, außer fürs Kleine Kind. Und in der Ancient Agora waren wir erst gegen 15:00, am nächsten Tag, nicht ahnend, wie groß die ist und natürlich rannten ab 16:45 Uhr die Aufpasser mit den Trillerpfeifen rum und jagten alle vom Gelände. Dabei ist Einlass noch bis 16:45 Uhr. So gesehen, konnten wir noch froh sein, schon 15:00 Uhr dagewesen zu sein. So war ich nie in Hadrians Bibliothek, die guckte sich das Große Kind am nächsten Tag alleine an. Von der Ancient Agora sah ich nur die Hälfte, die Kinder die andere Hälfte. Das Große Kind allerdings wollte alles sehen und weil das Kleine Kind meinte, hat mein eine Säule gesehen, hat man alle gesehen, gab sie gern ihren Studentenausweis her und ging mit mir Anarchisten gucken, während das Große Kind sich wirklich jeden toten Stein ansah. In der Römischen Agora waren wir aber alle drei und ganz lange. Und das ist dann auch schon alles bedeutende, was es in Athen an toten Steinen zu sehen gibt.

Jetzt kommen ganz viele Bilder. Und wahrscheinlich haben Sie alles schon einmal gesehen. Wer trotzdem wissen will, wie ich die Dinge gesehen habe, klickt aufs Bild, dann wird’s groß.

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Die Katzen von Athen … und ein Hund

Unlängst flogen wir nach Athen. Das heißt, das Große Kind und ich flogen. Das Kleine fuhr lieber Bus. Wegen der Ökobilanz.

Die Prinzessin und der Kleine König blieben zu Hause, wohl versorgt von deren Vater.

Wir machten Mädchenurlaub. Sozusagen. Anfang November war das.

Wir wollten tote Steine und Anarchisten gucken.

Mit den vielen, wirklich sehr vielen Katzen hatten wir nicht gerechnet. Und ich nicht damit, wie ich in meiner Erziehung versagt habe. Also in meiner Erziehung der Kinder. Denn die durften NIE ein fremdes Tier anfassen, wenn nicht der Besitzer oder die Besitzerin in der Nähe. Also fast nie Katzen, weil die meistens recht unabhängig durch die Gegend strolchen.

In Athen fassten sowohl das Große als auch das Kleine Kind nahezu jede Katze an, der wir begegneten. Und derer gab es, wie gesagt, recht viele. Wir mussten sogar mancherorts eine Weile verbringen, damit sowohl das Große als auch das Kleine Kind die Katzen ausgiebig knuddeln konnten.

Tzz, was wir noch alles für tote Steine und Anarchisten hätten gucken können, hätten die Katzen uns nicht so aufgehalten. Also ich habe ja keine angefasst. Obwohl, zugegeben, die sahen alle recht gepflegt aus und gar nicht zerzaust, struppelig, krank oder gar verlaust. Trotzdem.

Den einen Hund haben wir alle nicht angefasst. Aber der war ja auch hinterm Zaun.

Aber schauen Sie am besten selbst. Und wer genau gucken will, klickt aufs Bild, dann wird es groß.

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Nur zur Info…

… falls Sie planen, nach Italien zu fahren, könnte ein Umweg über Mantua u.U. sinnvoll sein. Aber vielleicht sind diese Art Snacks ja überall im Stiefel üblich. Wir werden danach Ausschau und Sie auf dem Laufenden halten.

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Fake

Die Kinder haben noch nie soviel Kika am Stück gesehen wie gestern Abend. Aber für excessive Spiele war das Zimmer einfach zu klein. Nichts gegen das Zimmer. Für zwei Personen völlig ausreichend. Und nichts gegen das Hotel. Ohne mit der Wimper zu zucken ließen sie uns zu viert das Doppelbettzimmer. Und Frühstück für vier. Zum Preis für zwei.

Beim Frühstück dann der Anruf der Werkstatt und die leicht irritierte Frage des Mechanikers, was eigentlich nicht stimme mit dem Inchfamilienmobil.

Na es schaltet nicht. Liegt wohl an der Kupplung.

Das Auto funktioniert einwandfrei.

???

Könnten Sie eine Probefahrt machen?

Zwei Stunden später sitzen wir drin. Auf dem Weg nach Mantua. Es ist viel zu warm, wir trudeln mit 100 Sachen duch Österreich und 110 über den Brenner. Ich hasse die Strecke. Nicht wegen der 100 und 110 kmh, sondern wegen der Kurven und LKWs.

Nachdem die Kinder uns gestern nacheinander das Auto vollgekotzt haben, verschlafen sie heute die letztlich 8 Stunden, zugedröhnt mit Zaubersaft, der müde macht und aber auch das Innere des Mobils vor unangenehmen Nebenwirkungen schützt.

Zu Mantua nur soviel. Ich habe nie eine italienische Stadt mit soviel Radfahrern gesehen. Ehrlich. Keine Mopeds. FAHRRÄDER.

Und beim Abendessen auf der Piazza bin ich bei der Rechnung gewaltig über den Tisch gezogen worden. Aber das stört mich heute nicht.

Wir sind in Italien.

Urlaub!

Ich werde vermutlich berichten, wenn wir zurück sind.

In zwei Wochen. Falls ich die Hitze überlebe.

Und nicht sonst noch was passiert.

Sie hören von mir.

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Gestrandet

Eigentlich wollten wir nach Armenien. Aber auf Volksbegehren hatten wir keine Lust. Frau weiß ja nie, wie fas endet, wenn EU und USA erst mal Blut lecken und die Chance, den Russen einen Verbündeten zu entreißen.

Dann hatte ich ein Zimmer in Guca gebucht. Zum Balkan Brass Festival. Aber der Kumpel hat abgesagt. Und allein aufm Festival ist irgendwie falsch.

Ziemlich kurzfristig entschieden wir uns für Italien. Freunde besuchen in Piombino. Mit Zwischenstopps bei Rosenheim, in Mantua und Siena. Schließlich sind die Prinzessin und der Kleine König mit an Bord. Und das Große Kind. Der Schwiegersohn in spe und das Kleine Kind müssen jeweils für ihre Prüfungen büffeln.

Das Inchfamilienmobil war letzte Woche noch in der Werkstatt. Sollte also alles gut gehen.

Ging es auch. Bis auf einen Parkplatz bei Nürnberg. Da ging nichts mehr. Nichts, was die Gänge betraf. Ließ sich nicht mehr einlegen. Keiner nicht. Zum Glück genau an der Ausfahrt des Parkplatzes. Zurückschieben hat uns eine Frau geholfen. Der Mann, den ich heranzuwinken suchte, drehte sich einfach weg.

Auf den Abschleppdienst haben wir eine Stunde gewartet. 10 min Abschleppen kostet schlappe 350€. Nun steht das Mobil in einer Werkstatt und wartet, dass diese morgen 7:30 Uhr öffnet. Und wir liegen im Hotel. Und warten morgen auf die Info der Reparateure.

Die Reisekasse droht bedrohlich zu schrumpfen.

Ich halte sie aufdem laufenden

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